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An metallenem Notgeld (Münzen aus Nickel) waren bis Dezember 1918 250.000 Mark in Umlauf gebracht. Im August 1920 trat Stadtbaurat [[Hermann Herrenberger|Herrenberger]] im Auftrag des Stadtrats an den Professor [[Rudolf Schiestl]] in Nürnberg heran, ob er einen Entwurf für Notgeldscheine fertigen könne. Dieser verwies ihn an seinen Bruder Heinz Schiestl in Würzburg, da dieser schon eine Reihe von Notgeld-Entwürfen hergestellt habe, u.a. für Lindenberg i. Allgäu und Coburg, Göttingen, Donauwörth, Würzburg, Aschaffenburg usw., insgesamt für 20 Städte. Als Anleitung für Motive übersandte er Bilder und bemerkte, „das einzig wirkliche Charakteristikum von Fürth ist das Rathaus mit seinem rassigen Turm“. Die Würzburger Druckerei H. Stürtz offerierte den Druck ähnlich wie bei den bereits gefertigten Ochsenfurter Scheinen. Die Firma Lion & Co in Fürth gab ebenfalls ein Angebot ab.  
An metallenem Notgeld (Münzen aus Nickel) waren bis Dezember 1918 250.000 Mark in Umlauf gebracht. Im August 1920 trat Stadtbaurat [[Hermann Herrenberger|Herrenberger]] im Auftrag des Stadtrats an den Professor [[Rudolf Schiestl]] in Nürnberg heran, ob er einen Entwurf für Notgeldscheine fertigen könne. Dieser verwies ihn an seinen Bruder Heinz Schiestl in Würzburg, da dieser schon eine Reihe von Notgeld-Entwürfen hergestellt habe, u.a. für Lindenberg i. Allgäu und Coburg, Göttingen, Donauwörth, Würzburg, Aschaffenburg usw., insgesamt für 20 Städte. Als Anleitung für Motive übersandte er Bilder und bemerkte, „das einzig wirkliche Charakteristikum von Fürth ist das Rathaus mit seinem rassigen Turm“. Die Würzburger Druckerei H. Stürtz offerierte den Druck ähnlich wie bei den bereits gefertigten Ochsenfurter Scheinen. Die Firma Lion & Co in Fürth gab ebenfalls ein Angebot ab.  


Im Oktober 1920 wurde jedoch die Aktion abgeblasen. Sie hätte 12 bis 20.000 Mark gekostet. Auf Anraten der Sparkassen-Direktion wurde von der Anfertigung von Stadtgeld abgesehen und der Stadtrat beschloss „von der Ausfertigung von Notgeld Umgang zu nehmen“. Professor Schiestl erhielt 550 Mark Entschädigung für seine Bemühungen. Jedoch bei den Fahrmarken für die [[Straßenbahn]] klappte die Nürnberg-Fürther Zusammenarbeit. Auch Einwurfmünzen für Gasautomaten – 10 Pfennig und 50 Pfennig-Notgeldstücke – konnten mit staatlicher Zustimmung über den 1. Januar 1922 hinaus verwendet werden.
Im Oktober 1920 wurde jedoch die Aktion abgeblasen. Sie hätte 12 bis 20.000 Mark gekostet. Auf Anraten der Sparkassen-Direktion wurde von der Anfertigung von Stadtgeld abgesehen und der Stadtrat beschloss „von der Ausfertigung von Notgeld Umgang zu nehmen“. Professor Schiestl erhielt 550 Mark Entschädigung für seine Bemühungen. Jedoch bei den [[Straßenbahnmünze|Fahrmarken]] für die [[Straßenbahn]] klappte die Nürnberg-Fürther Zusammenarbeit. Auch Einwurfmünzen für Gasautomaten – 10 Pfennig und 50 Pfennig-Notgeldstücke – konnten mit staatlicher Zustimmung über den 1. Januar 1922 hinaus verwendet werden.


Das gesamte Kriegsnotgeld wurde ab 1. Januar 1922 als ungültig erklärt und sollte bei der Stadtkasse eingelöst werden. Die Umlauffrist wurde dann doch bis Februar 1923 verlängert.
Das gesamte Kriegsnotgeld wurde ab 1. Januar 1922 als ungültig erklärt und sollte bei der Stadtkasse eingelöst werden. Die Umlauffrist wurde dann doch bis Februar 1923 verlängert.
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So überlegte die Stadt Fürth im Mai [[1925]] das noch vorhandene Metallnotgeld im [[Waldmannsweiher]] zu versenken. Ein mittelfränkischer Fischereisachverständiger in Ansbach wurde gefragt, ob dagegen Bedenken bestünden. Dieser meinte, dass Nachteile für die Fische nicht zur Folge haben werde. Es dürfte aber zweckmäßiger sein, das Notgeld zu vergraben bei größeren Kanalisierungsarbeiten.  
So überlegte die Stadt Fürth im Mai [[1925]] das noch vorhandene Metallnotgeld im [[Waldmannsweiher]] zu versenken. Ein mittelfränkischer Fischereisachverständiger in Ansbach wurde gefragt, ob dagegen Bedenken bestünden. Dieser meinte, dass Nachteile für die Fische nicht zur Folge haben werde. Es dürfte aber zweckmäßiger sein, das Notgeld zu vergraben bei größeren Kanalisierungsarbeiten.  


Im März 1928 kam das Bauamt auf die Lösung, das Metallnotgeld durch den Schweißapparat der Feuerwehr zusammen zu schmelzen und den Metallklumpen an einen Alteisenhändler zu verkaufen. Dieser Idee folgte man im Finanz- und Verwaltungsausschuss am 21. März 1928. Brandmeister Schrank wurde beauftragt so zu verfahren, allerdings misslang der Versuch, da nur die Zinklegierung sich verflüchtigte. Nach dem gescheiterten Versuch wurde der restlich geschmolzene Teil im Friedhofsgelände nahe der Kläranlage in 2m Tiefe vergraben.<ref>Stadtarchiv Fürth, AR 1 / 848 Kriegsnotgeld</ref>
Im März 1928 kam das Bauamt auf die Lösung, das Metallnotgeld durch den Schweißapparat der Feuerwehr zusammen zu schmelzen und den Metallklumpen an einen Alteisenhändler zu verkaufen. Dieser Idee folgte man im Finanz- und Verwaltungsausschuss am 21. März 1928. Brandmeister [[Heinrich Schrank|Schrank]] wurde beauftragt so zu verfahren, allerdings misslang der Versuch, da nur die Zinklegierung sich verflüchtigte. Nach dem gescheiterten Versuch wurde der restlich geschmolzene Teil im Friedhofsgelände nahe der Kläranlage in 2m Tiefe vergraben.<ref>Stadtarchiv Fürth, AR 1 / 848 Kriegsnotgeld</ref>


==Literatur==
==Literatur==
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