einzelnen Bundesländer, Landkreise und kreisfreien Städte verteilt wurden.837 Hinzu kam ab August/September 1989 eine Zuwanderung von Menschen aus der DDR, die über die geöffnete ungarische Grenze oder die bundesdeutschen Botschaften in Prag und Warschau in die Bundesrepublik übersiedelten, bevor sich die Staatsführung der DDR angesichts der wachsenden Ausreisen über Prag und Ungarn und der in der DDR zunehmenden Massendemonstrationen für Reformen und allgemeine Reisefreiheit am 9. November 1989 genötigt sah, ab dem folgenden Tag Reisefreiheit in alle Länder zu gewähren, und aufgrund des spontanen Andrangs an den Grenzübergängen in Berlin noch vor Mitternacht die Mauer geöffnet wurde.838 Mit der Zuwanderung von Aussiedler/innen aus der Sowjetunion und von Übersiedler/innen aus der DDR stieg in Fürth die Anzahl die Einwohner/innen, die nach den Eingemeindungen von Sack, Bislohe, Braunsbach, Herboldshof, Steinach, Stadeln, Mannhof, Vach, Ritzmannshof und Flexdorf am 1. Juli 1972 bis zur Volkszählung 1987 von 104.392 Personen auf 97.480 Personen gesunken war, bis 1989 wieder auf 100.906 Personen.839 Zur Erleichterung der Integration der Aussiedler/innen in den Arbeitsmarkt richtete die Volkshochschule Fürth, die schon nach den 1955 und 1960 mit Italien und Griechenland geschlossenen Abkommen zur Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte in den 1960er Jahren Sprachkurse für Gastarbeiter aus Italien und Griechenland durchgeführt hatte, 1989 die Lehrgänge Deutsch als Fremdsprache mit einem Zertifikat für die erfolgreiche Teilnahme ein,840 die im Rahmen der allgemeinen Integrationsmaßnahmen von der Bundesanstalt für Arbeit finanziert wurden. Gleichzeitig begann nach dem Mauerfall vom 9. November 1989 ein Prozess der inneren Umstrukturierung der DDR und ein international mit den vier Mächten und den Staaten der Europäischen Gemeinschaft abgestimmter Prozess der Vereinigung der beiden deutschen Staaten, der am 1. Juli 1990 zu einer Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion und der Einführung der D-Mark in der DDR sowie am 3. Oktober 1990 zum Inkrafttreten des Einheitsvertrages und zur vollen Souveränität der Bundesrepublik Deutschland führte, die im Gegenzug von den vier Mächten zur Friedenstaatlichkeit verpflichtet wurde.841 Außerdem war es nach dem Mauerfall und der Währungsunion durch die Konsumgüternachfrage von DDR-Bürger/innen zu einem wirtschaftlichen „Einheits-Boom“ gekommen,842 durch den das preisbereinigte reale Bruttoinlandsprodukt 1989 um 3,9 Prozent, 1990 um 5,3 Prozent und 1991 um 5,1 Prozent stieg. In 837Der „Königsteiner Schlüssel“, auf den sich die Länder der Westzonen im März 1949 und damit vor
Gründung der Bunderepublik bei einer Konferenz in Königstein/Taunus verständigt hatten, regelte die Anteile der einzelnen Länder bei gemeinsamen Finanzierungen und richtete sich zu zwei Dritteln nach dem Steueraufkommen und zu einem Drittel nach der Bevölkerungszahl eines Landes. Der Schlüssel wurde später auch auf die Verteilung von Aussiedler/innen und Asylsuchenden übertragen. Vgl. den Artikel Königsteiner Schlüssel, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 21.06.2021. 838Vgl. den Artikel Revolutionen im Jahr 1989, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 22.06.2021. 839Vgl.: Stadt Fürth, Amt für Statistik und Wahlen (Hrsg.), Statistisches Jahrbuch 2004 der Stadt Fürth, Stadt Fürth 2005, Tabelle 3.1, Die Entwicklung des Bevölkerungsstandes nach dem jeweiligen Gebietsstand, S.33. 840Vgl.: Barbara Ohm, 75 Jahre Volkshochschule Fürth. Eine Erfolgsgeschichte, herausgegeben von der Volkshochschule Fürth, Fürth 2021, S.39f. 841Vgl. dazu mit weiteren Einzelheiten: Wolfgang Schäuble, Der Vertrag. Wie ich über die deutsche Einheit verhandelte. Herausgegeben und mit einem Vorwort von Dirk Koch und Klaus Wirtgen, Stuttgart 1991, hier: Zeittafel vom 11. September 1989 (Grenzöffnung in Ungarn) bis 18. Januar 1991 (Vereidigung der Bundesminister nach der ersten gesamtdeutschen Bundestagswahl vom 2. Dezember 1990), S.289-314. 842Beim „Einheits-Boom“ wirkte das 1970 in der Bundesrepublik für Besucher/innen aus der DDR in Höhe von 30 DM und maximal zwei jährlichen Auszahlungen eingeführte, 1988 auf 100 DM bei nur
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