Schulhof 2: Unterschied zwischen den Versionen
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==Geschichte<ref>Gottlieb Wunschel: "Alt-Fürth", Häuserchronik zu Schulhof 2, 1940</ref>== | ==Geschichte<ref>Gottlieb Wunschel: "Alt-Fürth", Häuserchronik zu Schulhof 2, 1940</ref>== | ||
* 1697: Erbauung der sogenannten "Kaalsschul"<ref>קהילה [[wikipedia:Kahal|Kahal]] bzw. Kehilla = Gemeinde</ref> oder "Neuschul"<ref>1697 wird als wahrscheinliches Erbauungsdatum am häufigsten angenommen; so Gisela Naomi Blume: "Mikwen in Fürth - Die Kellerquellenbäder der Israelitinnen" 2.Teil, in: Fürther Geschichtsblätter 3/11, S. 63 und dabei bezugnehmend auf: ''StAN Katasterselekt Steuergemeinde Fürth Nr.1, Güterverzeichnis der Stadt Fürth 1808'', ebenso Barbara Ohm: "[[Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)|Geschichte der Juden in Fürth]]", S. 56, auch Hugo Barbeck [[Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth (Buch)]], S. 61, ebenso Salomon Haenle [[Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach (Buch)|Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach]], S. 181 und Andreas Würfel: "Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth", S. 28 - demgegenüber steht als Erbauungsdatum 1647, bei Friedrich Marx [[Fürth in Vergangenheit u. Gegenwart (Buch)|Fürth in Vergangenheit u. Gegenwart]], S. 106, oder J. Sax: "[[Synagoge#Artikelserie "Die Synagoge in Fürth"|Die Synagoge in Fürth]]", dritte Seite zweite Spalte. Die [[Fronmüllerchronik]] gibt verwirrend beide Daten an, siehe S. 99 und S. 112.</ref>. Der Synagogenraum befand sich im ersten Stock, darunter die [[wikipedia:Scharre|Scharre]]. | * 1697: Erbauung der sogenannten "Kaalsschul"<ref>קהילה [[wikipedia:Kahal|Kahal]] bzw. Kehilla = Gemeinde</ref> oder "Neuschul"<ref>1697 wird als wahrscheinliches Erbauungsdatum am häufigsten angenommen; so Gisela Naomi Blume: "Mikwen in Fürth - Die Kellerquellenbäder der Israelitinnen" 2.Teil, in: Fürther Geschichtsblätter 3/11, S. 63 und dabei bezugnehmend auf: ''StAN Katasterselekt Steuergemeinde Fürth Nr.1, Güterverzeichnis der Stadt Fürth 1808'', ebenso Barbara Ohm: "[[Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)|Geschichte der Juden in Fürth]]", S. 56, auch Hugo Barbeck [[Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth (Buch)]], S. 61, ebenso Salomon Haenle [[Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach (Buch)|Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach]], S. 181 und Andreas Würfel: "Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth", S. 28 - demgegenüber steht als Erbauungsdatum 1647, bei Friedrich Marx [[Fürth in Vergangenheit u. Gegenwart (Buch)|Fürth in Vergangenheit u. Gegenwart]], S. 106, oder J. Sax: "[[Synagoge#Artikelserie "Die Synagoge in Fürth"|Die Synagoge in Fürth]]", dritte Seite zweite Spalte. Die [[Fronmüllerchronik]] gibt verwirrend beide Daten an, siehe S. 99 und S. 112.</ref>. Der Synagogenraum befand sich im ersten Stock, darunter die [[wikipedia:Scharre|Scharre]]. | ||
* 1717: Die Scharre wurde geschlossen, darin ein Umkleidezimmer und darunter eine [[wikipedia:Mikwe|Mikwe]] errichtet. Bis zum Wasserspiegel soll es 12,35 m in die Tiefe über 50 Stufen gegangen sein<ref>siehe Gisela Naomi Blume: "Mikwen in Fürth - Die Kellerquellenbäder der Israelitinnen" 2.Teil, in: Fürther Geschichtsblätter 3/11, S. 65</ref> <ref>Andreas Würfel: "Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth", S. 28 beschreibt: "''§ 13. Gegen der alten Haupt=Schul, Mittag wärts, stehet die neue Kahls=Schule, welche Ao. 1697 darum ist erbauet worden, weil die alte Haupt=Schul, die Zahl der Juden nicht mehr kunte fassen. (Wagenseil de ciuit., Nor.c. XVIII. p.m. 125, III) Dabey ist eine Weiber=Schul.''</br> | * 1717: Die Scharre wurde geschlossen, darin ein Umkleidezimmer und darunter eine [[wikipedia:Mikwe|Mikwe]] errichtet. Bis zum Wasserspiegel soll es 12,35 m in die Tiefe über 50 Stufen gegangen sein.<ref>siehe Gisela Naomi Blume: "Mikwen in Fürth - Die Kellerquellenbäder der Israelitinnen" 2.Teil, in: Fürther Geschichtsblätter 3/11, S. 65</ref> <ref>Andreas Würfel: "Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth", S. 28 beschreibt: "''§ 13. Gegen der alten Haupt=Schul, Mittag wärts, stehet die neue Kahls=Schule, welche Ao. 1697 darum ist erbauet worden, weil die alte Haupt=Schul, die Zahl der Juden nicht mehr kunte fassen. (Wagenseil de ciuit., Nor.c. XVIII. p.m. 125, III) Dabey ist eine Weiber=Schul.''</br> | ||
''§ 14. Unter dieser neuen Kahls-Schule ist eine מקוה mikveh eine Tuk. Die hat den Namen Kahls-Mikveh. Dahin werden die Bräute, den Tag vor der Copulaton das erste mal von den Weibern begleitet. Über dieser Kahls-Mikveh ist noch eine Bad-Stube für die Weiber. Dieses Bädlein war vorhin das קצבות Kazuphus das Schlacht=Haus. Das Merkmal hievon ist, daß man noch eine vermauerte Thür siehet.''"</ref> | ''§ 14. Unter dieser neuen Kahls-Schule ist eine מקוה mikveh eine Tuk. Die hat den Namen Kahls-Mikveh. Dahin werden die Bräute, den Tag vor der Copulaton das erste mal von den Weibern begleitet. Über dieser Kahls-Mikveh ist noch eine Bad-Stube für die Weiber. Dieses Bädlein war vorhin das קצבות Kazuphus das Schlacht=Haus. Das Merkmal hievon ist, daß man noch eine vermauerte Thür siehet.''"</ref> | ||
Version vom 26. Januar 2023, 20:13 Uhr
| v.l.n.r.: Mohrenstraße 30, 28, Neuschul (Schulhof 2 mit Fünfzackstern [nicht Davidstern] in der Verschieferung), Eingangstor Schulhof, Mohrenstraße 26, 1934 |
- Gebäude
- Schulhof 2
- Straße / Hausnummer
- Schulhof 2
- Postleitzahl
- 90762
- Objekt
- Synagoge, Scharre, Frauen-Mikwe und Wohnung
- Abbruchjahr
- 1939, nach Niederbrennen 1938
- Baustil
- Fachwerk
- Geo-Daten
- 49° 28' 42.78" N
10° 59' 8.99" E
Das Gebäude Schulhof 2, die sog. Kaalsschul befand sich im sog. Gänsbergviertel. Es beinhaltete im 1. Stock eine Synagoge und im Erdgeschoß ursprünglich die Scharre, später den Abgang zur Frauen-Mikwe und eine Wohnung. Im Zuge der Reichsprogromnacht wurde das Gebäude am 10. November 1938 niedergebrannt und 1939 die Ruine abgerissen. Im Kartenausschnitt in der Faktenbox auf der rechten Seite wird der ungefähre ehemalige Standort des Gebäudes im aktuellen Stadtplan angezeigt.
Geschichte[1]
- 1697: Erbauung der sogenannten "Kaalsschul"[2] oder "Neuschul"[3]. Der Synagogenraum befand sich im ersten Stock, darunter die Scharre.
- 1717: Die Scharre wurde geschlossen, darin ein Umkleidezimmer und darunter eine Mikwe errichtet. Bis zum Wasserspiegel soll es 12,35 m in die Tiefe über 50 Stufen gegangen sein.[4] [5]
Frühere Adressen
- ab 1792 Hausnummer 385
- ab 1827 Hausnummer 56, I
- ab 1860 Schulhof 1
- ab 1890 Schulhof 2
Siehe auch
Literatur
- Gänsberg-Erinnerungen Band 4, Fürth, Städtebilder Verlag, 2008, S. 72
Einzelnachweise
- ↑ Gottlieb Wunschel: "Alt-Fürth", Häuserchronik zu Schulhof 2, 1940
- ↑ קהילה Kahal bzw. Kehilla = Gemeinde
- ↑ 1697 wird als wahrscheinliches Erbauungsdatum am häufigsten angenommen; so Gisela Naomi Blume: "Mikwen in Fürth - Die Kellerquellenbäder der Israelitinnen" 2.Teil, in: Fürther Geschichtsblätter 3/11, S. 63 und dabei bezugnehmend auf: StAN Katasterselekt Steuergemeinde Fürth Nr.1, Güterverzeichnis der Stadt Fürth 1808, ebenso Barbara Ohm: "Geschichte der Juden in Fürth", S. 56, auch Hugo Barbeck Geschichte der Juden in Nürnberg und Fürth (Buch), S. 61, ebenso Salomon Haenle Geschichte der Juden im ehemaligen Fürstenthum Ansbach, S. 181 und Andreas Würfel: "Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth", S. 28 - demgegenüber steht als Erbauungsdatum 1647, bei Friedrich Marx Fürth in Vergangenheit u. Gegenwart, S. 106, oder J. Sax: "Die Synagoge in Fürth", dritte Seite zweite Spalte. Die Fronmüllerchronik gibt verwirrend beide Daten an, siehe S. 99 und S. 112.
- ↑ siehe Gisela Naomi Blume: "Mikwen in Fürth - Die Kellerquellenbäder der Israelitinnen" 2.Teil, in: Fürther Geschichtsblätter 3/11, S. 65
- ↑ Andreas Würfel: "Historische Nachricht von der Judengemeinde in dem Hofmarkt Fürth", S. 28 beschreibt: "§ 13. Gegen der alten Haupt=Schul, Mittag wärts, stehet die neue Kahls=Schule, welche Ao. 1697 darum ist erbauet worden, weil die alte Haupt=Schul, die Zahl der Juden nicht mehr kunte fassen. (Wagenseil de ciuit., Nor.c. XVIII. p.m. 125, III) Dabey ist eine Weiber=Schul.
§ 14. Unter dieser neuen Kahls-Schule ist eine מקוה mikveh eine Tuk. Die hat den Namen Kahls-Mikveh. Dahin werden die Bräute, den Tag vor der Copulaton das erste mal von den Weibern begleitet. Über dieser Kahls-Mikveh ist noch eine Bad-Stube für die Weiber. Dieses Bädlein war vorhin das קצבות Kazuphus das Schlacht=Haus. Das Merkmal hievon ist, daß man noch eine vermauerte Thür siehet."
Bilder
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Die jüd. Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 Urheber: Fritz Wolkenstörfer
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivDie jüd. Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938; auf der linken Seite die ... Die jüd. Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938; auf der linken Seite die niedergebrannte Neuschul oder Kaalsschul und dahinter die Ruine der Hauptsynagoge, der Altschul.
Urheber: Fritz Wolkenstörfer
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivDie jüd. Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Blick von der Mohrenstraße; ... Die jüd. Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938. Blick von der Mohrenstraße; links die Neuschul, Mitte die Altschul, rechts das intakte Gebäude die Mohrenstraße 26
Urheber: Fritz Wolkenstörfer
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivDie jüd. Synagoge nach der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 Urheber: Fritz Wolkenstörfer
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivBlick in den Schulhof nach der Reichsprogromnacht; das Schulhoftor in der Mohrenstraße, gleich ... Blick in den Schulhof nach der Reichsprogromnacht; das Schulhoftor in der Mohrenstraße, gleich dahinter die zerstörte Neuschul, weiter hinten das zerstörte Scharrgebäude, rechts die Ruine der Altschul
Urheber: Fritz Wolkenstörfer
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivAltschul und Neuschul nach der Reichspogromnacht Urheber: Fritz Wolkenstörfer
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivFoto vom Schulhof nach der Reichspogromnacht; Ansicht von der Mohrenstraße, hinter dem Tor links ... Foto vom Schulhof nach der Reichspogromnacht; Ansicht von der Mohrenstraße, hinter dem Tor links Schulhof 2 ("Neuschul"), rechts die "Altschul"
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivEinweihung der renovierten Neuschul, Fürther Tagblatt 19. September 1854 Urheber: Fürther Tagblatt
Lizenz: CC BY-NC 3.0J. P. Haas, Nordwand Frauenempore in Neuschul, 1853 Urheber: Johann Paul Haas
Lizenz: CC BY-SA 3.0J. P. Haas, Ostwand in Neuschul mit Aron Ha-Kodesch, 1853 Urheber: Johann Paul Haas
Lizenz: CC BY-SA 3.0J. P. Haas, Querschnitt mit Almemor und Aron Ha-Kodesch, 1853 Urheber: Johann Paul Haas
Lizenz: CC BY-SA 3.0J. P. Haas, Südwand Frauenempore in Neuschul, 1853 Urheber: Johann Paul Haas
Lizenz: CC BY-SA 3.0v.l.n.r.: Schulhof 2 (Kaalsschule oder Neuschul), Schulhof 3 (Haupsynagoge oder Altschul), Schulhof ... v.l.n.r.: Schulhof 2 (Kaalsschule oder Neuschul), Schulhof 3 (Haupsynagoge oder Altschul), Schulhof 6, Kirchturm St. Michael, Schulhof 1; Stich G. Löwensohn, Lithographie 1839
Urheber: Gerson Löwensohn
Lizenz: Bildlizenz-JMFNordansicht der Hauptsynagoge 1838, Zeichnung von J.G. Leonhard Dorst von Schatzberg Urheber: J.G. Leonhard Dorst von Schatzberg
Lizenz: CC BY-SA 3.0Steindruck der "Alt Schul" und im Hintergrund der "Neu Schul" auf dem Schulhof, Ansicht von Nordost Urheber: Georg Christoph Wilder, Philipp Herrlein
Lizenz: CC BY-SA 3.0"Neue Schul" (links, Schulhof 2) und "Alte Schul" (rechts, Schulhof 3) von außen bzw. von Osten ... "Neue Schul" (links, Schulhof 2) und "Alte Schul" (rechts, Schulhof 3) von außen bzw. von Osten gesehen, Postkarte, Boenerstich
Lizenz: CC BY-SA 3.0Ausschnitt aus "Fürther Gedenk- u. Erinnerungstafel" mit Ansicht Ostwand der Hauptsynagoge in Fürth ... Ausschnitt aus "Fürther Gedenk- u. Erinnerungstafel" mit Ansicht Ostwand der Hauptsynagoge in Fürth (rechts), dahinter Neuschul
Urheber: Christoph Schildknecht
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivGänsberg-Plan, Schulhof 2 rot markiert Urheber: Lothar Berthold
Lizenz: CC BY-SA 3.0v.l.n.r.: Mohrenstraße 30, 28, Neuschul (Schulhof 2), Eingangstor Schulhof, Mohrenstraße 26; Bild ... v.l.n.r.: Mohrenstraße 30, 28, Neuschul (Schulhof 2), Eingangstor Schulhof, Mohrenstraße 26; Bild Fritz Lang
Urheber: Fritz Lang
Lizenz: CC BY-SA 3.0