1819

Aus FürthWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche
◄◄ 19. Jahrhundert ►►
1800 1801 1802 1803 1804 1805 1806 1807 1808 1809
1810 1811 1812 1813 1814 1815 1816 1817 1818 1819
1820 1821 1822 1823 1824 1825 1826 1827 1828 1829
1830 1831 1832 1833 1834 1835 1836 1837 1838 1839
1840 1841 1842 1843 1844 1845 1846 1847 1848 1849
1850 1851 1852 1853 1854 1855 1856 1857 1858 1859
1860 1861 1862 1863 1864 1865 1866 1867 1868 1869
1870 1871 1872 1873 1874 1875 1876 1877 1878 1879
1880 1881 1882 1883 1884 1885 1886 1887 1888 1889
1890 1891 1892 1893 1894 1895 1896 1897 1898 1899

Ereignisse in Fürth im Jahr 1819



Kurz-Chronik

  • In Folge der Missernte von 1816 und der dadurch bedingten Preissteigerung und Hungersnot geriet die Stadt in eine Schuldenlast von 54091 fl., zu deren Deckung ein Getreideaufschlag eingeführt wurde.[1]

Personen

Geboren 1819

PersonGeburtstagGeburtsortBeruf
Johann Michael BarbeckStrohhutfabrikant, Magistratsrat
Daniel WaldmannDrechslermeister

Gestorben 1819

PersonTodestagTodesortBeruf
Seligman Bendit11. NovemberFürthSpiegelfabrikant
Michael Gutmann23. SeptemberBildhauer
Meschullam Salman Kohn17. DezemberFürthRabbiner

Bauten


Zeitgenössische Ortsbeschreibung

Das Stadtgericht Fürth
Das Stadtgericht Fürth umfaßt in seinem Gerichtssprengel blos die Stadt Fürth und deren nächste Umgebungen, welche ½ Quadratmeile Flächenraum und darauf 14 ooo Seelen Einwohner zählen. Zur Stadtpfarre Fürth sind zwar die Dörfer Bremenstall, Dambach, Gebersdorf, Groß- und Kleinreuth, Kronach, Stadeln, Höfen, Leih und 8 Höfe eingepfarrt, sie gehören aber fast alle unter das Landgericht Nürnberg, und drei unter das Landgericht Erlang. Pfarrbefohlne und Einwohner zählt Fürth sonach 11,140 Seelen evangelischer Confession; 365 Seelen kathol. Confession, die nach Nürnberg gepfarret sind; und 25oo Seelen Juden, welche in eine bedeutende Synagoge und eine eigene hohe Schule, Buchdruckerei und wissenschäftliche Einrichtungen haben. Näher zu beschreiben folgt nun: Fürth, eine große, offene Stadt, an dem Zusammenflusse der Pegniz mit der Redniz, auf einer zwar sandigen, aber durch Kultur fruchtbar gemachten Ebene, sehr angenehm in der Nähe von Nürnberg, Erlang und Schwabach gelegen. Sie zählt 86o Haupt- und Nebenhäuser und 13ooo Seelen Einwohner. Durch neue Anlagen auf der Südostseite ist diese Stadt in neuern Zeiten ungemein verschönert worden und wird es an der schönen Strasse nach Nürnberg zu, noch immer. Man findet ansehnliche Gebäude, z B die Mauthalle, die Post, mehrere Häuser der Kaufleute in den neuen Anlagen, dann in der neuen und der Nürnberger Strasse, die beiden Gasthöfe zum Brandenburgschen Hause und Prinzen von Preussen, das Geleitshaus und a. m. Die im J. 155o gebaute, geräumige Michaeliskirche und nahe daran stehende Kapelle, ist auch noch, so wie das Armen- Schul- und Waisenhaus zu bemerken. Die meisten Einwohner Fürths bestehen aus Künstlern, mancherlei Fabriks- und Manufakturarbeitern und gewerbtreibenden Professionen. In Allem werden über 1ooo Meister gezählt, die in Innungen stehen, es sind aber noch viele Arbeiter, welche zu keiner Innung gehören. Zur ersten Klasse, und zwar von denen, welche blos Manufakturarbeiten liefern, gehören 2o Beutler und Riemer; 13o Drechsler, welche vielerlei Gegenstände aus Metall, Horn, Elfenbein, Knochen und Holz verfertigen; 2oo Gold- und Silberarbeiter und Uhrgehäusemacher; 4o Groß- und Kleinuhrmacher; 5o Gürtler, welche Metallnägeln, Knöpfe, Beschläge von mancherlei Art, Uhrschlüsseln und Ketten ect. Verfertigen; 8 Nagelschmiede, die verzinnte und andere Nägel anfertigen; 4o Bley- und Rothstiftmacher; 15o Tischler, Schreiner und Ebenisten, welche nicht allein mehr als 150 Arten eingelegter und glatter Kunsttischlerarbeiten aller Gattungen und Gegenstände, sondern auch Spiegelrahmen, Futterale, Kisten u. dgl. mehr in Menge anfertigen; 12o Schumacher; 8o Strumpf- und Mützenwirker; und 5o Webermeister. Ausser diesen zünftigen Meistern giebt es aber noch eine Menge Bildhauer, Goldschläger, Vergolder, Spiegelschleifer und Ausfertiger, Schnallenmacher, Plättleinschläger, Dosenmacher, Siegellackmacher, Papierfärber, Maler und Presser u.a.m. Es sind auch bedeutende Spiegelmanufakturen, Schleif- und Polirwerker, Laboratorien chemischer Präparate, Brantweinbrennereien und Rosolis-Fabriken dahier in lebhaftem Umtriebe. Alle diese genannten, von den angeregten Künstlern und Meistern verfertigten vielerlei Waaren und Gegenstände, werden theils durch die Manufakturisten, Fabrikanten, Kaufleute und Juden ect. in Fürth selbst, mehr aber noch durch die Nürnberger Kaufleute abgesetzt und nach allen Gegenden versandt. Es erwächst hieraus ein lebhafter Handel, den übrigens die hiesigen jüdischen Handelshäuser durch Wechselgeschäfte, Handel mit mehrerlei Staatspapieren und einem nicht unansehnlichen Juwelenhandel noch vermehren und erhöhen. Ein bedeutender und von Benachbarten häufig besuchter Jahrmarkt, wird alle Jahre, Ende des Septembers, dahier an der Kirchweihe mehrere Tage lang abgehalten. Des Tabaksbaus und dessen Handel und Ver arbeitung muß auch noch gedacht werden.
Fürth war ehemals als Flecken oder Hofmark bekannt und ein Eigenthum der Domprobstei zu Bamberg, die dahier einen Beamten hatte; Brandenburg besaß jedoch das Geleitsrecht, und machte daher die Landeshoheit über Fürth ansprüchig. Es entstunden daraus langwierige Prozesse und Streitigkeiten, die jedoch endlich im J. 18o3 durch einen Vergleich völlig beigelegt wurden, in welchem Baiern, unter mehreren Aemtern und Ortschaften, auch Fürth , das es mittelst des Hochstifts Bamberg erhalten hatte, an den König von Preussen abtrat und vertauschte. Im J. 1806 gedieh Fürth mit dem Fürstenthum Ansbach abermalen an Baiern. Nürnberg hatte dahier mehrere Unterthanen und den Kirchensatz, welche mit gedachter Stadt ebenfalls an Baiern kamen. - Ein Stadtgericht und Polizeykommissariat, ein Rentamt für Fürth und das Landgericht Nürnberg, ein Maut-Halloberamt, und eine Postverwaltung, haben dahier ihre Sitze. Neuerlich ist auch ein Schauspielhaus erbauet worden.[2]


Veröffentlichungen

Das zweite Fürther Adressbuch erscheint unter dem Titel: Johann Gottfried Eger: "Taschen- und Adress-Handbuch von Fürth im Königreiche Baiern", Nürnberg, Riegel und Wießner, 1819

Bilder

Einzelnachweise

  1. Georg Wüstendörfer: Wanderungen durch Fürth, 1898, S.160
  2. Georg Friedrich Jacobi: Neue systematische und allgemeine Erdbeschreibung des Bayern'schen Königsstaats, 5. Band, Augsburg 1819, S. 239 ff - online-Digitalisat