jeder Klasse über die Notstandsgesetze diskutiert werden sollte, um eine Eskalation zu vermeiden.693 Bis zur Verabschiedung der Notstandsverfassung am 30. Mai 1968 konnte die am Ende der Amtszeit von Bundeskanzler Erhard im Oktober 1966 einsetzende Wirtschaftskrise - durch die das um den Preisanstieg bereinigte, reale Bruttoinlandsprodukt 1967 erstmals seit 1950 um 0,3 Prozent gesunken war sowie die Arbeitslosigkeit und die Unterbeschäftigung bis Februar 1967 mit 673.522 Arbeitslosen und 343.000 Kurzarbeitern ein seit Mitte der 1950er Jahre nicht mehr gekanntes Ausmaß erreicht hatte694 - von der Großen Koalition durch den Übergang zu einer keynesianischen Globalsteuerung mit Hilfe des Stabilitätsgesetzes vom 8. Juni 1967 und den Zielen Preisniveaustabilität, Vollbeschäftigung, außenwirtschaftliches Gleichgewicht und stetiges angemessenes Wirtschaftswachstum, der Bildung einer „Konzertierten Aktion“ zur tarifpolitischen Einbindung von Unternehmerverbänden und Gewerkschaften und einer konjunkturpolitisch motivierten großzügigen Kreditaufnahme („Defizit-Spending“) bis 1968 relativ rasch überwunden werden.695 Gleichzeitig kam in Fürth die Erwachsenenbildung einen Schritt voran, weil die Volkshochschule in dem seit 1965 errichteten modernen Ersatzneubau des städtischen „Waldheims Sonnenland“ ab 1968 wegen der dort vorhandenen Übernachtungs- und Verpflegungsmöglichkeiten zahlreiche Wochenendseminare durchführen konnte.696 Durch das „Defizit-Spending“ und die wieder anspringende Konjunktur erhöhten sich auch die öffentlichen Finanzierungsspielräume, so dass der Stadtrat in Fürth am 10. Oktober 1968 den Neubau eines zweiten Volksschulgebäudes auf der Hard-
höhe beschloss, das aufgrund der gewachsenen Schüler/innenzahlen und der angekündigten bayernweiten Einführung eines neunten Schuljahres im Jahr 1969 für dringend erforderlich erachtet wurde. Nach einer bereits 1967 erfolgten Prüfung von möglichen Standorten, die aber mangels Verkaufsbereitschaft der Privateigentümer oder wegen der bisherigen und ebenfalls wichtigen Spielplatznutzung nicht in Frage gekommen waren, wurde der Schulneubau zum Leidwesen des Stadtvereins Hardhöhe, der am 27. Mai 1964 gegründet worden war und seit 1965 alljährlich ein Sommerfest organisiert hatte, auf dem im Bebauungsplan von 1955 ausgewiesenen Festplatzgelände errichtet.697 Außerdem erhielt das Hardenberg-Gymnasium an
693Vgl.: Heinrich-Schliemann-Gymnasium (Hrsg.), 100 Jahre Heinrich-Schliemann-Gymnasium. Fest-
jahresbericht, Fürth 1996, S.40. 694Vgl.: Statistisches Bundesamt (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2013, Wiesbaden 2013, S.315. 695Vgl.:
Werner Abelshauser, Wirtschaftsgeschichte der Bundesrepublik Deutschland 1945-1980, Frankfurt/Main 1983, S.100: „Der Schock der Rezession von 1966/67 war groß, aber er hielt nicht lange an. Schon zwei Jahre später kletterten die Wachstumsraten erneut in Höhen, die an die fünfziger Jahre erinnerten.“ 696Vgl.: Volkshochschule Fürth e.V., 40 Jahre VHS 1946-1986, Fürth 1986, S. 38. Siehe auch: Adolf Schwammberger, Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Textlich unveränderter Neudruck der Ausgabe von 1968, Neustadt an der Aisch 1988, S.349, Stichwort Sonnenland: „An der Stelle des neuen städtischen Gebäudes stand bis 1965 ein Schullandheim (‚Waldheim Sonnenland‘). 1965ff. wurde ein Neubau für die Zwecke des Schullandheims und die Erwachsenenbildung errichtet. Pächter ist die Arbeiterwohlfahrt.“ 697Vgl.: Winfried Roschmann, Udo Sponsel, Bernd Jesussek, Die Fürther Hardhöhe. Aufmarschfeld, Hardsiedlung, Industrieflughafen, Trabantenstadt, Fürth 1999, 2. Aufl. 2009, S.135f.
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