RFM Vortrag
„So hat das in New York lebende russische Künstlerpaar Vitaly Komar und Alexander Melamid ... gefangenen Elefanten das Malen beigebracht. ... Komar und Melamid begannen Mitte der 1990er Jahre ihre erste Kollaboration mit dem Elefanten Renee im Toledo Zoo in Ohio. Da Elefanten auch ohne Anweisung zuweilen mit Stöcken Linien auf den Boden zeichnen, konnte man sich im Training diese Vorliebe zunutze machen. 1998 eröffneten Komar und Melamid ihre erste Elefanten-Kunstakademie in Lampang. ... 1999 stellte das Künstlerduo als Vertreter Russlands auf der Venedig Biennale Werke der Elefanten Juthanam, Phitsamai und Nam Chok aus“. Aus dem Aufsatz: „Jedes Tier ist eine Künstlerin“ von Jessica Ullrich. Mehr Infos: www.elephantart.com miten“. Im
wahrzunehmen, dass Tiere ein reicheres Innenleben besitzen, als wir meinen“, so Ullrich. Für sie ist die Diskussion über Tiere im Kontext Kunst einleuchtend: „Wenn wir akzep�eren, dass alles evolu�onär entstanden ist“, folgt Ullrich dem Darwin’schen Ansatz, „warum sollte dann die Ästhe�k aus dem Nichts geboren worden sein“. Der Vorsokra�ker Demokrit (460/459 v. Christus, bis um 371 v. Chr.), der als großer Naturphilosoph gilt, hat bereits kühn formuliert, dass alle Kunst aus �erischem Verhalten entstanden ist: „Tiere sind unsere Lehrer in vielen Facetten“, sagt auch die heu�ge Wissenscha�lerin Jessica Ulrich und zählt auf: „Die Architektur bedient sich der Vorbilder wie Vogelnester, Bienenwaben, Biberbauten; wahre Städteplaner sind die Ter
12
Tanz findet man Anleihen aus dem Balzverhalten der Tiere; in der Musik stehen die Vögel Pate; Spinnen sind Meister des Handwerks, nach dem sie benannt sind. Betrachtet man zudem Kunst als „Soziale Ak�vität“, finden wir bei den Gesängen der
Wale, dem Vogelzwitschern klangvolle Belege. Heute wird die Frage, ob Kunst von nichtmenschlichen Tieren stammt, zur Wahrnehmung des Tieres als Künstler und als Betrachter von Kunst erweitert. „Nichtmenschliche Tiere dienen in der Kunst nicht nur als Mo�v, sie sind auch o� unbemerkt Inspira�onsquelle für krea�ve Produk�on“, so Ullrich im erwähnten Aufsatz. Das wiederum klingt wie die Fortsetzung von Beuys berühmtem „Jeder Mensch ist ein Künstler“, das vor allem den Kunstbegriff erweitern wollte. Ähnlich he�ig disku�ert dür�en manche Postulate der „Animal Studies“ sein. Zum Gespräch auch darüber ist am Sonntag Gelegenheit. Der Vortrag „Der beste Freund des Künstlers“ fand begleitend zur bis März laufenden Sonderausstellung „Walross, Rundfunk & Co. Tierisches aus Fernsehen und Radio“ im Rundfunkmuseum sta�.
„Nipper and Grammophone“. Foto: Holger.Ellgaard – CC BY-SA 3.0
Rundfunk & Museum 95 – September 2018