seit Schuljahresbeginn 1939/40 an allen Oberschulen entsprechend dem Erlass von Reichserziehungsminister Rust aus dem Jahr 1938 ebenfalls das Notensystem 1 bis 6 (sehr gut, gut, befriedigend, ausreichend, mangelhaft, ungenügend). Und die 1940 an allen Schulen ausgegebenen Zeugnisse zeigten jetzt auch die neue Rangordnung der Fächer nach nationalsozialistischen Werten, indem das Fach Religion auf den letzten Platz und das Fach Leiberziehung auf den ersten Platz rückte.428 Die fortan auch an den Zeugnissen sichtbare antireligiöse Schulpolitik der Nationalsozialisten stieß im folgenden Jahr allerdings auf ein erhebliches Akzeptanzproblem, als es nach dem „Kruzifix-Erlass“ vom 29. April 1941 - der die nach der Machtergreifung in Bayern herausgegebene Ministerialentschließung zur Einführung eines verbindlichen Schulgebets zu Beginn und am Ende des Unterrichts vom 28. März 1933 aufhob und gleichzeitig darauf hinwies, dass kirchlicher Bilderschmuck und Kruzifixe in der Schule am falschen Platz seien und dafür Sorge zu tragen sei, solchen Wandschmuck allmählich zu entfernen und durch zeitgemäße Bilder zu ersetzen - zu massiven Protesten in der Bevölkerung kam, die am 28. August 1941 zu einem Stopp-Erlass führten.429 Gleichzeitig wurde in Fürth die 1907 entstandene Höhere Mädchenschule am Tannenplatz, die 1924 in ein Mädchenlyzeum mit sechsjähriger Schuldauer umgewandelt und 1938 entsprechend den Regelungen zur Neuordnung des höheren Schulwesens in eine Mädchenoberschule mit sechsjähriger Schuldauer umbenannt worden war, ab 15. September 1941 zu einer Mädchenoberschule als Vollanstalt umgewandelt, die nun über die seit 1936 an allen höheren Schulen verkürzte Schuldauer von acht Jahren verfügte und zum Abitur führte. Die Oberstufe der auch organisatorisch den Vorschriften angepassten Mädchenoberschule gliederte sich fortan in einen hauswirtschaftlichen und in einen sprachlichen Zweig. Durch die Belegung mit 740 Schülerinnen musste die Schule jetzt allerdings sechs statt bislang vier Räume an der in der Nähe liegenden Volksschule Maistraße nutzen.430 Im Volksschulbereich verfolgte das Reichserziehungsministerium seit Ende 1940 außerdem die Absicht, die in Österreich bereits übliche Hauptschule generell einzuführen. „Sie sollte einmal zum ‚Mittel- und Kernstück‘ (…) des gesamten Schulwesens werden: ohne Einschränkungen sollte von ihr aus der Übertritt in jede allgemein- oder berufsbildende Schule möglich werden. Wie die Volksschule war sie schulgeldfrei und
428Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-
schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.203. 429Vgl.: S.203. Die Rücknahme des „Kruzifix-Erlasses“ im Jahr 1941 entsprach durchaus der politischen
Praxis des Nationalsozialismus, der von Anfang an gegenüber der nach Rassegesichtspunkten arischen Bevölkerung eine „Gefälligkeits- und Stimmungsdiktatur“ war. Für die Überwachung der Massenstimmung sorgten dabei neben dem SD mit seinen fortlaufenden Berichten vor allem die nationalsozialistischen Massenorganisationen durch ihre Integrationsarbeit und das Haus- und BlockwartSystem der NSDAP. Für die in Aussicht gestellten und tatsächlichen „Gefälligkeiten“, die über den Raub an den Juden und in den besetzten Gebieten finanziert wurden, sorgten parallel die Führungsspitzen des Regimes. Siehe dazu: Götz Aly, Hitlers Volkssaat. Raub, Rassenkrieg und nationaler Sozialismus, Frankfurt/Main, 1. Auflage 2005, 2. Auflage 2011, wo der Traum vom Volksreich, die Gefälligkeitsdiktatur, die Kriegsgewinne für das Volk aus der Hauptstütze West (Luxusartikel wie Champagner, Parfüm, Seidenwäsche) und dem Ergänzungsraum Ost (Nahrungsmittel und Land für Siedler), das Prinzip des Staatsraubs, die Geldwäsche für die Wehrmacht, die Subsidien der Verbündeten, die Spur des Goldes und der Raubmord an den Juden ausführlich dargestellt sind. 430Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.31.
96