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Radiogeschichte

Ausrichtung des Rundfunks wurde bis 1932 sehr strikt gehandhabt und führte zu einer Ausblendung innenpolitischer Probleme. Trotzdem fanden neben den Nachrichtensendungen Beiträge zum aktuellen Tagesgeschehen ihren Raum. So übermittelte der Sender Leipzig am 4. und 5. Mai 1924 bis spät in die Nacht die Ergebnisse der Reichstagswahl [4, S. 113 / 114]. Nach einer ersten Rede unter dem Titel „Politischer Weihnachtsgruß“ des Reichskanzlers Marx am 25. Dezember 1923 über den Berliner Sender [5, S. 28] bekamen am 24. April 1925 die beiden Kandidaten um das Amt des Reichspräsidenten, Paul von Hindenburg und Wilhelm Marx, die Gelegenheit zu einer kurzen Rundfunkansprache [2, S. 422 / 424]. Die Zeitschrift „Der deutsche 10

Rundfunk“ veröffentlichte für die Zeit vom 23. Dezember 1923 bis 6. Januar 1924 für den Berliner Sender das erste regelmäßige Programm [2, S. 422]: 16:30 – 18:00 Uhr Unterhaltungsmusik Vorträge 18:30 Uhr 20:10 – 21:00 Uhr Konzert 21:15 Uhr Nachrichten 21:30 – 23:00 Uhr Tanzmusik Ab März 1924 wurde das Berliner Programm erheblich erweitert durch die Bekanntgabe von Kleinhandelspreisen und Börsenkursen, Tagesnachrichten, Wettervorhersagen und die Zeitansage [2, S. 422]. Nach ersten Versuchen von Opernsendungen aus dem Studio im VOX-Haus erfolgte am 18. Januar 1924 die Übertra-

Rundfunk & Museum 97 – September 2019

gung der Operette „Frasquita“ von Franz Léhar direkt aus dem Berliner Thalia-Theater. Aufgrund der unterschiedlichen Anforderungen von Bühne und Sendesaal, wurden nun Bühnenstücke, wie Opern oder Revuen speziell für die Mikrophonaufnahme umgearbeitet. Auch Theaterstücke wurden für das Radio inszeniert: Frankfurt brachte am 29. Juni 1924 mit „Lancelot und Sandarein“ das erste Sendespiel [2, S. 423]. Hieraus entwickelte sich die Programmsparte des Hörspiels, die bis heute fester Bestandteil des Rundfunks ist. Die erste Jugendsendung sendete Berlin unter dem Titel „Gedichtchen und Geschichtchen“ am 13. April 1924. Frankfurt folgte am 20. April 1924 mit der „Jugendstunde“