des neuen modernen regionalen Verkehrsflughafens in Nürnberg-Kraftshof einstellte.618 Durch den Grunderwerb standen der Stadt zusammen mit anderen Grundflächen auf der Hardhöhe insgesamt 78 ha zur Verfügung, auf denen zur Beseitigung des Wohnungsmangels zahlreiche mehrgeschossige, von größeren Grünflächen umgebene Wohngebäude, drei 12- bis 14-geschossige Hochhäuser im Zentrum, Einfamilienhäuser an der südwest- und nordwestlichen Peripherie sowie eine Kirche, eine Schule, Kindergärten, eine Polizeistation, eine Sparkasse, ein Postamt und eine Ladenzeile zum Einkaufen entstehen sollten. Außerdem waren 20 Prozent der Gesamtfläche für die Ansiedlung größerer Gewerbebetriebe vorgesehen.619 Auf einem Teil des Gewerbeflächenanteils errichtete die Firma Siemens ab 1955 mehrere Gebäude für ein modernes Datenverarbeitungszentrum ihrer Hauptbuchhaltung für das gesamte Bundesgebiet sowie Werkstätten und Lager für die Siemensniederlassung in Nürnberg. Die Bremer Möbelgroßhandelsfirma Friedrich A. Flamme reaktivierte 1957/58 das 1940 vom Reichsluftfahrtministerium als Lager errichtete und mit Klinkern verkleidete Betongebäude an der Würzburger Straße für den Möbelgroßhandel. 1960 baute die Firma Grundig auf dem gegenüber zwischen Würzburger Straße und Ruhsteinweg liegenden Gelände des ehemaligen Lagers für russische Kriegsgefangene, die bei der Firma Bachmann, von Blumenthal & Co und auf dem Luftwaffenstützpunkt in Atzenhof als Arbeitskräfte vor allem für schwere Erdarbeiten eingesetzt worden waren, das Werk 10 und stellte dort elektronische Datensicht- und Messgeräte sowie Steuerungen für Werkzeugmaschinen her.620 Neben den Gewerbeansiedlungen hatte auf der Hardhöhe bereits 1956 der zur Beseitigung des gesamtstädtischen Wohnungsmangels vorgesehene und staatlich geförderte Wohnungsbau („Sozialwohnungen“ nach dem Ersten Wohnungsbaugesetz von 1950) durch die seit 1949 in der Arbeitsgemeinschaft der Fürther Baugenossenschaften zusammengeschlossenen vier Baugenossenschaften und eine durch Stadtratsbeschluss vom 25. März 1957 gegründete Gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft der Stadt Fürth (WBG) begonnen. Gleichzeitig errichteten private Bauherrn ihre nach dem Zweiten Wohnungsbaugesetz von 1956 ebenfalls staatlich geförderten Einfamilienhäuser an der Kepler-, der Kopernikus- und der hinteren Hardstraße. Obwohl die Wohnbebauung erst 1966 mit der Errichtung der drei 12- bis 14-geschossigen Hochhäuser im Zentrum abgeschlossen wurde, lebten 1960 auf der Hardhöhe schon rund 4.000 Menschen,621 ohne dass die von der Stadt für September 1960 angekündigte 618Vgl.: Winfried Roschmann, Udo Sponsel, Bernd Jesussek, Die Fürther Hardhöhe. Aufmarschfeld,
Hardsiedlung, Industrieflughafen, Trabantenstadt, Fürth 1999, 2. Aufl. 2009, Abschnitt Fürth bekam das mittelfränkische Tor zur Welt, S.49-85 und Abschnitt Der Rüstungsbetrieb – Bachmann, von Blumenthal & Co, Flugzeugbau Fürth (By), S.21-35. Das von der Firma Bachmann, von Blumenthal & Co 1938 erworbene Gelände war der Stadt Fürth 1916 von der Gothaer Waggon- und Flugzeugwerke AG abgekauft worden, die seit 1898 in Gotha Eisenbahnwaggons produziert hatte und 1913 in den militärischen Flugzeugbau eingestiegen war. Trotz der Absichten, in Fürth militärische Flugzeuge zu produzieren, erfolgte die Errichtung von Fabrikationsanlagen erst nach dem Ende des Ersten Weltkrieges in den Jahren 1920/21. Da nach dem Waffenstillstandsabkommen vom 11. November 1918 vom Deutschen Reich insgesamt 5.000 Lokomotiven und 150.000 Eisenbahnwaggons als Wiedergutmachung abzuliefern waren und der Versailler Vertrag die Produktion von Flugzeugen untersagte, konzentrierten sich die Aktivitäten der „Waggon“ auf der Hardhöhe in den zwanziger Jahren auf die Produktion von Eisenbahnwagen, deren Abtransport zur Eisenbahnstrecke Nürnberg-Würzburg über die Flugplatzbahn erfolgte. 619Vgl.: Ebd., Abschnitt Die Trabantenstadt entsteht, S.86-95. .620Vgl.: Ebd., S.95-99. 621Vgl.: Ebd., S.92-95.
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