Alfred Schwarzmann: Unterschied zwischen den Versionen

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:''Die silberne Medaille von Alfred Schwarzmann aber zählt mehr als der Sieg des für die Sowjet-Union gestarteten Lembergers Viktor Tschukarin, der mit fünf Gold- und einer Silbermedaille im olympischen Zwölfkampf der Turner zum erfolgreichsten Athleten der Olympischen Spiele von Helsinki wurde. Der kahlköpfige, verbissene Alfred Schwarzmann, vor 16 Jahren der erfolgreichste Teilnehmer der Olympischen Spiele von Berlin, mit drei Gold- und zwei Bronzemedaillen, besitzt, was der wohlbehütete sowjetische Staatsamateur, der Student an der Sporthochschule Moskau, Viktor Tschukarin, nicht aufweisen kann: das goldene Verwundeten-Abzeichen. Neunmal wurde der Oberleutnant und Ritterkreuzträger Schwarzmann verwundet. Monatelang lag er in Lazaretten. "Freuen Sie sich, wenn Sie wieder normal laufen können", meinten die Stabsärzte, wenn Schwarzmann fragte, wann er wieder turnen könne. Die Doktoren drohten mit Kammerarrest und am-Bett-festschnallen, als sie ihn erwischten, wie er seinen Stubenkameraden im Lazarett trotz vergipster Beine und halb ausgeheiltem Lungenschuß Handstände und Bodenturnen vorführte. Völlig fit war Alfred Schwarzmann, als er nach der Kapitulation erst in Braunschweig, dann in Goslar eine Anstellung als Turnlehrer fand. Doch dann erschien sein Name wieder einmal in den vermischten Nachrichten der Sportblätter. Bei einem Motorradunfall hatte er sich das Wadenbein gleich doppelt gebrochen. Trotzdem erschien Schwarzmann wenige Monate später plötzlich bei einem Schauturnen gegen die Schweiz in Eßlingen. Er turnte wie immer. Beim Aufsprung nach seinem einmaligen Doppelsalto-Abgang am Reck merkte niemand etwas von den Schmerzen am gerade erst verheilten Bruch.''<ref> Der Spiegel: In den Pausen Zigaretten, 30. Juli 1952, S. 23 f. [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21977555.html online]</ref>  
:''Die silberne Medaille von Alfred Schwarzmann aber zählt mehr als der Sieg des für die Sowjet-Union gestarteten Lembergers Viktor Tschukarin, der mit fünf Gold- und einer Silbermedaille im olympischen Zwölfkampf der Turner zum erfolgreichsten Athleten der Olympischen Spiele von Helsinki wurde. Der kahlköpfige, verbissene Alfred Schwarzmann, vor 16 Jahren der erfolgreichste Teilnehmer der Olympischen Spiele von Berlin, mit drei Gold- und zwei Bronzemedaillen, besitzt, was der wohlbehütete sowjetische Staatsamateur, der Student an der Sporthochschule Moskau, Viktor Tschukarin, nicht aufweisen kann: das goldene Verwundeten-Abzeichen. Neunmal wurde der Oberleutnant und Ritterkreuzträger Schwarzmann verwundet. Monatelang lag er in Lazaretten. "Freuen Sie sich, wenn Sie wieder normal laufen können", meinten die Stabsärzte, wenn Schwarzmann fragte, wann er wieder turnen könne. Die Doktoren drohten mit Kammerarrest und am-Bett-festschnallen, als sie ihn erwischten, wie er seinen Stubenkameraden im Lazarett trotz vergipster Beine und halb ausgeheiltem Lungenschuß Handstände und Bodenturnen vorführte. Völlig fit war Alfred Schwarzmann, als er nach der Kapitulation erst in Braunschweig, dann in Goslar eine Anstellung als Turnlehrer fand. Doch dann erschien sein Name wieder einmal in den vermischten Nachrichten der Sportblätter. Bei einem Motorradunfall hatte er sich das Wadenbein gleich doppelt gebrochen. Trotzdem erschien Schwarzmann wenige Monate später plötzlich bei einem Schauturnen gegen die Schweiz in Eßlingen. Er turnte wie immer. Beim Aufsprung nach seinem einmaligen Doppelsalto-Abgang am Reck merkte niemand etwas von den Schmerzen am gerade erst verheilten Bruch.''<ref> Der Spiegel: In den Pausen Zigaretten, 30. Juli 1952, S. 23 f. [http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-21977555.html online]</ref>  


Mit seinen Medaillen ist Schwarzmann bis heute der erfolgreichste deutsche Kunstturner bei Olympischen Spielen. Eine zehnköpfige Experten-Jury wählte ihn [[1999]] zu Deutschlands Turner des 20. Jahrhunderts.<ref> Hall of Fame des deutschen Sports, Stand 29. Mai 2013, 21:08 Uhr, [http://www.hall-of-fame-sport.de/galerie/portrait/34 online]</ref> Als Bundeslehrwart des Deutschen Turner-Bundes, als Kampfrichter und als Landeslehrwart in Niedersachsen stellte der Sportlehrer später sein Wissen dem Turnernachwuchs zur Verfügung.
Mit seinen Medaillen ist Schwarzmann bis heute der erfolgreichste deutsche Kunstturner bei Olympischen Spielen. Eine zehnköpfige Experten-Jury wählte ihn [[1999]] zu Deutschlands Turner des 20. Jahrhunderts.<ref> Hall of Fame des deutschen Sports, Stand 29. Mai 2013, 21:08 Uhr, [http://www.hall-of-fame-sport.de/galerie/portrait/34 online]</ref> Als Bundeslehrwart des Deutschen Turner-Bundes, als Kampfrichter und als Landeslehrwart in Niedersachsen stellte der Sportlehrer später sein Wissen dem Turnernachwuchs zur Verfügung. Im Jahr 1952 legte Schwarzmann zusätzlich auch noch sein Trainer-Examen für den Fußballsport ab, mit der Note sehr gut, die ihm der damalige Bundestrainer Sepp Herberger attestierte.


Seine Tochter ist die ehemalige und erste Bundestrainerin im Voltigieren (Turn- und Akrobatikübungen auf dem galoppierenden Pferd), internationale Richterin und renommierte Ausbilderin Helma Schwarzmann. Mit mehr als 30 Weltmeistertiteln zählt sie zu den erfolgreichsten Trainern weltweit.<ref> Wikipedia, Helma Schwarzmann, Stand 29. Mai 2013, 21:09 Uhr, [http://de.wikipedia.org/wiki/Helma_Schwarzmann online]</ref>
Seine Tochter ist die ehemalige und erste Bundestrainerin im Voltigieren (Turn- und Akrobatikübungen auf dem galoppierenden Pferd), internationale Richterin und renommierte Ausbilderin Helma Schwarzmann. Mit mehr als 30 Weltmeistertiteln zählt sie zu den erfolgreichsten Trainern weltweit.<ref> Wikipedia, Helma Schwarzmann, Stand 29. Mai 2013, 21:09 Uhr, [http://de.wikipedia.org/wiki/Helma_Schwarzmann online]</ref>
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