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==Aufstieg im Glashüttenwesen== | ==Aufstieg im Glashüttenwesen== | ||
Am 8. April 1861 heiratete Bauer in Lam Anna Schrenk, die Tochter seines Förderers.<ref>Kirchenbücher St. Ulrich Lam, Trauungen 1803–1867, S. 355/356</ref> Im selben Jahr übersiedelte das Ehepaar nach Karlbachhütte, heute [[wikipedia:Karlova Huť (Bělá nad Radbuzou)|Karlova Huť (Bělá nad Radbuzou)]], wo Bauer – trotz zahlreicher Mitbewerber – die Glashütte von Baron [[wikipedia:Kotz von Dobrz|Kotz von Dobrz]] für die Firma Franz Schrenk in Pacht erhielt. | Am 8. April 1861 heiratete Bauer in Lam Anna Schrenk, die Tochter seines Förderers.<ref>Kirchenbücher St. Ulrich Lam, Trauungen 1803–1867, S. 355/356</ref> Im selben Jahr übersiedelte das Ehepaar nach Karlbachhütte, heute [[wikipedia:Karlova Huť (Bělá nad Radbuzou)|Karlova Huť (Bělá nad Radbuzou)]], wo Bauer – trotz zahlreicher Mitbewerber – die Glashütte von Baron [[wikipedia:Kotz von Dobrz|Kotz von Dobrz]] für die Firma Franz Schrenk in Pacht erhielt. | ||
In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Bauer zu einer zentralen Figur der regionalen Glasindustrie. 1871 entstand durch „Schrenk & Co.“ das Glaswerk Neuschrenkenthal, heute zu [[wikipedia:Lohberg (Bayern)|Lohberg]] im Lamer Winkel gehörend. Im selben Jahr richtete er die ebenfalls von Baron Kotz von Dobrz gepachtete | In den folgenden Jahrzehnten entwickelte sich Bauer zu einer zentralen Figur der regionalen Glasindustrie. 1871 entstand durch „Schrenk & Co.“ das Glaswerk Neuschrenkenthal, heute zu [[wikipedia:Lohberg (Bayern)|Lohberg]] im Lamer Winkel gehörend. Im selben Jahr richtete er die ebenfalls von Baron Kotz von Dobrz gepachtete, bei Karlbach gelegene Eisendorfhütte<ref>Příběhy Sudet – Geschichten aus Sudetenland: Eisendorfhütte (Železná huť) - [https://memory.cpkp-zc.cz/der-ehemalige-dorf-westbohmen/taus/205-eisendorfhutte-zelezna-hut/ online]</ref>, heute Wüstung [[wikipedia:Liste der Wüstungen im Okres Domažlice|Eisendorfská Huť]], ein, deren Leitung er 1877 zusätzlich übernahm. Mit dem Erwerb der Glashütte in Hurkenthal, ein ehemaliger Ort auf dem heutigen Gemeindegebiet von [[Wikipedia:Prášily|Prášily]], im Jahr 1880 erweiterte er den Unternehmensverbund weiter. | ||
Unter der Leitung seines Sohnes Julius Bauer wurde 1891 in Neustadt a. d. Waldnaab ein neuer Glasofen in Betrieb genommen. Ein Jahr später erwarb „Schrenk & Co.“ das nahegelegene Schleif- und Polierwerk in [[wikipedia:Wöllershof|Wöllershof]], wodurch die Weiterverarbeitung des erzeugten Glases erheblich ausgebaut wurde. | Unter der Leitung seines Sohnes Julius Bauer wurde 1891 in Neustadt a. d. Waldnaab ein neuer Glasofen in Betrieb genommen. Ein Jahr später erwarb „Schrenk & Co.“ das nahegelegene Schleif- und Polierwerk in [[wikipedia:Wöllershof|Wöllershof]], wodurch die Weiterverarbeitung des erzeugten Glases erheblich ausgebaut wurde. | ||
==Unternehmensgründung und Fusion== | ==Unternehmensgründung und Fusion== | ||
1895 zog sich Bauer als Privatier nach Fürth zurück, blieb jedoch unternehmerisch aktiv. Er erwarb das Anwesen [[Hirschenstraße 39]], das er im Erdgeschoss selbst bewohnte. | 1895 zog sich Bauer als Privatier nach Fürth zurück, blieb jedoch unternehmerisch aktiv. Er erwarb das Anwesen [[Hirschenstraße 39]], das er im Erdgeschoss selbst bewohnte. | ||
1898 schied er gemeinsam mit seinen Söhnen Julius und Joseph einvernehmlich aus der Firma „Schrenk & Co.“ aus. Sie gründeten die Firma „Andreas Bauer & Söhne“, in deren Besitz die Hütte Neustadt, das Werk Wöllershof sowie die Pachthütten Karlbach und Eisendorfhütte | 1898 schied er gemeinsam mit seinen Söhnen Julius und Joseph einvernehmlich aus der Firma „Schrenk & Co.“ aus. Sie gründeten die Firma „Andreas Bauer & Söhne“, in deren Besitz die Hütte Neustadt, das Werk Wöllershof sowie die Pachthütten Karlbach und Eisendorfhütte übergingen. Hinzu kamen Hammerwerke als Veredelungsbetriebe. Beide Unternehmen – „Schrenk & Co.“ und „Andreas Bauer & Söhne“ – arbeiteten zunächst partnerschaftlich nebeneinander. | ||
Nach dem Tod der Söhne von Franz Schrenk kam es 1905 zur Vereinigung beider Firmen in einer Aktiengesellschaft unter dem Namen „Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke, vorm. Schrenk & Co., A.-G.“ mit einem Kapital von 2,3 Millionen Mark. 1906 wurden die Unternehmen endgültig zur „A.-C. Schrenk & Co.“ zusammengeführt. Bauer gehörte dem Aufsichtsrat an und übernahm dessen Vorsitz, sein Sohn Joseph übernahm die Fürther Niederlassung als Direktor. In dieser war die Glasveredelung, hauptsächlich die Spiegelbelegung und Bearbeitung des hergestellten Spiegelglases untergebracht. Der Betrieb befand sich in der [[Lange Straße 71|Langen Straße 71–73]]. | Nach dem Tod der Söhne von Franz Schrenk kam es 1905 zur Vereinigung beider Firmen in einer Aktiengesellschaft unter dem Namen „Vereinigte Bayerische Spiegel- und Tafelglaswerke, vorm. Schrenk & Co., A.-G.“ mit einem Kapital von 2,3 Millionen Mark. 1906 wurden die Unternehmen endgültig zur „A.-C. Schrenk & Co.“ zusammengeführt. Bauer gehörte dem Aufsichtsrat an und übernahm dessen Vorsitz, sein Sohn Joseph übernahm die Fürther Niederlassung als Direktor. In dieser war die Glasveredelung, hauptsächlich die Spiegelbelegung und Bearbeitung des hergestellten Spiegelglases untergebracht. Der Betrieb befand sich in der [[Lange Straße 71|Langen Straße 71–73]]. | ||
In dieser Funktion genehmigte er den Bau eines modernen Dampfschleifwerkes mit zwei patentierten Schifauer-Apparaten, deren Leistungsfähigkeit annähernd der von sieben Earnshaw’schen Apparaten entsprach. Es handelte sich um die ersten Anlagen dieser Art in Bayern und sie galten als technisch vorbildlich. | In dieser Funktion genehmigte er den Bau eines modernen Dampfschleifwerkes mit zwei patentierten Schifauer-Apparaten, deren Leistungsfähigkeit annähernd der von sieben Earnshaw’schen Apparaten entsprach. Es handelte sich um die ersten Anlagen dieser Art in Bayern und sie galten als technisch vorbildlich. | ||