Balthasar Schildknecht

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Balthasar Schildknecht ist der erste nachweisbare Vertreter der Schildknechts in Fürth. Er stammte aus Großgerungs (geb. am 6. Januar 1627) und gehörte zu den Betroffenen der gewaltsamen Rekatholisierung während der Gegenreformation im österreichischen Waldviertel. Da aber in manchen Regionen noch zur Zeit des Westfälischen Friedensschlusses eine Unsicherheit aufgrund der Kriegseinwirkungen herrschte, waren manche Migranten lange Zeit "ohne Ziel" mobil. So waren die Exil-Stationen von Balthasar Schildknecht aus Großgerungs zunächst Westungarn, dann Mähren, Schlesien, Böhmen, Oberfranken und schließlich Fürth.[1]

Es war der ausgesprochene Wille der beiden Kaiser, Ferdinands II. (* 9. Juli 1578 - † 15. Februar 1637) und Ferdinands III. (* 13. Juli 1608 - † 2. April 1657), gewesen, keine Untertanen in ihren Ländern zu dulden, die nicht ihres Glaubens seien. Ferdinand II. war absolutistischer Monarch mit gegenreformatorischer Gesinnung. Die böhmischen Stände erhoben sich deswegen gegen ihn, was zum Auslöser für den Dreißigjähriger Krieg wurde. Nach dem Sieg über die Aufständischen setzte er mit drakonischen Maßnahmen den Katholizismus als einzig erlaubte Konfession im Machtbereich der Habsburger durch.
Ferdinand III. wandelte in den Fußspuren seines Vaters und akzeptierte das im Friedensschluss von Münster und Osnabrück festgesetzte Normaljahr 1624 - das allen, die in diesem Jahr evangelisch waren, die weitere freie Betätigung ihres Glaubens zusicherte - für Österreich nicht, denn der dortige Adel hatte während des böhmischen Aufstandes dem Kaiser Ferdinand II. die Huldigung verweigert.[2] Damit entfiel auch für die Bauern jede Duldung des evangelischen Bekenntnisses. Er erließ darum am 2. Juni 1650 die Anordnung, alle noch vorhandenen nichtkatholischen Untertanen "abzustiften"[3], d. h. alle Grundherrschaften hatten ihre evangelischen Untertanen aus ihrem Gebiet auszuweisen.

Der Exulant Balthasar Schildknecht ließ sich schließlich in Fürth nieder. Er heiratete in der Kirche St. Michael die ebenfalls aus Großgerungs stammende Veronica Druntzer (Truntzer) (geb. 28. Juni 1629; gest. 17. Februar 1704 in Fürth). Balthasar Schildknecht schaffte es, während der Dreiherrschaft ins Bürgermeisteramt als Vertreter Nürnbergs in den Jahren 1668 und 1669 gewählt zu werden. Im Jahr 1673 löste er Andreas Fleischmann auf dieser Position als Bürgermeister ab und behielt das Amt auch im folgenden Jahr 1674. Im Jahr 1700 tauchte Balthasar Schildknecht als Unterzeichner einer Klageschrift Nürnbergs gegen die brandenburg-ansbachische Regierung wegen behinderter Grundstücksveräußerungen und -bebauungen auf.[4] 1704 starb Schildknecht.

Balthasar Schildknechts beide Brüder, Gregor Schildknecht d. J. und Eberhard Schildknecht, sind in Fürth auch als Exulanten nachweisbar [5]. Die Nachkommen von Balthasar Schildknecht waren vornehmlich in der Lebensmittelbranche zu finden ( 25 Metzger, 10 Wirte und Brauer) [5], während die Nachfahren von Gregor Schildknecht d. J. eher im Schuhmacherhandwerk tätig waren (21 Nennungen plus 10 Einheiraten bzw. Zweitehen von Witwen) [5].

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Hans Krawarik: "Exul Austriacus: konfessionelle Migrationen aus Österreich in der frühen Neuzeit", 2010, S. 156 - online verfügbar
  2. Georg Rusam: "Österreichische Exulanten in Franken und Schwaben." - 2. Auflage, 1989, S. 90
  3. Georg Rusam, S. 91
  4. "Codex Probationum Diplomaticus, A Num. 1. Usque 172. Inclus. In Octo Sectiones Distinctus". - Num. 158. Ad §phum 131 - online verfügbar
  5. 5,0 5,1 5,2 von Schildknecht Georg bis Schildknecht Johann Konrad" in: Privatarchiv B