Georg Kütt: Unterschied zwischen den Versionen
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'''Johann Georg Kütt''' (geb. [[4. April]] [[1871]] in [[Fürth]] | '''Johann Georg Kütt''' (geb. [[4. April]] [[1871]] in [[Fürth]]; gest. [[24. Oktober]] [[1947]] in [[Fürth]]) war ein Fürther Bankkaufmann und [[Fabrikbesitzer]]. | ||
==Leben== | ==Leben== | ||
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In der Zeit vom 1. Oktober 1892 bis 30. September 1893 leistete er als Einjährig-Freiwilliger im k. b. [[wikipedia:Königlich Bayerisches 19. Infanterie-Regiment „König Viktor Emanuel III. von Italien“|19. Infanterie-Regiment]] in Erlangen seinen Militärdienst; im Mai 1894 wurde er während der Reserve zum Vizefeldwebel befördert.<ref name="Krstr">Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abt. IV Kriegsarchiv, Kriegsstammrollen 1914–1918; Band 10254; 10259, 1; 10263, 1; 10266, 1</ref> | In der Zeit vom 1. Oktober 1892 bis 30. September 1893 leistete er als Einjährig-Freiwilliger im k. b. [[wikipedia:Königlich Bayerisches 19. Infanterie-Regiment „König Viktor Emanuel III. von Italien“|19. Infanterie-Regiment]] in Erlangen seinen Militärdienst; im Mai 1894 wurde er während der Reserve zum Vizefeldwebel befördert.<ref name="Krstr">Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abt. IV Kriegsarchiv, Kriegsstammrollen 1914–1918; Band 10254; 10259, 1; 10263, 1; 10266, 1</ref> | ||
Als Bankkaufmann musste er im Alter von 22 Jahren auf Geheiß seiner resoluten Mutter die elterliche [?] Spiegelschleiferei in der [[Lange Straße|Langen Straße]], einer Parallelstraße zur [[Dr.-Mack-Straße]], übernehmen. Heute ist das ehemalige Fabrikgebäude besser bekannt unter dem Namen [[Kofferfabrik]]. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Motivationsprobleme übernahm er den elterlichen Betrieb, formte und führte ihn mit einem von Liberalismus und Toleranz geprägten Führungsstil durch wirtschaftlich schwierige Zeiten. | Als junger Bankkaufmann musste er im Alter von 22 Jahren auf Geheiß seiner resoluten Mutter die elterliche [?] Spiegelschleiferei in der [[Lange Straße|Langen Straße]], einer Parallelstraße zur [[Dr.-Mack-Straße]], übernehmen. Heute ist das ehemalige Fabrikgebäude besser bekannt unter dem Namen [[Kofferfabrik]]. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Motivationsprobleme übernahm er den elterlichen Betrieb, formte und führte ihn mit einem von Liberalismus und Toleranz geprägten Führungsstil durch wirtschaftlich schwierige Zeiten. | ||
Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs musste Georg Kütt am 21. August 1914 zum k. b. Landsturm-Infanterie-Bataillon Ansbach (III B.2) zum Kriegsdienst einrücken und war fünf Tage später bis zum 18. September 1916 im Besatzungsgebiet in Belgien eingesetzt. Dort ernannte man ihn am 1. November 1914 zum Feldwebelleutnant und Offiziersstellvertreter. Ende September 1916 wurde Kütt zu einem kurzen Ausbildungskurs im preußischen [[wikipedia:Sturm-Bataillon Nr. 5 (Rohr)|Sturmbataillon]] in Beuveilles kommandiert. Danach kam er mit seiner Einheit bis zum 19. Mai 1917 in Stellungskämpfen in Lothringen zum Einsatz. Während dieser Zeit, Ende Oktober 1916, wurde er zum Leutnant befördert und im Anschluss zu einem zweiwöchigen Lehrgang für Frontoffiziere in Straßburg befohlen. Ab 20. Mai 1917 nahm er im Oberelsass an Stellungskämpfen teil, wo man ihn im August 1918 zu Oberleutnant ernannte. Dort blieb er bis zum Waffenstillstand vom 11. November 1918, ab 13. November erfolgte der Rückmarsch in die Heimat nach Leutershausen. Aus dem Kriegsdienst wurde Kütt am 16. Januar 1919 entlassen.<ref name="Krstr"/> | |||
Georg Kütt war ein begeisteter Fan des Fußballsports, insbesondere der [[Spielvereinigung Fürth|Spielvereinigung]] im Ronhof. Es wird berichtet, dass Kütt einer der ersten regelmäßigen VIP-Gäste im damaligen Sportpark Ronhof gewesen ist und den Verein immer wieder mit großzügigen Spenden bedacht hat. | Georg Kütt war ein begeisteter Fan des Fußballsports, insbesondere der [[Spielvereinigung Fürth|Spielvereinigung]] im Ronhof. Es wird berichtet, dass Kütt einer der ersten regelmäßigen VIP-Gäste im damaligen Sportpark Ronhof gewesen ist und den Verein immer wieder mit großzügigen Spenden bedacht hat. | ||
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* Babetta Kütt (geb. 1. Mai 1897), sie wurde Lehrerin, heiratete 1925 den zum Christentum konvertierten Großbuchhändler Alfred Dessauer (1889–1954)<ref>Familienbogen Kütt, Babette; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5</ref>, dem Inhaber der später arisierten Nürnberger Fa. Dessauer & Engelhardt, dem nach den Novemberpogromen 1938 die Flucht in die Schweiz gelang<ref>siehe Biografie der Tochter und schweizer Buchhändlerin Verena Felizitas Gyr (1929–2024); Börsenblatt vom 12. August 2024 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - [https://www.boersenblatt.net/news/zwischenbuchhandel-news/verena-gyr-ist-tot-340731 online]</ref> | * Babetta Kütt (geb. 1. Mai 1897), sie wurde Lehrerin, heiratete 1925 den zum Christentum konvertierten Großbuchhändler Alfred Dessauer (1889–1954)<ref>Familienbogen Kütt, Babette; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5</ref>, dem Inhaber der später arisierten Nürnberger Fa. Dessauer & Engelhardt, dem nach den Novemberpogromen 1938 die Flucht in die Schweiz gelang<ref>siehe Biografie der Tochter und schweizer Buchhändlerin Verena Felizitas Gyr (1929–2024); Börsenblatt vom 12. August 2024 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - [https://www.boersenblatt.net/news/zwischenbuchhandel-news/verena-gyr-ist-tot-340731 online]</ref> | ||
* Margarete Kütt (geb. 21. Februar 1901), sie wurde Chemikerin, verheiratete sich 1921 mit dem Nürnberger Fabrikbesitzer und späteren Textilkaufmann Otto Strunz (1894–1979)<ref>Familienbogen Kütt, Margarete; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5</ref>, der als passionierter Amateurfotograf seine stadtgeschichtlich bedeutsame Diasammlung dem Stadtarchiv Nürnberg übergab; Margarete Strunz verstarb am 17. November 1983 in Nürnberg | * Margarete Kütt (geb. 21. Februar 1901), sie wurde Chemikerin, verheiratete sich 1921 mit dem Nürnberger Fabrikbesitzer und späteren Textilkaufmann Otto Strunz (1894–1979)<ref>Familienbogen Kütt, Margarete; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5</ref>, der als passionierter Amateurfotograf seine stadtgeschichtlich bedeutsame Diasammlung dem Stadtarchiv Nürnberg übergab; Margarete Strunz verstarb am 17. November 1983 in Nürnberg | ||
Seine Ehefrau Helene Kütt starb am 2. Dezember 1944. | |||
== Adressen<ref name="FB-GK"/> == | == Adressen<ref name="FB-GK"/> == | ||
Aktuelle Version vom 28. Januar 2026, 22:55 Uhr
- Person
- Georg Kütt
- Vorname
- Georg
- Nachname
- Kütt
- Geschlecht
- männlich
- Abw. Name
- Johann Georg K.
- Geburtsdatum
- 4. April 1871
- Geburtsort
- Fürth
- Todesdatum
- 24. Oktober 1947
- Todesort
- Fürth
- Beruf
- Bankkaufmann, Fabrikbesitzer
- Religion
- evangelisch-lutherisch
| Auszeichnung | VerleihungAm | AuszeichnungBemerkung |
|---|---|---|
| Bayerisches Militärverdienstkreuz | 22 Oktober 1917 | IV. Klasse mit Schwertern |
| Eisernes Kreuz II. Klasse | 18 März 1917 | |
| Landwehr-Dienstauszeichnung II. Klasse |
- Hirschenstraße 6 (Geburtshaus)
- Lange Straße 79 (Letzter Wohnort in Fürth)
| Person | Verwandtschaftsgrad |
|---|---|
| Babetta Kütt | Tochter |
| Helena Stroebel | Ehefrau |
| Margarete Kütt | Tochter |
Johann Georg Kütt (geb. 4. April 1871 in Fürth; gest. 24. Oktober 1947 in Fürth) war ein Fürther Bankkaufmann und Fabrikbesitzer.
Leben
Er kam als zehntes und jüngstes Kind bzw. siebter Sohn des Schreinermeisters Johann Andreas Kütt und seiner Ehefrau Anna Katharina, geborene Kaeser (1826–1899) in der Hirschengasse 33 (heute Hirschenstraße 6) zur Welt. Seit Pate war Georg Kütt, ein gleichnamiger Sohn des bereits verstorbenen Gastwirts und Hotelbesitzers Paulus Kütt.[1]
Georg Kütt besuchte die Fürther Königliche Realschule mit Handelsabteilung.[2] Im Anschluss absolvierte er eine Lehre im Bankgeschäft „Berolzheimer & Co“. In der Zeit vom 1. Oktober 1892 bis 30. September 1893 leistete er als Einjährig-Freiwilliger im k. b. 19. Infanterie-Regiment in Erlangen seinen Militärdienst; im Mai 1894 wurde er während der Reserve zum Vizefeldwebel befördert.[3]
Als junger Bankkaufmann musste er im Alter von 22 Jahren auf Geheiß seiner resoluten Mutter die elterliche [?] Spiegelschleiferei in der Langen Straße, einer Parallelstraße zur Dr.-Mack-Straße, übernehmen. Heute ist das ehemalige Fabrikgebäude besser bekannt unter dem Namen Kofferfabrik. Trotz anfänglicher Schwierigkeiten und Motivationsprobleme übernahm er den elterlichen Betrieb, formte und führte ihn mit einem von Liberalismus und Toleranz geprägten Führungsstil durch wirtschaftlich schwierige Zeiten.
Kurz nach Beginn des Ersten Weltkriegs musste Georg Kütt am 21. August 1914 zum k. b. Landsturm-Infanterie-Bataillon Ansbach (III B.2) zum Kriegsdienst einrücken und war fünf Tage später bis zum 18. September 1916 im Besatzungsgebiet in Belgien eingesetzt. Dort ernannte man ihn am 1. November 1914 zum Feldwebelleutnant und Offiziersstellvertreter. Ende September 1916 wurde Kütt zu einem kurzen Ausbildungskurs im preußischen Sturmbataillon in Beuveilles kommandiert. Danach kam er mit seiner Einheit bis zum 19. Mai 1917 in Stellungskämpfen in Lothringen zum Einsatz. Während dieser Zeit, Ende Oktober 1916, wurde er zum Leutnant befördert und im Anschluss zu einem zweiwöchigen Lehrgang für Frontoffiziere in Straßburg befohlen. Ab 20. Mai 1917 nahm er im Oberelsass an Stellungskämpfen teil, wo man ihn im August 1918 zu Oberleutnant ernannte. Dort blieb er bis zum Waffenstillstand vom 11. November 1918, ab 13. November erfolgte der Rückmarsch in die Heimat nach Leutershausen. Aus dem Kriegsdienst wurde Kütt am 16. Januar 1919 entlassen.[3]
Georg Kütt war ein begeisteter Fan des Fußballsports, insbesondere der Spielvereinigung im Ronhof. Es wird berichtet, dass Kütt einer der ersten regelmäßigen VIP-Gäste im damaligen Sportpark Ronhof gewesen ist und den Verein immer wieder mit großzügigen Spenden bedacht hat.
Das Grundstück, auf dem das Restaurant „Zum Kütt“ in der heutigen Dr.-Mack-Straße stand, war der Garten, der ihm, seiner Frau und den Kindern bzw. Kindeskindern zur Erholung diente.
Familie
Georg Kütt heiratete am 4. April 1896 in Nürnberg Anna ‚Helena‘ Stroebel (geb. 29. April 1873 in Nürnberg), Tochter des Nürnberger Hotelbesitzers Johann Georg Stroebel und dessen bereits verstorbener erster Ehefrau Regina Luise, geborene Ziegler (1844–1877).[4][5] Das Ehepaar hatte zwei zu Fürth geborene Töchter:
- Babetta Kütt (geb. 1. Mai 1897), sie wurde Lehrerin, heiratete 1925 den zum Christentum konvertierten Großbuchhändler Alfred Dessauer (1889–1954)[6], dem Inhaber der später arisierten Nürnberger Fa. Dessauer & Engelhardt, dem nach den Novemberpogromen 1938 die Flucht in die Schweiz gelang[7]
- Margarete Kütt (geb. 21. Februar 1901), sie wurde Chemikerin, verheiratete sich 1921 mit dem Nürnberger Fabrikbesitzer und späteren Textilkaufmann Otto Strunz (1894–1979)[8], der als passionierter Amateurfotograf seine stadtgeschichtlich bedeutsame Diasammlung dem Stadtarchiv Nürnberg übergab; Margarete Strunz verstarb am 17. November 1983 in Nürnberg
Seine Ehefrau Helene Kütt starb am 2. Dezember 1944.
Adressen[5]
- 1894: Maxstraße 7[9]
- 1895: Lange Straße 77
- 1896: Pickertstraße 4 (seit 1. Mai 1896)
- 1896: Jakobinenstraße 8 (seit 10. August 1896)
- 1900: Spiegelstraße 3 (seit 3. September 1900)
- 1906: Lange Straße 79 (seit 1. Juli 1906)
Siehe auch
- Kütt
- Lange Straße 79, 81
- Kofferfabrik
- ehem. Hotel Kütt
- Zum Kütt (Restaurant)
Einzelnachweise
- ↑ Kirchenbücher St. Michael, Taufen 1869–1872, S. 272
- ↑ Jahresbericht über die Kgl. Bayer. Realschule (mit Handelsabteilung) zu Fürth für das Schuljahr 1884/85. S. 31 - Digitalisat der Bayerischen Staatsbibliothek
- ↑ 3,0 3,1 Bayerisches Hauptstaatsarchiv München, Abt. IV Kriegsarchiv, Kriegsstammrollen 1914–1918; Band 10254; 10259, 1; 10263, 1; 10266, 1
- ↑ Kirchenbücher St. Lorenz Nürnberg, Trauungen 1896–1912, S. 5
- ↑ 5,0 5,1 Familienbogen Kütt, Johann Georg; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5
- ↑ Familienbogen Kütt, Babette; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5
- ↑ siehe Biografie der Tochter und schweizer Buchhändlerin Verena Felizitas Gyr (1929–2024); Börsenblatt vom 12. August 2024 des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels - online
- ↑ Familienbogen Kütt, Margarete; StadtAFÜ Sign.-Nr. A. 4. 5
- ↑ Adressbuch von 1895
Bilder
Historischer Geschäftsbrief der Spiegelfabrik Winkler & Kütt von 1900 Urheber: Spiegelfabrik Winkler & Kütt
Lizenz: CC BY-SA 3.0
