Gleichzeitig bekam die im Juli 2008 nach Max Grundig benannte ehemalige Berufsund Fachoberschule, die durch die im September 2008 vom Kultusministerium in Bayern zum Erwerb der Allgemeinen Hochschulreife verpflichtend eingeführten 13. Klassen zur Beruflichen Oberschule an der Amalienstraße/Dambacher Straße geworden war, zu ihren bisherigen Ausbildungsrichtungen (Technik, Wirtschaft/Verwaltung, Sozialwesen) zusätzlich die Ausbildungsrichtung Internationale Wirtschaft,1095 die im Zeitalter einer wachsenden Globalisierung wirtschaftlicher Prozesse zweifellos bedeutsam war. Die Leopold-Ullstein-Realschule erhielt im Oktober 2015 außerdem eine Stelle für Jugendsozialarbeit,1096 womit neben den Mittelschulen mit Ausnahme der Mittelschulen Am Finkenschule und in Stadeln nun auch die beiden Realschulen in Fürth über ein sozialpädagogisches Unterstützungsangebot für die Schüler/innen verfügten. Nachdem trotz der 2013 von Griechenland und 2014 von Bulgarien gegenüber der Türkei und der im September 2015 von Ungarn gegenüber Serbien errichteten Grenzzäune durch den ab August 2015 massiv einsetzenden Flüchtlingsandrang nach endgültigen und um Mehrfachzählungen bereinigten Berechnungen im Jahr 2015 insgesamt 890.000 Asylbewerber/innen und Flüchtlinge in die Bundesrepublik Deutschland gekommen waren,1097 führte erst die Anfang März 2016 von Mazedonien, Serbien, Kroatien, Ungarn und Slowenien veranlasste und von Österreich unterstützte Schließung der West-Balkanroute und das am 18. März 2016 unterzeichnete EU-Türkei-Abkommen zu einem deutlichen Rückgang der Zuwanderung.1098 Waren im EASY-Informationstechnik-System im Januar und Februar 2016 noch 91.671 bzw. 61.428 Asylbewerber/innen und Flüchtlinge registriert worden, verringerte sich deren Anzahl im März 2016 auf 20.608 Personen und lag in den Monaten April bis Oktober 2016 nur 1095Vgl. den Artikel Berufsoberschule Bayern, in: www.wikipedia.de, hier: Ausdruck vom 30.10.2020 und
die Startseite, in: www.mgs-fuerth.de, hier: Ausdruck vom 30.10.2020. Neben der Ausbildungsrichtung Internationale Wirtschaft wurde an den Beruflichen Oberschulen in Bayern im September 2015 als eine von den Schulen auszuwählende Option auch die Ausbildungsrichtung Gesundheit neu eingeführt. 1096Vgl.: Leopold-Ullstein-Realschule, Festschrift zum 50-jährigen Bestehen, Fürth 2016, S.27. 1097Vgl.: Migrationsbericht des Bundesamtes für Migration und Flüchtlinge im Auftrag der Bundesregierung 2015, hrsg. vom Bundesministerium des Innern, Berlin (Dezember) 2016, S.5 und S.10. 1098Vgl. den Artikel Balkanroute und den Artikel EU-Türkei-Abkommen, in: www.wikipedia. Das scheinbar in kurzer Zeit zustande gekommene EU-Türkei-Abkommen hatte allerdings eine längere Vorgeschichte, da zwischen Griechenland und der Türkei bereits im April 2002 ein Rücknahmeabkommen für illegal Einreisende in Kraft getreten war, das 2013 von der EU im Rahmen der Neuregelung des Dublin-Verfahrens (Dublin III) übernommen wurde. Da sich die Türkei jedoch weigerte, das von der EU übernommene Rücknahmeabkommen für illegal Eingereiste umzusetzen, stellte Bundeskanzlerin Merkel bei einem Besuch in Istanbul Mitte Oktober 2015 der Türkei mehr Geld für Flüchtlingslager, Reiseerleichterungen für türkische Bürger/innen in die EU und eine Wiederaufnahme der nach einem Antrag der Türkei aus dem Jahr 1987 im Jahr 2005 aufgenommenen, aber 2006 wegen der Weigerung der Türkei, ihre Häfen für Schiffe aus Zypern zu öffnen, von der EU eingefrorenen Beitrittsverhandlungen zur EU in Aussicht. Danach verständigten sich die EU und die Türkei bis Ende November 2015 auf einen Aktionsplan zur Begrenzung der Zuwanderung, der die Zahlung von bis zu 3 Mrd. Euro für Nahrungsmittel, den Bau von Schulen und Unterkünften für die in der Türkei lebenden syrischen Flüchtlinge vorsah und die Türkei zur Bekämpfung des Schlepperwesens und zur Rücknahme von weiterreisenden Flüchtlingen sowie die EU zur Aufnahme von in der Türkei lebenden Flüchtlingen für jeden zurückgenommenen Flüchtling im Verhältnis 1:1 verpflichtete. Das am 18.03.2016 unterzeichnete EU-Türkei-Abkommen sah zusätzlich eine beschleunigte Auszahlung der 3 Mrd. Euro und eine Aufstockung der Hilfsgelder um weitere 3 Mrd. Euro bis Ende 2018 vor. Siehe zu den Regelungen auch den Artikel Wer jetzt kommt, muss zurück. Das sind die Einzelheiten des Abkommens zwischen der EU und der Türkei, in: Fürther Nachrichten vom 19.03.2016, S.2 (Hauptteil).
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