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TV-GESCHICHTE errechnen­ mit­ dem­ das­ Display­ angesteuert­ werden­ kann.­ Da­ diese­ ersten­ kleinen­ LCD-TVDisplays­ nur­ eine­ Auflösung­ von­ 640x480­ Pixeln­ (VGA-Standard)­ hatten­ wurde­ bei­ Grundig­ die­ Idee­ entwickelt­ den­ 100­ Hz-­ Fernsehschaltkreis­ „Falconic“­ als­ „Deinterlacer“­ und­ „Scaler“­ einzusetzen.­ Unter­ Skalierung­ versteht­ man­ die­ Umrechnung­ des­ 720x576­ Pixel­ Bildinhaltes­ eines­ PAL/CCIR­ Vollbildes­ auf­ die­ Displaywerte,­ hier­ 640x480­ Pixel.­ Damit­ entstand­ das­ erste­ LCD-TV-Gerät­ in­ Serie,­ das­ alle­ Funktionen­ eines­ „Highend“­ 100­ Hz-Röhrenfernsehgerätes­ besaß.­Dieser­Tharus­20­schnitt­in­ den einschlägigen Testmagazinen hervorragend­ab.­ Die­Entwicklungsarbeiten­an­den­ langsam­ verfügbar­ gewordenen­ größeren­ LCD-Displays,­ wie­ 23“,­ 26“­und­30“­wurden­durch­die­Insolvenz­der­Grundig­AG­im­Jahre­ 2003­ unterbrochen.­ Der­ mörderische Preiskampf in der Unterhaltungselektronikbranche­ hatte­ den­Fernsehbereich­voll­erfasst.­ Der­ Grundig­ Unterhaltungselektronikbereich­ wurde­ 2004­ gemeinschaftlich­ von­ BEKO­ (Koc)­ und Alba übernommen und eine neue­ Gesellschaft,­ die­ Grundig­ Intermedia­ AG­ gegründet.­ In­ Nürnberg­konnte­sich­eine­kleine,­ bewährte Entwicklungsabteilung unter Leitung des Autors weiter mit­ der­ Entwicklung­ von­ „Highend“­LCD-TV-Geräten­befassen. Es entstand das Chassiskonzept G1­ auf­ der­ Basis­ eines­ „Scalers“­ der Firma Trident (inzwischen

von­ Sigma­ Designs­ übernommen),­das­die­nun­üblichen­LCDDisplays­ mit­ 1280x768­ Pixeln­ (WXGA)­ ansteuern­ konnte.­ Zu­ dieser­Zeit­waren­die­Bildschirmgrößen­ 26“­ also­ 66cm­ und­ 30“­ also­76cm­verfügbar. 1.1 Entwicklungszusammenarbeit mit X3D Technologies und 3D Image Processing Anfang­ 2005­ hatte­ die­ Firma­ 3D­ Image Processing bei Grundig Intermedia angefragt ob nicht Interesse bezüglich einer Zusammenarbeit­ an­ einem­ LCD-Fernseher­ mit­ brillenloser­ 3D-Wiedergabe­ bestünde.­ 3D­ Image­ Processing­ hatte­ sein­ 3D-RealTime­ Vision­ System­ unter­ anderem­ für­ einen­ namhaften­ Kunden­ der­ Fertigungsautomation­ entwickelt­ um­ damit­ z.B.­ Abstands-­ und­ Lagemessungen­ in­ automatisierten­ Fertigungsstraßen­ (Roboterhandhabung)­ durchführen­ zu­ können.­ Und­ hauptsächlich­ natürlich um der generell wachsenden Nachfrage der Industrie nach in­Echtzeit­erstellten­präzisen­visuellen­ 3D-Modellen,­ 3D-Filmen­ und­ 3D-TV­ Inhalten­ für­ Designentwicklungen,­ Marketingaufgaben und Werbung nachkommen zu­können. Für­ diese­ Anwendungen,­ wenn­ wir­z.B.­an­die­Werbung­denken,­ ist­die­Benutzung­von­Brillen­ein­ großes­ Handicap.­ Nehmen­ wir­ den Fall eines Werbespots der in­einem­Verkaufsraum­läuft­und­ die Kunden müssten beim Vorbeischlendern erst dazu gebracht werden­Brillen­aufzusetzen,­dann­ wäre der Erfolg nicht besonders

umwerfend.­ Springt­ ihnen­ aber­ beim­ flüchtigen­ Blick­ auf­ den­ Bildschirm­ ein­ räumliches­ Bild­ quasi­ entgegen,­ sollte­ dies­ für­ Interesse­sorgen.­Bevor­wir­aber­ auf­den­spezifischen­Algorithmus­ von­ 3D­ Image­ Processing­ eingehen­ zunächst­ eine­ kurze­ Funktionserklärung­des­brillenlosen­3D­ Verfahrens. 1.2 Prinzip der Verfahren ohne Brille (Autostereoskopische Verfahren) Ein Grundprinzip dazu wurde schon­ 1912­ vom­ Schweizer­ Augenarzt­ Walter­ R.­ Hess­ als­ „Lentikular-Folien-Stereogramm“­ patentiert.­ Bei­ einer­ Anwendung­ dieser­ Technik­ auf­ 3D-TV-Geräte­ wird­ eine Linsenrasterfolie (Fresnellinsenfilterfolie)­ direkt­ auf­ dem­ Flachdisplay­ aufgebracht.­ Die­ Ansteuerung­des­Displays­erfolgt­ dann­ so,­ dass­ vertikale­ Streifen­ des­ linken­ und­ rechten­ Bildes­ aufeinander folgen (was allerdings­ die­ örtliche­ Auflösung­ in­ der horizontalen Richtung halbiert).­Der­Abstand­zwischen­den­ Augen­sorgt­dafür,­dass­das­linke­ Auge­nur­die­linken­Pixel-Streifen­ und das rechte Auge nur die rechten­Pixel-Streifen­sieht­und­damit­ das­ dreidimensionale­ Bild­ vom­ Betrachter­gesehen­werden­kann­ (siehe­ Abb.1).­ Praktisch­ ergibt­ sich­aber­ein­sehr­kleiner­Bereich­ (kleiner­ Sweet­ Spot)­ in­ dem­ das­ Bild­ korrekt­ stereoskopisch­ gesehen­ werden­ kann.­ Deswegen­ wurden­ Systeme­ entwickelt,­ die­ mit einer Kamera die Augen des Betrachters­erfassen­und­Distanz­

Rundfunk & Museum 92 – Januar 2017

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