Franz Kimmig
- Person
- Franz Kimmig
- Vorname
- Franz
- Nachname
- Kimmig
- Geschlecht
- männlich
- Abw. Name
- Anton
- Geburtsdatum
- 27. Juli 1916
- Geburtsort
- Nordrach (Baden)
- Todesdatum
- 31. August 1959
- Todesort
- Fürth
- Beruf
- Postbeamter
- Partei
- Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (NSDAP)
- Wilhelm-Löhe-Straße 18 (Wohnanschrift seit 1937)
- Rosine Kimmig (Ehefrau)
- Manfred Kimmig (Sohn)
- Bernd Kimmig (Enkel)
Franz Anton Kimmig (geb. 27. Juli 1916 in Nordrach/Baden; gest. 31. August 1959 in Fürth) war zuletzt Postfacharbeiter bei der Deutschen Bundespost. Er war verheiratet mit Rosine Kimmig (Lageristin). Aus der Ehe stammt mindestens ein Sohn (Manfred Kimmig, 5. Februar 1943 – 24. September 2015).
Zweiter Weltkrieg
Wie und wann Kimmig nach Fürth kam, ist aktuell wenig bekannt. Er muss schon vor Eintritt des 2. Weltkrieges in Fürth ansässig gewesen sein. Aus seiner Mitgliedskartei bei der NSDAP geht hervor, dass er die Mitgliedsnummer 5.366.710 hatte. Er trat der Partei demzufolge am 1. Mai 1937 bei und wohnte zu diesem Zeitpunkt in der Schützenstraße 18, der heutigen Wilhelm-Löhe-Straße in der Fürther Altstadt. Zuvor war er bereits in Nürnberg, hier in der Flurstraße 17, wohnhaft. Weiterhin wurde auf der Meldekartei als Beruf SS-Wachmann angegeben.
Kimmig war von Beginn an als Soldat im Krieg – also vom 1. September 1939 bis zur Gefangenschaft am 9. Mai 1945. Am 26. Juli 1945 wurde er schließlich aus der tschechischen Kriegsgefangenschaft entlassen und kehrte nach Fürth zurück. Der Krieg hatte ihn schwer gezeichnet. Er erlitt mehrere Verletzungen, u. a. einen schweren Schädelbruch im April 1942 an der Ostfront. Kimmig war als Angehöriger der 1. Luftwaffenfelddivision durch einen Artillerietreffer verschüttet worden und überlebte diesen scheinbar nur knapp. In einem Kriegslazarett bei Nowgorod verbrachte er drei bis vier Monate, bis er erneut an die Front versetzt wurde.
Während seines Aufenthalts im Lazarett kam es zu einer folgenreichen Begegnung mit dem Generalfeldmarschall und Oberbefehlshaber der Heeresgruppe Mitte Ferdinand Schörner, der auch der „blutige Ferdinand“ genannt wurde bzw. als „der brutalste von Hitlers Feldmarschällen“ galt. Kurz vor Kriegsende musste Kimmig, inzwischen Leutnant, am 29. April 1945 frühmorgens als Kurier des Feldkommandos Ost in Hirschberg/Schlesien beauftragt worden sein, Schörner einen Befehl aus dem Führerhauptquartier zu übermitteln. In dem Befehl – so die spätere schriftliche Aussage von Kimmig – stand sinngemäß, dass „Generalfeldmarschall Schörner mit sofortiger Wirkung zum Oberbefehlshaber der deutschen Wehrmacht[1] ernannt“ wurde. Weiterhin sollte Schörner sofort die Alpenfestung aufbauen und den Oberbefehl dort selbst übernehmen. Eine Maschine würde für ihn in Görlitz am Flugplatz bereits warten. Eine direkte Übergabe kam nicht mehr zustande – allerdings hätte Kimmig den Befehl am 1. Mai 1945 im niederschlesischen Jauer an einen Hauptmann übergeben können. In einem Nachkriegsprozess im August 1958 gegen Schörner gab dieser an, den Befehl über mehrere Ecken erhalten zu haben, sich dem Befehl aber nicht gebeugt zu haben. Vielmehr begann er „Fahnenflucht“ mit der Stabskasse, ehe er auf einer österreichischen Alm von US-Truppen festgenommen werden konnte.
Nachkriegszeit
Kimmig selbst kam nach dem Krieg wieder nach Fürth und wohnte wieder unter seiner alten Anschrift in der Wilhelm-Löhe-Straße 18.[2] Sein Enkel Bernd Kimmig erzählte dem Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) im Mai 2026, dass sein Großvater stets mit den Folgen des Krieges kämpfen musste. Ein „Loch“ im Schädel, als Folge des Schädelbruchs im April 1942, konnte an der Uniklinik Erlangen verschlossen werden. Weiterhin hätte er so gut wie nie gelacht, neigte zu Unbeherrschtheit und Jähzorn. Es sei laut dem Enkel „immer etwas Dunkles im Hintergrund“ gewesen. Der Verdacht des Enkels: vermutlich haben ihn die Kriegsspätfolgen zermürbt. In der Nachkriegszeit setzte er sich für seine ehemaligen Kameraden ein und engagierte sich im Volksbund deutscher Kriegsgräberfürsorge (VdK). Auf die Nachkriegsgeschichte, insbesondere auf die Karriere mancher Nazis in der Bundesrepublik in Politik und Justiz, sei er nach Angaben seines Enkels wütend gewesen.
Der Krieg im Kopf, so Bernd Kimmig, hörte wohl bei ihm nie auf. Auch die Anfeindungen seiner entlastenden Aussagen im Prozess gegen den ehem. Oberbefehlshaber Ferdindand Schörner im Jahr 1958 in München setzten Kimmig weiter zu, neben den gesundheitlichen Problemen. Am 31. August 1959 beging Kimmig Selbstmord.
Siehe auch
Weblinks
- Dr. Daniel Niemetz: Schörner, die Alpenfestung und ein tödliches Kriegstrauma. MDR - Nachrichten & Themen - Geschichte vom 11. Mai 2026 - online