Radiogeschichte VOX-Haus in der Potsdamer Str. 4 in Berlin. Hans Bredow beauftragte das Telegraphentechnische Reichsamt der DRP mit dem Bau eines Mittelwellensenders aus Laboratoriumsmitteln, da keine Gelder für einen Sender der Funkindustrie zur Verfügung standen. Bereits Anfang Oktober 1923 konnte der Sender im VOX-Haus aufgebaut werden [2, S. 363]. Am 29. Oktober 1923 begann um 20 Uhr ofÏziell der Unterhaltungsrundfunk in Deutschland mit einem einstündigen Eröffnungskonzert aus dem VOX-Haus in Berlin auf Welle 400 Meter [2, S. 363]. Die Reichweite dieses ersten Mittelwellensenders war noch gering. Deshalb übernahm der zentral gelegene Langwel-
Senderhaus1 Funkerberg, 1920.
lensender in Königs Wusterhausen mit seinen günstigen Sendebedingungen in den ersten Jahren das Programm des VOX-Haus-Senders. [3, S. 53] Das Programm Die erste Sendefolge vom 29. Oktober 1923 sagte Friedrich Georg Knöpfke an. Sie bestand aus einer kurzen Einführung und einer Musikfolge, die zum Teil von anwesenden Künstlern live gespielt und zum Teil von Schallplatten übertragen wurde. Ab jetzt bot Berlin jeden Abend ein Musikprogramm, das entweder von Schallplatten oder meist von der Tanzkapelle Bernard Etté kam [2, S. 422]. So wurde das Hausorchester des VOX-Konzerns unter B. Etté zum ersten deutschen Rundfunkorchester und
zu einem Werbeträger für die VOX-Schallplatten. Die erste Wortsendung gestaltete am 3. November 1923 das Berliner Kabarett „Die Rampe“. Der Nachrichtendienst wurde am 9. November 1923 begonnen [2, S. 422]. Nachrichten sollten den Sendeanstalten ausschließlich von der dem Innenministerium nahestehenden DRADAG zur Verfügung gestellt werden [2, S. 362]. Um den behördlichen Einfluss des Reiches auf das Programm sicherzustellen, wurde die „Verordnung zum Schutze des Funkverkehrs“ vom 8. März 1924 erlassen. Man einigte sich als wichtigsten Grundsatz auf die Überparteilichkeit für den Nachrichten- und Vortragsdienst [3, S. 34]. Die unpolitische
Foto: FV Königs Wusterhausen Rundfunk & Museum 97 – September 2019
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