gemacht, die sie bei Luftangriffen unter Anleitung eines für vier Geschütze zuständigen Batterieführers der Luftwaffe völlig eigenständig bedienen mussten. Insofern war der Einsatz als „Flakhelfer“ eigentlich kein „Kriegsdienst-Hilfseinsatz“, sondern echter Kriegseinsatz mit begleitendem Schulunterricht in den Bereitschafts- und Kampfpausen.450 Während nun Schüler/innen der Volksschulen in den Landdienst und Schüler/innen der Oberschulen in den Kriegshilfsdienst entweder im Krankenhaus oder in Reservelazaretten (Mädchen) oder als „Flakhelfer“ bei der Luftwaffe (Jungen) zogen,451 machte sich bei der Lehrerschaft in den Kriegsjahren zunehmend Enttäuschung über die nationalsozialistische Schulpolitik und ihre eigene Situation breit. „Mangelndes soziales Ansehen, die miserable materielle Lage, die Rückwärtsentwicklung der Ausbildung und die häufig unzumutbaren Arbeitsverhältnisse trugen dazu bei, dass sogar eine regelrechte Flucht aus dem Unterricht einsetzte.“452 Unabhängig von den Erwartungen zum sozialen Ansehen, zur materiellen Lage und zu den Arbeitsbedingungen war die Enttäuschung über die Rückwartsentwicklung der Ausbildung auch darauf zurückzuführen, dass die 1935 zur Volksschullehrer/innen-Ausbildung eingeführten Deutsche Oberschule im Aufbauform - die Volksschulabsolvent/innen aufnahm und durch eine Schuldauer von sechs Jahren mit Englisch als erster Fremdsprache und Latein als zweiter Fremdsprache ab dem dritten Schuljahr zu einer uneingeschränkten Hochschulreife führte, an die sich ein viersemestriges Studium an einer Hochschule für Lehrerbildung anschloss - mit Erlass vom 24. September 1942 abgeschafft und die Lehrer/innenseminare mit einer Schulbesuchsdauer von fünf Jahren wieder eingeführt worden waren.453 Außerdem wurde 1943 der Nationalsozialistische Lehrerbund (NSLB), dem nach der Eingliederung aller Lehrerverbände 1937 immerhin 97 % aller Lehrer angehört hatten, wegen seiner schlechten Finanzen von der NSDAP stillgelegt,454 womit auch die früher wegen ihrer kameradschaftlichen Atmosphäre sicherlich geschätzten Aufenthalte in den Schulungslagern des NSLB endgültig entfielen.455 Nach einem erneuten Luftangriff am 10. August 1943, der zu 22 Todesopfern führte, kam es in Fürth am 25. Februar 1944 zu einem heftigen Luftangriff, bei dem 122 Menschen starben.456 Zugleich wurde das Gebäude der Mädchenoberschule am Tannenplatz so beschädigt, dass dort kein Unterricht mehr möglich war. Der Unterricht 450Vgl. dazu auch: Hardenberg-Gymnasium Fürth (Hrsg.), 175. Schuljahr. Festschrift und Jahresbericht
2007/2008, Fürth 2008, S.23: „Falls ein Luftwaffenhelfer nicht versetzt werden konnte, musste sein Zeugnis den Zusatz erhalten: ‚Trotz Bewährung im Einsatz konnte in Anbetracht der zu geringen Leistungen eine Versetzung nicht ausgesprochen werden‘.“ 451So leisteten beispielsweise die Schülerinnen der ersten Abschlussklasse der 1941 zur Vollanstalt umgewandelten Oberschule für Mädchen am Tannenplatz im Schuljahr 1942/43 Kriegshilfsdienst im heute zu Polen gehörenden Warthegau/Posen, arbeiteten im städtischen Krankenhaus in Fürth und beteiligten sich in Mittelfranken an bäuerlichen Ernteeinsätzen, bevor sie vom 1. bis 15. März 1943 die Abiturprüfung ablegten, bei der alle Schülerinnen bestanden. Vgl.: Helene-Lange-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Helene-Lange-Gymnasium Fürth 1907-2007, Festschrift, Fürth 2007, S.31. 452Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.408. 453Vgl.: Ebd., S.204. 454Vgl. dazu den Artikel Nationalsozialistischer Lehrerbund (NSLB), 1929-1943, in: www.historischeslexikon-bayern.de, hier: Ausdruck vom 14.10.2019. 455Das von der Ortsgruppe Fürth des NSLB ab Oktober 1936 genutzte Schulungslager auf dem Landschloss Büg in der Gemeinde Forth war übrigens schon 1941 in ein Aufnahmelager für RusslandDeutsche umgewandelt worden. Vgl.: Martina Schwitalski, Schalom Forth. Jüdisches Dorfleben in Franken, Münster, New York, München, Berlin 2012, S.70-73. 456Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 312.
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