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für die 3. und 4. Jahrgangsstufe erstmals Unterricht in einer Fremdsprache eingeführt worden.856 Eine weitere Neuerung war in Fürth 1991 die Umbenennung der staatlichen Realschule an der Ottostraße in Leopold-Ullstein-Realschule.857 Zugleich öffnete sich nach der Unterzeichnung des Zwei-plus-Vier-Vertrages zur Deutschen Einheit - der bis 1994 mit dem vertraglich vereinbarten Abzug aller 400.000 in der ehemaligen DDR stationierten Soldaten der Sowjetunion, einem parallel von Präsident George H.W. Bush 1990 angekündigten Abbau der amerikanischen Truppen in Deutschland bis 1995 und einer gleichzeitigen Reduzierung der zusammen mit der ehemaligen Nationalen Volksarmee der DDR über 700.000 Soldaten verfügenden Bundeswehr auf 370.000 Soldaten verbunden war858 - in Fürth ein gewaltiges kommunales Handlungsfeld zur Konversion von Militärflächen, da die Amerikaner im Stadtgebiet über ein Flächenpotenzial von 287,9 ha verfügten, das bei einem Abzug für zivile Nutzungen wie Gewerbe oder Wohnen in Frage kam. Bei einer Reduzierung der Bundeswehr stand außerdem die 10,8 ha umfassende Fläche des Mobilmachungsstützungspunktes an der äußeren Schwabacher Straße zur Verfügung,859 so dass das gesamte Flächenpotenzial 4,72 % des Stadtgebiets von 6.335 ha ausmachte. Aufgrund der durch die Zuwanderung von Aussiedler/innen aus der Sowjetunion und von Übersiedler/innen aus der DDR von 97.480 Personen 1987 auf 103.906 Personen

856Vgl.: Hubert Buchinger, Die bayerische Volksschule im Wandel der Zeit. Ein Beitrag zur Schulge-

schichte Bayerns von 1800 bis zur Gegenwart. Überarbeitete Fassung eines Festvortrages zur Sonderausstellung Schule und Bildung im Landkreis Regensburg am 27. April 2007, Regensburg 2008, S.13. 857Vgl.: Leopold-Ullstein-Realschule, Festschrift zum 50-jährigen Bestehen, Fürth 2016, S.26. Leopold Ullstein (1826-1899) war in Fürth als vierter Sohn des jüdischen Papierhändlers Hajum Hirsch Ullstein im Anwesen Mohrenstraße 2 geboren worden, hatte die 1836 als Ergänzungsschule von Dr. Heinrich Brentano in Fürth gegründete private Erziehungsanstalt für Knaben mit Vormittags- und Nachmittagsunterricht, den Fächern Religion, Deutsch, Latein, Französisch, Italienisch, Mathematik, Geografie, Geschichte und Physik sowie einer von 17.00 bis 19.00 Uhr dauernden Hausaufgabenbetreuung besucht und ab dem 14. Lebensjahr bei seinem Vater eine Lehre als Papier- und Buchhändler absolviert. Da das bayerische Judenedikt von 1813 alle jüdischen Haushaltsvorstände zur Annahme eines deutschen Familiennamens und zur Registrierung in einer Matrikel verpflichtet hatte und die zur Ausübung eines eigenen Gewerbes und zu einer Verheiratung erforderliche Matrikelnummer erst nach dem Tod des Haushaltsvorstandes auf den ältesten männlichen Nachkommen übertragen werden konnte, blieb lediglich der älteste Bruder von Leopold Ullstein in Fürth, während seine beiden älteren Brüder als Papierhändler 1856 nach Leipzig und Leopold Ullstein nach Berlin auswanderten und sächsische bzw. preußische Staatsbürger wurden, weil es auch nach Gründung des Deutschen Reiches 1871 bis zum Reichs- und Staatsbürgergesetz von 1913 keine deutsche Staatsangehörigkeit gab. In Berlin war Leopold Ullstein ab 1856 zunächst als Papierhändler tätig, bevor er 1877 eine Zeitung erwarb und anschließend ein Presse-Imperium aufbaute, das das Neue Berliner Tagblatt, die Berliner Zeitung, die Berliner Illustrierte Zeitung, die Berliner Abendpost verlegte und anlässlich des Attentats auf Kaiser Wilhelm I (1797-1888) im Jahr 1877 auch ein erstes Extra-Blatt herausgab. Vgl.: Barbara Ohm, Geschichte der Juden in Fürth, Fürth 2014, S.139f. (Judenedikt von 1813), S.140 (Leopold Ullstein) und S.172f. (Private Erziehungsanstalt für Knaben von Dr. Heinrich Brentano). 858Vgl.: Bernd Jesussek, Sternenbanner und Kleeblatt. Eine Reportage über fünfzig Jahre amerikanische Besatzung und Freundschaft am Beispiel der Stadt Fürth, Fürth 1996, S.161 und S.170 (Monteith-Barracks). 859Vgl. zu den Angaben der von den Amerikanern genutzten Flächen: Stadt Fürth, Baureferat/Stadtplanungsamt (Hrsg.), 10 Jahre Konversion. Der Fürther Weg. Die Entwicklung auf den ehemaligen Militärflächen im Stadtgebiet Fürth von 1995 bis 2005, Fürth 2005, S. 13. Dabei umfassten die Monteith Barracks 122 ha, die W.-O.-Darby-Barracks 42 ha, die Kalb-Siedlung 40,8 ha, die Johnson-Barracks 40 ha, die Dambach-Housing 9,2 ha, die PX (Lebensmittelmarkt) und Commissary (Kaufhaus ohne Lebensmittel) 10,6 ha, das Zennwald-Depot 10,0 ha, der Schießplatz Tulpenweg 2,5 ha und der Mobilmachungsstützpunkt der Bundeswehr 10,8 ha.

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