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|Geburtsort=Fürth | |Geburtsort=Fürth | ||
|Todesdatum=1974/12/25 | |Todesdatum=1974/12/25 | ||
|Todesort=Bernried | |Todesort=Bernried am Starnberger See | ||
|Beruf=Gemeindevorsitzender; | |Beruf=Textilfabrikant; Unternehmer; Kaufmann; Gemeindevorsitzender; Politiker | ||
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|Friedhof=Jüdischer Friedhof | |Friedhof=Neuer Jüdischer Friedhof | ||
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|Funktion=Mitglied des Bayerischen Senats | |||
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|FunktionBis=1974 | |||
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'''Jean Mandel''' (geb. [[20. September]] [[1911]] in | '''Jean Mandel''' (geb. [[20. September]] [[1911]] in Fürth; gest. [[25. Dezember]] [[1974]] in Bernried am Starnberger See (Klinik Höhenried)) war Kaufmann und der erste [[Gemeindevorsitzender|Vorsitzende]] der [[Fiorda|Jüdischen Gemeinde Fürth]] nach dem [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieg]]. Mandel war verheiratet mit Adele, geb. Breisach. Aus der Ehe stammen drei Kinder. | ||
==Leben und Wirken== | ==Leben und Wirken== | ||
Der [[1911]] in Fürth im Haus [[Marktplatz 10]] geborene Jean Mandel<ref>Im Mai 2018 wurde für den Holocaust-Überlebenden Jean Mandel eine Gedenktafel am Haus angebracht.</ref> besuchte in Fürth zunächst die [[Israelitische Bürgerschule]]. Anschließend wechselte er zur Sabel’schen Handelsschule nach [[Nürnberg]] und begann eine kaufmännische Ausbildung zum Hopfengroßhändler bei den Gebrüdern Schwarz, ebenfalls in Nürnberg. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete Mandel im elterlichen Betrieb, der „[[Erste Fürther Lumpensortieranstalt|Ersten Fürther Lumpensortieranstalt]]“. Mit seinem Bruder Leo Mandel übernahm er die Geschäftsführung [[1936]]. | Der [[1911]] in Fürth im Haus [[Marktplatz 10]] geborene Jean Mandel<ref>Im Mai 2018 wurde für den Holocaust-Überlebenden Jean Mandel eine Gedenktafel am Haus angebracht.</ref> besuchte in Fürth zunächst die [[Israelitische Bürgerschule]]. Anschließend wechselte er zur Sabel’schen Handelsschule nach [[Nürnberg]] und begann eine kaufmännische Ausbildung zum Hopfengroßhändler bei den Gebrüdern Schwarz, ebenfalls in Nürnberg. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete Mandel im elterlichen Betrieb, der „[[Erste Fürther Lumpensortieranstalt|Ersten Fürther Lumpensortieranstalt]]“. Mit seinem Bruder [[Leo Mandel]] übernahm er die Geschäftsführung [[1936]]. | ||
Am [[28. Oktober]] [[1938]] wurde die Familie Mandel nach Polen deportiert, dort ließ sie sich zunächst im seinerzeit polnischen | Am [[28. Oktober]] [[1938]] wurde die Familie Mandel nach Polen deportiert, dort ließ sie sich zunächst im seinerzeit polnischen [[wikipedia:Lwiw#Polnisches Lwów 1918–1939|Lwów]] (''Lemberg'') nieder. Der Deportationstermin legt den Verdacht nahe, dass die Familie Mandel im Rahmen der sogenannten [[wikipedia:Polenaktion|Polenaktion]] als polnische Staatsbürger jüdischen Glaubens aus dem Deutschen Reich ausgewiesen wurde, nachdem das polnische Parlament im März [[1938]] die Ausbürgerung aller polnischen Staatsbürger beschlossen hatte, die länger als fünf Jahre ununterbrochen im Ausland lebten. Mit diesem Beschluss wollte sich Polen gegen den Zuzug (Flucht) der jüdischen Bürger aus dem Deutschen Reich „wehren“, während das Deutsche Reich in diesem Beschluss seine Chance gekommen sah, sich auf einen Schlag knapp 20.000 Juden durch Deportation nach Polen „zu entledigen“. | ||
==Flucht & Vertreibung== | ==Flucht & Vertreibung== | ||
Mandel wurde bereits vom 28. Oktober bis 5. November 1938 im Polizeigefängnis in Fürth inhaftiert. Kaum entlassen, wurde in der sogenannten [[Reichspogromnacht in Fürth|Reichspogromnacht]] vom 9. auf den [[10. November]] [[1938]] das Geschäft der Familie Mandel in Fürth zerstört bzw. stark beschädigt. Es folgt noch im gleichen Monat die Liquidation des Unternehmens, das er mit seinem Bruder 1936 vom Vater übernommen hatte. Gleichzeitig wurde er als Jude nach Polen ausgewiesen, bis durch den Überfall auf Polen am 1. September 1939 auch hier kein Schutz mehr für ihn bestand. Mandel gelang zunächst im März [[1939]] die Rückreise nach Fürth, allerdings nur für knapp zwei Monate. Danach tauchte Mandel im inzwischen besetzten Polen zwischen [[1941]] und [[1944]] an verschiedenen Orten um | Mandel wurde bereits vom 28. Oktober bis 5. November 1938 im Polizeigefängnis in Fürth inhaftiert. Kaum entlassen, wurde in der sogenannten [[Reichspogromnacht in Fürth|Reichspogromnacht]] vom 9. auf den [[10. November]] [[1938]] das Geschäft der Familie Mandel in Fürth zerstört bzw. stark beschädigt. Es folgt noch im gleichen Monat die Liquidation des Unternehmens, das er mit seinem Bruder 1936 vom Vater übernommen hatte. Gleichzeitig wurde er als Jude nach Polen ausgewiesen, bis durch den Überfall auf Polen am 1. September 1939 auch hier kein Schutz mehr für ihn bestand. Mandel gelang zunächst im März [[1939]] die Rückreise nach Fürth, allerdings nur für knapp zwei Monate. Danach tauchte Mandel im inzwischen besetzten Polen zwischen [[1941]] und [[1944]] an verschiedenen Orten um das damalige [[wikipedia:Lwiw#Zweiter Weltkrieg|Lwów]] (''Lemberg'') unter. Aus den Akten ist zu entnehmen, dass er von September 1941 bis Januar 1943 in den Ghettos in Lwów und [[wikipedia:Iwano-Frankowe|Janów]] inhaftiert war. Danach tauchte Mandel erneut unter und versteckte sich bis Juni 1944 in einem Keller in Lwów (''Lemberg''), ehe Ende Juli [[1944]] die Stadt von der Roten Armee befreit wurde.<ref>Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt - BLFA - LEA, Akten Jean Mandel, BEG 12507 und EG 38462</ref> Mandel kam allerdings zunächst in ein Internierungslager, da er von der sowjetischen Geheimpolizei für einen westlichen Spion gehalten wurde. In der Folge muss sich Mandel dem Partisanenkampf in der Sowjet-Union gegen die Wehrmacht angeschlossen haben, ehe er wieder nach dem Krieg nach Fürth kam.<ref>Siegfried Imholz: Gebt ihnen einen Namen - Widerstand und politische Verfolgung in Fürth 1933 - 1945. Städtebilder Fotoverlag, Fürth 2017, S. 145</ref> | ||
==Rückkehr nach Fürth== | ==Rückkehr nach Fürth== | ||
Nach einem kurzen Aufenthalt im DP-Lager in | Nach einem kurzen Aufenthalt im DP-Lager in Zettlitz<ref>Jim G. Tobias: ''Trainingskibbuz Zettlitz: Jüdischer Neubeginn in Oberfranken''. In: Nachrichtenmagazin haGalil.com, München, vom 13. März 2006, aufgerufen am 3. August 2024 - [https://www.hagalil.com/archiv/2006/03/oberfranken.htm online]</ref> bei Bayreuth kehrte Mandel im Sommer [[1945]] als einer der ersten ehemaligen Fürther Juden wieder nach Fürth zurück, sein Bruder schaffte es allerdings nicht mehr, er verstarb während des [[Zweiter Weltkrieg|Zweiten Weltkrieges]]. Jean Mandel war neben dem Rabbiner [[David Spiro]] eine der treibenden und führenden Kräfte bei der Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Fürth. Er wurde ihr erster „Erster Vorsitzender“ (von [[1947]] bis [[1974]], mit Unterbrechung von [[1950]] bis [[1954]]). In der [[Hirschenstraße 65]] baute Mandel, gemeinsam mit seiner Frau, sein neues Textilgeschäft „[[Adema - Jean Mandel Fürth]]“ zu einem mittelständischen Unternehmen mit ca. 50 Mitarbeitern auf. Die drei Kinder wurden von der Familie jeweils ins Ausland auf ein Internat verschickt. Die jüngste Schwester und der Bruder Louis Mandel kamen 1957 auf ein Internat in England, während die ältere Schwester in der Schweiz zur Schule ging. Heute lebt die Familie weitestgehend im Ausland, Louis Mandel lebt z. B. in Kanada, hat aber noch Kontakte nach Fürth. | ||
Mandel war von [[1947]] bis zu seinen Tod Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und genoss eine hohe gesellschaftliche Anerkennung, ähnlich wie Arno Hamburger in Nürnberg. Er bekleidete eine Vielzahl von Ämtern. So war er von [[1964]] Senator im Bayerischen Senat, der damaligen zweiten Kammer des Freistaates Bayern. Bereits zuvor war er 1947 Gründungsmitglied und jüdischer Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Nürnberg, sowie 1946 Mitbegründer des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayern, dessen Vizepräsident bis 1974 war. Während dieser Zeit war Mandel ebenfalls von 1950 bis 1974 Vorsitzender des Landesausschusses der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jean Mandel arbeite außerdem im Zentralrat der Juden in Deutschland mit und war 1971 Mitglied des Direktoriums. | Mandel war von [[1947]] bis zu seinen Tod Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und genoss eine hohe gesellschaftliche Anerkennung, ähnlich wie Arno Hamburger in Nürnberg. Er bekleidete eine Vielzahl von Ämtern. So war er von [[1964]] Senator im Bayerischen Senat, der damaligen zweiten Kammer des Freistaates Bayern. Bereits zuvor war er 1947 Gründungsmitglied und jüdischer Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Nürnberg, sowie 1946 Mitbegründer des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayern, dessen Vizepräsident bis 1974 war. Während dieser Zeit war Mandel ebenfalls von 1950 bis 1974 Vorsitzender des Landesausschusses der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jean Mandel arbeite außerdem im Zentralrat der Juden in Deutschland mit und war 1971 Mitglied des Direktoriums. | ||
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==Bayerischer Senat== | ==Bayerischer Senat== | ||
Mandel war vom [[1. Januar]] [[1964]] bis | Mandel war vom [[1. Januar]] [[1964]] bis zu seinem Tode am [[25. Dezember]] [[1974]] für die Gruppe der Religionsgemeinschaften Mitglied des Bayerischen Senats. Dabei war er in folgenden Ausschüssen und Funktionen tätig: | ||
* Ausschuss für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik (Senat) (1964) Mitglied 1964/1974 | * Ausschuss für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik (Senat) (1964) Mitglied 1964/1974 | ||
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==Auszeichnungen und Ehrungen== | ==Auszeichnungen und Ehrungen== | ||
[[1956]] erhielt Jean Mandel das [[Bundesverdienstkreuz]] 1. Klasse | * [[1956]] erhielt Jean Mandel das [[Bundesverdienstkreuz]] 1. Klasse und [[1973]] den [[Bayerischer Verdienstorden|Bayerischen Verdienstorden]]. | ||
* Im Mai [[2018]] wurde bekannt, dass der neu umgestaltete Platz zwischen dem Erweiterungsbau des [[Jüdisches Museum Franken|Jüdischen Museums]] und der Königstraße 95 in „[[Jean-Mandel-Platz]]“ benannt wird. | |||
* Ebenfalls im Jahr 2018 wurden auf Initative der Museumsleiterin Dr. [[Daniela F. Eisenstein]] zwei [[Stolpersteine|Gedenktafeln]] an den Geburts- bzw. Wohnhäusern von [[Leo Mandel|Leo]] und Jean Mandel angebracht, jeweils eine am [[Marktplatz 10]] am [[Marktplatz|Grünen Markt]] sowie an der [[Königswarterstraße 64]]. Hierzu kamen eigens die in Kanada, den USA bzw. in der Schweiz lebenden Kinder nach Fürth.<ref>Gwendolyn Kuhn: ''Zwei Platten erinnern an Jean Mandel''. In: Fürther Nachrichten vom 16. Mai 2018 (Druckausgabe)</ref> | |||
==Veröffentlichungen== | ==Veröffentlichungen== | ||
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==Lokalberichterstattung== | ==Lokalberichterstattung== | ||
* Gwendolyn Kuhn: ''Zwei Platten erinnern an Jean Mandel''. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 16. Mai 2018 (Druckausgabe) bzw. | * Gwendolyn Kuhn: ''Zwei Platten erinnern an Jean Mandel''. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 16. Mai 2018 (Druckausgabe) bzw. nordbayern.de - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/zwei-platten-erinnern-an-jean-mandel-1.7593996 online] | ||
* Johannes Alles: ''Ausruhen auf dem Jean-Mandel-Platz''. In: Fürther Nachrichten vom 20. Oktober 2018 (Druckausgabe) bzw. | * Johannes Alles: ''Ausruhen auf dem Jean-Mandel-Platz''. In: Fürther Nachrichten vom 20. Oktober 2018 (Druckausgabe) bzw. nordbayern.de - [http://www.nordbayern.de/1.8213283 online] | ||
==Siehe auch== | ==Siehe auch== | ||
* [[Marcus Mandel]] | * [[Marcus Mandel]] | ||
* [[Leo Mandel]] | * [[Leo Mandel]] | ||
* [[ | * [[Marktplatz 10]] | ||
* [[ | * [[Adema - Jean Mandel Fürth]] | ||
* [[Hirschenstraße 65]] | * [[Hirschenstraße 65]] | ||
* [[ | * [[Mitglied des Bayerischen Senats]] | ||
* [[ | * [[Jean-Mandel-Platz]] | ||
* [[David Spiro]] | * [[David Spiro]] | ||
* [[Fiorda]] | * [[Fiorda]] | ||
==Weblinks== | ==Weblinks== | ||
* [[wikipedia:Jean Mandel| | * Jean Mandel - [[wikipedia:Jean Mandel|Wikipedia]] | ||
* Zentralrat der Juden in Deutschland - [ | * Zentralrat der Juden in Deutschland - [https://www.zentralratderjuden.de/ Website] | ||
==Einzelnachweise== | ==Einzelnachweise== | ||
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[[Kategorie:Fiorda]] | [[Kategorie:Fiorda]] | ||
[[Kategorie:Politik]] | |||
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