Dagmar Solomon: Unterschied zwischen den Versionen

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Die Kunsthistorikerin '''Dr. Dagmar Solomon''' (geb. [[1926]] in [[Fürth]], [[Nathanstift]]; gest. [[2. Juni]] [[2023]])<ref>Claudia Bidner-Wunder: Erster Schrei in der Tannenstraße. In: Fürther Nachrichten vom 23. Februar 2007 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/erster-schrei-in-der-tannenstrasse-1.763135 online abrufbar]</ref> Kunsthistorikerin und von [[1984]] - [[1988]] [[Stadtheimatpfleger]]in in Fürth. Sie ist Gründungsmitglied des Fördervereins der Jüdischen Museen in Franken und unterrichtete Englisch an den Volkshochschulen Fürth und Nürnberg ab 1973.  
Dr. '''Dagmar Solomon''', geb. ''Ingeburg Dagmar Engel'' (geb. [[1926]] in [[Fürth]], [[Nathanstift]]; gest. [[2. Juni]] [[2023]] in Fürth)<ref>Claudia Bidner-Wunder: Erster Schrei in der Tannenstraße. In: Fürther Nachrichten vom 23. Februar 2007 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/erster-schrei-in-der-tannenstrasse-1.763135 online]</ref> war promovierte Kunsthistorikerin, [[Professor]]in in den USA und von [[1984]] bis [[1988]] [[Stadtheimatpfleger]]in in Fürth. Sie war Gründungsmitglied des Fördervereins der [[Jüdisches Museum Franken|Jüdischen Museen in Franken]] und unterrichtete bereits ab [[1973]] u.a. Englisch an den [[Volkshochschule Fürth|Volkshochschulen Fürth]] und Nürnberg.


== Leben ==
== Leben und Wirken ==
Solomon kam als Tochter der Eltern Hans und Wilhelmine Engel in Fürth auf die Welt. Ihr Vater [[Hans Engel]] war 40 Jahre lang als Lehrer und Rektor der [[Grundschule Kirchenplatz|Schule am Kirchenplatz]] tätig.<ref>Sabine Rempe: 200 Jahre: Geliebte Grundschulzeit am Kirchenplatz. In: Fürther Nachrichten vom 27. Mai 2017 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/200-jahre-geliebte-grundschulzeit-am-kirchenplatz-1.6175587/kommentare-7.3261651 online abrufbar]</ref>. Ihr Bruder Dr. Karl-Heinz Engel (gest. 2008) besuchte das Hardenberg-Gymnasium und studierte in München Maschinenbau.
Dagmar Solomon war die Tochter von Hans und Wilhelmine Engel. Ihr Vater galt während des Nationalsozialismus als Gegner des NS-Regimes, weshalb er als Lehrer nach Landershof bei Berching strafversetzt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er zurück in seine ursprüngliche Funktion, als Rektor an der Schule am Kirchenplatz und blieb dort über 40 Jahre in dieser Position.<ref>Sabine Rempe: 200 Jahre: Geliebte Grundschulzeit am Kirchenplatz. In: Fürther Nachrichten vom 27. Mai 2017 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/200-jahre-geliebte-grundschulzeit-am-kirchenplatz-1.6175587/kommentare-7.3261651 online]</ref>
Ihr Bruder, Dr. Karl-Heinz Engel, (gest. 2008), besuchte das Hardenberg-Gymnasium und studierte in München Maschinenbau.


Ab 1932 besuchte sie die Grundschule in Fürth, anschließend die [[Pestalozzischule]] und später das damalige Mädchenlyzeum in der Tannenstraße (heute: [[Helene-Lange-Gymnasium]]). Ihr Vater galt während des Nationalsozialismus als Gegner des NS-Regimes, weshalb er als Lehrer nach Landershof bei Berching strafversetzt wurde. Solomon wurde im Alter von 17 Jahren (1943) mittels des NS-Programms der Kinderlandverschickung ins Lager nach Polsingen im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen als Führerin von 10-12 jährigen Kinder meist aus Dresden verschickt. 1944/45 absolvierte sie das sog. Notexamen als Schulabschluss kurz vor Kriegsende. Im Anschluss an den Schulabschluss absolvierte sie noch ein halbjährigen Arbeitsdienst in Walldüren im Odenwald. Der Vater kehrte offensichtlich nach dem 2. Weltkrieg zurück in seiner alten Funktion als Rektor an der Schule am Kirchenplatz, und blieb dies über insgesamt 40 Jahre lang.<ref>Sabine Rempe: 200 Jahre: Geliebte Grundschulzeit am Kirchenplatz. In: Fürther Nachrichten vom 27. Mai 2017 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/200-jahre-geliebte-grundschulzeit-am-kirchenplatz-1.6175587/kommentare-7.3261651 online abrufbar]</ref>
Ab [[1932]] besuchte Dagmar Solomon die Grundschule in Fürth, anschließend die [[Pestalozzischule]] und später das damalige [[Mädchenlyzeum]] in der Tannenstraße (heute: [[Helene-Lange-Gymnasium]]). Solomon wurde [[1943]] als 17-Jährige, mittels des NS-Programms der Kinderlandverschickung, ins Lager nach Polsingen, im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, verschickt. Dort war sie Führerin von 10 - 12-jährigen Kindern aus Dresden. 1944/45, kurz vor Kriegsende, absolvierte sie das sog. „Notexamen“ als Schulabschluss. Nachfolgend absolvierte sie noch einen halbjährigen Arbeitsdienst in Walldüren im Odenwald.


Nach dem Krieg studierte sie von 1947 bis 1954 an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Kunstgeschichte - hier insbesondere Malerei, Skulptur und Architektur bei Prof. Dr. Rudolph Koenstedt. Gleichzeitig studierte sie die Fächer Deutsche und Englische Literatur und Sprache.  
Nach dem Krieg studierte sie, von [[1947]] bis [[1954]], an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Kunstgeschichte - insbesondere Malerei, Skulptur und Architektur bei Prof. Dr. Rudolph Koenstedt. Gleichzeitig studierte sie die Fächer deutsche und englische Literatur und Sprache.  


Im Jahr 1954 promovierte sie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen in Kunstgeschichte mit dem Thema „Der Innenraum und sein Mobiliar in der Malerei und deutschen Druckgrafik von 1430 - 1530“. Unmittelbar nach dem Studium arbeitete sie unbezahlt vom 9. September 1954 bis 12. Dezember 1944 als 2. Assistentin in der Keramikabteilung des [[Wikipedia:Germanisches Nationalmuseum|Germanischen Nationalmuseum]] in Nürnberg beim  Kunsthistoriker [[Wikipedia:Edmund Wilhelm Braun|Dr. Edmund Wilhelm Braun]]. Ihre Aufgabe war im wesentlichen die Erfassung und Katalogisierung der im Keller des Museums eingelagerten Kunstwerke, dessen Kurator Prof. Braun war. Zusätzlich arbeitete sie in der Kunstbaude der Lorenzkirche sowie in einem Antiquitätengeschäft. Nach dessen Tod 1957 verließ sie das Museum und arbeitete sechs Jahre für die zivile amerikanische Besatzung an der American Elementary School in Fürth als Lehrerin. Ihr Unterrichtsfach waren im wesentlichen Deutsch - zusammen mit fünf weiteren Deutschlehrern.  
Im Jahr 1954 promovierte sie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen in Kunstgeschichte mit dem Thema „Der Innenraum und sein Mobiliar in der Malerei und deutschen Druckgrafik von 1430 - 1530“. Unmittelbar nach dem Studium arbeitete sie unbezahlt vom 9. September 1954 bis 12. Dezember 1954 als zweite Assistentin in der Keramikabteilung des [[Wikipedia:Germanisches Nationalmuseum|Germanischen Nationalmuseum]] in Nürnberg, bei Kunsthistoriker und Kurator [[Wikipedia:Edmund Wilhelm Braun|Dr. Edmund Wilhelm Braun]]. Ihre Aufgabe war im wesentlichen die Erfassung und Katalogisierung der im Keller des Museums eingelagerten Kunstwerke. Zusätzlich arbeitete sie in der Kunstbaude der Lorenzkirche sowie in einem Antiquitätengeschäft. Nach dem Tod von Dr.  Braun [[1957]], verließ sie das Museum und arbeitete sechs Jahre für die zivile amerikanische Besatzung an der American Elementary School in Fürth, als Lehrerin. Ihr Unterrichtsfach war hauptsächlich Deutsch - zusammen mit fünf weiteren Deutschlehrern.  


1960 lernte sie ihren späteren Ehemann, den jüdischen US-Amerikaner Dr. med. Morrow D. Solomon kennen, der von 1960 bis 1962 seinen Wehrdienst in Erlangen absolvierte. Sein Urgroßvater hatte als Rabbiner gewirkt. Nach der Heirat 1962 in Fürth ging sie mit ihrem Mann in seinen Heimatort Gloversville, NY bzw. später nach Brooklyn. Morrows Eltern führten bis in die 1990er Jahre eine der Handschuhfabriken des Ortes. Dr. med. Morrow Solomon hatte seine Ausbildung zum Arzt an der Bellevue Medical School in New York absolviert und arbeitete später als Internist am Kings County Hospital in New York. 1964 - nach zweijähriger Ehe - verstarb ihr amerikanischer Mann mit 31 Jahren überraschend an einem Hirntumor. Sie blieb zunächst noch eine Zeitlang bei den Schwiegereltern - denen sie zeitlebens verbunden blieb - und besuchte diese immer wieder in Gloversville bis zu deren Ableben Anfang der 2000er Jahre.  
[[1960]] lernte sie ihren späteren Ehemann, den jüdischen US-Amerikaner Dr. med. Morrow D. Solomon kennen, der von 1960 bis [[1962]] seinen Wehrdienst in Erlangen absolvierte. Sein Urgroßvater hatte als Rabbiner gewirkt. Nach der Heirat 1962 in Fürth ging sie mit ihrem Mann in seinen Heimatort Gloversville, NY, bzw. später nach Brooklyn. Morrows Eltern führten bis in die [[1990]]er Jahre eine der Handschuhfabriken der Stadt. Dr. med. Morrow Solomon hatte seine Ausbildung zum Arzt an der Bellevue Medical School in New York absolviert und arbeitete später als Internist am Kings County Hospital in New York. [[1964]] - nach zweijähriger Ehe - verstarb ihr Mann mit 31 Jahren überraschend an einem Hirntumor. Sie blieb zunächst noch bei den Schwiegereltern - denen sie zeitlebens verbunden blieb - und besuchte diese immer wieder in Gloversville bis zu deren Ableben Anfang der 2000er Jahre.  


Durch die Empfehlung des in Fürth geborenen Kunsthistoriker Prof. Dr. Richard Krautheimer, der seit 1952 Architekturgeschichte am Institute of Fine Arts der New York University lehrte, wurde ihr die Position einer Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Texas in Austin vermittelt, wo sie bis 1971 lehrte.<ref>Peter Romir: Aufgabe von Dauer - Förderverein Jüdisches Museum feierte Jubiläum. In: Fürther Nachrichten vom 15. April 2013 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/aufgabe-von-dauer-1.2829968 online abrufbar]</ref> Von 1970 bis 1971 nahm sie unbezahlten Urlaub zum Zweck des Studium in Italien an der [[Wikipedia:Ausländeruniversität Perugia|Università per Stranieri di Perugia]].  
Durch die Empfehlung des in Fürth geborenen Kunsthistoriker Prof. Dr. [[Richard Krautheimer]], der ab [[1952]] Architekturgeschichte am Institute of Fine Arts der New York University gelehrt hatte, wurde ihr die Position einer Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Texas in Austin vermittelt, wo sie bis [[1971]] lehrte.<ref>Peter Romir: Aufgabe von Dauer - Förderverein Jüdisches Museum feierte Jubiläum. In: Fürther Nachrichten vom 15. April 2013 - [http://www.nordbayern.de/region/fuerth/aufgabe-von-dauer-1.2829968 online]</ref> Von [[1970]] bis 1971 nahm sie unbezahlten Urlaub, um in Italien an der [[Wikipedia:Ausländeruniversität Perugia|Università per Stranieri di Perugia]] zu studieren.  


Bedingt durch das zunehmende Alter ihrer Eltern kehrte Dr. Solomon schließlich Ende 1971 nach Fürth statt nach Texas zurück. Ab 1972 begann sie an den Volkshochschulen Fürth und Nürnberg Kurse für Kunstgeschichte und Englisch anzubieten. Diese Kurse hielt sie bis ca. 2019, neben ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Stadtheimatpflegerin der Stadt Fürth.  
Bedingt durch das zunehmende Alter ihrer Eltern kehrte Dr. Solomon schließlich Ende 1971 nach Fürth, statt nach Texas, zurück. Ab [[1972]] begann sie an den [[Volkshochschule Fürth|Volkshochschulen]] in Fürth und Nürnberg Kurse für Kunstgeschichte und Englisch anzubieten. Diese [[Dozent|Lehrtätigkeit]] übte sie bis ca. [[2019]] aus, neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Stadtheimatpflegerin der Stadt Fürth.  


Lebenslangen Kontakt pflegte sie sowohl mit dem Kunsthistoriker [[Heinrich Habel|Dr. Heinrich Habel]], als auch mit den Nachfahren [[Alfred Nathan]]s.
Lebenslangen Kontakt pflegte sie sowohl mit dem Kunsthistoriker Dr. [[Heinrich Habel]], als auch mit den Nachfahren [[Alfred Nathan]]s.


Am 2. Juni 2023 verstarb Dr. Solomon im Alter von 97 Jahren in Fürth.
Am 2. Juni 2023 verstarb Dr. Dagmar Solomon im Alter von 97 Jahren in Fürth. Sie wurde auf dem Städtischen Friedhof beigesetzt.


== Verdienste ==
== Verdienste ==
Nach einschlägiger Literatur werden folgende Erfolge während ihrer Zeit als Stadtheimatpflegerin aufgelistet:
[[Datei:Hauptbahnhof U-Bahnverteiler Kunst.jpg|mini|right|Säule am U-Bahnhof Hauptbahnhof]]
* Den Erhalt der Villen (Heymann, Eller, Pillenstein etc.) entlang der kleinen Freiheit, die zu Gunsten einer Hochhäuserzeile abgerissen werden sollten. Hier engagierte sich insbesondere der damalige Vorsitzende des Kunstbeirates Prof. Maier mit für den Erhalt der Gebäude und den dazugehörigen Gärten.
[[Datei:100 Geburtstag Nathan IMG 4839.jpg|mini|right|Taufgrotte bzw. Kapelle im Nathanstift]]
* Die Verhinderung des Abrisses der Pfarrscheune zu St. Michael.  
Auflistung der Erfolge während Dr. Dagmar Solomons Zeit als [[Stadtheimatpfleger]]in:
* Durch den persönlichen Einsatz von Fr. Dr. Solomon wurde der unterirdische Vorplatz zur U-Bahn am Hauptbahnhof mit der heute markanten Säule und der aufgesetzten Bronze vom Fürther Bildhauer Maisch umgesetzt, statt einer Terrakotta-Säule mit Kleinsteinchenverkleidung.  
* Der Erhalt der Villen (Heymann, Eller, Pillenstein etc.) entlang der sog. [[Dr.-Max-Grundig-Anlage|kleinen Freiheit]], die zu Gunsten einer Hochhäuserzeile hätten abgerissen werden sollen. Hier engagierte sich insbesondere der damalige Vorsitzende des [[Kunstbeirat]]es, Prof. Maier, für den Erhalt der Gebäude und dazugehörigen Gärten.
* Die sog. Taufgrotte im Nathanstift an der Tannenstraße wurde als Andachtsraum umgewidmet, nachdem sie jahrzehntelang eher als Abstellraum genutzt wurde.
* Die Verhinderung des Abrisses der [[Pfarrhof 1, 3|Pfarrscheune zu St. Michael]].  
* Die Errichtung des sog. Drei-Männlein-Brunnens in der Schwabacher Straße, der ursprünglich eher als Brunnen im sog. italinischen Stil errichtet hätte werden sollen.  
* Durch ihren persönlichen Einsatz wurde die Gestaltung des Vorplatzes zur U-Bahn, im Untergeschoss am [[Hauptbahnhof]], mit der markanten Säule und der aufgesetzten Bronze durch den Fürther Bildhauer [[Gerhard Maisch]] umgesetzt, anstatt einer Terrakottasäule mit einer Verkleidung aus kleinen Steinchen.
* Auf Vorschlag von Fr. Dr. Salomon wurden die Buswartehäuschen der Infra/VAG aus Plexiglas im Stadtgebiet errichtet - statt wie ursprünglich geplant aus Holz.
* Die sog. Taufgrotte im [[Nathanstift]] in der Tannenstraße wurde zur Kapelle/zum Andachtsraum umgewidmet, nachdem diese Räumlichkeit jahrzehntelang eher als Abstellraum genutzt worden war.
* Die Errichtung des [[Dreiherrschaftbrunnen]]s als „Drei-Männlein-Brunnen“ (ebenfalls von Gerhard Maisch) in der [[Fußgängerzone]], der ursprünglich als Brunnen im sog. italienischen Stil hätte gestaltet werden sollen.  
* Auf ihren Vorschlag wurden die Bus-Wartehäuschen der [[infra verkehr|infra]]/VAG im Stadtgebiet aus Plexiglas errichtet - statt wie ursprünglich geplant aus Holz.


== Literatur ==
== Literatur ==
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== Lokalberichterstattung ==
== Lokalberichterstattung ==
* ''Die Heimatpflegerin ist zurückgetreten''. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 2. April 1988
* ''Die Heimatpflegerin ist zurückgetreten''. In: [[Fürther Nachrichten]] vom 2. April 1988
* ''Dank an Zeitzeugin''. In: „gut und sicher wohnen“ 2016/12, Zeitung der [[Wohnungsgenossenschaft Fürth Oberasbach eG|Wohnungsgenossenschaft Fürth  Oberasbach eG]], [http://www.wg-fue-oas.de/fileadmin/wg/PDF/AUSGABE_12.pdf online abrufbar]
* ''Dank an Zeitzeugin''. In: „gut und sicher wohnen“ 2016/12, Zeitung der [[Wohnungsgenossenschaft Fürth Oberasbach eG|Wohnungsgenossenschaft Fürth  Oberasbach eG]], [http://www.wg-fue-oas.de/fileadmin/wg/PDF/AUSGABE_12.pdf online]
 
== Siehe auch ==
* [[Volkshochschule Fürth]]
* [[Stadtheimatpfleger]]
* [[Jüdisches Museum Franken]]


== Einzelnachweise ==
== Einzelnachweise ==

Aktuelle Version vom 8. Januar 2026, 21:39 Uhr

OBJ7283306 1.jpg
Dr. Dagmar Solomon
Person
Dagmar Solomon
Namenszusatz
Dr.
Vorname
Dagmar
Nachname
Solomon
Geschlecht
weiblich
Abw. Namen
Engel, Engel-Solomon, I. Dagmar Solomon
Geburtsdatum
1926
Geburtsort
Fürth
Todesdatum
2. Juni 2023
Todesort
Fürth
Beruf
Kunsthistorikerin, Professorin, Dozentin, Stadtheimatpfleger
Friedhof
Städtischer Friedhof
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Dr. Dagmar Solomon, geb. Ingeburg Dagmar Engel (geb. 1926 in Fürth, Nathanstift; gest. 2. Juni 2023 in Fürth)[1] war promovierte Kunsthistorikerin, Professorin in den USA und von 1984 bis 1988 Stadtheimatpflegerin in Fürth. Sie war Gründungsmitglied des Fördervereins der Jüdischen Museen in Franken und unterrichtete bereits ab 1973 u.a. Englisch an den Volkshochschulen Fürth und Nürnberg.

Leben und Wirken

Dagmar Solomon war die Tochter von Hans und Wilhelmine Engel. Ihr Vater galt während des Nationalsozialismus als Gegner des NS-Regimes, weshalb er als Lehrer nach Landershof bei Berching strafversetzt wurde. Nach dem 2. Weltkrieg kehrte er zurück in seine ursprüngliche Funktion, als Rektor an der Schule am Kirchenplatz und blieb dort über 40 Jahre in dieser Position.[2] Ihr Bruder, Dr. Karl-Heinz Engel, (gest. 2008), besuchte das Hardenberg-Gymnasium und studierte in München Maschinenbau.

Ab 1932 besuchte Dagmar Solomon die Grundschule in Fürth, anschließend die Pestalozzischule und später das damalige Mädchenlyzeum in der Tannenstraße (heute: Helene-Lange-Gymnasium). Solomon wurde 1943 als 17-Jährige, mittels des NS-Programms der Kinderlandverschickung, ins Lager nach Polsingen, im Landkreis Weißenburg-Gunzenhausen, verschickt. Dort war sie Führerin von 10 - 12-jährigen Kindern aus Dresden. 1944/45, kurz vor Kriegsende, absolvierte sie das sog. „Notexamen“ als Schulabschluss. Nachfolgend absolvierte sie noch einen halbjährigen Arbeitsdienst in Walldüren im Odenwald.

Nach dem Krieg studierte sie, von 1947 bis 1954, an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg Kunstgeschichte - insbesondere Malerei, Skulptur und Architektur bei Prof. Dr. Rudolph Koenstedt. Gleichzeitig studierte sie die Fächer deutsche und englische Literatur und Sprache.

Im Jahr 1954 promovierte sie an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen in Kunstgeschichte mit dem Thema „Der Innenraum und sein Mobiliar in der Malerei und deutschen Druckgrafik von 1430 - 1530“. Unmittelbar nach dem Studium arbeitete sie unbezahlt vom 9. September 1954 bis 12. Dezember 1954 als zweite Assistentin in der Keramikabteilung des Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg, bei Kunsthistoriker und Kurator Dr. Edmund Wilhelm Braun. Ihre Aufgabe war im wesentlichen die Erfassung und Katalogisierung der im Keller des Museums eingelagerten Kunstwerke. Zusätzlich arbeitete sie in der Kunstbaude der Lorenzkirche sowie in einem Antiquitätengeschäft. Nach dem Tod von Dr. Braun 1957, verließ sie das Museum und arbeitete sechs Jahre für die zivile amerikanische Besatzung an der American Elementary School in Fürth, als Lehrerin. Ihr Unterrichtsfach war hauptsächlich Deutsch - zusammen mit fünf weiteren Deutschlehrern.

1960 lernte sie ihren späteren Ehemann, den jüdischen US-Amerikaner Dr. med. Morrow D. Solomon kennen, der von 1960 bis 1962 seinen Wehrdienst in Erlangen absolvierte. Sein Urgroßvater hatte als Rabbiner gewirkt. Nach der Heirat 1962 in Fürth ging sie mit ihrem Mann in seinen Heimatort Gloversville, NY, bzw. später nach Brooklyn. Morrows Eltern führten bis in die 1990er Jahre eine der Handschuhfabriken der Stadt. Dr. med. Morrow Solomon hatte seine Ausbildung zum Arzt an der Bellevue Medical School in New York absolviert und arbeitete später als Internist am Kings County Hospital in New York. 1964 - nach zweijähriger Ehe - verstarb ihr Mann mit 31 Jahren überraschend an einem Hirntumor. Sie blieb zunächst noch bei den Schwiegereltern - denen sie zeitlebens verbunden blieb - und besuchte diese immer wieder in Gloversville bis zu deren Ableben Anfang der 2000er Jahre.

Durch die Empfehlung des in Fürth geborenen Kunsthistoriker Prof. Dr. Richard Krautheimer, der ab 1952 Architekturgeschichte am Institute of Fine Arts der New York University gelehrt hatte, wurde ihr die Position einer Professorin für Kunstgeschichte an der Universität Texas in Austin vermittelt, wo sie bis 1971 lehrte.[3] Von 1970 bis 1971 nahm sie unbezahlten Urlaub, um in Italien an der Università per Stranieri di Perugia zu studieren.

Bedingt durch das zunehmende Alter ihrer Eltern kehrte Dr. Solomon schließlich Ende 1971 nach Fürth, statt nach Texas, zurück. Ab 1972 begann sie an den Volkshochschulen in Fürth und Nürnberg Kurse für Kunstgeschichte und Englisch anzubieten. Diese Lehrtätigkeit übte sie bis ca. 2019 aus, neben ihrer ehrenamtlichen Arbeit als Stadtheimatpflegerin der Stadt Fürth.

Lebenslangen Kontakt pflegte sie sowohl mit dem Kunsthistoriker Dr. Heinrich Habel, als auch mit den Nachfahren Alfred Nathans.

Am 2. Juni 2023 verstarb Dr. Dagmar Solomon im Alter von 97 Jahren in Fürth. Sie wurde auf dem Städtischen Friedhof beigesetzt.

Verdienste

 
Säule am U-Bahnhof Hauptbahnhof
 
Taufgrotte bzw. Kapelle im Nathanstift

Auflistung der Erfolge während Dr. Dagmar Solomons Zeit als Stadtheimatpflegerin:

  • Der Erhalt der Villen (Heymann, Eller, Pillenstein etc.) entlang der sog. kleinen Freiheit, die zu Gunsten einer Hochhäuserzeile hätten abgerissen werden sollen. Hier engagierte sich insbesondere der damalige Vorsitzende des Kunstbeirates, Prof. Maier, für den Erhalt der Gebäude und dazugehörigen Gärten.
  • Die Verhinderung des Abrisses der Pfarrscheune zu St. Michael.
  • Durch ihren persönlichen Einsatz wurde die Gestaltung des Vorplatzes zur U-Bahn, im Untergeschoss am Hauptbahnhof, mit der markanten Säule und der aufgesetzten Bronze durch den Fürther Bildhauer Gerhard Maisch umgesetzt, anstatt einer Terrakottasäule mit einer Verkleidung aus kleinen Steinchen.
  • Die sog. Taufgrotte im Nathanstift in der Tannenstraße wurde zur Kapelle/zum Andachtsraum umgewidmet, nachdem diese Räumlichkeit jahrzehntelang eher als Abstellraum genutzt worden war.
  • Die Errichtung des Dreiherrschaftbrunnens als „Drei-Männlein-Brunnen“ (ebenfalls von Gerhard Maisch) in der Fußgängerzone, der ursprünglich als Brunnen im sog. italienischen Stil hätte gestaltet werden sollen.
  • Auf ihren Vorschlag wurden die Bus-Wartehäuschen der infra/VAG im Stadtgebiet aus Plexiglas errichtet - statt wie ursprünglich geplant aus Holz.

Literatur

  • Hartmut Schötz: Ansbacher Album - Einunddreißigster Band: Dr. Dagmar Solomon - Heimatpflegerin i.R. der Stadt Fürth zum 90. Geburtstag 2016. Verlag Eppe GmbH, Bergatreute / Aulendorf, 2018, S. 102 ff.

Weitere Medien

  • Connect: Zeitzeuginneninterview mit Dr. Dagmar Solomon, Aufgenommen am 5. Juli 2022, online verfügbar

Lokalberichterstattung

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Claudia Bidner-Wunder: Erster Schrei in der Tannenstraße. In: Fürther Nachrichten vom 23. Februar 2007 - online
  2. Sabine Rempe: 200 Jahre: Geliebte Grundschulzeit am Kirchenplatz. In: Fürther Nachrichten vom 27. Mai 2017 - online
  3. Peter Romir: Aufgabe von Dauer - Förderverein Jüdisches Museum feierte Jubiläum. In: Fürther Nachrichten vom 15. April 2013 - online

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