Aufgrund der gegenüber dem Vorkriegsstand von 1939 mit der Zuwanderung von Flüchtlingen, Vertriebenen und Umsiedlern bis 1949 verbundenen Bevölkerungszunahme um rund 19.500 Personen oder +23,5 Prozent musste in Fürth neben dem Mangel an Wohnungen auch ein größerer Schulraummangel im Volksschulbereich durch Neubauten beseitigt werden. Das erste Projekt war das 1955 fertiggestellte, zweigeschossige Schulgebäude an der Friedrich-Ebert-Straße, das nicht mehr nach dem früher üblichen „Kasernenstil“ (bis zu fünf Geschosse mit beidseitig an langen Gängen aufgereihten Klassenräumen und festeingebauten Tischen und Bänken) konzipiert, sondern durch eine dezentrale Anordnung von zwei Klassen je Geschoss und vier Klassen je Treppenhaus sowie durch eine ansprechende farbliche Gestaltung und eine Ausstattung mit einzelnen Stühlen und Zweiertischen in den Klassenräumen gekennzeichnet war, wodurch eine flexible Innenraum- und Unterrichtsgestaltung sowie ein Wohlfühlklima bei den Schülerinnen und Schülern geschaffen werden sollte.602 Diese Gestaltungsform entsprach zugleich den auf den drei Schulbautagungen 1949/50 in Nordrhein-Westfalen, Hannover und Stuttgart verabschiedeten Leitlinien für den Schulhausneubau, in die neben der von den Alliierten seit der Potsdamer Konferenz von 1945 angestrebten Entmilitarisierung, Demokratisierung und Dezentralisierung auch zahlreiche gesundheitliche Aspekte und reformpädagogische Gedanken eingeflossen waren.603 Nach dem Muster des 1955 an der Friedrich-Ebert-Straße fertiggestellten Schulgebäudes wurden in Fürth im Volksschulbereich 1957 auch das Schulgebäude an der Hummelstraße in Burgfarrnbach und 1959 das Schulgebäude an der Kiderlinstraße in der Südstadt errichtet.604 Parallel zum Bau neuer Schulgebäude kam es im Volksschulbereich ab Mitte der 1950er Jahre zu qualitativen Ergänzungen. So wurden in den Schuljahren 1955/56 bis 1958/59 für sprachbehinderte Kinder Sprachheilklassen eingeführt.605 Außerdem beschloss der Stadtrat aufgrund steigender Bildungswünsche und zunehmender Qualifikationsanforderungen im Juli 1956, ab dem Schuljahr 1956/1957 Aufbauklassen an Volksschulen zu bilden, um nach einer zehnjährigen Schulzeit einen dem Mittelschulabschluss entsprechenden Abschluss zu ermöglichen. Wegen des durch die Zuwanderung erhöhten Bevölkerungsanteils der Katholiken entstand in Fürth ab dem Schuljahr 1957/58 auch wieder eine katholische Bekenntnisschule, deren Klassenzahl bis zum Schuljahr 1966/67 von 2 auf 24 Klassen stieg.606 Mit dem Lehrerbildungsgesetz vom 14. Juni 1958 wurde im Volksschulbereich schließlich die von der amerikanischen Militärregierung 1945/46 mit Abiturientenlehrgängen eingeführte und auf einem Abiturabschluss beruhende Ausbildung von Volksschullehrer/innen fortgesetzt und dabei die einst von den Amerikanern gewünschte wissenschaftliche Ausbildung in Form eines dreijährigen Studiums an Pädagogischen Hochschulen, die den drei
602Vgl: Karl Dubois, 1974 – ein Schulbaujahr, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom
Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.49-60, hier: S.49. 603Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 4. Ers-
ter Teil: Geschichte der Schulen in Bayern. Epochenübergreifende Spezialuntersuchungen. Zweiter Teil: Geschichte der Universitäten, der Hochschulen, der vorschulischen Einrichtungen und der Erwachsenenbildung in Bayern, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.208f. 604Vgl.: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, Fotos mit Begleittext, S.28f. 605Vgl.: Max Eichler, Der Wiederaufbau der Fürther Schulen nach 1945, in: Stadt Fürth (Hrsg.), Fürth und seine Schulen. Vom Schulmeister zum Schulzentrum, Fürth 1974, S.30-42, hier: S.37. 606Vgl.: Ebd., S.35.
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