lem des Bologna-Prozesses vor allen darin, dass ein zweistufiges System berufsqualifizierender Abschlüsse (undergraduate und graduate, in Deutschland Bachelor und Master) eingeführt wurde, das in einem Zeitalter, in dem mittlere, höhere und sogar höchste Schul- und Qualifikationsabschlüsse längst zu einem wichtigen Kriterium für die Erwerbsbeteiligung und das Arbeitsmarktrisiko geworden waren, arbeitsmarktbezogen eher dysfunktional wirkte und Studierende nach Abschluss eines Bachelorstudiums zur Aufnahme eines ergänzenden Masterstudiums zwang. Eine solche arbeitsmarktbezogen eher dysfunktionale Unterscheidung zwischen undergraduate und graduate wie bei den Bachelor- und Masterabschlüssen hatte es zuvor bei den Magister- und Diplomstudiengängen nicht gegeben, da beide formal über die gleiche Mindeststudienzeit von vier Jahren verfügten und grundsätzlich als graduierte Abschlüsse galten, auch wenn Magisterstudiengänge nur an Universitäten und Diplomstudiengänge sowohl an Universitäten als auch an Fachhochschulen absolviert werden konnten und das Diplom bei Fachhochschulabsolvent/innen mit den Zusatz FH zu versehen war. Dass höhere und höchste Schul- und Qualifikationsabschlüsse immer wichtiger wurden, hatte das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) der Bundesagentur für Arbeit schon 2008 verdeutlicht, als es zu den Erwerbschancen und Arbeitsmarktrisiken der Qualifikationsgruppen ausführte, dass gegenwärtig ab einem Alter von Mitte Dreißig fast das gesamte akademische Bevölkerungspotenzial erwerbstätig sei und die Erwerbsquote bis etwa zum 60. Lebensjahr bei rund 90 % liege. Demgegenüber falle die Erwerbsbeteiligung der mittleren Qualifikationsgruppen ab dem 50. Lebensjahr bereits deutlich niedriger als bei Akademiker/innen aus und ab dem 57. Lebensjahr seien die mittleren Qualifikationsgruppen schon zu nennenswerten Teilen aus dem Erwerbsleben ausgeschieden. Und bei den Geringqualifizierten seien schon im Alter von 20 bis 30 Lebensjahren 20 % arbeitslos sowie in den daran anschließenden Lebensabschnitten nie mehr als 50 % bis 60 % in Arbeit, bevor die Erwerbsbeteiligung im Alter von 55 und mehr Lebensjahren massiv einbreche. Da sich die Bundesrepublik Deutschland wie auch andere hochentwickelte Wirtschaftsnationen auf dem Weg in eine Wissens- und Informationsgesellschaft befinde, werde der Bedarf an Hochqualifizierten weiter steigen, während für Geringqualifizierte weitere massive Beschäftigungseinbußen zu erwarten seien.1007 Vor diesem Hintergrund ließ der Drang zu höheren Schul- und Qualifikationsabschlüssen in Fürth trotz der durch den Bologna-Prozess nicht einfacher gewordenen Studienbedingungen nicht nach, weshalb die am 1. Juli 2008 in Max-Grundig-Schule umbenannte Berufs- und Fachoberschule an der Amalienstraße/Dambacher Straße bereits ein Jahr nach der in Bayern an allen Berufs- und Fachoberschulen zu Schuljahresbeginn 2008/2009 zum Erwerb einer fachgebundenen oder allgemeinen Hochschulreife verbindlich eingeführten 13. Klasse einen derart starken Anstieg der Schüler/innenzahl zu verzeichnen hatte, dass die in einem vor fünf Jahren geplanten und 2010 offiziell eingeweihten Erweiterungsbau geschaffenen elf neuen Klassenzimmer zu Schuljahresbeginn 2009/2010 nicht mehr ausreichten und an den Berufsschulen
1007Vgl.: Wolfgang Biersack, Anja Kettner, Alexander Reinberg, Franziska Schreyer, Akademiker/innen
auf dem Arbeitsmarkt. Gut positioniert, gefragt und bald sehr knapp, in: IAB-Kurzbericht 18/2008, S.1-8, hier: S.3 und S.5.
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