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Westdeutschland sank die jahresdurchschnittliche Arbeitslosigkeit nun von 2.037.781 Personen 1989 auf 1.596.457 Personen 1991, während sie in Ostdeutschland durch den Zusammenbruch der DDR-Wirtschaft bis 1991 auf 1.005.746 Personen anwuchs.843 Aufgrund der Konsumgüternachfrage in Ostdeutschland erlebten im „Einheits-Boom“ auch die Firmen Grundig und Quelle in Fürth wieder einen Aufschwung. Die Firma Grundig, die nach einem von Max Grundig veranlassten Verkauf der Aktienmehrheit seit 1984 zum niederländischen Elektronik-Konzern Philips gehörte, erzielte dabei 1991 einen Rekordumsatz von 4,55 Mrd. DM,844 während das Großversandhaus Quelle bis 1992 in Leipzig ein neues Versandzentrum baute und von der

noch einer jährlichen Auszahlung erhöhte „Begrüßungsgeld“ nach dem Mauerfall wie eine Konjunkturspritze, da bis 20. November 1989 schon 11 Millionen der 16 Millionen DDR-Bürger/innen die Bundesrepublik und West-Berlin besucht, „Begrüßungsgeld“ erhalten und dieses für den Kauf von in der DDR raren Lebensmitteln wie Kaffee, Schokolade und Süßigkeiten ausgegeben hatten. Bei einem Gespräch mit dem amerikanischen Präsidenten George H.W. Bush (1924-2018) wurden die Ausgaben für das „Begrüßungsgeld“ von Bundeskanzler Helmut Kohl am 3. Dezember 1989 auf insgesamt 1,8 Mrd. DM beziffert. Die Auszahlung von „Begrüßungsgeld“ wurde am 29. Dezember 1989 eingestellt und das „Begrüßungsgeld“ ab 1. Januar 1990 durch einen zwischen der Bundesrepublik und der DDR vereinbarten Devisenfonds ersetzt, in den die Bundesrepublik 1,4 Mrd. DM einzahlte und aus dem DDR-Bürger/innen für Besuche in der Bundesrepublik einmal jährlich 100 DM erhalten und außerdem 500 DDRMark im Verhältnis 5:1 in D-Mark umtauschen konnten. Vgl. den Artikel Begrüßungsgeld, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 29.06.2021. Hinzu kam, dass bei der Währungsunion ab 1. Juli 1990 der Umtauschkurs für DDR-Mark in DM pro Person bis 2.000 DDR-Mark auf 1:1 und darüber hinaus auf 2:1 festgelegt wurde. Vgl.: Harm G. Schröter, Von der Teilung bis zur Wiedervereinigung (19452004), in: Michael North (Hrsg.), Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Ein Jahrtausend im Überblick, 2. völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage, München 2005, S.356-426, hier: S.416. 843In der DDR war die Chemiebranche ab 1960 massiv ausgebaut worden, um durch Erdöllieferungen aus der Sowjetunion petrochemische Rohstoffe für alle im Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe (RGW) zusammengeschlossenen sozialistischen Staaten produzieren zu können. Da die Sowjetunion das Erdöl zum durchschnittlichen Weltmarktpreis der vergangenen fünf Jahre lieferte und sich aus Rohöl nur zu 10 % petrochemische Rohstoffe herstellen ließen, mussten 90 % des Rohöls zu Benzin, Heizöl und Diesel verarbeitet werden. Die preisgünstigen Erdöllieferungen aus der Sowjetunion wurden nach der Ölkrise 1973/74 und der Weltwirtschaftskrise 1974/75, als der Weltmarktpreis für eine Tonne Rohöl von 13 Dollar 1970 auf 75 Dollar 1975, 144 Dollar 1980 und 272 Dollar 1982 stieg, zu einem lukrativen Geschäftsmodell für die von Erich Honecker 1971 propagierte Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik, mit der die Lebensverhältnisse und die Versorgung der Bevölkerung mit Konsumgütern und modernen Wohnungen verbessert werden sollten. Die DDR stellte dazu nicht nur den Energieverbrauch im Inland von Braunkohle auf Heizöl-, Diesel und Schweröl um, sondern exportierte zur Devisenbeschaffung auch Benzin, Heizöl und Diesel zu günstigen Preisen an die Mineralölkonzerne im Westen. Dieses Geschäftsmodell zerbrach, als die Sowjetunion 1980/81 die zwischen 1962 und 1975 von 2,6 auf 17,0 Millionen Tonnen im Jahr gesteigerten Erdöllieferungen an die DDR drosselte, um zur Lösung ihrer eigenen Wirtschaftsprobleme selbst mehr Erdöl zu höheren Preisen auf den Weltmarkt verkaufen zu können. Um zur Devisenbeschaffung weiterhin größere Mengen Benzin, Heizöl und Diesel in den Westen exportieren zu können, reaktivierte die DDR für den inländischen Energieverbrauch in den 1980er Jahren die Braunkohleförderung, wozu sie allerdings 12 bis 15 Milliarden DDRMark investieren musste, die an anderen Stellen fehlten und zum Teil im Westen als Kredite aufgenommen wurden. Gleichzeitig führte die Reaktivierung der Braunkohle zu gewaltigen Umweltbelastungen, so dass die DDR 1989 sowohl finanziell als auch ökologisch vor dem Bankrott stand. Vgl.: Rainer Karlesch, Raymond G. Stokes, Faktor Öl. Die Mineralölwirtschaft in Deutschland 1859-1974, München 2003, S.332-342. Siehe auch: Harm G. Schröter, Von der Teilung bis zur Wiedervereinigung (1945-2004), in: Michael North (Hrsg.), Deutsche Wirtschaftsgeschichte. Ein Jahrtausend im Überblick, 2. völlig überarbeitete und aktualisierte Auflage, München 2005, S.356-426, hier: S.413f. 844Nach der Wirtschaftskrise 1974/75 hatten die in Fürth ansässigen Firmen Grundig und Quelle dank relativ guter Umsätze mit rund 38.500 bzw. 43.000 Beschäftigten in den Jahren 1978/79 den personellen Höchststand ihrer Firmenentwicklung erreicht.

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