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Bereitschaft zu gemeinsamen Gesprächen mit der Opposition, die zu einem gemeinsamen Gesetzentwurf für eine Verfassungsänderung führten, der am 6. Februar 1968 in einer Presseerklärung vorgestellt wurde, so dass beim Volksentscheid am 7. Juli 1968 über zwei Volksbegehren und einen gemeinsamen Entwurf abgestimmt werden musste. Dabei erzielte das Volksbegehren von FDP und SPD zu einer Gemeinschaftsschule 13,5 % Ja-Stimmen und 13,7 % Nein-Stimmen, das Volksbegehren der CSU zu einer Christlichen Volksschule 8,5 % Ja-Stimmen und 15,4 % Nein-Stimmen und der Gesetzentwurf des Bayerischen Landtages 76,3 % Ja-Stimmen und 3,3 % NeinStimmen, womit die öffentlichen Schulen in Bayern fortan zu gemeinsamen Schulen für alle volksschulpflichtigen Kinder wurden, die dort nach den Grundsätzen der christlichen Bekenntnisse zu unterrichten und zu erziehen waren.687 Eine weitere außerparlamentarisch erheblich beeinflusste bildungspolitische Entscheidung war die Umwandlung der Ingenieursschulen und Akademien in Fachhochschulen und die damit zusammenhängende Einführung zweijähriger Fachoberschulen. Dabei ging es einerseits um die Konsequenzen aus einer seit Mitte der 1960er Jahre geführten Diskussion über die Niederlassungsfreiheit innerhalb der EWG. Während die meisten EWG-Partner, allen voran Frankreich, entsprechend ihren Regelungen nur Ingenieure anerkennen wollten, die über eine zwölfjährige Schulausbildung und ein vierjähriges Studium an einer Hochschule verfügten, mussten die praxisorientierten graduierten Fachschulingenieure (Ing. grad.) an den Ingenieursschulen in der Bundesrepublik damals lediglich eine Ausbildungszeit von drei Jahren absolvieren, wobei die Zulassungsvoraussetzungen nur an eine Fachschulreife bzw. eine Mittlere Reife mit zweijähriger Praktikantenausbildung oder mit abgeschlossener Lehre gebunden waren. Um im internationalen Wettbewerb bestehen und in Zukunft praktische Aufgaben auf der Basis einer akademischen Ausbildung schneller lösen zu können, forderte auch die deutsche Wirtschaft eine bessere Qualifikation der graduierten Ingenieure. Als schließlich nach dem Attentat auf den Studentenführer Rudi Dutschke (1940-1979) am 11. April 1968 - das in West-Berlin zu Blockaden des Axel-SpringerHochhauses und der Auslieferung der Bild-Zeitung, im Studentenviertel MünchenSchwabing zu gewalttätigen Krawallen mit zwei Toten und an vielen anderen Orten zu Demonstrationen von Studierenden und Schüler/innen führte - die um ihre berufliche Zukunft fürchtenden rund 60.000 Studierenden der Ingenieursschulen zu Vorlesungsboykotten und Demonstrationen übergingen und eine Verbesserung ihrer nicht mehr zeitgemäßen Ausbildungssituation forderten, beschlossen die Ministerpräsidenten der Länder auf einer Sondersitzung am 5. Juli 1968, die bisherigen Ingenieursschulen und Akademien in Fachhochschulen umzuwandeln und das Schulwesen durch zweijährige Fachoberschulen zu ergänzen.688 Während es nach dem Rücktritt von Bundeskanzler Erhard und der Bildung einer Großen Koalition bundesweit zu zunehmenden außerparlamentarischen Aktivitäten, Demonstrationen und Protesten kam,689 wurde die Entwicklung an den Schulen in Fürth 687Vgl.: Max Liedtke (Hrsg.), Handbuch der Geschichte des Bayerischen Bildungswesens, Band 3: Ge-

schichte der Schulen in Bayern. Von 1918 bis 1990, Bad Heilbrunn/Oberbayern 1997, S.758-760. Durch die in allen Regionen Bayerns gewachsene konfessionelle Heterogenität waren im Schuljahr 1965/1966 von 1.369 evangelischen Bekenntnisschulen lediglich 261 (19,07 %) und von 4.931 katholischen Bekenntnisschulen nur 1.790 (36,30 %) noch konfessionell reine Bekenntnisschulen gewesen (vgl. ebd., S.756). 688Vgl.: Ebd., S.982f. 689Zu den außerparlamentarischen Aktivitäten zählten neben den von FDP und SPD eingebrachten Volksbegehren gegen die christliche Bekenntnisschule in Bayern, den durch das Attentat auf Rudi

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