Mederer

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Trolli-Verkauf in 72 Ländern

Willi Mederer gründete 1948 die Mederer Süßwarenvertriebs GmbH als ein Fürther Unternehmen, das zahlreiche Arten an Fruchtgummis sowie Gummischaumartikeln produziert und deutschlandweit ca. 1.790 Mitarbeiter beschäftigt (Stand 2011). Besser bekannt ist das Unternehmen, nach wie vor im Familienbesitz, unter seinem Markennamen Trolli. Erste Produktionsstätten lagen in der Nürnberger Straße 56 sowie der Jakobinenstraße 5-7, Ende der 1960er Jahre erfolgte der Neubau an der Oststraße 94. Im Jahr 2012 wurde die Firma Mederer Süßwarenvertriebs GmbH in Trolli GmbH umbenannt. Die Firma Trolli GmbH hat einen Jahresumsatz von knapp 200 Mio. Euro und stellt jährlich ca. 120.000 Tonnen Gummibonbons her. Die Produkte werden in 72 Länder exportiert bzw. direkt hergestellt. Die Fa. Trolli macht nach eigener Philosophie nur wenig Werbung für ihre Produkte - mit Ausnahme der Trolli-Arena. Mederer ist nach "Haribo" stets die Nummer zwei am deutschen Markt.

Geschichte

Trolli, noch unter der alten Bezeichnung Wilmed
Zunächst begann der Firmengründer Willi Mederer die Produktion von Nudeln, da Mehl deutlich günstiger und einfacher zu beschaffen war als Zucker. Kurze Zeit später wurde durch die Währungsreform die Zuckerrationierung aufgehoben, so dass Mederer das Unternehmen auf die Herstellung von Süßwaren ausrichtete. Anfänglich produzierte das Unternehmen in den 1960er Jahren mit knapp 150 Mitarbeitern vorwiegend Cremehütchen, Kokosartikel, Geleebananen, Pfefferminzfondante und Geleefrüchte, die alle unter dem Markennamen Wilmed vertrieben wurden, der für Willy Mederer stand.[1]

Im Jahre 1975 wird die Produktion im Fruchtgummisektor verstärkt, während andere Produkte nicht mehr weiter geführt werden. Hierzu wird eigens der Name Trolli der Bär entwickelt, basierend auf den nordischen Sagen der Trolle: "schrullige Waldwesen, nett zu Kindern, aber eher listig und zu Streichen aufgelegt gegenüber Erwachsenen".[2] Der Name Trolli sollte primär Kinder ansprechen und lustig klingen. Der Eigenname Trolli für alle Produkte der Mederer Gruppe etabliert sich ab 1980.

Erschließung ausländischer Märkte

Trolli-Bestseller: Apfelringe
1984 übernimmt der Sohn Herbert Mederer die Geschäftsführung von seinem verstorbenen Vater und Firmengründer Willi Mederer. Ab 1986 expandiert Trolli in die USA, nachdem nach Unternehmensangaben täglich 40 Tonnen "über den Teich" exportiert wurden".[3] Der Bau einer eigenen Produktionsanlage schien somit nur konsequent, so dass eine vollständig neue Anlage 1986 in Creston (Iowa) entstand. In dieser Zeit entstehen die bis heute noch bekannten "Trolli-Apfelringe" (1982) und Trolli-Burger (1989), HotDog und Gummi-Pizza. Nachdem die Apfelringe sich innerhalb kürzester Zeit zum Bestseller etablierten, folgten 1984 noch die Trolli Pfirsichringe.

Die neue Anlage blieb jedoch nicht lange im Besitz der Fa. Mederer, da aufgrund der Scheidung von Herbert Mederer die kurz zuvor gebaute Anlage 1997 wieder verkauft werden musste. Mit dem Verkauf der Produktionsanlage gingen auch die Namensrechte in den Nafta-Staaten (Kanada, Vereinigte Staaten & Mexiko) verloren, sehr zum Verdruss des Eigentümers Herbert Mederer - da Trolli inzwischen in den USA Spitzenreiter unter den Fruchtgummiherstellern war. Der Verkauf war primär bedingt durch die Scheidung von seiner ersten Frau. Von offizieller Seite wird der Verkauf jedoch mit Konzentrierung auf den europäischen Markt und dem Ausbau der Fernostmärkte begründet.[4]

Im Jahr 1994 expandierte Mederer nach Spanien und gründete dort die spanische Niederlassung in Valencia. Im selben Jahr wurde eine weitere Produktionsstätte in Jakarta in Indonesien eröffnet. Ab 1995 wurde die tschechische Niederlassung in Pilsen als Konfektionierung und Abpackbetrieb gegründet, speziell auch um lohnintensive Verpackungsvarianten günstiger herstellen zu können. Der Bestseller in dieser Zeit sind die Trolli - Sauren Glühwürmchen, wofür das Unternehmen u. a. 1993 den European Candy Kettle Aword bekommt - eine internationale Auszeichnung in der Süßwarenbranche. Zu Ehren des Firmengründers Willi Mederer benannte die Stadt Fürth 2007 in der Südstadt eine Straße nach ihm: Willi-Mederer-Straße.[5]

Übernahme und Expansion

Ehem. Trolli-Fabrik in Fürth
1998 wurde der Süßwarenhersteller Efruti aus Neunburg vorm Wald in der Oberpfalz in das Unternehmen integriert. Zwei Jahre später (2000) wird die Marke Gummi Bear Factory mit den Produktionsstätten in Boizenburg und Hagenow übernommen. Im Jahr darauf (2001) expandiert die Firma Mederer nach China und eröffnete unter einem Joint-Venture in Guangzhou (Provinz Guangdong) eine weitere Produktionsstätte, die 2004 komplett übernommen wurde. Aus China werden die Märkte in Australien und Neuseeland, in Nordamerika, in Saudi Arabien und natürlich in China bedient.[6] Für den arabischen Markt gibt es eigens Schweine- und Rindergelatinefreie Süßwaren, die auch sonst im Handel im Umlauf sind.

Gleichzeitig versucht Herbert Mederer wieder den Nafta-Markt zu erschließen, durch die Einführung der Marke "e.frutti". Damit geht Trolli Europa gegen Trolli USA direkt in Konkurrenz, wenn auch unter anderem Namen.[7]

2007 expandierte man weiter am Standort Hagenow (Mecklenburg-Vorpommern)[8] und eröffnete dort ein neues vollautomatisiertes Hochregallager, das nach eigenen Angaben eines der modernsten in Europa ist. Im Jahr 2011 gründete die Mederer Gruppe erneut in den USA einen Standort mit Sitz in Chicago. Es folgten ein Vertriebsbüro und ein Lager.

Standortschließung Fürth

Das Unternehmen hatte 2008 ein 72.000 qm großes Gelände im Gewerbepark Süd (ehem. Johnson Barracks) gekauft, auf dem man bis 2013 in vier Bauabschnitten ein Logistikzentrum, ein Produktions- und Verwaltungsgebäude sowie ein Entwicklungszentrum errichten wollte. Darüber hinaus wollte man sich dort den Traum einer "gläsernen Fabrik" erfüllen, in der bei laufendem Betrieb die Produktion vorgeführt werden könnte. Insgesamt wird die Investition auf etwa 50 Millionen Euro vorveranschlagt.[9] Nachdem die allgemeine Wirtschaftskrise und die drastisch gestiegenen Zuckerpreise auch Trolli erreicht haben, wird bei der Mederer Gruppe die Bremse gezogen.

Am 20. Oktober 2011 teilt Trolli überraschend mit, dass der geplante Neubau am Main-Donau-Kanal "sehr hohe Investitionen erfordert, denen keine ausreichenden Kostenvorteile gegenüberstehen ... Angesichts des starken Wettbewerbs sind wir gezwungen, diesen Weg zu gehen, um unsere Zukunft nachhaltig zu sichern".[10] Mit dieser Entscheidung geht die Schließung des Produktionsstandortes Fürth einher und die Produktion bis Ende 2012 vollständig nach Hagenow/Boizenburg bzw. Neunburg v. Wald zu verlagern. Dazu wird die Produktionskapazität an diesen Standorten vergrößert. In der Folge wurden 187 Arbeitsplätze in Fürth gestrichen. Diese Maßnahme sorgte u. a. für eine Demonstration am 24. März 2012 vor dem Trolli-Werksgelände in der Oststraße. Als Zeichen des Protestes wurde eine größere Zahl von Grablichtern aufgestellt. Das urprünglich geplante Gelände für den Ausbau des Standortes Fürth soll einen neuen Investor bekommen. Für kurze Zeit sollte das Gelände für ein neues Fußballstadion der SpVgg Fürth genutzt werden. Nachdem sich aber auch diese Pläne zerschlagen haben, steht ein neuer Investor bis dato aus.[11] Wirtschaftsreferent Horst Müller kommentierte die Schließung des Standortes wie folgt: ... die schlechteste Nachricht seit Quelle.[12]

Der Sitz des Unternehmens und die Unternehmenszentrale mit allen Verwaltungsbereichen bleiben jedoch in Fürth. Damit konnten zumindest 113 Arbeitsplätze in der Verwaltung in Fürth gerettet werden.

Trolli-Arena

Trolli-Arena
Um den Bekanntheitsgrad der Marke Trolli zu erweitern wurde am 18. November 2009 bekannt gegeben, dass die die SpVgg Fürth und Herbert Mederer einen Sponsorenvertrag über eine künftige Zusammenarbeit unterschrieben haben, deren Kern die Umbenennung des Stadions im Sportpark Ronhof von "Playmobil-Stadion" in "Trolli Arena" darstellt. Die Umbenennung wurde am 1. Juli 2010 wirksam. Über die vertraglichen Details wie die Höhe der Zahlungen für den zunächst auf drei Jahre ausgelegten Vertrag wurde Stillschweigen vereinbart. In der Sommerpause 2010 wurden die bis dahin blauen Sitze der Gegengerade und Südkurve gegen grüne Exemplare ausgetauscht. Die Haupttribüne bekam einen frischen grün-weißen Anstrich. Die Beschilderung im gesamten Stadion wurde erneuert und der neue Name an diversen Stellen angebracht, was bei den Fans der Spielvereinigung auf wenig Gegenliebe stieß. Spätestens seit der erneuten Umbennung des Stadions ist eine Diskussion darüber ausgebrochen, ob und wenn ja wie eine dauerhafte Benennung des Stadtions möglich ist (siehe "Sportpark Ronhof" im Internet).

Bereits kurz nach der Umbenennung von Playmobil-Stadion in Trolli-Arena klagte der Sohn des Playmobil-Chefs Conny Brandstätter gegen die Umbenennung, da er der Meinung war, dass die Namensrechte bei ihm und seinem Vertrag von 1996 liegen, als das Gelände von seinem Vater Horst Brandstätter an ihn übertragen wurde. Die 7. Zivilkammer des Landgerichts Nürnberg-Fürth wies die Klage im Oktober 2012 jedoch ab.[13]

Im Dezember 2013 wurde das vorzeitige Ende des bis 2015 laufenden Namensvertrages zwischen der SpVgg Fürth und der Mederer Süßwarenvertrieb GmbH bekannt. Die Vertragsauflösung begann zuvor mit einer gerichtlichen Auseinandersetzung, die nach einem langen Streit jedoch außergerichtlich beendet werden konnte. Zu der Auseinandersetzung zwischen Trolli und der Spielvereinigung war es gekommen, nachdem die Spielvereinigung ein neues Stadion mit einem neuen Namenssponsor geplant hatte. Die Pläne für einen Stadionneubau wurden aber wieder auf Eis gelegt, spätestens nach dem der Abstieg aus der 1. Bundesliga feststand. Bei den bisherigen Vereinbarungen mit dem derzeitigen Namenssponsor Trolli ging es nach unbestätigten Angaben des Sponsors um eine Summe in der Größenordnung von 600.000 Euro. Die Vereinbarung endete am 30. Juni 2014.

Auszeichnungen

  • 1993: European Candy Kettle Award [14]
  • 2003: Candy Hall of Fame [15]

Literatur/Medien

  • …und noch ein Bärchen zu machen, war nicht die Antwort. TROLLI – eine Erfolgsgeschichte aus Fürth. Fernsehreportage der Redaktion point, Otto-Seeling-Promenade 2 - 4, 90762 Fürth, Juli 2007

Lokalberichterstattung

  • Wirtschaftskrise erreicht Trolli: Fürther Produktion schließt. Referent Müller: "Schlechteste Nachricht seit Quelle" - 187 Mitarbeiter betroffen; Artikel in den Nürnberger Nachrichten vom 20.10.2011 NN
  • Hofmann, Josef: Trolli-Hersteller Mederer verlässt Fürth, Artikel in der Nürnberger Zeitung vom 20.10.2011 NZ
  • Johannes Alles: Mederer schließt seine Produktion in Fürth. Trolli-Gummibärchen werden bald in Mecklenburg-Vorpommern hergestellt, Artikel in den Fürther Nachrichten vom 20.10.2011 online abrufbar
  • Netter, Nicole: Alles auf Zucker: Die süßeste Planwirtschaft der Welt. In: Nordbayern.de vom 3. Juni 2012 NN
  • NZ: Weiter Streit in Fürth: Sponsor Trolli hat gekündigt. In: Nürnberger Zeitung vom 14. Januar 2013 NZ

Einzelnachweise

  1. Homepage Trolli GmbH, Stand 5. Januar 2014 15:41 Uhr im Internet
  2. Trolli GmbH Homepage, Stand 5. Januar 2014, 15.30 Uhr im Internet
  3. Homepage Trolli GmbH, Stand 5. Januar 2014 15:41 Uhr im Internet
  4. Trolli GmbH Homepage, Stand 5. Januar 2014, 15.30 Uhr im Internet
  5. Zum Welterfolg mit Gummibären. In: Fürther Nachrichten vom 23. Juni 2007 online abrufbar
  6. Wer zu Wem - Firmenauskunft. Homepage 5. Januar 2014 22:26 Uhr im Internet
  7. Birgit Dengel: Gummizwist mit Trolli und Efrutti. In: Finacial Times Deutschland, 6. Februar 2007 im Internet 5. Januar 2014, 14:57 Uhr
  8. Anmerkung: Hagenow ist eher bekannt für den Hersteller von Essigurken etc. von der Fa. Kühnle
  9. Pressemeldung der Stadt Fürth vom 3.3.2008 - Wirtschaft: "Ein Bonbon für den Standort"
  10. Johannes Alles: Wirtschaftskrise erreicht Trolli: Fürther Produktion schließt. In: Fürther Nachrichten vom 20. Oktober 2011 online abrufbar
  11. Kurt Heidingsfelder: Trolli wird Nachbar des neuen Kleeblatt-Stadions. In: Fürther Nachrichten vom 23. März 2012 online abrufbar
  12. Johannes Alles: Wirtschaftskrise erreicht Trolli: Fürther Produktion schließt. In: Fürther Nachrichten vom 20. Oktober 2011 online abrufbar
  13. Clara Grau/ Florian Jennemann: Streit um Fürther Stadionnamen: Klage abgewiesen. In: Fürther Nachrichten vom 19. Oktober 2012 online abrufbar
  14. Homepage European Kettle Award im Internet 5. Januar 2014, 15:11 Uhr
  15. Homepage Candy Hall of Fame im Internet 5. Januar 2014, 15:25 Uhr

Siehe auch

Weblinks

Bilder