Nazis lag, in dem über 300.000 Menschen ermordet worden waren. Die dort gemachten Filmaufnahmen und Fotos von Baracken, Gaskammern, Krematorien, Bergen von Brillen, Kleidungsstücken, Schuhen, menschlichen Haaren sowie den Maschinen, die menschliche Knochen zu Dünger zermahlten, gingen um die Welt und gaben den dort lebenden Menschen einen ersten Einblick in die nationalsozialistischen Verbrechen,461 deren gesamtes Ausmaß allerdings erst bis Kriegsende und in der Nachkriegszeit deutlich wurde.462 Nach der Landung der Alliierten in der Normandie wurden in Fürth erst einmal 61 Schüler der damals vierten bis sechsten Klassen der Oberschule für Jungen an der Kaiserstraße im Sommer 1944 als Kriegsdienst-Helfer bei der Hopfenernte in Spalt eingesetzt.463 Ab September 1944 wurde dann die 1933 eingeführte Schülerspeisung für bedürftige Schul- und Kindergartenkinder nicht mehr weitergeführt.464 Außerdem erfolgten am 8. September, 10. Oktober und 26./27. November 1944 weitere Luftangriffe auf die Stadt, die zu insgesamt 21 Todesopfern führten.465 Im November 1944 sammelten sich schließlich 400 fünfzehnjährige Hitlerjungen des Jahrgangs 1929 zum Fronthilfeeinsatz auf dem Bahnhofsplatz, fuhren mit Sonderwagen der Straßenbahn zum Hauptbahnhof nach Nürnberg und von dort mit weiteren Hitlerjungen aus Nürnberg mit der Eisenbahn in ihre Einsatzgebiete.466 Trotz der Totalmobilisierung der männlichen Jugend für eine Kriegswende, für die die Geburtenjahrgänge 1927 und 1928 und damit Siebzehn- und Sechszehn-Jährige vorzeitig zur Wehrmacht eingezogen wurden, zeigte sich die generelle Richtung des Krieges in Fürth spätestens im Dezember 1944, als das humanistische Gymnasium an der Königstraße auf Anordnung der NSDAP im dritten Obergeschoss des Schulgebäudes 105 Betten für Flüchtlinge aufstellen musste.467 Nach den Weihnachts- und Neujahrsferien 1944/45 mussten dann die Schüler/innen aller Schulen wegen Kohlemangels nicht mehr zum Unterricht.468
461Vgl.: Gerhard L. Weinberg, Eine Welt in Waffen. Die globale Geschichte des Zweiten Weltkriegs. Aus
dem Amerikanischen übertragen von Helmut Dierlamm, Karlheinz Dürr und Klaus Fritz, Stuttgart 1995, Kapitel Angriff auf Deutschland von allen Seiten, S,704-760, zu Majdanek S.747. 462Nach aktuellem Forschungsstand wurden etwa 6 Millionen Juden, 3,3 Millionen sowjetische Kriegsgefangene, 3,34 Millionen nichtjüdische Zivilisten, KZ-Häftlinge, Zwangsarbeiter und Deportierte, 250.000 geistig oder körperlich behinderte Euthanasieopfer und 220.000 Sinti und Roma und damit insgesamt 13,1 Millionen Menschen zu Opfern nationalistischer Massenmorde. Vgl. den Artikel Tote des Zweiten Weltkrieges, Abschnitt Opfer deutscher Massenverbrechen im Kriegsverlauf, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 25.11.2019. Hinzu kam, dass in der Sowjetunion rund 8 Millionen der im Zweiten Weltkrieg getöteten 14 Millionen Zivilisten nicht nur im belagerten Leningrad, sondern auch durch die systematische Ausplünderung der besetzten Gebiete oder durch die im Sommer 1042 während des Vormarsches auf Stalingrad von der Wehrmacht betriebene Aktion „Kahlfraß“ verhungerten. 463Vgl.: Hardenberg-Gymnasium Fürth (Hrsg.), 175. Schuljahr. Festschrift und Jahresbericht 2007/2008, Fürth 2008, S.23. 464Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.60: „Aus dem letzten Eintrag geht hervor, dass bis Juli 1944 – am 19. Juli begannen die Sommerferien – Milch in den Schulen … ausgeteilt wurde.“ 465Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 312. 466Vgl.: Manfred Mümmler, Fürth 1933-1945, Emskirchen 1995, S.136f. 467Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium, (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Festjahresbericht, Fürth 1996, S.34. 468Vgl.: Barbara Ohm, Fürth. Geschichte der Stadt, Fürth 2007, S. 313. Siehe auch: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Geschichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S 216: „Gegen Ende des Krieges kam
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