Industrieflughafen Fürth

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Im Jahr 1950 kehrte die zivile Luftfahrt noch einmal nach Fürth zurück. Wegen der totalen Zerstörung des Nürnberger Flughafens am Marienberg und dessen geographischer Lage am Rand der Stadt, die den Flughafen inzwischen erreicht hatte, beschloss man den Bau des neuen Flughafens "Nürnberg-Kraftshof". Für die Überbrückungszeit suchte man nach einem geeigneten Gelände, um den Flugverkehr möglichst schnell wieder aufnehmen zu können. Fündig wurde man im Fürther Westen, wo sich auf dem Gelände der heutigen Hardhöhe der Werksflugplatz der Firma "Bachmann, von Blumenthal & Co." mit der nötigen Infrastruktur befand.

Inhaltsverzeichnis

Bis 1945

Bereits während des Ersten Weltkriegs suchte die "Gothaer Waggon- und Flugzeugfabrik" nach einem neuen Standort für die Fertigung von Flugzeugen. Die Stadt Fürth stellte ein Gelände auf der heutigen Hardhöhe zur Verfügung, auf dem in den Jahren 1919 bis 1920 - neben Fertigungshallen - auch eine Beton-Startbahn entstand. Viele ältere Fürther kennen das Unternehmen heute noch ausschließlich als die Waggon, auch wenn hier hauptsächlich Flugzeuge produziert wurden.

Später erfolgte die Umbenennung des Betriebs in "Bachmann, von Blumenthal & Co. KG". Der Produktion von Flugzeugteilen und ganzen Flugzeugen tat dies allerdings keinen Abbruch. In den 1930er Jahren entwickelte sich die "Waggon" auch zu einem wichtigen Reparatur-Betrieb für die Flugzeuge der Deutschen Luftwaffe. "Bachmann & Blumenthal" produzierte bis 1945 Teile unter anderem für die Junkers Ju 87, die als "Stuka" bekannt wurde, die Messerschmitt Bf 110, ein schweres Jagdflugzeug und Jagdbomber, sowie für die Messerschmitt Me 262, den ersten einsatzfähigen Düsenjäger der Welt. Doch auch Umrüstung, Reparatur und Fertigung der Bf 110 fanden in Fürth statt.

Als Rüstungsbetrieb gehörte die "Waggon" zu den Zielen, die von alliierten Flugzeugen bombardiert wurden, und so kam es im Kriegsverlauf zu einigen Schäden.

Nutzung nach dem Krieg

Nach der Einnahme Fürths durch amerikanische Truppen nutzte zunächst die US-Airforce das Fluggelände. Im Jahr 1949 schließlich erfolgte die Schaffung einer provisorischen Flugplatz-Verwaltung mit deutschem Personal, die den Betrieb am "Industrieflughafen Nürnberg-Fürth" im Folgejahr aufnahm. Der Flughafen diente in den kommenden fünf Jahren als Provisorium und leistete wichtige Dienste, besonders für den Warenverkehr. Die Landebahn wurde mittels Stahlplatten verstärkt und verlängert, um auch für die schwerer werdenden Flugzeuge auszureichen.

Der internationale Flugbetrieb endete am 6. April 1955, als der neue Flughafen "Nürnberg-Kraftshof" seinen Betrieb aufnahm. Damit endete schließlich auch das Kapitel des Luftverkehrs in Fürth. Das Gelände, auf dem sich der "Industrieflughafen" (Adresse: Würzburger Straße 121) einst befand, wurde ab dem Jahr 1957 komplett überbaut. Heute erinnert kaum noch etwas an den Flughafen, lediglich ein mächtiges verklinkertes Betongebäude, das heute die Firma "Flamme Möbel" beherbergt, ist aus dieser Zeit übrig geblieben. Und ein Stück der ehemaligen Start- und Landebahn ist als Grünstreifen zwischen Gauss- und Voltastraße erhalten geblieben.

Wissenswertes

  • Es gab im laufe der Zeit auf dem Flughafen nur einen einzigen Absturz. Ein Frachtflugzeug ist zu weit auf der Fahrbahn aufgekommen und aufgeschlagen. Dabei kam der Pilot aber nicht zu Schaden - nur seine Ladung: ein Schwein brach sich ein Bein und die anderen Schweine mussten auf dem Gelände eingefangen werden, sie konnten sich aus dem Flugzeug befreien.
  • Der Flughafen wurde im 2 Weltkrieg bombardiert - es gibt bis heute noch Bombenfunde.
  • Ein Flug von Fürth nach München kostete damals 39 DM

Zeitzeugenberichte

  • Wir haben den Flugplatz öfters an den Wochenenden mit unserer Mutter besucht. Es gab dort ein kleines Restaurant und die Tische und Stühle standen so nah am Rollfeld dass beim Beidrehen der gelandeten Flugzeuge regelmäßig die Sonnenschirme wegflogen. Die Bedienungen sind dann gerannt und haben die Schirme wieder aufgestellt, das war für uns Kinder immer ein Spaß.[1]

Trivia

Dem Ausbau des Flughafens musste 1938 auf Geheiß des Reichsluftfahrtministeriums auch der Bismarckturm weichen, da dieser störend in der Einflugschneise lag.


Literatur

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zeitzeugenbericht, Archiv Doc Bendit, Aktennr. '11'
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