1800

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Ereignisse in Fürth im Jahr 1800



Kurz-Chronik 1800[Bearbeiten]

  • Fürth wird in neun Viertel oder Distrikte eingeteilt.[1]
  • Am 28. Mai schlug der Blitz in den Turm der Michaelskirche und in den Poppenreuther Kirchturm ein.[2]
  • Im September wurde damit begonnen, die Straße von Fürth nach Nürnberg zu pflastern.[3]
  • Am 19. und 20. Dezember kampierte das von den Österreichern geschlagene französische Armeekorps bei Poppenreuth und zog sich am 21. Dezember bis Vach zurück.[4]
  • Am 23. Dezember dauerten die Kriegskämpfe um die Vacher Brücke über die Rednitz "von Morgens 11 Uhr bis Nachmittags gegen 5 Uhr fast ununterbrochen...".[5] Die kaiserliche Armee besetzte u. a. Kronach, Stadeln, Mannhof, Ronhof, Braunsbach, Sack, Bislohe, Steinach und Poppenreuth.[6]

Personen[Bearbeiten]

Geboren 1800

PersonGeburtstagGeburtsortBeruf
Johann Heinrich Bernheim9. AugustInnsbruckProfessor, Lehrer, Mediziner
Friedrich Müller17. MärzZirndorfArchitekt, Maurermeister
Georg Caspar Schildknecht7. JuliFürthMetzger
Leonhard Schmidtner21. OktoberWeilheim, OberbayernArchitekt

Gestorben 1800

PersonTodestagTodesortBeruf
Julius Lorenz SchröderBrillenfabrikant
  • In diesem Jahr starben 58 Personen an den Blattern (Pocken).[7]

Bauten[Bearbeiten]

  • Das vormalige königliche Banco-Gebäude wurde errichtet "und dabei ein schöner Garten nach englischem Geschmack angelegt."[8]

Fronmüllerchronik[Bearbeiten]

[...] Am 30. Mai erfolgte die Eintheilung des Ortes in neue Distrikte. Die Viertelsmeister wurden auf dem Schießhause gewählt, und zwar Bäckermeister Habel, Wirth Baumeister, Bäckermeister Roßner, Zirkelschmied Seifried, Spiegelfabrikant Meisel, Glasermeister Schumacher, Uhrmacher Fensel, Goldarbeiter Pfister und Bierbrauer Reuter. [...]. Ebenso wurde das Eckhaus in der Schwabacher Straße Nr. 2 von Gürtlermeister Joh. Christian Rießner jetzt Wittwe Marie Fried. Beck gehörend erbaut. [...]. Die Franzosen hatte die Vacher Brücke mit zwei Kanonen besetzt, womit die Oesterreicher begrüßt wurden. [...].[9]

Lohbauersche Land-Chronik[Bearbeiten]

Im Dezember hatten wir große Truppendurchmärsche von Österreichern und Franzosen. Bei Vach war ein hitziges Gefecht. Das Rindfleisch kostete in diesem Jahre per Pfd. 10 Kreuzer, Schweinefleisch 14 Kreuzer, vier Maß Weißbier 2 Kreuzer, braunes 3 Kreuzer, Lagerbier 3-4 Kreuzer, ein Klafter weiches Holz 7 1/2 fl., eichenes 10 fl. Damals wurde das Rauchen auf offener Straße verboten.[10]

Zeitgenössische Ortsbeschreibung[Bearbeiten]

Fürth, ein der Bambergischen Domprobstey zustehendes Amt, von einem Umfange von ungefähr 6 [?] Stunden, zwischen dem Nürnbergischen und Ansbachischen. Die Erzeugnisse des Bodens reichen nicht für das einheimische Bedürfniß zu. Der einzige Artikel, an welchem Ueberfluß ist, ist der Toback, der sehr häufig gebauet wird. [...].
Fürth - großer offener Marktflecken in einer ungemein schönen Gegend zwischen der Rednitz und Pegnitz, welche sich unterhalb des Marktfleckens vereinigen. 5/4 Stunden von Nürnberg, 3 Stunden von Erlangen und 4 Stunden von Schwabach, ist der wohlhabendste Ort im Fürstenthume, und hat 513 Unterthanenhäuser, wovon 89 Ansbach, 323 der Domprobstey Bamberg, 86 Nürnberg und 15 andern Gerichten gehörten, und gegen 18,ooo Einwohner mit Einbegriff von 800 Judenfamilien. Da nun die große Anzahl der Einwohner in keinem Verhältnisse mit der Häuserzahl steht, so wohnen gewöhnlich 5, 6, 12 bis 15 Familien in einem Hause und im sogenannten langen Hause sogar 36 Haushaltungen. Die Gassen sind größtentheils regelmäßig und mit ansehnlichen Gebäuden versehen. An öffentlichen Gebäuden giebts hier 5 weltliche, 9 geistliche, 7 gemeindliche und 8 Judengebäude, worunter sich überhaupt auszeichnet die 1550 erbauete geräumige Michaeliskirche, nebst einer nahe daran stehenden Kapelle; das Brandenburgische Gleitshaus nebst der Caserne, wo der jedesmalige Gleitsbeamte und das Militaircommando wohnen; das Bambergische Domprobsteyamthaus, das seit 70 Jahren vorhandene Armen- Schul- und Waisenhaus, und drey Judenschulen, mit welchen zugleich eine jüdische Universität verbunden ist. In die evangelisch lutherische Michaeliskirche sind noch 16 Dorfschaften eingepfarrt, und der Pfarrer hat jährlich gegen 5ooo fl. die Kapläne aber jeder 1000 bis 1200 fl. Einkünfte. Die Katholiken haben hier ein Oratorium, worinnen sie zum Privatgebrauche des Domprobsteyverwalters und Amtmanns Messe lesen lassen, sonst aber alle Gewissensfreyheit wie die andern Religionsverwandten mit Einbegriff der Juden genießen. Die sehr zahlreiche Judenschaft genießt vermöge einer Verordnung des Domprobsts von Bamberg von 1719 viele Freyheiten, worunter unter anderm gehört: daß die Juden nach Verhältniß ihrer Güte das Gemeinderecht erlangen, kaufen und verkaufen, Geld auf Zinsen leihen können; daß sie ferner die unter ihren Glaubensgenossen entstandenen Streitigkeiten durch ihre Rabbiner, jüdische Juristen oder Vorsteher, selbst entscheiden, und vermittelst des grosen und kleinen Banns, durch Schulbüßen und Beyträge zu Almosen, abstrafen dürfen, und worinnen ihnen im Falle eines Ungehorsams die christlichen Beamten selbst Beystand leisten sollen; daß [...] endlich jeder fremde Jude, der sich in Fürth niederlassen will, zum wenigsten 5000 Gulden im Vermögen haben muß, und bey seinem Eintrite in den Schutz so viel an die Judenschaft bezahlt, als er von seinem Vermögen seit 10 Jahren hier zu bezahlen gehabt hätte, es sey dann, daß er die Tochter eines Juden in Fürth heurathete. Die Annahme der Schutzjuden ist ebenfalls der Judenschaft überlassen; doch müssen alle 3 Jahre die Specialschutzbriefe bey der Domprobstey gegen Entrichtung der Kanzleygebühren mit Beziehung auf den Generalschutzbrief erneuert werden. Den hiesigen Juden ist ferner verstattet, alle Handgewerbe und Handelschaft mit Kramwaaren, Mehlwerk, Essen, Speise und Getränke zu treiben, Brandtwein zu brennen, ihre eigenen Musikanten, Schneider und Barbierer zu halten, welche letztere jedoch keine Beinbrüche heilen dürfen, sie können ihr eigenes Fleisch einschlachten und Brod backen, weswegen sie auch besondere Koscherofen besitzen, d. h. solche, worinnen für Christen kein mürbes Brod und kein Fleisch zugerichtet werden darf; endlich ist ihnen auch erlaubt, zwey Deputirte zur Gemeine zu schicken, damit sie sicher sind, daß ihr Geld zum Besten der Gemeine angewendet wird. Hingegen müssen sie bey Heeresdurchzügen Quartiere hergeben, und Geld für Wachten bezahlen: dürfen aber auch, wenn sie ihr Schutzgeld bezahlt haben, frey und ungehindert von hier wegziehen. Das 1jährliche Schutzgeld der Juden bey der Domprobstey besteht in 10 fl. 30 kr. [...]. Ueberdies theilt sich die Gemeine noch in einen geistlichen und weltlichen Staab. Dem geistlichen Staabe steht der Oberrabbin fast ganz allein vor, hat aber auch in weltlichen Sachen viel zu sagen und ist der Präsident vom schwarzen Tribunal, welches aus 5 Rabbinen oder Hochgelehrten besteht, und seinen Nahmen daher erhalten hat, weil die Rabbiner schwarz zu gehen pflegen. Sie sind zugleich Doctores und Professores der Theologie und Juris, und entscheiden in den meisten Fällen in erster Instanz. Um aber in der Person des Oberrabjners einen ganz unparteyischen Richter zu finden, wird derselbe aus den entferntesten Gegenden verschrieben und darf keine Verwandtschaft in Fürth haben.
Nach Prag und Frankfurth am Mayn ist Fürth die dritte Judenakademie in Teutschland, woselbst die unter sehr strenger Aufsicht stehenden studierenden jungen Leute nicht nur in Wissenschaften, sondern auch in Handelsgeschäfften und fremden Sprachen unterrichtet werden, wozu man bisweilen auch christliche Lehrer braucht. Außer den Schulgebäuden gehören zu den öffentlichen Gebäuden der Juden ein Gemein- oder Rathhaus, in welchem der Oberrabbiner, auch ein Arzt ihre Wohnung haben, und der Judenrath und ihre Gerichtspersonen sich versammeln. Die Judenschaft hat außerhalb des Fleckens ihr eigenes Hospital, in welchem die Kranken und Kindbetterinnen unter Aufsicht gewisser Hospitalverpfleger, eines Judenarztes und eines christlichen Chirurgus verpflegt werden. An das Hospital stößt der mit einer hohen Mauer umgebene Judenleichenhof, woselbst jede Grabstätte mit 50 Thlr. bezahlt werden muß. [...]. Hier ist auch eine hebräische Buchdruckerey.
Die hiesigen Einwohner sind in mancherley Rücksichten unter die glücklichsten in Deutschland zu rechnen: denn geringere Abgaben bezahlt man verhältnißmäßig wohl an keinem Orte, indem ein Professionist jährlich nur 36 bis 45 kr. Schutzgeld, das größte Haus 3 fl. ein halber Hof 10 fl. und ein Viertel-Hof 5 fl. zur Bestreitung der Gemeinekosten giebt, und größere Gewerbefreyheit trifft man nirgends an. Jeder Einwohner kann ein Gewerbe treiben, was für eines er will, die Handlung nicht ausgeschlossen; obschon in Ansehung der letztern die Christen für den Juden nicht aufkommen können. Der größte Theil der Fürther Einwohner besteht daher aus Kaufleuten, Handelsleuten, Krämern, Hökern, Künstlern, Manufacturisten und Handwerkern von allen Arten, die sich bisher sehr gut genährt haben; und unter den sogenannten bürgerlichen Nahrungszweigen sind die Bäcker, Bierbrauer und 66 Brandtweinbrenner, welche auch den Feldbau und die Viehmastung treiben, die stärksten und angesehensten.
Die Künstler sind theils ohne Innung, theils Handwerker mit Innnung. Zur erstern Classe gehören: Bildhauer, Maler, Vergolder, Emaillirer, Compas-, Futteral-, Spiegel- und Schnallenmacher, Glaszierathen-Schleifer und gemeine Schleifer, Plättleinschläger, Aderlaß-Schneppermacher, Blumen- und Federschmücker, Tobacksköpfeschneider, Dosenmacher, Lackirer und Lebküchler oder Pfefferkuchenbecker, Büchsenmacher, Feilenhauer, Folienmacher, Goldpapierpresser, Papier-Färber und Glätter, Kupferschmiede, Korbmacher, Pappendeckelmacher, Perukenmacher, Petschierstecher, Seifensieder, Lichtzieher, Zirkelschmiede und Zeugschmiede. Zur andern Classe hingegen werden gerechnet:
Schneider Schuhmacher Maurer, Tüncher, Steinhauer Zimmerleute Leinweber oder Schwabenweber Böttcher Tischler oder Schreiner Töpfer Schmiede und Wagner Bäcker Metzger oder Fleischer Uhrmacher Schlosser Seiler Drechsler Gürtler Zinngießer Metall- oder Goldschläger, wozu sich 4 Bleyweißschneider halten, Goldarbeiter oder Goldschmiede Chirurgen und Barbierer Buchbinder Strumpf- und Mützenwirker Flaschner oder Klempner Sattler Glaser Seckler oder Beutler Riemer Nagelschmiede Kürschner Huthmacher Rothgärber Färber
Die Borten- und Bandmacher sind mit ihren Maschinen und Habseligkeiten größtentheils ins Oesterreichische gewandert.
Die Hauptfabrik ist noch immer die Spiegelfabrik, deren Waaren man überall unter dem Nahmen Nürnberger verkauft, obschon in Nürnberg selbst wenig gemacht werden, und welche gegen zwanzig Sorten Spiegel macht, die man größtentheils nach Dutzenden verkauft und aufs höchste nur 9 Zoll Brabanter- oder sogenanntes Judenmaaß halten. Die gangbarsten sind darunter: die papiernen Feld- und Scheibenspiegel; rothe Borden- und Kalenderspiegel, mit und ohne hölzerne Leisten; Spiegel in Gestalt eines Buchs; Schubladenspiegel mit und ohne Karnieß oder mit hölzernen gemahlten Leisten; in Pflaumbaumholz eingesetzte Spiegel von allerley Arten, mit Aufsätzen und nach Art geschweifter Toiletten verfertigt, die sogenannten türkischen oder gemahlten, wie auch emaillirten und glasirten Spiegel; Spiegel mit gemahlten Glasrahmen, gelb und weiß in Leisten etc. Es werden aber auch mehrere Sorten größere Spiegel verfertigt und nur paarweise verkauft, als: Spiegel mit Crystall- und andern Glaszierathen matt und hohl geschliffen, belegt als Spiegelglas, wie auch mit allen Farben mit ächten silbernen und goldnen Blumen; eben dergleichen Wandleuchter; matt und erhaben [...]. Durch diese Fabrik werden außer der großen Anzahl Tischler, welche die Rahmen, Kästchen etc. verfertigen, noch eine große Anzahl Menschen, als: Glasschleifer, Futteralmacher, Lackirer, Bildhauer, Vergolder etc. mit Arbeit versehen, indem immer ein Arbeiter dem anderm in die Hand arbeitet, wodurch nicht nur die größte Vollkommenheit erreicht, sondern auch der äußerst wohlfeile Preis bewirkt wird, welchen noch keine andere Spiegelfabrik weder in Deutschland noch in einem andern europäische Reiche hat machen können. Freylich ist das Glas nicht so dick wie in andern Fabriken, aber es bedarf auch keiner großen Haltbarkeit, und leistet bey seiner Schwäche doch die Dienste der dickglasigten Spiegel. Ueber dieses findet man hier noch Manufacturen von laquirten Waaren; Wachswaaren; nürnberger Kinderpuppen und Spielzeug; Farbewaaren; gemahlte Papiere; Lederwaaren; Siegellack; von Drath- und Lionischen Waaren; allerhand chirurgische und andere Instrumentmacher. Die Drechslerwerkstätten theilen sich nach den rohen Materialien, als Messing, Bein, Horn und Holz, in vier Classen. Die Messingdrechsler verfertigen mitunter viele Galanteriewaaren, am allermeisten aber metallene, glatte und gestochene Knöpfe, auch hohe mit und ohne Rand, mit ganzen und halben Boden von Blech und eisernen Oehren. Die Beindrechsler verfertigen Billardbälle, Berlocken, Würfel, Hemdenknöpfe, Wund- und Klystirspritzen; Nadelbüchsen aller Art, Mundstücke, Bleystiftfutterale, Kugelfedern, Trisset- Schach- und Becherspiele, Pennale etc. Die Horndrechsler drehen alle Sorten von Tabacksröhren; und die Holzdrechsler verfertigen alles obige auch, aber hauptsächlich die Büchsen zu Caffeemühlen. Die Goldschläger haben 48 Werkstätten, in welchen meistentheils mit 4 bis 6 Gesellen und mit eben so viel Frauenspersonen gearbeitet wird, welche letztern das geschlagene Gold in Blätter legen und einbinden. Die oben angeführten Gürtlermeister verfertigen vorzüglich messingene glatte und musirte Nägel, Commodbeschläge nach englischer Art, Wandarme, Uhrschlüssel aller Art in Metall, Perlmutter und Schildkröte, vergoldete Uhrketten, Bänder, Knöpfe von Tombach und Messing, Stricknadeln, Etuis, Stockknöpfe, Kuppelschnallen, Beschläge zu Pferdegeschirren und Zäumen, Rockhaaken, Buchbindergeschirr, Zahlpfennige, Färberzeichen, Ohrengehänge, Pfeifenbeschläge etc. Die Schlossermeister beschäfftigen sich außer einer Menge Caffeemühlen und andern Sachen, vorzüglich mit Reparaturen der Werkzeuge hiesiger Fabrikarbeiter. Die Sattler und Riemer verfertigen neben ihren gewöhnlichen Arbeiten Brieftaschen, Schreibetafeln, rothe und weiße Puderpüster, Rauchtabacksdosen, lederne Pfeifenröhre, Geldtaschen, Papiermagazine von Fischbein, geflochtene Spießgerten etc. Die 9 hiesigen Brillenmacher verarbeiten das im Schwabacher Zucht- und Arbeitshause abgeriebene Glas zu Brillen, Brenn-Ferngläsern, Perspektiven, und Mikroscopen. In einer Tabacksfabrik verfertigt man alle Arten von Schnupftaback von vorzüglicher Güte und wohlfeilen Preisen. Sieben Nudelfabrikanten machen alle Arten von Macaronis, die den italiänischen wenig an Schönheit und Güte nachgeben. Außer dem Waarenhandel im Ganzen und einzeln wird auch ein starker Wechsel- und Juweelenhandel getrieben, und überhaupt ausgebreitete Geschäffte nach Italien, Spanien, Portugall, Frankreich, Pohlen etc. gemacht Einige Häuser haben auch starke Weinhandlungen. Neben den gewöhnlichen Wochenmärkten hält man zu Fürth jährlich einen großen Jahrmarkt unter dem Nahmen Kirchweih bekannt, der mit dem Michaelistage anfängt, 14 Tage dauert, und wegen des starken Verkehrs und der Menge hier zusammenkommender Menschen der That den Nahmen einer Messe verdient.
Die Landeshoheit über den Ort und die Gegend von Fürth übt das Haus Brandenburg seit mehrern Jahrhunderten aus; indessen findet man auch 323 bambergische Domprobstey- und 88 nürnbergiesche Lehne hier. [...].
Von diesen 8 Burgermeistern gehen alle Jahre 4 ab, und 4 neue kommen an ihre Stelle durch eine auf dem Amtshause geschehende Wahl, zu welcher sich die Gemeine daselbst am Stephanstage versammelt. Einige Tage vorher übergiebt der abgehende Burgermeister seine Rechnung dem Domprobsteyamtmanne zur Revision, aber ohne Belege, welche erst in der nämlichen Form am Stephanstage der versammelten Gemeine vorgelesen werden, die alsdann sofort zur Wahl schreitet. Die Gerichtsschöppen schlagen mit Zuziehung der Bürgermeister die Wählenden vor, oder schreiben sie an eine Tafel, und die Gemeine wählt. Hierauf erfolgt ihre Verpflichtung im Amthause und jeder Burgermeister erhält gewisse Verrichtungen, welches man das Aemteraustheilen nennt. Ein Pfandrecht z. B. besteht in der Aufsicht über Feld und Wiesen, über die Hirten und Fluhren. Das Bauamt hat die Aufsicht über die Brücken und Stege, über das Pflaster und die Wasserschäden an den Gemeinegütern, zu deren Unterhaltung ein Capital von 600 [?] bis 8oo fl. jährlich erfordert wird. Denn an den Flüssen Rednitz und Pegnitz befinden sich 2 ansehnliche Privatmühlen mit vielen Mahl- und Sägegängen, nebst einigen Schleif- und Polirwerken, welche in den Flüssen manche Bauten verursachen. Die vorhergedachten 8 Burgermeister oder Redner besorgen in der Regel die täglichen Geschäffte, und bey wichtigen Angelegenheiten werden die 6 Gerichtsschöppen nebst den 16 Vorstehern mit dazu gezogen, worauf alsdenn diese Versammlung den Nahmen einer Vorstehergemeine erhält, deren Berathschlagungen gemeiniglich die Angelegenheiten einer ganzen Gemeine betreffen; vor allen aber wird der Consulent zu Rathe gezogen. Dergleichen Versammlungen hält man im Hause des Rechnungsburgermeisters, welcher 50 fl. Zimmergeld erhält, und auf dem Gemeinhause. Die Gerichtsschöppen haben zwar jetzt wenige, aber noch immer erhebliche Amtsverrichtunen, besonders bey Theilungen, Zuschreibungen, Untersuchungen, Schätzungen. Sachen, welche die ganze Hofmark betreffen, werden für eine Schutzgemeine gebracht, die aus 12 Schöppen, 4 Schutzführern und 26 Deputirten zusammengesetzt wird. Die Nürnbergschen Zinsleute, sowohl hier als auf dem Lande, sind vom Schutze bisher eximirt gewesen und eben deswegen nach und nach allen Beschwerden unterworfen worden, welche auch andere nürnbergsche Zinsleute erfahren haben. Die Ansbachschen Colonisten hingegen haben keine Ursache, sich an den Schutz zu halten, indem ihre Herrschaft die Schutzherrschaft selbst ist. Ueberhaupt ist die Hofmark Fürth unter den vielen Orten im Nordgau der einzige bisher gewesen, welcher außer dem Landesschutze noch einen Specialschutz genossen hat, und dafür bis auf die gegenwärtige Zeit 23 Simr. Hafer und 48 Frohnfuhren, welche in Natura mit Heufuhren auf 1 Stunde weit verrichtet werden, leisten mußte, und dagegen von allen landesherrliche Schuldigkeiten frey geblieben ist. Die Vorzüge, deren sich die Fürther noch bis jetzt erfreuen, bestehen darinnen, daß sie von Steuern, Frohnen, Umgelde, Accise, Abzug und Erbhandlohn frey sind, auch gewissermaaßen Zollfreyheit genießen. Die Hauptabgabe der Fürther Schutzverwandten an die Domprobstey besteht in einem ganz geringen Grundzinse, etlichen Metzen Gülte u in den Zehnten; im Kaufhandlohne, als: dem großen zu 6 fl., welches der Fremde, und im kleinen zu 4 f. 40 kr. das der Einheimische bezahlen muß. [...]. Als neuerliche Beschwerden zählt man die Consensgebühren, welche alle 3 Jahre mit 1 Procent erneuert werden müssen; die Zahlgelder, die Erhöhung der Kanzley-, auch Amts- und Lehnbriefe etc. [...]. Allein wahrscheinlich wird nunmehro das königl. Haus Brandenburg auch jenes alte zum Burggrafthume Nürnberg gehörige Recht reclamiren. Der Schutz pflegt jedesmal von dem Gleitsmanne in Fürth auf bloßes Ansuchen der Parteyen ertheilt zu werden; wird aber eben so bald wieder aufgehoben, wenn man anzeigt, daß der Schutz widerrechtlich gesucht worden ist. Allein von Seiten der Domprobstey hat man immer sehr vielerley gegen die Schutzertheilung eingewendet. [...]. Den Kirchweihschutz maßt sich, aber mit Widerspruch des Hauses Brandenburg, die Domprobstey Bamberg in den 3 Hauptorten Fürth, Poppenreuth und Schweinau an. Unter die vornehmsten Verrichtungen des Domprobsteyamtmannes rechnet man, daß er den Plan selbst aufführen und den ersten Reihen um den Maybaum tanzen muß; allein letzteres hat er gegenwärtig seinem Schreiber abgelassen. Bey dieser Gelegenheit müssen in Fürth auf Verlangen des Domprobstes jedesmal 6 Mann regulirte Soldaten von der Garnison aus der Bambergschen Vestung Vorchheim nach Fürth marschiren, und daselbst am folgenden Tage unter Anführung des Domrobsteyamtmannes um den Mayaum herumziehen, nach abgerufenem Friedgebothe, welches im Nahmen des Domprobsts geschieht, dreymal abfeuern, und auf diese Art die Kirchweihe beschützen helfen. Dieses Ausrufen des Friedegeboths und das Abfeuern wird hierauf noch in jedem Domprobsteylichen Wirthshause wiederholt, und dauert gemeiniglich bis in die späte Nacht fort.[11]

Zeitgenössische Ortsbeschreibung von Vach[Bearbeiten]

Fach, auf den Landcharten auch Vach, Nürnbergisches Pfarrkirchdorf an der Rednitz, 2 von Nürnberg gegen Erlangen. Hier war ehemals eine schöne Brücke über die Rednitz. Im siebenjährigen Kriege ist sie bey einem Rückzuge abgebrannt worden. Der Ort hat 36 Unterthanen, davon sind 29 Nürnbergisch. Der Pfarrer ist Ansbachisch. Zwey Bürgersitze daselbst sind auch markgräfliche Lehn. Der Ort hat muthmaßlich seinen Namen von den Fächern, die man des Fischfangs wegen in in die Rednitz gemacht hat.[12]

Sonstiges[Bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

Bilder[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Stadtmuseum Fürth
  2. Fronmüllerchronik, 1877, S. 201
  3. J. G. Eger: "Taschen- und Address-Handbuch von Fürth im Königreiche Baiern...", 1819, S. 219
  4. J. G. Eger: "Taschen- und Address-Handbuch von Fürth im Königreiche Baiern...", 1819, S. 219
  5. Münchner Oberdeutsche Staatszeitung, 30. December 1800
  6. Paul Ewald: "Geschichte der Pfarrei Poppenreuth: von den ältesten Zeiten bis jetzt", S. 65 - online
  7. Fränkische Provinzial-Blätter: 1802,1/6; S. 193
  8. J. G. Eger: "Taschen- und Address-Handbuch von Fürth im Königreiche Baiern...", 1819, S. 220
  9. Fronmüllerchronik, 1887, S. 201 f
  10. Land-Chronik, Fürth 1892, S. 351
  11. J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken oder vollständige alphabetische Beschreibung aller im ganzen Fränkischen Kreis liegenden Städte..., 2. Band, Verlag Stettinische Buchhandlung, Ulm 1800, S. 234 ff (Anm.: Diese Ortsbeschreibung ist nahezu wortgleich zu einer bereits 1797 erschienen Ortsbeschreibung von Friedrich Gottlob Leonhardi - siehe online-Digitalisat des Deutschen Museums)
  12. J. K. Bundschuh: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken oder vollständige alphabetische Beschreibung aller im ganzen Fränkischen Kreis liegenden Städte..., 2. Band, Verlag Stettinische Buchhandlung, Ulm 1800, S. 115 f