Herbert Hautmann
- Person
- Herbert Hautmann
- Vorname
- Herbert
- Nachname
- Hautmann
- Geschlecht
- männlich
- Geburtsdatum
- 3. Mai 1934
- Geburtsort
- Eger, Tschechoslowakei
- Todesdatum
- 11. Februar 2026
- Todesort
- Forchheim
- Beruf
- Pfarrer, Priester
- Religion
- römisch-katholisch
| Funktion | Von | Bis |
|---|---|---|
| Dekan | 1984 |
Herbert Hautmann (geb. 3. Mai 1934 in Eger, Tschechoslowakei; gest. 11. Februar 2026 in Forchheim) war katholischer Priester des Erzbistums Bamberg, langjähriger Pfarrer und Dekan in Mittelfranken und Oberfranken sowie zuletzt Subsidiar in der Fränkischen Schweiz. 2004 wurde er zum päpstlichen Ehrenkaplan (Monsignore) ernannt. Über sechs Jahrzehnte wirkte er im priesterlichen Dienst.
Besonders in Fürth und später in Gößweinstein hinterließ er bleibende Spuren. Eine besondere biografische Verbindung bestand zu dem Barockbaumeister Balthasar Neumann, dem Erbauer der Basilika Gößweinstein: Beide wurden im selben Taufstein in Eger getauft. Er starb im Alter von 91 Jahren. Bis zuletzt hielt er täglich Gottesdienste, insbesondere in der Kapelle des Hauses St. Elisabeth in Gößweinstein, wo er seinen Ruhestand verbrachte.
Kindheit und Vertreibung
Hautmann wurde im Mai 1934 in Eger geboren. Seine frühe Kindheit verbrachte er dort als Ministrant und Gymnasiast. Wie viele Jungen seiner Generation war er Mitglied der Hitlerjugend. Eine prägende Erinnerung aus dieser Zeit war eine heimliche Unterrichtsstunde von Patres, die nach dem Gottesdienst anhand eines Globus über den Kriegsverlauf sprachen. Als der Jugendliche davon zu Hause erzählte, reagierte seine Mutter erschrocken und warnte ihn eindringlich vor möglichen Konsequenzen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg zeichnete sich die Vertreibung der deutschen Bevölkerung aus Eger ab. Ab Dezember 1945 verdichteten sich die Gerüchte. Der Vater, Schuhmachermeister von Beruf, begann vorsorglich, Habseligkeiten und Leder heimlich über die Grenze nach Schirnding zu Verwandten zu bringen. Herbert und seine Schwester Leni trugen mehrfach schwer beladene Rucksäcke über mehr als elf Kilometer durch den Wald. Dabei wurden sie zweimal von tschechischen Grenzsoldaten aufgegriffen. Beim zweiten Mal wurde der Jugendliche schwer misshandelt und trug langanhaltende Verletzungen davon.
Im Frühjahr 1946 wurde die Familie mit vier Kindern vertrieben. Sie kam nach Sulzbach bei Regensburg und lebte dort zunächst in primitiven Baracken. Die Großmutter, die ihre Heimat nicht verlassen wollte, starb bald nach der Ankunft. Das erste Weihnachtsfest in der neuen Umgebung blieb ihm besonders in Erinnerung: ein kleiner Baum mit Zeitungsschnipseln als Schmuck, Stockfisch zum Mittagessen, keine Geschenke – aber gemeinsames Singen und Musizieren. Diese Erfahrung von Zusammenhalt und Glauben prägte ihn nachhaltig.
Auch die Integration war zunächst schwierig. In Kirche und Schule erfuhren die Kinder Ausgrenzung und Anfeindungen. Mit der Zeit verbesserten sich die Beziehungen, nicht zuletzt durch schulische Leistungen und die Unterstützung einzelner wohlwollender Lehrer und Mitbürger. Hautmann besuchte die Oberrealschule und bezeichnete den Glauben rückblickend als tragendes Fundament seines Lebens.
Ausbildung und Priesterweihe
Hautmann studierte Theologie in Königstein, München und Bamberg. Am 13. März 1960 wurde er von Erzbischof Josef Schneider im Bamberger Dom zum Priester geweiht. Ursprünglich hatte sein Vater für ihn eine juristische Laufbahn vorgesehen; Hautmann entschied sich jedoch für das Priestertum.
Kaplan, Pfarrer und Dekan
Nach der Priesterweihe wollte Hautmann zunächst eine Stelle in Hildesheim antreten. Im Erzbistum Bamberg wurde er jedoch augenzwinkernd als „Lederhosen-Katholik“ bezeichnet und in Bayern eingesetzt – nicht zuletzt wegen seiner Vorliebe für die Lederhose in jungen Jahren. Seine erste Kaplanstelle trat er an der Pfarrei St. Michael in Nürnberg an – obwohl er sich zuvor „bloß nicht Nürnberg“ gewünscht hatte.
Weitere Stationen:
- 1964: Pfarrvikar
- 1966: Pfarrer in Bad Windsheim
- 1971: Dekan in Ansbach
- 1974: Dekan in Neustadt an der Aisch
- 1977: Pfarrer von St. Heinrich in Fürth, zusätzlich tätig in St. Nikolaus
- 1984: Dekan in Fürth
- 1993: Pfarrer in Bad Steben sowie Pfarradministrator in Schwarzenstein, Schwarzenbach am Wald und Stöckach
- 1998: Dekan in Hof
1986 wurde er zum erzbischöflichen Geistlichen Rat ernannt.
Bau des Pfarrzentrums St. Heinrich (1982)
Ein bedeutendes Vermächtnis seiner Fürther Amtszeit war der Bau des neuen Pfarrzentrums von St. Heinrich im Jahr 1982. Unter seiner Leitung entstand ein Gemeindezentrum, das bis heute das Gemeindeleben prägt.
Mitglieder der Gemeinde wirkten aktiv an Planung und Umsetzung mit. Die Finanzierung erfolgte durch Mittel der Erzdiözese, des Bonifatiuswerks, der Sparkasse, der Hypobank, öffentliche Zuschüsse sowie großzügige Spenden zahlreicher Gemeindemitglieder. Das Pfarrzentrum wurde als Haus der Begegnung konzipiert – als Ort für Kinder und Jugendliche, für Familien, für spirituelle Bildung und zwischenmenschlichen Austausch. Bis heute dient es neben der Kirche als lebendiger Treffpunkt für Gemeindemitglieder, Gäste und Neuzugezogene und gilt als nachhaltiges Vermächtnis seines Wirkens in Fürth.
Vertriebenenseelsorge und Wallfahrten
Seit 2006 war Hautmann Vertriebenenseelsorger der Erzdiözese Bamberg. Er lud jährlich zur Vertriebenenwallfahrt nach Gößweinstein ein und belebte die Egerer Wallfahrt nach Marienweiher neu. Seit 2011 pilgern wieder tschechische und deutsche Gläubige gemeinsam von Eger nach Marienweiher. Den sudetendeutschen Katholiken fühlte er sich besonders verbunden. Seine eigene Lebensgeschichte als Heimatvertriebener prägte dieses Engagement wesentlich.
Ruhestand in Gößweinstein
2004 trat er offiziell in den Ruhestand, blieb jedoch als Subsidiar seelsorgerlich tätig. Seit 2011 wirkte er im Seelsorgebereich Fränkische Schweiz Süd und im Dekanat Ebermannstadt. Seinen 90. Geburtstag feierte er mit einem Dankgottesdienst in der Basilika Gößweinstein. In seiner Ansprache betonte er seine Dankbarkeit für die Berufung zum Priester und bezeichnete den Glauben als „unverdientes Geschenk“. Im Haus St. Elisabeth in Gößweinstein hielt er bis ins hohe Alter regelmäßig Gottesdienste. Noch im hohen Alter äußerte er sich zu aktuellen politischen Entwicklungen und zog Parallelen zwischen historischen und gegenwärtigen Konflikten, stets verbunden mit der Hoffnung auf eine friedliche Lösung. Bis zuletzt zelebrierte er täglich die Heilige Messe. Er galt als volksnaher, humorvoller und tiefgläubiger Seelsorger. Über ihn wurde einmal geschrieben: „Wo dieser Pfarrer hinkommt, da geht die Sonne auf.“ Mit seinem Tod am 11. Februar 2026 verlor die Region einen Priester, dessen Leben von Vertreibungserfahrung, Glaubenstreue und seelsorglichem Engagement geprägt war.