Café Monopol: Unterschied zwischen den Versionen

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[[Meta Stoll]] war zweimal verheiratet und wohnte mit ihrem zweiten Ehemann Feodor Stoll in der [[Moststraße]]. Feodor Stoll betrieb im Haus seit [[1908]]<ref>zuvor hatte er seine Metzgerei in der Rosenstraße 1; vgl. Adressbuch der Stadt Fürth von 1901, S. 40, IV. Teil;</br>Adressbuch der Stadt Fürth von 1903, S. 41, IV. Teil;</br>Adressbuch der Stadt Fürth von 1907, S. 44, IV. Teil</br>erstmals in der Moststraße 13, aber zuerst noch als Pächter; vgl. Adressbuch der Stadt Fürth von 1909, S. 42, IV. Teil; Gisela Naomi Blume: Der neue jüdische Friedhof in Fürth, 2019, S. 339 erwähnt seinen Wohnungs- und Geschäftswechsel in die Moststraße für 1908</ref> bis [[24. April]] [[1933]] eine koschere Rindermetzgerei und Geflügelhandlung<ref>siehe Adressbuch der Stadt Fürth von 1926/27, S. 108, II. Teil</ref> mit zwei Gehilfen bzw. Lehrlingen.<ref>Werner Mohr: CHRONIK Nürnberg - Neumarkt - Regensburg - Amberg - Ansbach - [http://www.graf-von-katzenelnbogen.de/neumarktiopf.html online]; vermutlich war Julius Neumann, Sohn aus der ersten Ehe der Meta Stoll einer davon, siehe dazu Fotografie von der Koscher-Metzgerei in der Moststraße</ref>
[[Meta Stoll]] war zweimal verheiratet und wohnte mit ihrem zweiten Ehemann Feodor Stoll in der [[Moststraße]]. Feodor Stoll betrieb im Haus seit [[1908]]<ref>zuvor hatte er seine Metzgerei in der Rosenstraße 1; vgl. Adressbuch der Stadt Fürth von 1901, S. 40, IV. Teil;</br>Adressbuch der Stadt Fürth von 1903, S. 41, IV. Teil;</br>Adressbuch der Stadt Fürth von 1907, S. 44, IV. Teil</br>erstmals in der Moststraße 13, aber zuerst noch als Pächter; vgl. Adressbuch der Stadt Fürth von 1909, S. 42, IV. Teil; Gisela Naomi Blume: Der neue jüdische Friedhof in Fürth, 2019, S. 339 erwähnt seinen Wohnungs- und Geschäftswechsel in die Moststraße für 1908</ref> bis [[24. April]] [[1933]] eine koschere Rindermetzgerei und Geflügelhandlung<ref>siehe Adressbuch der Stadt Fürth von 1926/27, S. 108, II. Teil</ref> mit zwei Gehilfen bzw. Lehrlingen.<ref>Werner Mohr: CHRONIK Nürnberg - Neumarkt - Regensburg - Amberg - Ansbach - [http://www.graf-von-katzenelnbogen.de/neumarktiopf.html online]; vermutlich war Julius Neumann, Sohn aus der ersten Ehe der Meta Stoll einer davon, siehe dazu Fotografie von der Koscher-Metzgerei in der Moststraße</ref>
[[Datei:Schreiben Cafe Monopol 1938.jpg|miniatur|rechts|Zulassungsschreiben 1938]]
[[Datei:Schreiben Cafe Monopol 1938.jpg|miniatur|rechts|Zulassungsschreiben 1938]]
Im März [[1938]] ersuchte [[Meta Stoll]] um die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft Café Monopol im Wohnhaus bzw. ehem. Metzgerei. Das Gebäude wurde zuvor von [[1924]] bis zum [[1. März]] [[1938]] von Hannchen Neumann geführt. Das Polizeiamt in Fürth erachtete ''ein Bedürfnis als gegeben, da es sich um die einzige jüdische Wirtschaft in Fürth handelt und nur Juden als Gäste zugelassen werden'', die Antragstellerin und ihre Schwester (Helene) wurden als zuverlässig beurteilt. Die Konzession wurde erteilt mit folgenden Auflagen:
Im März [[1938]] ersuchte [[Meta Stoll]] um die Erlaubnis zum Betrieb einer Schankwirtschaft Café Monopol im Wohnhaus bzw. ehem. Metzgerei. Das Gebäude wurde zuvor von [[1924]] bis zum [[1. März]] [[1938]] von Hannchen Neumann geführt. Das Polizeiamt in Fürth erachtete ''„ein Bedürfnis als gegeben, da es sich um die einzige jüdische Wirtschaft in Fürth handelt und nur Juden als Gäste zugelassen werden“'', die Antragstellerin und ihre Schwester (Helene) wurden als zuverlässig beurteilt. Die Konzession wurde erteilt mit folgenden Auflagen:


:''Ungeachtet sonstiger Auflagen ersuche ich bei Erteilung der Erlaubnis noch folgende Auflagen zu machen:''
:''Ungeachtet sonstiger Auflagen ersuche ich bei Erteilung der Erlaubnis noch folgende Auflagen zu machen:''
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:''Fürth, den 1. April 1938, Polizeipräsidium Nürnberg-Fürth, Polizeiamt Fürth''<ref>Naomie Blume: Chronik Fürth 1933–1945, Skript S. 24</ref>
:''Fürth, den 1. April 1938, Polizeipräsidium Nürnberg-Fürth, Polizeiamt Fürth''<ref>Naomie Blume: Chronik Fürth 1933–1945, Skript S. 24</ref>


Während des Novemberpogroms am [[9. November]] [[1938]] wurde das Café Monopol völlig zerstört, "nachdem sich Gäste gegen eindringende SA-Leute zur Wehr gesetzt hatten."<ref name="MBH">[[Monika Berthold-Hilpert]]: [[Orte der Verfolgung und des Gedenkens in Fürth (Broschüre)|Orte der Verfolgung und des Gedenkens in Fürth]], S. 19</ref> Seit dem Oktober 1941 wurde hier dann eine Küche für Angehörige der jüdischen Kultusgemeinde eingerichtet. Dort wurde Essen an empfangsberechtigte Personen ausgegeben, d. h. es wurde damit die Möglichkeit eröffnet, "um zwangsverpflichteten bzw. mittellosen, auf Fürsorge angewiesen Gemeindemitgliedern eine warme Mahlzeit pro Tag zu ermöglichen."<ref name="MBH"/> Die Gäste an den Mahlzeiten zahlten zwischen 15 und 50 Pfennig, je nach Vermögen.  
Während des Novemberpogroms am [[9. November]] [[1938]] wurde das Café Monopol völlig zerstört, „nachdem sich Gäste gegen eindringende SA-Leute zur Wehr gesetzt hatten“.<ref name="MBH">[[Monika Berthold-Hilpert]]: [[Orte der Verfolgung und des Gedenkens in Fürth (Broschüre)|Orte der Verfolgung und des Gedenkens in Fürth]], S. 19</ref> Seit dem Oktober 1941 wurde hier dann eine Küche für Angehörige der jüdischen Kultusgemeinde eingerichtet. Dort wurde Essen an empfangsberechtigte Personen ausgegeben, d. h. es wurde damit die Möglichkeit eröffnet, „um zwangsverpflichteten bzw. mittellosen, auf Fürsorge angewiesen Gemeindemitgliedern eine warme Mahlzeit pro Tag zu ermöglichen.<ref name="MBH"/> Die Gäste an den Mahlzeiten zahlten zwischen 15 und 50 Pfennig, je nach Vermögen.  


[[Meta Stoll]] bemühte sich vergebens um die Emigration nach Israel. Ihre drei Kinder konnten Deutschland noch verlassen. [[Meta Stoll]] wurde am [[22. März]] [[1942]] nach Izbica deportiert und gilt ab diesem Zeitraum als "verschollen".  
[[Meta Stoll]] bemühte sich vergebens um die Emigration nach Israel. Ihre drei Kinder konnten Deutschland noch verlassen. [[Meta Stoll]] wurde am [[22. März]] [[1942]] nach Izbica deportiert und gilt ab diesem Zeitraum als „verschollen“.  


== Siehe auch ==
== Siehe auch ==
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