Mähnenschaf: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Bild:Stadtpark Mähnenschaf Ausschnitt.jpg|mini|right|Bronzefigur "Mähnenschaf" im Stadtpark, Detail, ca. 1930]]
Die Tierplastik '''Mähnenschaf''' wurde von dem Münchner Künstler Theodor Georgii geschaffen und im Jahr [[1912]] im neuen [[Stadtpark]] aufgestellt. Die Bronzefigur stand zuerst am Hauptweg oberhalb des Wasserfalls auf dem Mittelsockel einer steinernen Rundbank, wurde aber [[1914]] an gleicher Stelle auf einen Sockel aus Natursteinen gesetzt. 1942 wurde die Bronzefigur für die sogenannte "[[Metallspende]] des Deutschen Volkes" abgebaut, im städtischen Bauhof eingelagert und dort [[1944]] zum Einschmelzen abgeholt.
Die Tierplastik '''Mähnenschaf''' wurde von dem Münchner Künstler Theodor Georgii geschaffen und im Jahr [[1912]] im neuen [[Stadtpark]] aufgestellt. Die Bronzefigur stand zuerst am Hauptweg oberhalb des Wasserfalls auf dem Mittelsockel einer steinernen Rundbank, wurde aber [[1914]] an gleicher Stelle auf einen Sockel aus Natursteinen gesetzt. 1942 wurde die Bronzefigur für die sogenannte "[[Metallspende]] des Deutschen Volkes" abgebaut, im städtischen Bauhof eingelagert und dort [[1944]] zum Einschmelzen abgeholt.


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Zum Fortgang der Arbeit und zur Auswahl des Tiermotivs erfährt man z. B aus einem Vermerk des Oberbürgermeisters [[Theodor Kutzer|Kutzer]] ''„Ich habe mich in München am 4. August überzeugt, dass das Modell des Mähnenbocks verkleinert fertig ist“'' und einem Brief des Künstlers vom 22. September 1911 ''„Der „Mähnenschafbock“ wird soeben in Gips gegossen und ist vom Montag ab in diesem Material sichtbar. Muss ich davon offiziell dem Magistrat der Stadt Fürth Mitteilung machen, um die fällige erste Rate für meine Arbeit zu erhalten? … Den Fortgang der Arbeit denke ich mir so, dass ich jetzt noch etwa 3 Wochen am Gipsmodell arbeite, dasselbe dann Ende Oktober dem Bronzegießer übergebe, so dass noch genügend Zeit für das Ziselieren der Bronze bleibt.“'' Als Bildhauer Georgii Anfang März [[1912]] die baldige vertragsgemäße Aufstellung ankündigte, bat die Stadt: ''„Auch wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns, da Sie ja die Eigenart des Mähnenschafes genau studiert haben und sicher mehr Bescheid wissen als wir, mit ein paar Zeilen zur Information der Presse und der hiesigen Bevölkerung über die Natur des Mähnenschafes Aufklärung geben wollten.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/55, Schreiben vom 6. März 1912</ref> In des Künstlers „Aufklärung“ steht unter anderem: ''„Das Mähnenschaf (Ovis tragelaphus) ist ein Wildschaf, welches in Afrika hauptsächlich im Atlasgebirge heimisch ist … Was das Tier besonders kennzeichnet und was trotz des wenig verlockenden Namens mich zum Teil veranlasst hat, es als Vorwurf für eine plastische Darstellung vorzuschlagen, ist seine üppige lange Mähne … Diese Mähne gibt der ganzen Erscheinung des Tieres, wenn es stolz auf einer Felsenklippe steht, etwas sehr dekoratives und wuchtiges.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/55, 8. März 1912</ref>
Zum Fortgang der Arbeit und zur Auswahl des Tiermotivs erfährt man z. B aus einem Vermerk des Oberbürgermeisters [[Theodor Kutzer|Kutzer]] ''„Ich habe mich in München am 4. August überzeugt, dass das Modell des Mähnenbocks verkleinert fertig ist“'' und einem Brief des Künstlers vom 22. September 1911 ''„Der „Mähnenschafbock“ wird soeben in Gips gegossen und ist vom Montag ab in diesem Material sichtbar. Muss ich davon offiziell dem Magistrat der Stadt Fürth Mitteilung machen, um die fällige erste Rate für meine Arbeit zu erhalten? … Den Fortgang der Arbeit denke ich mir so, dass ich jetzt noch etwa 3 Wochen am Gipsmodell arbeite, dasselbe dann Ende Oktober dem Bronzegießer übergebe, so dass noch genügend Zeit für das Ziselieren der Bronze bleibt.“'' Als Bildhauer Georgii Anfang März [[1912]] die baldige vertragsgemäße Aufstellung ankündigte, bat die Stadt: ''„Auch wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns, da Sie ja die Eigenart des Mähnenschafes genau studiert haben und sicher mehr Bescheid wissen als wir, mit ein paar Zeilen zur Information der Presse und der hiesigen Bevölkerung über die Natur des Mähnenschafes Aufklärung geben wollten.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/55, Schreiben vom 6. März 1912</ref> In des Künstlers „Aufklärung“ steht unter anderem: ''„Das Mähnenschaf (Ovis tragelaphus) ist ein Wildschaf, welches in Afrika hauptsächlich im Atlasgebirge heimisch ist … Was das Tier besonders kennzeichnet und was trotz des wenig verlockenden Namens mich zum Teil veranlasst hat, es als Vorwurf für eine plastische Darstellung vorzuschlagen, ist seine üppige lange Mähne … Diese Mähne gibt der ganzen Erscheinung des Tieres, wenn es stolz auf einer Felsenklippe steht, etwas sehr dekoratives und wuchtiges.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/55, 8. März 1912</ref>
==Die Aufstellung der Plastik==
==Die Aufstellung der Plastik==
[[Datei:Foto Stadtarchiv Fürth III 135.jpg|thumb|right|Das Mähnenschaf stand ursprünglich auf dem Mittelsockel einer Rundbank]]
[[Datei:Foto Stadtarchiv Fürth III 135.jpg|mini|right|Das Mähnenschaf stand ursprünglich auf dem Mittelsockel einer Rundbank]]
Die Bronzefigur wurde von Theodor Georgii am 22. März 1912 vertragsgemäß im Stadtpark auf dem mittleren Sockel der steinernen Rundbank oberhalb des Wasserfalls aufgestellt.
Die Bronzefigur wurde von Theodor Georgii am 22. März 1912 vertragsgemäß im Stadtpark auf dem mittleren Sockel der steinernen Rundbank oberhalb des Wasserfalls aufgestellt.
   
   
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Im [[Zweiter Weltkrieg|2. Weltkrieg]] ist das Mähnenschaf als Denkmal aus Bronze auch im Verzeichnis der Stadt vom 24. Mai 1940 für die "[[Metallspende des deutschen Volkes]]" aufgeführt und so begutachtet: ''„Das ‚Mähnenschaf‘ von Bildhauer Georgii im Stadtpark ist im Gartenbild eine besonders glückliche Schöpfung. Wegen seines Kunstwertes dürfte die Zuführung zur Metallspende abzulehnen sein.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/37: Denkmäler aus Nichteisenmetallen. Erfassung, Abbau, Einlagerung und Ablieferung</ref> Im November 1940 stellte das Landesamt für Denkmalpflege fest: ''„Recht gute Arbeit, bei aller Naturhaftigkeit gut geformt … Das Landesamt empfiehlt Erhaltung.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/37</ref> So kam es in der ersten Entschließung des Oberbürgermeisters vom 21. Januar 1941 zur Bewertung: „Mähnenschaf im Stadtpark: Bleibt erhalten.“
Im [[Zweiter Weltkrieg|2. Weltkrieg]] ist das Mähnenschaf als Denkmal aus Bronze auch im Verzeichnis der Stadt vom 24. Mai 1940 für die "[[Metallspende des deutschen Volkes]]" aufgeführt und so begutachtet: ''„Das ‚Mähnenschaf‘ von Bildhauer Georgii im Stadtpark ist im Gartenbild eine besonders glückliche Schöpfung. Wegen seines Kunstwertes dürfte die Zuführung zur Metallspende abzulehnen sein.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/37: Denkmäler aus Nichteisenmetallen. Erfassung, Abbau, Einlagerung und Ablieferung</ref> Im November 1940 stellte das Landesamt für Denkmalpflege fest: ''„Recht gute Arbeit, bei aller Naturhaftigkeit gut geformt … Das Landesamt empfiehlt Erhaltung.“''<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/37</ref> So kam es in der ersten Entschließung des Oberbürgermeisters vom 21. Januar 1941 zur Bewertung: „Mähnenschaf im Stadtpark: Bleibt erhalten.“


Dies galt nur bis zur im Mai 1942 vom Reichsminister des Innern verordneten Aktion zur Abnahme der meisten Denkmäler, dabei wurde Anfang Juli 1942 auch die Figur des Mähnenschafs im Stadtpark abgenommen und im Bauhof eingelagert. In der Gewichtsaufstellung der abgenommenen Bronzeteile steht beim Mähnenschaf „230 kg“.<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/37, 17.07.1942</ref> Zusammen mit den anderen eingelagerten Denkmalsteilen aus Bronze wurde das Mähnenschaf am 4. März 1944 im Bauhof von der Firma Hetzel & Co., Nürnberg, abgeholt und wohl noch im Laufe des Krieges in einem Kupferwerk im heutigen Polen eingeschmolzen – der letzte Beweis dafür fehlt.
Dies galt nur bis zur im Mai 1942 vom Reichsminister des Innern verordneten Aktion zur Abnahme der meisten Denkmäler, dabei wurde Anfang Juli 1942 auch die Figur des Mähnenschafs im Stadtpark abgenommen und im Bauhof eingelagert. In der Gewichtsaufstellung der abgenommenen Bronzeteile steht beim Mähnenschaf „230 kg“.<ref>Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/37, 17.07.1942</ref> Zusammen mit den anderen eingelagerten Denkmalsteilen aus Bronze wurde das Mähnenschaf am 4. März 1944 im Bauhof von der Firma Hetzel & Co., Nürnberg, abgeholt und wohl noch im Laufe des Krieges in einem der deutschen Kupferwerke eingeschmolzen.
 
Als sich nach dem Krieg die Zeiten wieder etwas normalisiert hatten, versuchte die Stadt Näheres über das weitere Schicksal von einigen der durch die Firma Hetzel und Co. übernommenen Denkmäler herauszufinden. Ergebnisse der Recherchen zum Verbleib des Mähnenschafs kamen in der Sitzung des Stadtrats am 29. September 1949 zur Sprache, darüber berichtete u. a. die Nordbayerische Zeitung zu einem Foto mit dem Text ''Das „Mähnenschaf“, das einst im Stadtpark stand'': ''… Im Kriege wurde das „Mähnenschaf“ zum Einschmelzen fortgeschafft. Es konnte wie wir in einer der letzten Stadtratssitzungen vernahmen, auch in Hamburg, der Zentralauskunftstelle für abgelieferte Kirchenglocken und Denkmäler, nicht mehr ausfindig gemacht werden. So müssen wir wohl damit rechnen, daß es nicht mehr nach Fürth zurückkehren wird, und daß es, wie so mancher Wert im Kriege, in die große Schmelzmasse eingegangen ist.''<ref>Nordbayerische Zeitung, 7. Dezember 1949, S. 7, ''Ein Verlust für Fürth''</ref>


==Vorschläge von Prof. [[Josef Zeitler]] zum Ersatz der Figur==
==Vorschläge von Prof. [[Josef Zeitler]] zum Ersatz der Figur==
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