1832

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Ereignisse in Fürth im Jahr 1832



Kurz-Chronik

  • Gründung des Veteranenvereins
  • Gründung des Gesangvereins „Liedertafel“

Personen

Geboren 1832

PersonGeburtstagGeburtsortBeruf
Jacob Wolf Spear23. AprilMerzhausenFabrikant, Unternehmer, Kurzwarenhändler

Gestorben 1832

PersonTodestagTodesortBeruf
Baruch Berolzheimer22. FebruarFürthHändler, Kaufmann
Johann Stephan GriesmaierFürthRossolisfabrikant, Magistratsrat, Gemeindebevollmächtigter

Bauten


Fronmüllerchronik

Ein Befehl der Regierung vom 5. Januar 1832 forderte Wiederaufnahme der Berathungen wegen des Rathhausbaues. Es wurde sodann das Roßwirthshofanwesen um 16,000 fl. von der Gemeinde in der Hoffnung gekauft, den Eintausch des gegenüberliegenden Glockenwirthshauses zum Behufe der Vergrößerung des Platzes für ein neues Rathhaus bezwecken zu können. Noch mehr stellte sich die Nothwendigkeit eines derartigen Gebäudes heraus, als am 11. Juni eine Regierungsentschließung kam, welche verlangte, daß der Magistrat das Schulgebäude wegen unmäßiger und gefahrdrohender Ueberfüllung der Knabenschule räumen solle. Man dachte damals schon an den Ankauf des Mößner'schen Anwesens für ein neues Rathhaus. Am 17. Juli fand die Gründung des hiesigen Veteranenvereins statt. [...]. Die kgl. Zollverwaltung trat den Garten am Badeplatz mit 85 □-Ruthen an die Stadt ab. In diesem Jahr erschienen die Aufsehen machenden, in der unteren Stadt besonderen Unwillen erregenden Aufsätze von Postsekretär Schaller, den Vorschlag begründend, das Rathhaus in den Reich'schen Garten (jetzige Häuserfronte der katholischen Kirche gegenüber) zu bauen und der Thalbrücke über die Pegnitz die Richtung gegen den Königsplatz zu geben, was allerdings zum großen Vortheil für unsere Stadt gewesen wäre. -[...]. Artesische Brunnen wurden gebohrt bei Färber Maisch, am rothen Hause und dem Oekonomiegut des Brillenfabrikanten Schröder in Stadelhof. In einer Tiefe von 44 Schuh traf man bei letzterem auf ein acht Schuh mächtiges Lager von gebrannten Thonplatten. - Im September bildete sich die Gesanggesellschaft "Liedertafel". [...]. In diesem Jahr wurden vier neue Häuser gebaut.[1]

Zeitgenössische Ortsbeschreibung

Fürth, große offene Stadt, von 13,738 Einw., darunter gegen 3000 Juden, hat zum Kommerz und Speditionshandel, da es zwischen den Flüssen Regniz und Pegniz liegt, eine vortheilhafte Lage. Es herrscht hier ein sehr großer Gewerbsfleiß und man zählet 1000 Gewerkmeister; als 130 Drechsler, 200 Gold- und Silberarbeiter und Uhrgehäußmacher, 50 Gürtler, 40 Blei- und Rothstiftmacher, 150 Tischler, 120 Schuhmacher, 80 Strumpf- und Müzenwirker, 50 Baumwollenweber, usw. Der größte Theil der Einwohner besteht aus Kaufleuten, Handelsleuten, Fabrikanten, Manufakturisten, Künstler und Handwerker von allen Arten. Unter den Verzweigungen des Fabrikwesens nehmen die ersten Stellen ein, die Spiegelfabriken. Unter den verschiedenen Gattungen der Spiegel sind die gangbarsten: die papiernen Feld- und Scheibenspiegel, rothe Borden- und Kalenderspiegel mit und ohne hölzerne Leisten, Spiegel an Gestalt eines Buchs, Schubladenspiegel mit und ohne Karniß oder mit hölzernen gemahlten Leichtern, pflaumenbaumene Spiegel von allerlei Arten, verfertiget mit Aufsätzen und nach Art geschweifter Toiletten, die sogenannten türkischen oder gemahlten, wie auch emaillirten und glassirten Spiegel, dann Spiegel mit gemahlten Glasrahmen, gelb und weißen Leisten. Alle diese Sorten werden nach dem Dutzend verkauft, halten aber nur aufs höchste 6 Zoll Brabänter oder sogenanntes Judenmaaß. Folgende Sorten werden paarweise erlassen: Spiegel mit Crystall- oder Glaszierrathen, matt- und hohlgeschliffen, belegt als Spiegelglas, wie auch mit allen Farben mit ächten silbernen uud goldenen Blumen, eben dergleichen Wandleuchter nach allen Sorten. Die kleineren Spiegel bis zu 36 Zoll werden sämmtlich von nürnberger Glase, gemacht was aber unter 36 Zoll geht ist französisches Glas. Dieser einzige Nahrungszweig ernährt ausser den Glasschleifern, Futteralmachern, Lackirern, Bildhauern ect. 120 Tischlerfamilien. Besitzer solcher Spiegelfabriken sind Joh. Pl. Gries, Joh. Frd. Schaller, und Volkert und Faber, Joh. G. Gayersberger. Auf diese Fabrik folgen Tabacksfabriken, die alle Sorten Schnupftaback von vorzüglicher Güte und wohlfeilem Preise liefern. Die Fabrikanten sind Joh. Frd. Beck, Joh. Konr. Feuerlein, Gg. Rupprecht, Joh. Alb. Siegmund. Eine Strumpfwaarenfabrik, die wollene und baumwollene Strümpfe und Müzen verfertiget, nämlich: Bernh. Ochs. Eine Fabrik von leonischem Gold- und Silberdrath: Mich. Lachner. Zwei Federkielfabriken: Joh. Mich. Baus und Nik. Baus. Die vorzüglichsten Gegenstände des Manufakturwesens, welche mitunter in sehr bedeutendem Umfange betrieben worden sind. Das Metallschlaggewerbe, welches eigentlich ganz einheimisch dahier ist, da es ausser Nürnberg, Augsburg, Berlin und Wien in Deutschland nicht betrieben wird. Es beschäftiget sich hauptsächlich mit Verarbeitung des sogenannten Goldschaumes, indem aus einem Stückchen Komposition von ¾ Loth Schwere 160 - 200 dünne, schaumartige Blättchen von 2 - 4 Quadratzoll in der Größe durch den Hammer geschlagen werden, die man zum Vergolden benutzt. Die Bereitung aller Arten von Broncefarben: die Abfälle des geschlagenen Metalls werden auf Marmorsteinen überaus fein gerieben und durch chemische Zersetzung und Beimischung nicht nur zur Gold-, Silber-, Bronce- und Kupferfarbe sondern auch zu den schönsten und lebhaftesten Farben anderer Art bereitet und ist der Absatz dieses Fabrikats vorzüglich nach Frankreich und England gerichtet; Fabrikanten davon sind: Lindner Wittwe, Pl. Segitz Wittwe, Lud. Stolber, Joh. Jak. Stöber. Bronzwaaren- und Lorgnettenfabriken: Joh. G. Hirschmann, Joh. G. Reich. Die Verfertigung aller Sorten metallener Knöpfe von der feinsten bis zu der geringsten Klasse. Fabriken davon haben: Steph. Rießner, Joh. Pl. Scheidig, Joh. Ch. Schreiber, Joh. Pet. Voigt. Messingene Nägel mit geformten und gemodelten Köpfen. Die Fabrikation von Brillen mit Gestellen von Schildkrot, Silber, Messing, Horn und Fischbein von der feinsten bis zur geringsten Sorte, nebst andern optischen Gläsern; Fabrikanten davon sind: Frd. Schröder, Frd. Schröder Sohn, und Joh. Gg. Schröder. Essigfabrik hat Joh. G. Reusch. Bleistiftfabrik: Nik. Ziegler. Brieftaschenfabrik: Joh. G. Beils sen., Joh. Lor. Beils jun., Joh. Ch. Hauck sen., Joh. Ad. Hauck jun. Chemisches Laboratorium: Joh. Mart. Börner. Chlorinographische Offizin: Frd. Wild. Kottunpapierfabrik: G. Zerhatelly Wittwe. Mandelkaffeefabr.: Joh. Gröber, Joh. Pl. Nabholz. Rosogliofabrik. Joh. Steph. Griesmayer. Siamoisenfabrik: Joh. Mich. End, Joh. Ptr. Grubert. Siegellackfabrik: Joh. G. Schildknecht. Tabackspfeiffenfabriken: C. H. Bühner, G. Kas. Schultheiß. Apotheker: And. Jak. Barthel zum Stern, Joh. Kon. Fleischauers Wittwe zum Löwen, Joh. Frd. Aug. Meier zum Mohren. Vermöge der unumschränkten Freiheit handelt fast jedermann in Fürth, da es jedem frei stehet zu treiben, was er will, so trifft man hier eine ziemliche Anzahl von Leuten an, die sich mit dem Handel befassen, und zum Theil beträchtliche Geschäfte machen. So handelt Joh. Ad. Gebhardt in Spezereiwaaren en gros. Der Wechsel- und Juwelenhandel ist ausschließend in den Händen der Juden. Jährlich am Michaelistage fängt die Messe an, die 14 Tage dauert, und stark besucht wird, auf welcher ansehnliche Geschäfte gemacht werden, sie wird eigentlich Kirchweih genannt.[2]

Sonstiges

In Fürth wurden für die Seidenraupenzucht 4380 Maulbeerbäume gepflanzt.[3]

Siehe auch

Bilder

Einzelnachweise

  1. Fronmüllerchronik, 1887, S. 253 f
  2. Philipp Karrer: "Ausführliche historische Geographie für Fabrikanten, Manufakturisten, Kaufleute, Pharmaceuten, Gewerbsmänner u.a", Band 2, Augsburg, 1832, S. 287 ff - online-Digitalisat
  3. Königlich Bayerisches Intelligenzblatt für den Rezat-Kreis vom 17. Januar 1835, S. 125 f - online-Digitalisat