Schloss Burgfarrnbach

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Burgfarrnbach 034.jpg
Aus dem Park heraus wirkt das Schloss am beeindruckendsten.
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Das Schloss Burgfarrnbach ist ein klassizistischer Schlossbau der Grafen von Pückler und Limpurg im Fürther Stadtteil Burgfarrnbach.


Geschichte[Bearbeiten]

Blick von der Farrnbach zum Schloss, im Vordergrund die "Englische Anlage"

Historisch gab es in Burgfarrnbach zwei Herrensitze, den oberen und den unteren. Das Areal des heutigen Schlosses geht auf den unteren Sitz zurück. Hier stand bereits seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein von Balthasar Wolf von Wolfsthal errichtetes Wasserschloss (bzw. Wasserburg - die Bezeichnung wird in vielen Quellen mit völliger Beliebigkeit abgewechselt). Es wurde im Dreißigjährigen Krieg zerstört, 1658 wieder aufgebaut, 1830 schließlich wegen Baufälligkeit endgültig abgebrochen. Unter den Grafen Karl Alexander Friedrich, Friedrich Karl Ludwig Franz und Ludwig Franz Karl Maximilian von Pückler-Limpurg wurde 1830-34 das klassizistische Schloss südlich der alten Burg errichtet. Ab 1833 wurde das neue Schloss von zwei Familien bewohnt, Karl Alexander war aus dem Kondominat ausgeschieden. Die letzten Pückler in Burgfarrnbach waren die unverheirateten Gräfinnen Sofie (gest. 1941) und Anna (gest. 1955), die durch ihre soziale Einstellung im Ort sehr beliebt waren. Mit dem Tode von Graf Gottfried 1957 erlosch die Linie der Grafen Pückler-Limpurg. Die »Graf von Pückler und Limpurg’sche Wohltätigkeitsstiftung« war bereits am 24. Dezember 1950 durch den Grafen Gottfried von Pückler und Limpurg und seiner Ehefrau Adele, Prinzessin zu Hohenlohe-Ingelfingen gegründet worden. Das gesamte Vermögen des Grafen wurde nach seinem Tod am 26. November 1957 dieser Stiftung vermacht.

Zum 17. Mai 1968 ging der gesamte Graf-Pückler-Limpurgische Grundbesitz unter Verwaltung einer Wohltätigkeitsstiftung in den Besitz der Stadt Fürth über. Für 6 Millionen Mark wurden das Schloss, der Schlosspark mit 8,3 Hektar und 149,18 Hektar Forst städtisch. Damit hatte Fürth eine Ausdehnungsmöglichkeit nach Westen. Dabei ging nicht nur das Schloss, sondern auch das gräfliche Archiv in die Obhut der Stadt Fürth über. Auch ein gräflich Beschäftigter wurde übernommen, der Oberförster Heinz Lung. Nach Restaurierung und Bestuhlung des Festsaales konnten hier ab Januar 1975 Veranstaltungen stattfinden.

Heutige Nutzung[Bearbeiten]

Seit 1973 sind im Schloss das Stadtarchiv, die Stadtbibliothek und die Städtischen Sammlungen untergebracht. Die Dienststelle wurde von Emil Ammon mit seiner Frau Liselotte Ammon dort eingerichtet. Von 1981 bis 2007 befand sich hier auch das Stadtmuseum, das 2007 zunächst unter dem Namen "Stadtmuseum Ludwig Erhard" an der Ottostraße wiedereröffnet wurde. Seit 2010 ist dort die Dauerausstellung zur Stadtgeschichte zu sehen. 2016 entfiel der Namenszusatz Ludwig Erhard.

Die Festräume des Schlosses werden für private Feiern vermietet und es finden kulturelle Veranstaltungen statt. Zudem kann man sich hier standesamtlich trauen lassen (Anfragen direkt an das Standesamt). Die Schlossführungen der Tourist-Information werden gegenwärtig nicht mehr angeboten.

Gebäude[Bearbeiten]

Hauptbau[Bearbeiten]

Hauptbau von Südwesten aus gesehen

Der heutige Schlossbau entstand 1830 bis 1834 für 113.000 Gulden, bei einer Fassadenlänge von 70 m und rund 70 Räumen nach den Plänen des Königlich Bayerischen Bauinspektors Leonhard Schmidtner, der den gesetzten Kostenvoranschlag um etwa 60 % sprengte.

Dass es sich um einen Doppel-Schlossbau für die beiden brüderlichen gräflichen Familien von Friedrich und Ludwig Graf von Pückler und Limpurg handelt, ist heute noch im prunkvollen Festsaal ersichtlich, an der Ostwand ziert ein Initial F, an der Westwand ein Initial L die Wände. Hinter dem Hauptbau des Schlosses befinden sich die kleinen kubischen Pavillons und ein freistehendes, barockes Gartenhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts.

Beschreibung des Baudenkmals[Bearbeiten]

Ehemaliges Schloss der Grafen von Pückler und Limpurg, jetzt Stadtarchiv, Stadtbibliothek und Museum, langgestreckter, dreigeschossiger Monumentalbau in Sandstein mit Satteldach, mittigem Eingangsrisalit mit Dreiecksgiebel, viergeschossigen Eckpavillons und kurzen Seitenflügeln mit Walmdach an der Rückseite, klassizistisch, von Leonhard Schmidtner, 1830 – 1834; östliches und westliches Ökonomiegebäude, freistehende, zweiflügelige und zweigeschossige Sandsteinquaderbauten mit Walmdächern, 1832/33; zwei Hofpavillons, hinter den Seitenflügeln des Hauptbaues gelegen, Sandsteinquaderbauten mit Walmdächern, gleichzeitig; Gartenpavillon, sog. Schneidershäuschen, oktogonaler, erdgeschossiger und verputzter Sandsteinbau mit Mansardwalmdach und Lisenengliederung, Mitte 18. Jahrhundert; Gartenpavillon, sog. Karolinenruh, oktogonaler, teils offener Holzbau mit Zeltdach, zweite Hälfte 19.Jahrhundert, teilweise erneuert; Schlosspark, jetzige Gestaltung im englischen Stil, 19. Jahrhundert; Einfriedung des Schlossparks und Uferbefestigung der Farrnbach an der Nordseite des Schlossparks, Sandsteinquadermauern, 19. Jahrhundert. Teil des Ensembles Ortskern Burgfarrnbach.

Nebengebäude[Bearbeiten]

Zum Schloss Burgfarrnbach gehören weitere Nebengebäude, die sich unmittelbar in der direkten Nachbarschaft auf dem Grundstück befinden:

Schlosspark[Bearbeiten]

Umgeben ist das Schloss von einem weitläufigen Park. Ursprünglich ein Barockgarten, wandelte man ihn, als das klassizistische Schloss erbaut wurde, in einen englischen Landschaftsgarten um. Der Schlosspark wurde dann ab 1968 als Landschaftsgarten neugestaltet und ist seit Oktober 1971 der Öffentlichkeit zugänglich. Die Wegeführung und die Baumgruppierungen wurden geändert. Als Rest des Barockgartens hat sich das Schneidershäuschen aus dem 18. Jahrhundert erhalten. Im Volksmund wird der Name damit erklärt, dass hier der Hofschneider gelebt habe.[1] Dieser freistehende, achteckige, barocke Pavillon mit abgeschrägten Ecken und einem Mansarddach verleiht dem Park heute noch eine heitere Note. Nördlich unterhalb davon befindet sich mit der Carolinenruh ein weiterer kleiner Pavillon. Er ist mit Holz verkleidet und gehört vermutlich in den Übergang vom Barock- zum Landschaftsgarten. Als Aussichtspavillon wurde die „Karolinenruh“ ins Parkbild zwischen der Farrnbach mit Ufermauern und dem südlichen Wäldchen am Hang eingepasst. Heute liegt dort oberhalb das AWO-Altenheim Fritz Rupprecht. Östlich davon sind noch die baumfreien Bereiche der alten Pferderennbahn zu erahnen. Die ehemalige Reitbahn ist schon im Ortsplan des J. G. Kuchen von 1734 eingezeichnet. Der Park ist an der Graf-Pückler-Limpurg-Straße mit einer Quadermauer begrenzt, deren Mauerpfeiler ebenfalls aus Sandstein sind. Unterhalb der Böschung zieht sich ein schattiger Weg vom Schloss bis zur früheren B 8 am Eisenbahn-Viadukt. Diese Böschung ist deckungsgleich mit der ehemaligen Topografie der langgestreckten, barocken Reitbahn der Grafen[2]. Unterhalb der Ahornallee erstreckt sich die Parkwiese bis zur Farrnbach. Im westlichen Teil des Parks lädt ein Kinderspielplatz zum Austoben und Verweilen ein.

Zitate[Bearbeiten]

...ein schönes Schloss von außen, jedoch mit niedrigen kleinen Räumen im Innern... -- Hermann Fürst von Pückler-Muskau (adeliger Schriftsteller und Landschaftsarchitekt) am 5. September 1848 über das Schloss seines Vetters.

Literatur[Bearbeiten]


Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Das Schloss Burgfarrnbach blickt auf ein erfolgreiches Jahr zurück. In: StadtZeitung. Fürther Stadtnachrichten Nr. 5, 12. März 2008, S.11 - PDF-Datei
  • Matthias Boll: Herr über Schloss und Museum. In: Fürther Nachrichten vom 19. März 2010 - online
  • Volker Dittmar: Alte Pracht erneuert. In: Fürther Nachrichten vom 20. Mai 2010 - online
  • Sabine Rempe: Hier ist das Gedächtnis der Stadt zu Hause. In: Fürther Nachrichten vom 27. Oktober 2022 (Druckausgabe)

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Anschrift[Bearbeiten]

Schlosshof 12
90768 Fürth
Telefon: 0911 975343
Fax: 0911 97534511

Bilder[Bearbeiten]

Videos[Bearbeiten]

  1. Barbara Ohm: Durch Fürth geführt, Band 2 - Die Stadt jenseits der Flüsse. VKA Verlag Fürth, 2005, S. 146.
  2. Fotodokumentation des Parkpflegewerks, Abb. 56, historischer Parkweg