Ludwig Erhard: Unterschied zwischen den Versionen

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== Ämter ==  
== Ämter ==  
* Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft von [[22. Oktober]] [[1945]] bis [[16. Dezember]] 1946


* Bayerischer Staatsminister für Wirtschaft von [[22. Oktober]] [[1945]] bis [[16. Dezember]] 1946
* Bundesminister für Wirtschaft von [[20. September]] [[1949]] bis [[11. Oktober]] [[1963]].
* Bundesminister für Wirtschaft von [[20. September]] [[1949]] bis [[11. Oktober]] [[1963]].
* Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland von [[29. Oktober]] [[1957]] bis [[16. Oktober]] [[1963]]
* Vizekanzler der Bundesrepublik Deutschland von [[29. Oktober]] [[1957]] bis [[16. Oktober]] [[1963]]
* Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von [[17. Oktober]] [[1963]] bis [[30. November]] [[1966]].
* Bundeskanzler der Bundesrepublik Deutschland von [[17. Oktober]] [[1963]] bis [[30. November]] [[1966]].
* Alterspräsident des Deutschen Bundestages (7. und 8. Wahlperiode) von [[1972]] bis [[1976]]; [[1976]] bis zu seinem Tod [[1977]].
* Alterspräsident des Deutschen Bundestages (7. und 8. Wahlperiode) von [[1972]] bis [[1976]]; [[1976]] bis zu seinem Tod [[1977]].


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Als Direktor der Verwaltung für Wirtschaft versuchte Erhard 1949 die Rückgabe der durch die Nationalsozialisten „[[wikipedia:Arisierung|arisierten]]“ Porzellanfirma Rosenthal Porzellan AG an die Familie des Unternehmensgründers Philipp Rosenthal durch Intervention bei den [[wikipedia:Office of Military Government for Germany (U.S.)|US-Militärbehörden]] zu verhindern. Erhard hatte einen Beratervertrag mit der Rosenthal AG und erhielt jährlich 12.000 DM. Der US-Geheimdienst stufte ihn ab diesem Zeitpunkt als bestechlich ein.<ref>Dokumentationsreihe der ARD "Geschichte im Ersten": Unser Wirtschaftswunder - Die wahre Geschichte. Erstausstrahlung vom 15. Juli 2013 [http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wdr/wirtschaftswunder-100.html online]</ref>
Als Direktor der Verwaltung für Wirtschaft versuchte Erhard 1949 die Rückgabe der durch die Nationalsozialisten „[[wikipedia:Arisierung|arisierten]]“ Porzellanfirma Rosenthal Porzellan AG an die Familie des Unternehmensgründers Philipp Rosenthal durch Intervention bei den [[wikipedia:Office of Military Government for Germany (U.S.)|US-Militärbehörden]] zu verhindern. Erhard hatte einen Beratervertrag mit der Rosenthal AG und erhielt jährlich 12.000 DM. Der US-Geheimdienst stufte ihn ab diesem Zeitpunkt als bestechlich ein.<ref>Dokumentationsreihe der ARD "Geschichte im Ersten": Unser Wirtschaftswunder - Die wahre Geschichte. Erstausstrahlung vom 15. Juli 2013 [http://www.daserste.de/information/reportage-dokumentation/dokus/sendung/wdr/wirtschaftswunder-100.html online]</ref>
== Kritik ==
Obwohl Ludwig Erhard immer noch als Vater des deutschen Wirtschaftswunders und der Sozialen Marktwirtschaft gefeiert wird, gibt es längst deutliche Kritik an dieser Heldenerzählung. Insbesondere die Journalistin Ulrike Herrmann demontiert in ihrem Buch „Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen“<ref>Ulrike Herrmann: Deutschland, ein Wirtschaftsmärchen. Warum es kein Wunder ist, dass wir reich geworden sind[https://de.wikipedia.org/wiki/Deutschland,_ein_Wirtschaftsm%C3%A4rchen ]</ref> diesen Mythos. Sie argumentiert, dass nicht Erhards liberale Politik, sondern günstige Startbedingungen wie der Marshallplan, ein intakter Industriepark und hochqualifizierte Fachkräfte den Aufschwung ermöglichten. Herrmann betont, dass die entscheidende Währungsreform von den Alliierten durchgesetzt wurde und der Staat entgegen der Legende z.B. durch Wohnungsbauprogramme, Investitionshilfegesetze und Protektionismus eine stark lenkende Rolle einnahm. Erhards eigentliche Leistung, den Sie als einen „talentierter Selbstdarsteller“ beschreibt, sei es demnach gewesen, diese Entwicklung als Erfolg seiner eigenen Ideologie zu „verkaufen“ und so einen bis heute wirkmächtigen Mythos vom freien Markt zu erschaffen.


== Erinnerung an Ludwig Erhard ==
== Erinnerung an Ludwig Erhard ==
[[Bild:Ludwig Erhard.jpg|mini|Ludwig-Erhard-Büste<br>von [[Eva Hermann]] ]]
[[Bild:Ludwig Erhard.jpg|mini|Ludwig-Erhard-Büste<br>von [[Eva Hermann]] ]]
* Da die [[Christlich-Soziale Union in Bayern|CSU]] im [[Stadtrat|Stadtrat von Fürth]] zu Erhards Lebzeiten nie mehrheitsfähig war, und die [[Ehrenbürger(innen)|Ehrenbürgerwürde]] nur an lebende Personen verliehen werden darf, bleibt ihm diese für immer verwehrt.
* Da die [[Christlich-Soziale Union in Bayern|CSU]] im [[Stadtrat|Stadtrat von Fürth]] zu Erhards Lebzeiten nie mehrheitsfähig war, und die [[Ehrenbürger(innen)|Ehrenbürgerwürde]] nur an lebende Personen verliehen werden darf, bleibt ihm diese für immer verwehrt.
* Als späte Aussöhnung wurde ihm neben einer [[Ludwig-Erhard-Straße|Straße]] das neue [[Stadtmuseum]] gewidmet. Allerdings wurde die Widmung 2015 wieder zurückgenommen, aufgrund der Namensgleichheit zum neuen [[Ludwig-Erhard-Haus|Ludwig-Erhard-Zentrum]] (LEZ).
* Als späte Aussöhnung wurde ihm neben einer [[Ludwig-Erhard-Straße|Straße]] das neue [[Stadtmuseum]] gewidmet. Allerdings wurde die Widmung 2015 wieder zurückgenommen, aufgrund der Namensgleichheit zum neuen [[Ludwig-Erhard-Haus|Ludwig-Erhard-Zentrum]] (LEZ).
* Eine Büste von Ludwig Erhard wurde vor der [[Kunst galerie fürth|kunst galerie fürth]] auf dem Königsplatz aufgestellt.
* Eine Büste von Ludwig Erhard wurde vor der [[Kunst galerie fürth|kunst galerie fürth]] auf dem Königsplatz aufgestellt.
* Ludwig Erhard wird seit [[2007]] im sog. [[Ehrenweg]] geehrt.
* Ludwig Erhard wird seit [[2007]] im sog. [[Ehrenweg]] geehrt.
* Ludwig Erhard zierte in den Prägejahren [[1988]] bis [[2001]] die Rückseite der 2-DM-Münze der Bundesrepublik Deutschland.
* Ludwig Erhard zierte in den Prägejahren [[1988]] bis [[2001]] die Rückseite der 2-DM-Münze der Bundesrepublik Deutschland.


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== Werke ==
== Werke ==
* ''Wesen und Inhalt der Werteinheit.'' Dissertation. 1925.


* ''Wesen und Inhalt der Werteinheit.'' Dissertation. 1925.
* ''Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung.'' Denkschrift. 1944. Propyläen, 1977, ISBN 3-550-07356-9.
* ''Kriegsfinanzierung und Schuldenkonsolidierung.'' Denkschrift. 1944. Propyläen, 1977, ISBN 3-550-07356-9.
* ''Deutschlands Rückkehr zum Weltmarkt.'' 1953.
* ''Deutschlands Rückkehr zum Weltmarkt.'' 1953.
* [http://www.ludwig-erhard-stiftung.de/files/wohlstand_fuer_alle.pdf ''Wohlstand für Alle.''] 1957. 8. Auflage: 1964. (PDF-Datei; 3,57 MB)
* [http://www.ludwig-erhard-stiftung.de/files/wohlstand_fuer_alle.pdf ''Wohlstand für Alle.''] 1957. 8. Auflage: 1964. (PDF-Datei; 3,57 MB)
* ''Deutsche Wirtschaftspolitik.'' 1962.
* ''Deutsche Wirtschaftspolitik.'' 1962.
* ''Grenzen der Demokratie?'' Düsseldorf 1973.
* ''Grenzen der Demokratie?'' Düsseldorf 1973.


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* [[Wikipedia: Christian Gerlach|Christian Gerlach]]: ''Ludwig Erhard und die „Wirtschaft des neuen deutschen Ostraums“. Ein Gutachten aus dem Jahre 1941 und Erhards Beratertätigkeit bei der deutschen Annexionspolitik 1938 - 43''. In: Matthias Hamann, Hans Asbeck (Hrsg.): ''Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus''. Heft 13: ''Halbierte Vernunft und totale Medizin.'' ISBN 3-924737-30-4, Verlag Schwarze Risse, Berlin 1997, S. 241 - 276
* [[Wikipedia: Christian Gerlach|Christian Gerlach]]: ''Ludwig Erhard und die „Wirtschaft des neuen deutschen Ostraums“. Ein Gutachten aus dem Jahre 1941 und Erhards Beratertätigkeit bei der deutschen Annexionspolitik 1938 - 43''. In: Matthias Hamann, Hans Asbeck (Hrsg.): ''Beiträge zur Geschichte des Nationalsozialismus''. Heft 13: ''Halbierte Vernunft und totale Medizin.'' ISBN 3-924737-30-4, Verlag Schwarze Risse, Berlin 1997, S. 241 - 276
* Karl Heinz Roth: ''Das Ende eines Mythos. Ludwig Erhard und der Übergang der deutschen Wirtschaft von der Annexions- zur Nachkriegsplanung (1939 bis 1945). II. 1943 bis 1945.'' In: 'Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.'' Jhrg. 13, n.1, 1998, ISSN 0930-9977, S. 92 - 124
* Karl Heinz Roth: ''Das Ende eines Mythos. Ludwig Erhard und der Übergang der deutschen Wirtschaft von der Annexions- zur Nachkriegsplanung (1939 bis 1945). II. 1943 bis 1945.'' In: 'Zeitschrift für Sozialgeschichte des 20. und 21. Jahrhunderts.'' Jhrg. 13, n.1, 1998, ISSN 0930-9977, S. 92 - 124
* [[Barbara Ohm]]: ''Ludwig Erhard und Fürth''. In: ''Kleeblattradio'', Heft 44/Januar 2003, S. 14 - 18
* [[Barbara Ohm]]: ''Ludwig Erhard und Fürth''. In: ''Kleeblatt-Radio'', Heft 44/Januar 2003, S. 14 - 18
* Barbara Ohm: ''Petits Fürths 2. Dr. Ludwig Erhard vor dem Fürther Amtsgericht''. In: [[Fürther Geschichtsblätter]], 2/2004, S. 54 - 58
* Barbara Ohm: ''Petits Fürths 2. Dr. Ludwig Erhard vor dem Fürther Amtsgericht''. In: [[Fürther Geschichtsblätter]], 2/2004, S. 54 - 58
* Alfred C. Mierzejewski: ''Ludwig Erhard.'' Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-823-8
* Alfred C. Mierzejewski: ''Ludwig Erhard.'' Siedler, München 2005, ISBN 3-88680-823-8
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[[Kategorie:Politik]]
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[[Kategorie:Gesagt "zu Fürth": ...]]
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