Hallplatz

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Hallplatz April 2020.jpg
Der neu gestaltete Franz-Josef-Strauß-Platz (ehem. Hallplatz) im April 2020
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Der Hallplatz ist ein Platz in der Fürther Innenstadt. Der Hallplatz trägt seinen Namen vom Hallamt (Salinenamt/Salzstadel, Hauptzollamt), das sich hier von seiner Einrichtung 1809 bis zur Verlegung im Jahr 1895 in das Dienstgebäude Luisenstraße 11 (Ecke Luisen- und Gebhardtstraße) befand. Bis 1989 gehörte der Platz vor dem Amtsgericht ebenfalls zum Hallplatz, wurde dann aber nach dem Tod des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten, Franz Josef Strauß, abgespalten und umbenannt. Im Sommer 2019 wurde der Platz - samt dem angrenzenden Franz-Josef-Strauß-Platz und der Vorplatz der Kirche "Zu Unserer Lieben Frau" vollständig saniert und neu gestaltet.


Geschichte[Bearbeiten]

Vorgeschichte[Bearbeiten]

Auf dem „Lageplan des Reich’schen Ackers von 1795“ nimmt den größten Teil der Fläche, die heute von der Königstraße, der Friedrichstraße, der Alexanderstraße und der Hallstraße begrenzt wird, dieser Acker ein, nicht dazu gehörte etwa der Bereich des heutigen Franz-Josef-Strauß-Platzes.[1] Im Zuge der Verlegung der Königlich Preußischen Banco in Franken von Ansbach nach Fürth 1795 war es zu Vorschlägen zur Unterbringung von Bank und Geleitsamt in einem neuen gemeinsamen Gebäude und auch zur Errichtung dieses Gebäudes auf dem Reich’schen Acker gekommen. Diese Pläne zerschlugen sich, doch wurde im Jahr 1800 auf diesem Grundstück dann ein Gebäude „für die kgl. Bank erbaut und dabei ein schöner englischer Garten angelegt“.[2] Nach dem Grundakt 538 b „erhielt 1800 der Geheime Hofrat und Banco Director Albrecht Ludwig von Denzel zwei achtel Morgen von der Gemeinde und erbaute auf einem achtel ein Wohnhaus, das andere achtel adaptierte zu einer Promenade und mit einem Hinterhaus“.[3] Die Front des Hauptgebäudes schaute in Flucht der heutigen Bäumenstraße zur Königstraße.

Entstehung[Bearbeiten]

1809 wurde das Anwesen von der “Kgl. Baierischen Generaldirection der Zölle“ zur Einrichtung eines Hauptzollamtes (Hallamtes) gekauft. Auf den Stadtplänen von 1821 und 1822 sind auf dem Grundstück außer dem Hauptgebäude des Hallamts, Hausnummer 538 b, zwei weitere Gebäude eingezeichnet, den Rest nimmt die Gartenanlage ein. Am 26. Februar 1822 „… wurde von Seite des Finanzministeriums die unentgeltliche Abtretung eines Bauplatzes von 22,525 Quadratfuß aus der zum Hallamte gehörenden Gartenparzelle für die zu errichtende katholische Kirche nebst Pfarrhof genehmigt“.[4] Mit der Erbauung der Kirche Unsere Liebe Frau von 1824 bis 1828 verschwand somit ein Teil der Gartenanlage. Auf dem Stadtplan von 1860 fehlen dann die zwei ursprünglichen Nebengebäude, dafür ist das sich an die Südostseite des Hauptgebäudes anschließende, nachträglich erbaute Hallengebäude mit Torzufahrten eingezeichnet. Die freie Fläche zwischen diesen Gebäuden des Hallamts und der katholischen Kirche sowie zwischen Königstraße und Alexanderstraße ist mit „Hallplatz“ bezeichnet, ab diesem Jahr 1860 hatte das Anwesen die Hausnummer "Hallplatz 1"[3]. Dass dort nun keine Gartenanlage mehr war, bestätigt Fronmüller für das Jahr 1868: „In der Königsstraße, vom Holzmarkte [Obstmarkt] bis in die Nähe des Hallplatzes, wurden zwei Reihen Akazienbäume gepflanzt, dagegen mußte der Plan, den Hallplatz selbst in eine schöne Anlage umzuwandeln, aufgegeben werden, weil dieser Platz bei dem Mangel an freien Plätzen in hiesiger Stadt als unentbehrlich erschien.“[5] Auf den Punkt drückte das später Stadtgartendirektor Rupert Dietlmeier aus: „… weil der Platz für die Buden der Kirchweih benötigt werde“.[6] Aber auch Dietlmeier fand keinen Beleg, wann die dortige Anlage entstanden ist, meint aber: „Immerhin scheint die Annahme berechtigt, daß am Hallplatz erstmals 1875 oder 76 eine Anlage entstanden sei. In den Jahren 1875 und 1876 wurde eine größere Anzahl Eschenahornbäume (Acer negundo) bezogen, die nur in der heutigen Adolf-Hitler-Straße [Königswarterstraße], in der Bahnhofstraße und am Hallplatz Anpflanzung gefunden haben können, da an keiner anderen Stelle der Stadt diese Baumart je festgestellt werden konnte.“[6]

Kriegerdenkmal[Bearbeiten]

Feierliche Enthüllung des Kriegerdenkmals 1887

Belegt ist das Vorhandensein einer Anlage auf dem Hallplatz erstmals für das Jahr 1880, denn im Gesuch des Kriegerdenkmalkomitees vom 21. September 1880 an die Stadt um Überlassung eines Aufstellungsplatzes für das projektierte Kriegerdenkmal heißt es, dass „sowohl im Comité als auch unter den für die Sache sich interessierenden Bewohnern hießiger Stadt allgemein die Ansicht ausgesprochen wird, die Anlage nächst der katholischen Stadtkirche eigne sich hierzu am besten“.[7] Am 23. Oktober 1880 beschloss der Stadtmagistrat darüber: „Die Aufstellung des Kriegerdenkmals auf dem Hallplatze wird … gestattet, wenn der Veteranenverein vorher Urkunde darüber erteilt, dass das Denkmal Eigenthum der Gemeinde Fürth sein soll.“[8] Als 1887 das Denkmalprojekt endlich seiner Verwirklichung näher kam, wurden Pläne der Stadt bekannt, auf dem Hallplatz ein öffentliches Pissoir zu errichten. Empört wandte sich das Komitee an den Magistrat: „In Anbetracht des beschränkten Platzes würde dasselbe unmittelbar neben das dort zu errichtende Kriegerdenkmal zu stehen kommen, ein Umstand, der den Eindruck des Kunstwerkes auf den Beschauer zu einem mitleidigen Lächeln ob der unwürdigen Nachbarschaft herabstimmen dürfte.“[9] Daraufhin nahm man von der Verwirklichung Abstand. Im Jahr darauf wurde dann das Kriegerdenkmal errichtet, am 19. August 1888 übernahm es die Stadt bei der feierlichen Enthüllung in ihr Eigentum und zur Pflege.

Beim Rechnungsabschluss waren dem Komitee 300 Mark geblieben, die es der Stadt für die Errichtung eines Gitters um das Kriegerdenkmal anbot. Man holte dazu die Meinung von Hofgartenoberinspektor Möhl, München, und Bildhauer Jean Hirt, dem Schöpfer des bronzenen Standbilds, ein. Doch deren zeichnerischer Vorschlag für ein Abschlussgitter mit Randsteinen um das Kriegerdenkmal fand nicht den Beifall des Magistrats und man wandte sich nochmals an Möhl „mit dem Bemerken, daß von einigen Magistrats Mitgliedern gegen die Verwirklichung dieses Projekts hauptsächlich aus aesthetischen Rücksichten opponirt und diese Einfaßung des Denkmals als grabmäßig und nicht in den Rahmen der Anlage passend bezeichnet wurde. Das Monument und die dasselbe umgebende Anlage, wurde bemerkt, erhoehen sich in der Wirkung gegenseitig, wenn aber beide als getrennte, abgesonderte Gegenstände behandelt werden, so bewirken sie das Gegenteil; durch das Gitter würde aber gewissermassen eine Einschränkung des Monuments zum Ausdrucke gebracht, welche mit dem Character der Anlage nicht vollkommen harmonire und die geschmackvolle Form und kunstreiche Composition derselben beeinträchtige. Weiter wurde geltend gemacht, daß es sich eher empfehlen dürfte, die ganze Anlage mit Randsteinen zu umgeben und so dieser nebst dem Denkmal das Bild eines einheitlichen Ganzen zu verleihen.“[10] In der Folge kam es in Absprache mit Jean Hirt zu einem neuen Vorschlag Möhls, das Denkmal mit einer Rosenrabatte zu umgeben mit einer äußeren Abgrenzung durch einen Randstein, das „würde dieser [Anlage] eine gediegene Eleganz und guten Abschluß geben“. Diesem Vorschlag schloss sich der Magistrat an, teilte dem Komitee den Verzicht auf das Gitter und das Geld mit und ließ die Anlage entsprechend umgestalten.

Erste Umgestaltung[Bearbeiten]

Kriegerdenkmal nach Errichtung des Amtsgerichts

Im Jahre 1895 kaufte der Staat Grundstück und Gebäude des Hauptzollamts, nun Bäumenstraße 32; 1898 erfolgten der Abriss der Zollamtsgebäude und der Baubeginn des neuen Amtsgerichts- und Finanzamtsgebäudes. Im April 1899 wandten sich die Vorstände der Kriegergenossenschaft an den Magistrat, im Zuge der Wiederherstellung der Anlage auch das bei den Bauarbeiten beschädigte Kriegerdenkmal ausbessern zu lassen und, um das Berühren des Denkmals vor allem durch Kinder zu verhindern, es „a la Kunstbrunnen“ mit einem Blumenbeet einzufassen. Weiter wurde vorgeschlagen, für die Arbeiten und die Renovierung die 1500 Mark zu verwenden, die für die letztlich nicht nötig gewordene Verschiebung des Denkmals von der Regierung bewilligt worden waren. Daraufhin wurde das Anlagendreieck im Jahr 1900 nach einem Plan des Garteninspektors Babée umgestaltet[6] und mit einem eisernen Abschlussgitter umgeben.[11] In diesem Zustand blieb die Anlage dann bis zum Ende der 1930er Jahre „abgesehen von einigen Änderungen in der Anordnung des Blumenschmuckes“.[6]

Nach dem Zweiten Weltkrieg[Bearbeiten]

Sockel des Denkmals nach 1945

Während des 2. Weltkriegs wurde 1942 die Bronzefigur des Kriegerdenkmals am Hallplatz für die Metallspende abgenommen. Der verbliebene Denkmalsrest, der Granitsockel mit den Trittstufen, wurde nach dem Krieg 1946 im Rahmen der Entnazifizierung und Entmilitarisierung begutachtet: „Das Denkmal zeigt seit Abnahme der Plastik keine nationalsozialistische noch militaristische Tendenz. Der … Granitsockel mit Gedenkinschrift ist aus schönheitlichen Gründen entweder zu beseitigen oder so zu gestalten, daß er nicht als Torso wirkt.“[12] Man entschied den Denkmalsrest zu belassen, lediglich der Steinaufsatz für das Standbild über dem Abschlussgesims des Granitsockels wurde entfernt; eine vorgeschlagene Efeuumpflanzung war wegen der breiten Stufe um den Sockel nicht möglich.[13]

Doch nicht nur das Denkmal, sondern die gesamte Anlage vermittelte damals einen tristen Eindruck - wie die meisten Grünflächen der Stadt zu dieser Zeit. Nach der Währungsreform 1948 konnte Hans Schiller, der neue Leiter des Stadtgartenamtes, die Wiederherstellung der Grünanlagen angehen lassen. „Als eine der ungepflegtesten Anlagen lag schon seit vielen Jahren der Platz zwischen der Frauenkirche und der Alexanderstraße als öder Tummelplatz für Hunde im Weichbild der Stadt, so daß es das Stadtgartenamt als vordringlich empfand, gerade diese Anlage wieder herzustellen. Wie OB Bornkessel nun im Stadtrat mitteilte, haben die Gärtner bei der Beseitigung des Sockelstumpfes des alten Denkmals eine guterhaltene Zinkschatulle vorgefunden …“[14] Diese Zinkschatulle samt damals aktuellem Inhalt war bei der Grundsteinlegung am 18. Mai 1888 eingemauert worden - mit ihrer Bergung am 17. Januar 1949[15] wurde bei der Neugestaltung der kleinen Anlage ein letzter Rest des Kriegerdenkmals entfernt, das viele Jahre den Hallplatz geprägt hatte.

Abtrennung des Teilstücks vor dem Amtsgericht[Bearbeiten]

Bis 1989 gehörte der Platz vor dem Amtsgericht ebenfalls zum Hallplatz, wurde dann aber nach dem Tod des damaligen Bayerischen Ministerpräsidenten, Franz Josef Strauß, abgespalten und umbenannt.

Erneute Umgestaltung[Bearbeiten]

2019 wurde der Hallplatz von den Parkplatzflächen weitestgehend befreit und fast vollständig neu gestaltet. Bei der Bevölkerung fand die Neugestaltung ein geteiltes Echo.[16]

Geographische Eingrenzung[Bearbeiten]

Der Hallplatz erstreckt sich in folgenden Grenzen:

Prägende Gebäude, Bauwerke und Baudenkmäler[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Hallplatz. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth: Selbstverlag der Stadt Fürth, 1968, S. 162
  • Fürth 1946–1955, Wiederaufbau eines Gemeinwesens – Entwicklung zur Gross-Stadt
  • Barbara Ohm: Natur und Kunst - Leben und Werk des Fürther Stadtgartendirektors Hans Schiller. In: Fürther Heimatblätter, 1999/1, S. 1

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • hän: Grün statt Auto: Stadt krempelt Plätze um. In: Fürther Nachrichten vom 1. April 2019 (Druckausgabe) bzw. Grün statt Auto: Fürth krempelt Franz-Josef-Strauß-Platz um. In: nordbayern.de vom 1. April 2019 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Der OB träumt vom Fürther Gendarmenmarkt. In: Fürther Nachrichten vom 10. April 2019 (Druckausgabe) bzw. nordbayern.de vom 11. April 2019 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Fürths urbane Schaustücke nehmen Gestalt an. In: Fürther Nachrichten vom 14. August 2019, S. 31 (Druckausgabe)
  • Luisa Degenhardt: Zu einer Einheit verschmolzen. In: Fürther Nachrichten vom 4. Juli 2020 (Druckausgabe) bzw. Freiraum statt Autos: Der Hallplatz ist umgestaltet. In: nordbayern.de vom 4. Juli 2020 - online abrufbar
  • Johannes Alles: Eine gelungene Mischung? In: Fürther Nachrichten vom 7. Juli 2020 (Druckausgabe)
  • Der Hallplatz präsentiert sich mit ganz neuem Gesicht. In: Fürth StadtZeitung, Nr. 14 vom 15. Juli 2020, S. 1 – PDF-Datei
  • Wolfgang Händel: Ein aufpoliertes Schmuckstück. In: Fürther Nachrichten vom 29. September 2020 (Druckausgabe)

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Rudolf Memmert: Fürther Heimatblätter, 1963, Nr. 1, 2: Das Amtsgericht Fürth, seine Geschichte und Amtsgebäude in der preußischen und bayerischen Zeit, Beilage 3
  2. Johann Tobias Christoph Fronmüller: Chronik der Stadt Fürth, 2. Aufl., S. 202
  3. 3,0 3,1 Gottlieb Wunschel: Alt Fürth, Häuserchronik Band 5 (Abschnitt E), Bäumenstraße 32
  4. Fronmüller: Chronik der Stadt Fürth, 2. Aufl., S. 235
  5. Fronmüller: Chronik der Stadt Fürth, S. 356
  6. 6,0 6,1 6,2 6,3 Rupert Dietlmeier: Alt Fürth. Fürther Heimatblätter 1938/5-6, Aus der Geschichte der Fürther Grünanlagen, Die Anlage am Hallplatz, S. 71
  7. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/39, Errichtung eines Kriegerdenkmals auf dem Hallplatz
  8. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/39
  9. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/39, Schreiben vom 22. August 1887
  10. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/39, Schreiben vom 7. November 1888
  11. Paul Käppner, Chronik der Stadt Fürth, 29. Juni 1900, S. 423
  12. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/32, Beseitigung nationalsozialistischer und militaristischer Tendenzen an Denkmälern, Aufstellung vom 4. September 1946
  13. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/32, 1. Oktober 1946
  14. Fürther Nachrichten, 23. Februar 1949
  15. Stadtarchiv Fürth, AGr. 3/39, Niederschrift vom 18. Januar 1949
  16. fn: Kritik und Lob für den Hallplatz. In: Fürther Nachrichten vom 7. Juli 2020, S. 22 (Druckausgabe)

Bilder[Bearbeiten]