Seite:Zur Entstehung und Entwicklung der Schulen in Fuerth seit der Erhebung zur Stadt Erster Klasse 1.pdf/98

Aus FürthWiki

Version vom 5. Juni 2024, 20:31 Uhr von Red Rooster (Diskussion | Beiträge) (→‎Nicht korrekturgelesen: Die Seite wurde neu angelegt: „die jüdische Schule in Fürth, die 1862 als Bürgerschule an der Theaterstraße/Ecke Blumenstraße entstanden, 1868 mit einem eigenen Gebäude auf dem Grundst…“)
(Unterschied) ← Nächstältere Version | Aktuelle Version (Unterschied) | Nächstjüngere Version → (Unterschied)

Diese Seite wurde noch nicht korrekturgelesen.

die jüdische Schule in Fürth, die 1862 als Bürgerschule an der Theaterstraße/Ecke Blumenstraße entstanden, 1868 mit einem eigenen Gebäude auf dem Grundstück Blumenstraße 31 versehen, 1883/84 mit einem zusätzlichen Gebäude im Hof durch eine Elementarschule ergänzt und zu einer Realschule befördert worden war, geschlossen und das gesamte Schulinventar für 700 RM von der Stadt Fürth übernommen.438 Obwohl nach 1945 emigrierte Fürther/innen jüdischen Glaubens zurückkehrten sowie aus den Konzentrationslagern befreite und durch die amerikanische Militärverwaltung zur Auswanderung nach Palästina oder zur Rückkehr in ihre Herkunftsstaaten auf der Hardhöhe und im Eigenen Heim untergebrachte Menschen jüdischen Glaubens zum Teil in Fürth verblieben, entstand hier nach 1945 keine neue allgemeinbildende jüdische Schule mehr.439 Zum Zeitpunkt der Schließung der jüdischen Elementar- und Realschule in Fürth wurde an den übrigen Volksschulen der 1939 eingeführte Landdienst aufgrund des Arbeitskräftemangels immer wichtiger. Neben dem bisherigen landwirtschaftlichen Einsatz in den Sommerferien wurden alle Schüler der achten Volksschulklassen in Fürth 1942 zusätzlich drei bis vier Wochen vom Unterricht befreit, um bei Forstkulturarbeiten zu helfen.440 Durch Einberufungen zur Wehrmacht und Abstellungen zu den Verwaltungen in den besetzten Gebieten war außerdem die Personalstärke der Stadtverwaltung bis Mitte 1942 fast auf die Hälfte ihres Vorkriegsstandes geschrumpft, so dass sich die verbliebenen technischen Beamten nur noch um die Aufgaben des Luftschutzes kümmern konnten, der durch die britischen Brandbombenangriffe auf die Innenstädte von Lübeck und Rostock im März und April 1942 sowie den britischen 1000Bomber-Angriff auf Köln am 30./31. Mai 1942 zunehmend an Brisanz gewann,441 während die Tätigkeiten der verbliebenen sonstigen Beamten und Angestellten auf die Aufgaben im Ernährungs- und Wirtschaftsamt konzentriert wurden.442 Daneben erfolgte in Fürth am 10. September 1942 die vierte Deportation von 150 Personen jüdischen Glaubens nach Theresienstadt, unter denen sich auch die Bewohner des Altenheims im Gebäude des ehemaligen jüdischen Waisenhauses befanden, das nun zu einem Wohnheim wurde. „Schließlich kamen 48 Personen am 18. Juni 1943 nach Ausschwitz, und am 17. Januar 1944 vier Personen nach Theresienstadt. In Fürth blieben 23 Juden, die in ‚Mischehen‘ lebten oder versteckt das ‚Dritte Reich‘ überlebten.“443 Während die freigewordenen Häuser und Wohnungen der von 1933 bis 1939 emigrierten und der ab November 1941 deportierten Menschen jüdischer Konfession in Fürth bei einer von 77.303 Personen im Jahr 1933 auf 81.217 Personen im Jahr 1944 steigenden Gesamteinwohnerzahl444 entweder an nationalsozialistische Organisationen oder an Personen und Familien deutschen oder artverwandten Blutes im Sinne des 438Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.163. Siehe auch ebd., S.126: Im Jahr

1936 war die israelitische Realschule noch von 207 Schüler/innen und die israelitische Elementarschule von 107 Schüler/innen besucht worden. 439Vgl. zur Geschichte von Menschen jüdischer Konfession in Fürth nach 1945: Barbara Ohm, Geschichte der Juden in Fürth, Fürth 2014, S.270-279. 440Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.117. 441Vgl. zum Bombenkrieg in Deutschland: Hans Boog, Das Ende des Bombenkrieges. Ein militärgeschichtlicher Rückblick, in: Aus Politik und Zeitgeschichte. Beilage zur Wochenzeitung Das Parlament, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung, Beilage 18-19/1995, S.10-21. 442Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.29 und S.33. 443Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 310. 444Vgl. zu den Einwohnerzahlen: Stadt Fürth, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2004 der Stadt Fürth, Stadt Fürth 2005, S.33, Tabelle 3.1, Die Entwicklung des Bevölkerungsstandes nach dem jeweiligen Gebietsstand.

98