Flexdorfer Mühle

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Mühle Flexdorf1.jpg
Mühlengebäude mit angebautem Wohnhaus (Blick von Norden)
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Die Flexdorfer Mühle ist eine ehemalige Mühle im Fürther Ortsteil Flexdorf. Sie liegt an der Flexdorfer Straße 1 und wurde von der Zenn angetrieben. Das direkt an das Wohnhaus angrenzende Mühlengebäude - seit langem leerstehend - soll circa 1910 [?] erbaut worden sein, verfügt über 4 Geschosse mit jeweils circa 170 m² Fläche und steht nicht unter Denkmalschutz. Die Grundstücksfläche beläuft sich auf circa 3.458 m².

Geschichte der Besitzverhältnisse

Die Mühle wurde bereits 1326 erwähnt, als Gottfried II. und Margaretha von Brauneck am 8. Februar Gründlach - darunter auch die "Mul zu Fleckstorf" - an den Nürnberger Burggrafen Friedrich IV. verkauften.[1]

Vom Burggrafen Friedrich IV. (1287 - 1332) ging die Mühle in den Besitz verschiedener mittelalterlicher Nürnberger Stiftungen, wie dem Heilig-Geist-Spital, der Schürstab’schen Pfründe und einer Priesterpfründe des Spitals, über. Nach einer Urkunde von 1397 verkaufte ein Eberhard Hemler die Mühle an Marquardt Zepf. Der Verkauf auf Wiederkauf (älteste Form eines zinsbaren Darlehens) dieser Mühle von Nürnberg ist für die Jahre 1414 und 1535 belegt. Danach werden als Müller bzw. Mühlenbesitzer genannt: 1557 Hans Hammerthal, 1604 Michael Ebersberger, 1656 Michael Hoffmann, 1720 Georg Ruttensteiner.

Ruttensteiner verkaufte am 20. Februar 1764 die Mühle mit all ihren Zugehörungen für 9600 Gulden an Abraham Daniel Andreas Eckart (geb. 1743 in Fürth, gest. 1797), Sohn des Dompröpstlichen Untermüllers Georg Friedrich Eckart in Fürth. Der Sohn von Daniel Eckart, Konrad Eckart (1773 - 1843), führte die Mühle weiter, welcher nach dem Ableben seiner Mutter Maria Charlotte Eckart durch Erbvergleich mit seinen Geschwistern 1819 in ihren Besitz kam.

Konrad Eckart blieb aber unverheiratet und ohne Nachkommen. In seinem Testament vom 25. April 1842 bestimmte er seine beiden jüngsten, in Erlangen lebenden Neffen Konrad Ernst Vierzigmann (1800 - 1860) und Georg Friedrich Josef Vierzigmann (1808 - 1865) als Erben. Als Mühlgutsbesitzerin wird dann aber Dorothea Memmert (1802 - 1851), die Tochter einer geborenen Eckart aus Flexdorf - ihre Mutter ist wohl eine der bisher nicht namentlich bekannten Schwestern von Konrad Eckart - genannt. Sie heiratete am 19. November 1844 den Erlanger Müller Georg Beck, Sohn des bereits verstorbenen Mühlenbesitzers Johann Beck (1814 - 1854)[2][3]. So gelangte im Jahr 1852 der Witwer Beck in den Besitz der Mühle.

Nach Becks Tod verkaufte man sie am 5. Juli 1855 einschließlich des gesamten Grundbesitzes für 18.000 Gulden an die Eheleute Johann Georg Braun, Metzgersohn aus Windsbach, und Margaretha, geb. Galster, die hier 9 Kinder bekamen, von denen aber 5 bereits im Säuglingsalter starben. Am 14. Juni 1869 kauften der Müller Georg Heinrich Galster (1839 - 1885), Mühlenbesitzersohn aus Doos und seine Verlobte, Margaretha Hubinger (1846 - ?), Müllerstochter aus Münchaurach (heute Ortsteil der Gemeinde Aurachtal), die am 19. August 1869 heirateten, den Gesamtbesitz für 27.000 Gulden. Der Müller Galster starb am 30. Juni 1885 an „Lungenlähmung“; seine Witwe wurde Alleineigentümerin und veräußerte ihren Besitz bald.

Den Großteil des Besitzes erwarben am 16. August 1886 die Handelsleute Isaak Früh[4] und Seckel Neu[5] aus Fürth für 73.000 Mark, die den Grundbesitz gleich weiterveräußerten. Den anderen Teil des Galster’schen Eigentums erstanden für 39.000 Mark die Fürther Eheleute Karl Christoph[6] und Margaretha Schmerler.

Nach wenigen Jahren kaufte am 7. Juli 1892 der ledige Mühlgehilfe und Müllersohn von der Wolfsmühle Georg Michael Kuhr (1868 - ?) die Mühle für insgesamt 27.400 Mark, heiratete kurz darauf in Veitsbronn, aber schon im Folgejahr 1893 verkaufte er sie einschließlich Mobilien für 34.700 Mark an den ledigen Gutsbesitzersohn Johann Schwarz (1864 - 1924) aus Vincenzenbronn. Als junger Mühlenbesitzer heiratete er in Vach am 5. März 1895 Kunigunda Danner (1870 - ?), Bauern- und Gastwirtstochter aus Poppenreuth. Später, in den 1920er Jahren, trug der Betrieb den Namen „Fa. Johann Schwarz, Walzenmühle“. Der Sohn und potentielle Nachfolger, Hans Schwarz, starb als 25-Jähriger am 18. September 1923; sein Vater verstarb infolge eines Schlaganfalls am 5. September des Folgejahrs. Nun waren in Erbengemeinschaft die Witwe Kunigunda Schwarz mit ihren Töchtern Anna Katharina und Katharina Kunigunda Margareta die Mühlenbesitzer.

Im Jahr 1932 kam es zu einem Zwangsversteigerungsverfahren, bei dem der Bäcker- und Konditormeister Hans Böckler (1897 - 1969) aus Nürnberg das Eigentum an der Mühle per Zuschlagsbeschluss des Notariats Fürth II vom 17. November 1932 für 60.000 RM erwarb. Nach dem Zweiten Weltkrieg, in der späten Nachkriegszeit, soll Böckler nicht mehr zurechtgekommen sein. So endete der Mühlenbetrieb, in den 1960er Jahren wurden die Mühleinrichtung und auch das zugehörige Fischereirecht verkauft. Bernhard Böckler, wohl der Sohn von Hans Böckler, verkaufte die Mühle an Wolfgang Engel[7] (1924 - 2012), einem gebürtigen Berliner, der über eine Zeitungsanzeige auf die Mühle gestoßen war und sich mit seiner Familie in Flexdorf ansiedelte. Er zog in den 1970er Jahren in einen benachbarten Neubau und verkaufte 1988 die Mühle an den Schwabacher Dr. Herwig Güntner, heute emeritierter Professor der ehem. Fachhochschule Nürnberg für die Lehrgebiete Elektronik, Mikroprozessortechnik, elektrische Antriebe und Energiezukunft. Güntner betreibt die Wasserkraftanlage, die seit dem 1. Mai 1988 in das öffentliche Netz einspeist.[1]

Konkurrenz um Wasser

Bauern aus allen benachbarten Dörfern stellten über die Jahrhunderte vielfach Ansprüche an das Wasser der Zenn zur Wiesenbewässerung, was oft auch zu Rechtsstreitigkeiten führte. Wegen Bewässerung an Zenn und Mühlbach wurde mit Schiedsbrief vom 12. Juli 1557 ein Vergleich zwischen den Müllern Hans Schuch „zum Fritzmanßhof“ und Hans Hammerthal zu Flexdorf mit den Bauern Hans Prew und Heintz Schell „zum Rotenperg“ geschlossen. Danach erhielten die Bauern das Recht, jeweils von Samstag auf Sonntag ihre Wiesen zu bewässern, jedoch mussten sie bei Niedrigwasser ein oder zwei Tage länger warten. Im Jahr 1695 beteiligte sich der Flexdorfer Müller an einer Klage aller Zennmüller am Mittel- und Unterlauf gegen die Herrschaft Wilhermsdorf, die zu einem Kompromiss führte, nachdem diese für die Wiesen des Ritterguts den gesamten Abfluss der Zenn zur Bewässerung nutzte und die unterhalb gelegenen Mühlen ohne Wasser blieben. 1717 stellten Wiesenbesitzer Wasseransprüche und beriefen sich auf den Langenzenner Vogt Grüneisen, der ein Wässerungsrecht für Bauern aus Rothenberg und Atzenhof behauptete, jedoch Ritzmannshofer Bauern davon ausnahm.

Im Jahr 1720 forderten Bauern aus den Dörfern Ritzmannshof, Flexdorf und Vach ein Bewässerungsrecht unter Berufung auf einen Wässerungsbrief aus dem Jahr 1448, auch sahen sie Reste alter Pflöcke in der Zenn als Beleg dazu an. Weil im gleichen Jahr Ritzmannshofer Bauern und auch die Gräfin von Wolfstein-Pyrbaum von Atzenhof neue Bewässerungsanlagen errichteten, wandten sich der minderjährige Müllersohn Georg Ruttensteiner, dessen Vater zuvor gestoben war, und zwei Vacher Wiesenbesitzer an den Langenzenner Vogt. Bei einer Ortsbesichtigung - früher auch Tagfahrt genannt - erklärte Ruttensteiner, er sei „gänzlich ruinirt“, wenn alle oberhalb der Mühle gelegenen Wiesen bewässert würden. Bei der Suche nach alten Schriftstücken fand sich ein Kaufbrief von 1577, wonach im Bedarfsfall 13 Tagwerk gräfliche Wiesen einmal in der Woche aus der Zenn bewässert werden durften. Es wurde schließlich von den Beteiligten die Übereinkunft einer tageweisen Bewässerung getroffen. Aber schon im nächsten Jahr hatten die Atzenhofer Bauern das zuvor zerstörte Wehr 50 Fuß flussauf wieder aufgebaut. Der Langenzenner Vogt versuchte, die Wasserrechte für die Flexdorfer Mühle und der unterhalb betroffenen Vacher Wiesenbauern einzufordern und verlangte die Vorlage beweiskräftiger Rechtsgrundlagen. Nach zwei Jahren kam es zur amtlichen Ortsbesichtigung; Ergebnisse sind nicht überliefert.

Bekannt ist eine Anzeige aus dem Jahr 1758 des Beständners (Mühlpächters) Wirth, dass der neue Besitzer des Gutes Atzenhof beabsichtige, oberhalb ein steinernes Wehr zur Wiesenbewässerung zu errichten. Im gleichen Jahr führte auch der Mühlenbesitzer Georg Ruttensteiner Beschwerde über den Wirt Drechsel[8], der nach einer Wiesenbewässerung trachtete. Der Müller Daniel Eckart beklagte 1766 den erlittenen Wasserverlust durch Wiesenbewässerung, der wieder einen Rechtsstreit zur Folge hatte.[1]

Ein Eichpfahl wurde am 23. Mai 1862 gesetzt; die zulässige Stauhöhe war auf 284,762 m ü. NN festgesetzt.[9]

Einbau und Nutzung von Wasserkraftturbinen

Das herkömmliche Wasserrad wurde von Johann Schwarz im Jahr 1905 durch eine Turbine ersetzt. Diese ist schon im Jahr 1927, in der Zeit seiner Witwe unter fachlicher Beratung von Obermüller Ludwig Vath, durch zwei Francis-Turbinen abgelöst worden. Die größere wies einen Ausbauabfluss von 1,17 m3/s und die kleinere von 0,60 m3/s auf, die bei Volllast zusammen 41 kW elektrische Leistung erzeugten. Der spätere Besitzer Engel legte 1973 eine Turbine still. Diese wurde 1988 von dem Folgeeigner Dr. Güntner durch eine gebrauchte Francis-Schachtturbine mit stehender Welle, Baujahr 1909, ersetzt, die aus der ehemaligen Mühle Plankstetten an der Sulz stammt, die dem Bau des Main-Donau-Kanals weichen musste.[1]

Besondere Ereignisse

Als 1864 ein Stadel des Mühlenbesitzers Braun in Flammen stand, konnte man den Großbrand auch von Fürth aus wahrnehmen. Es wurde berichtet, dass dieser bis auf den Grund niederbrannte.[10]

Am Vormittag des 23. Januar 1871 geschah ein tödlicher Verkehrsunfall nahe bei Fürth in einem Hohlweg. Dabei kam ein Mühlbursche der Flexdorfer Mühle unter seinen schwerbeladenen Mühlwagen und war sofort tot.[11]

Der Müller Georg Galster wollte im April 1872 ein neues Wasserrad verkaufen, dazu gab er eine Anzeige im Tagblatt [12] und in der Abendzeitung auf.

Das Wohnhaus brannte 1911 ab; es wurde danach neu errichtet. Ein Beschäftigter namens Friedrich Etter wurde dabei ertappt, „als er andern aus der Mühle zu Flexdorf, wo er Mühlbursche war, Mehl zuführte“. Wenige Tage später, am 26. September 1923, erschoss er sich in seiner Kammer.[1]

Literatur

  • Wolfgang Mück: Müller und Mühlen im Zenngrund - Vom Werden und Vergehen einer fast verschwundenen Welt. Mittelfränkische Studien, Band 24, Selbstverlag des Historischen Vereins für Mittelfranken, Ansbach 2014, ISBN 978-3-87707-908-9; Kapitel 14: Die Mühlen am Unterlauf der Zenn: Die Flexdorfer Mühle, S. 542 - 549

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. 1,0 1,1 1,2 1,3 1,4 Wolfgang Mück: Müller und Mühlen im Zenngrund. Mfr. Studien, Bd. 24, Selbstverlag Hist. Ver. f. Mfr., Ansbach 2014
  2. Der Bayerische Landbote vom 25.05.1854, Rubrik "Auswärts gestorben" - online abrufbar
  3. Fürther Tagblatt vom 29.08.1854, Nachlassversteigerung des Müllermeisters Beck von Flexdorf - online abrufbar
  4. “Vieh-, Hopfen- u. Cigarrenhändler, Hirschenstraße 21i“ nach „Adreß- und Geschäfts-Handbuch von Fürth für das Jahr 1886“, S. 55, heute Hirschenstraße 62
  5. Hopfenhändler, Theaterstraße 41 nach „Adreß- und Geschäfts-Handbuch von Fürth für das Jahr 1886“, S. 109, heute Theaterstraße 20
  6. Mehlhändler, Theaterstraße 12 nach „Adreß- und Geschäfts-Handbuch von Fürth für das Jahr 1886“, S. 133, heute Theaterstraße 17
  7. Traueranzeige Fürther Nachrichten vom 19.09.2012 (Abruf vom 03.10.2018) - Wolfgang Engel
  8. wohl identische Person, vgl. Schlosskauf Atzenhof durch Wirt Johann Drexel aus Nürnberg
  9. Fürther Tagblatt vom 02.11.1861, Bekanntmachung Eichpfahlsetzung - online abrufbar
  10. Fürther Tagblatt vom 02.11.1864, Rubrik "Vermischte Nachrichten" - online abrufbar
  11. Fürther neueste Nachrichten für Stadt und Land (Fürther Abendzeitung) vom 25.01.1871, Verkehrsunglück - online abrufbar
  12. Fürther Tagblatt vom 20.04.1872, Inserat Wasserrad - online abrufbar

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