um über die Modalitäten zur Gründung eines separaten demokratischen und föderalen Gesamtstaates in den drei Westzonen zu beraten. Während die Sowjetunion gegen die Durchführung der Konferenz mit einer diplomatischen Note protestierte und am 20. März 1948 den Alliierten Kontrollrat verließ, verständigten sich die drei Westmächte mit Zustimmung der drei Beneluxstaaten bis 6. März und 2. Juni 1948 darauf, ab 1. April 1948 eine gemeinsame Besatzungszone (Trizone) zu bilden, dort eine Währungsreform durchzuführen und die Länder der Westzonen mit der Einberufung einer verfassungsgebenden Versammlung für einen demokratischen und föderalen Weststaat zu beauftragen, wobei Frankreich als Gegenleistung für die Beteiligung an der Trizone eine Abtrennung des Saarlandes und dessen wirtschaftliche Angliederung an Frankreich sowie die Einrichtung einer internationalen Behörde zur Kontrolle der Kohle-, Koks- und Stahlproduktion im Ruhrgebiet durchsetzen konnte.559 Mit der Währungsreform vom 20. Juni 1948, die die Amerikaner ab September 1947 durch das Drucken von DM-Banknoten und den zwischen Februar und April 1948 erfolgten Transfer der Banknoten von den USA nach Deutschland vorbereitet sowie am 18. Juni 1948 über Bekanntmachungen und im Rundfunk angekündigt hatten, wurde in Deutschland der umfangreiche Geldüberhang - der durch die Finanzierung der Rüstung in den Jahren 1936 bis 1945 und die nach Kriegsbeginn hohen Zwangsabgaben der besetzten Länder entstanden, aber durch den Lohn- und Preisstopp sowie die Lebensmittelkarten und Bezugsscheine nicht als offene Inflation sichtbar geworden war560 - beseitigt und zugleich eine stabile Währung für die nach dem Marshall-Plan 559Vgl. dazu den Artikel Londoner Sechsmächtekonferenz, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom
03.06.2020. 560Vgl. den Artikel Währungsreform 1948 (Westdeutschland), in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom
10.06.2020. Bei der Währungsreform am 20. Juni 1948 gab es an den Ausgabestellen zunächst ein Kopfgeld von 40 DM für 40 RM und einen Monat später noch einmal ein Kopfgeld von 20 DM für 20 RM. Gleichzeitig mussten bis 26. Juni 1948 in einem Formular alle Bargeld- und Bankguthaben angegeben werden, weil sie sonst verfielen. Danach wurden die gemeldeten Bargeld- und Bankguthaben zum Kurs 100 RM zu 6,50 DM sowie Schuldbuchverschreibungen, Hypotheken und Prämienrücklagen bei privaten Versicherungen zum Kurs von 100 RM zu 10 DM umgestellt. Der Nennwert von Aktien sowie alle Löhne, Renten, Pensionen, Pachten, Mieten und Preise wurden zum Kurs von 1 RM zu 1 DM festgesetzt. Da Bargeld- und Bankguthaben im Verhältnis von 100 RM zu 6,50 DM, aber alle Schuldforderungen im Verhältnis 100 RM zu 10 DM und Preise im Verhältnis von 1 RM zu 1 DM umgestellt wurden, zählten alle Schuldner, darunter als größter der Staat, mit 90 Prozent weniger Schulden und alle Besitzer von Sachwerten (Betriebsanlagen, Immobilien und gehortete Waren) zu den Gewinnern der Währungsreform von 1948, während Sparer mit 93,5 Prozent weniger Geldvermögen zu den Verlierern gehörten. Siehe zur Währungsumstellung und den Auswirkungen in der Region auch: Hans Woller, Gesellschaft und Politik in der amerikanischen Besatzungszone. Die Region Ansbach und Fürth, München 1986, S.295-306. Unabhängig von den Amerikanern hatte Ludwig Erhard (1897-1977), der als promovierter Ökonom von 1942 bis 1945 das von ihm gegründete und von der Reichsgruppe Industrie (bis 1933 Reichsverband der Deutschen Industrie) finanzierte Institut für Industrieforschung leitete, bereits in einer von der Reichsgruppe Industrie, wo sein Schwager Karl Gluth als Hauptgeschäftsführer tätig war, in Auftrag gegebenen Denkschrift zum Thema „Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung“ deutlich gemacht, dass nach einem verlorenen Krieg eine Währungsreform durchgeführt werden müsse, um die Wirtschaft wieder ins Gleichgewicht zu bringen. Die Endfassung der Denkschrift von Ludwig Erhard wurde auf Wunsch der Reichsgruppe Industrie im November 1944 auch dem im Reichswirtschaftsministerium die Nachkriegsplanungen leitenden SS-Gruppenführer Otto Ohlendorf übergeben, so dass auch dort das Erfordernis einer Währungsreform noch vor dem Kriegsende bekannt war. Vgl: Bernt Engelmann, Wie wir wurden, was wir sind. Von der bedingungslosen Kapitulation bis zur unbedingten Wiederbewaffnung, Gütersloh 1980, S.263-272. Die Amerikaner lernten Ludwig Erhard nach Kriegsende sehr früh kennen, weil er von ihnen in Fürth zum Leiter des Wirtschaftsamtes ernannt sowie im September 1945 von einem Offizier mit einem
121