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Auf übergeordneter Ebene gab das Kultusministerium 1966 Richtlinien für die bayerischen Volksschulen zur Einführung eines neunten Volksschuljahres heraus,681 das der Landtag aber erst im März 1969 zusammen mit der Einführung von Grund- und Hauptschulen und eines qualifizierenden Hauptschulabschlusses gesetzlich regelte, da nach -

dem Rücktritt von Bundeskanzler Erhard am 30. November 1966, der mit einer sich abzeichnenden Wirtschaftskrise verbunden und durch den Ende Oktober 1966 erfolgten Austritt der Steuererhöhungen zur Haushaltskonsolidierung ablehnenden fünf FDP-Minister aus der Bundesregierung ausgelöst worden war,682

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der Bildung einer Großen Koalition aus CDU/CSU und SPD am 1. Dezember 1966, die den seit 1958 amtierenden baden-württembergischen Ministerpräsidenten Kurt Georg Kiesinger zum Bundeskanzler wählte und über eine Zwei-DrittelMehrheit für Verfassungsänderungen verfügte,683

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und dem Ausscheiden der FDP aus dem bayerischen Landtag, die bei der Landtagswahl am 20. November 1966 bayernweit zwar 5,1 % der Stimmen erzielt, aber den damals in einem Regierungsbezirk erforderlichen Mindeststimmenanteil von 10 % in keinem Regierungsbezirk erreicht hatte,

die schul- und bildungspolitische Diskussion in den folgenden zwei Jahren durch außerparlamentarische Aktivitäten erheblich beeinflusst wurde.

681Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.755. 682Vgl.: Klaus Hildebrand, Von Erhard bis zur Großen Koalition.1963-1969. Mit einem einleitenden Es-

say von Karl Dietrich Bracher (= Geschichte der Bundesrepublik Deutschland in fünf Bänden, hrsg. von Karl Dietrich Bracher, Theodor Eschenburg, Johannes C. Fest und Eberhard Jäckel, Band 4), Stuttgart, Wiesbaden 1984, S.218-224. 683Vgl.: Ebd., S.251-258. Siehe auch den Artikel Kurt Georg Kiesinger, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 17.11.2020. Kurt Georg Kiesinger (1904-1988) hatte nach dem Abschluss einer Realschule ab 1919 eine Ausbildung zum katholischen Volksschullehrer absolviert, 1926 das Abitur nachgeholt und ein Studium der Rechtswissenschaften begonnen, das er 1931 mit der ersten und 1934 mit der zweiten Staatsprüfung abschloss. Außerdem war er 1925/26 Mitglied in den katholischen Studentenverbindungen Alamannia und Askania sowie im Februar 1933 Mitglied der NSDAP geworden. Im Rahmen der nationalsozialistischen Gleichschaltung wurde Kurt Georg Kiesinger als NSDAPMitglied ab Juli 1933 Korporationsführer der katholischen Studentenverbindung Askania und blieb dies bis zu deren Selbstauflösung 1937/38. Zugleich war er ab 1934 als Rechtsanwalt und ab 1940 als Mitarbeiter in der Rundfunkabteilung des Reichsaußenministeriums tätig. Am 30. April 1945 wurde er von den Amerikanern verhaftet und achtzehn Monate interniert, 1946/47 in zwei deutschen Spruchkammerverfahren zunächst als Mitläufer und danach als entlastet eingestuft sowie 1947 Landesgeschäftsführer der CDU in Württemberg-Hohenzollern. Von 1949 bis Februar 1959 war Kurt Georg Kiesinger dann Bundestagsabgeordneter der CDU, von 1949 bis 1957 auch Vorsitzender des Vermittlungsausschusses zwischen Bundestag und Bundesrat sowie von Dezember 1958 bis November 1966 Ministerpräsident von Baden-Württemberg. Nach der Wahl zum Bundeskanzler am 1. Dezember 1966 wurde er 1967 zum CDU-Bundesvorsitzenden gewählt und auf dem Bundesparteitag der CDU am 7. November 1968 von Beate Klarsfeld - einer 1939 in Berlin geborenen Journalistin, die mit ihrem 1935 geborenen jüdischen Ehemann Serge Klarsfeld, dessen Vater und Verwandte im Rahmen der nationalsozialistischen Vernichtungspolitik ermordet worden waren, zu den NS-Verbrechen in Frankreich recherchiert und zahlreiche Artikel veröffentlicht hatte - wegen seiner NS-Vergangenheit öffentlich geohrfeigt. Nach dem Ende der Großen Koalition 1969 blieb Kurt Georg Kiesinger bis 1971 CDU-Bundesvorsitzender und bis 1980 CDU-Bundestagsabgeordneter.

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