Flexdorf
Flexdorf ist ein Ortsteil im Fürther Norden. Der Name könnte sich herleiten aus einer Siedlung mit kleinem Feldstück (Fleck) oder von Dorf des Fleck.[1] Es liegt auf einer kleinen Anhöhe nördlich am linken Ufer der Zenn, sowie westlich vom Main-Donau-Kanal. In unmittelbarer Nähe zum Ort liegen die Ortsteile Atzenhof, Vach und Ritzmannshof sowie der Solarberg. 1972 wurde Flexdorf im Rahmen der Gebietsreform ein Teil der Stadt Fürth.
Entstehung und Geschichte
Flexdorf ist als sog. Haufendorf entstanden. Diese sind meist dadurch gekennzeichnet, das sie eine geschlossene Bebauung mit unregelmäßigen Grundstücksgrundrissen und häufig unterschiedlich großen Höfen aufweisen, zumeist umgeben von einem Zaun. Haufendörfer unterscheiden sich von den meisten anderen Dorfformen auch dadurch, dass sie unplanmäßig angelegt wurden.[2] Das sog. kleine Haufendorf Flexdorf entstand am Nordufer der Zenn. Zusammen mit Ritzmannshof gehörte Flexdorf immer zu Vach und war damit nie Teil des Königshofs oder der Hofmark Fürth. Auch war es nie zu St. Michael eingepfarrt.[3] Urkundlich erstmals erwähnt wurde es 1276 als "Flechsdorf", die Entstehung geht vermutlich in das 8. Jahrhundert zurück. Die Jahreszahl 1276 ist, zumindest laut der Chronistin Barbara Ohm, geschichtlich nicht ganz gesichert. Sie spricht bei der Urkunde, in der "Flechsdorf" erstmals um 1276 urkundlich erwähnt wurde, von "wahrscheinlich [einer] Fälschung", gesichert sei jedoch die urkundliche Erwähnung im Jahr 1326.[4] Dagegen schrieb aber schon Fronmüller, dass Herdegen von Gründlach „Flechsdorf” 1278 an Burggraf Friedrich verkauft hatte.[5] 1326 verkauften die Hohenlohe-Brauneck mit der Herrschaft Gründlach auch die Flexdorfer Mühle an die Nürnberger Burggrafen. Ab 1342 gelangte das Dorf in den Besitz von Nürnberger Bürgern und Stiftungen, darunter das Heilig-Geist-Spital und das Landalmosenamt. Ein Zeichen für die religöse Unruhen anfangs des 16. Jahrhunderts ist das Auftreten der Wiedertäufer ab 1526 (u.a. in Eltersdorf, Großgründlach und Alterlangen), die jedoch schon bald gewaltsam unterdrückt wurden; der Eltersdorfer Pfarrer Wolfgang Vogel als einer der Anführer wurde am 26. März 1526 in Nürnberg hingerichtet. Zu seinen Anhängern gehörte auch der Müller von Flexdorf, der nach seiner Flucht zwar 1528 freies Geleit erhielt, um als Zeuge auszusagen, dann aber die Heimat verlassen und seine Güter verkaufen musste.[6]
Ein überregional bekannter Baumeister hatte in Flexdorf 1750 seine Spuren hinterlassen. Als markgräflicher Landbauinspektor, der viele Kirchen im damaligen Fürstentum Ansbach baute, errichtete David Steingruber in Flexdorf eine Steinbrücke über die Zenn. Die heutige Zennbrücke ist allerdings aus der Nachkriegszeit, da die Vorgängerbrücke in den letzten Kriegstagen des 2. Weltkrieges von den deutschen Einheiten gesprengt wurde. Im Zweiten Koalitionskrieg kam es 1796 zur Einquartierung französischer Truppen in Vach. Gleichzeitig wurde eine Viehseuche eingeschleppt, der in Flexdorf und Ritzmannshof 150 Stück Vieh zum Opfer fielen.
Der Schweinfurter Pfarrer und Lehrer Johann Kaspar Bundschuh verfasste zur Zeit der Wende von 18. zum 19. Jahrhundert einige Bücher über die Region Franken. Zu dem Ort Flexdorf schrieb er in dem Band 2 des 1800 erschienenen Werks Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken: "Flechsdorf, nicht weit von Fach, der Rednitz aufwärts, kleines Dorf, hat 4 Unterthanen, welche alle Nürnbergisch sind. Von diesem Orte hatten vermuthlich die Flechsdörfer, ehemaliges Nürnbergerisches Rathsfähiges Geschlecht, den Namen."[7] Die Namensableitung kann sowohl auf den Nürnberger Geschlechtsnamen zurückgeführt werden, aber auch auf das althochdeutsche Wort „flëch“, was einem Landstrich, Platz oder Stelle entspricht.
Um 1824 gab es in Flexdorf sieben Haushalte mit 41 Einwohnern. Das Hochgericht übte das brandenburg-ansbachische Stadtvogteiamt Langenzenn aus. Grundherren der Ortschaft waren die Reichsstadt Nürnberg: Landesalmosenamt (1 Hof, 1 Mühle), Heilig-Geist-Spital (2 Höfe) und Nürnberger Patrizier und Eigenherren: von Haller (1 Gut), von Kreß (1 Gut), von Oelhafen (1 Gut).
Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten die Grundherren im Wechsel inne. 126 Jahre später hatte der Ort bereits zehn Häuser und 73 Einwohner.[8]
Zusammen mit Vach wurde Flexdorf 1972 nach Fürth eingemeindet.
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1818 | 1824 | 1840 | 1861 | 1871 | 1885 | 1900 | 1925 | 1950 | 1961 | 1970 | 1987 | 2012 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 69 | 41 | 58 | 57 | 53 | 56 | 48 | 48 | 73 | 62 | 74 | 97 | 73 |
| Häuser[9] | 6 | 7 | 7 | 6 | 8 | 7 | 10 | 12 | 29 |
Religion
Der Ort ist seit der Reformation überwiegend evangelisch-lutherisch, deren Einwohner stets nach St. Matthäus in Vach gingen. Die Einwohner römisch-katholischer Konfession gehen nach Mannhof in die Herz-Jesu-Kirche.
Baudenkmäler
Literatur
- Flexdorf. In: Heinrich Habel: Denkmäler in Bayern - Stadt Fürth. Lipp Verlag, 1994, S. 458-459.
- Barbara Ohm: Durch Fürth geführt - Band 2, Die Stadt jenseits der Flüsse. VKA Verlag Fürth, 1999, 2005, S. 126-129.
- Markus Pöllinger: 950 Jahre St. Matthäus in Vach, Geschichte * Kunst * Leben. 2009, S. 26.
Lokalberichterstattung
- Johannes Alles: Als die Kleeblattstadt sich Richtung Norden fraß. In: Fürther Nachrichten vom 10. Juli 2012 - online abrufbar
- fn: Alte Säule weist wieder den Weg. In: Fürther Nachrichten vom 10. Mai 2019 (Druckausgabe) bzw. Flexdorf: Alte Säule weist wieder den Weg. In: nordbayern.de vom 10. Mai 2019 - online abrufbar
Siehe auch
Weblinks
- Liste der Baudenkmäler in Fürth-Flexdorf - Wikipedia
- Christofer Hornstein: Rettet die Milchhäuser! Bei: Fuerther-Freiheit.info
Einzelnachweise
- ↑ Barbara Ohm: Durch Fürth geführt - Band 2, Die Stadt jenseits der Flüsse. VKA Verlag Fürth, 1999, 2005, S. 126.
- ↑ Wikipedia: Historisch gewachsene Dorfformen, online abgerufen am 23. April 2019 | 23:45 Uhr
- ↑ Barbara Ohm: Durch Fürth geführt - Band 2, Die Stadt jenseits der Flüsse. VKA Verlag Fürth, 1999, 2005, S. 126-127.
- ↑ Barbara Ohm: Durch Fürth geführt. Band 2, 1. Auflage 1999, Seite 126 ff.
- ↑ Georg Tobias Christoph Fronmüller: Geschichte Altenberg's und der alten Veste bei Fürth, S. 6
- ↑ Schornbaum, Karl: Quellen zur Geschichte der Wiedertäufer, Bd. II: Markgraftum Brandenburg (Leipzig 1934), S. 11, 20, 23; Bauer, Günther: Anfänge täuferischer Gemeindebildungen in Franken (Nürnberg 1966), S. 138f, 152, 157
- ↑ Johann Kaspar Bundschuh: Flechsdorf. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 2: El–H. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1800 - Online-Digitalisat
- ↑ Historischer Atlas von Bayern, Franken Reihe I Heft 4: Nürnberg-Fürth, Gemeinden - Online-Digitalisat Kom. für bay. Landesgeschichte, online abgerufen am 23. April 2019 | 23:45 Uhr
- ↑ Es werden nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 werden diese als Feuerstellen bezeichnet, 1840, 1852 als Häuser, 1871 bis 1987 als Wohngebäude.
Bilder
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Stattliche Eiche in Flexdorf im April 2024 Urheber: Dembowa
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom höchsten Punkt der Butschleite nach Südsüdost, in der Bildmitte der Rathausturm, links ... Blick vom höchsten Punkt der Butschleite nach Südsüdost, in der Bildmitte der Rathausturm, links daneben der Fernmeldeturm Nürnberg.
Urheber: Alexander Mayer
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom höchsten Punkt der Butschleite nach Nordwesten. Urheber: Alexander Mayer
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom höchsten Punkt der Butschleite nach Südosten. Urheber: Alexander Mayer
Lizenz: CC BY-SA 3.0Flexdorf, Milchhäusla Urheber: Alexander Mayer
Lizenz: CC BY-SA 3.0Radwegweiser Steigerwald-Radweg, Hohenzollern-Radweg und Burgenstraße Flexdorf bzw. Flexdorfer ... Radwegweiser Steigerwald-Radweg, Hohenzollern-Radweg und Burgenstraße Flexdorf bzw. Flexdorfer Straße.
Urheber: Alexander Mayer
Lizenz: CC BY-SA 3.0Flexdorf - vom Kanal aus gesehen, Oktober 2020 Urheber: Web Trefoil
Lizenz: CC BY-SA 3.0Bauernhaus Flexdorfer Straße 30, Oktober 2020 Urheber: Web Trefoil
Lizenz: CC BY-SA 3.0Die Sandsteinsäule als Wegweiser in Flexdorf nach Ritzmannshof, Untermichlbach oder Fürth, April ... Die Sandsteinsäule als Wegweiser in Flexdorf nach Ritzmannshof, Untermichlbach oder Fürth, April 2020
Urheber: Kamran Salimi
Lizenz: CC BY-SA 3.0Die Sandsteinsäule als Wegweiser in Flexdorf nach Ritzmannshof, Untermichlbach oder Fürth, April ... Die Sandsteinsäule als Wegweiser in Flexdorf nach Ritzmannshof, Untermichlbach oder Fürth, April 2020
Urheber: Kamran Salimi
Lizenz: CC BY-SA 3.0Die Sandsteinsäule als Wegweiser in Flexdorf nach Ritzmannshof, Untermichlbach oder Fürth, April ... Die Sandsteinsäule als Wegweiser in Flexdorf nach Ritzmannshof, Untermichlbach oder Fürth, April 2020
Urheber: Kamran Salimi
Lizenz: CC BY-SA 3.0Sandsteinsäule in Flexdorf, alter Wegweiser zu den Nachbarorten Urheber: Web Trefoil
Lizenz: CC BY-SA 3.0Stauanlage mit zwei seitlichen Überfall-Entlastungen - an rechter Seite im Vordergrund eine ... Stauanlage mit zwei seitlichen Überfall-Entlastungen - an rechter Seite im Vordergrund eine Schussrinne
und links unterhalb der Wehrwange die Einmündung des linken Entlastungsgerinnes
Urheber: Aquilex
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom Solarberg auf den Main-Donau-Kanal, die Kanalbrücke Zenn, Flexdorf und Vach (2015) Urheber: Norbert Pietsch
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom Fürther Müllberg auf die Trogbrücke über die Zenn und auf Flexdorf, Juni 2001 Urheber: Klaus-Peter Schaack
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom Fürther Müllberg auf die Trogbrücke des RMD-Kanals über die Zenn und auf Flexdorf, Juni ... Blick vom Fürther Müllberg auf die Trogbrücke des RMD-Kanals über die Zenn und auf Flexdorf, Juni 2001
Urheber: Klaus-Peter Schaack
Lizenz: CC BY-SA 3.0Blick vom Fürther Müllberg auf die Pappelallee am Fischerberg und auf Stadeln, Juni 2001 Urheber: Klaus-Peter Schaack
Lizenz: CC BY-SA 3.0Die Feldwegbrücke über die Zenn bei Flexdorf (1986) Urheber: Bernd Jesussek
Lizenz: CC BY-SA 4.0Ausschnitt aus dem Topographischen Atlas des Königreiches Bayern (Halbblätter), Blatt 34 ... Ausschnitt aus dem Topographischen Atlas des Königreiches Bayern (Halbblätter), Blatt 34 (Nünberg-West), Maßstab 1:50 000, herausg. 1872, berichtigt bis 1948
Urheber: Bayerisches Topographisches Bureau 1872
Lizenz: CC BY-ND 4.0Urpositionsblatt des Gebietes um Fürth/Burgfarrnbach, 1860-1863, Maßstab 1:25000. (Achtung! Einzelne ... Urpositionsblatt des Gebietes um Fürth/Burgfarrnbach, 1860-1863, Maßstab 1:25000. (Achtung! Einzelne Nachträge, z. B. Eisenbahnen, wurden später eingefügt!)
Urheber: Major Hartmann (1860), Oblt. Ziegler (1862), Corporal Rödel (1862), Hptm. Popp (1863)
Lizenz: CC BY-SA 4.0Ausschnitt aus dem Topographischen Atlas vom Königreiche Baiern diesseits des Rhein (Blatt 34: ... Ausschnitt aus dem Topographischen Atlas vom Königreiche Baiern diesseits des Rhein (Blatt 34: Nürnberg, 1:50 000), wohl 1832 (oder "vor 1832?")
Urheber: Lieutenant Winkler/Topographisches Bureau München
Lizenz: CC BY-SA 4.0Ausschnitt aus der Karte "Tabula Geographica Nova Exhibens Partem Infra Montanam Burggraviatus ... Ausschnitt aus der Karte "Tabula Geographica Nova Exhibens Partem Infra Montanam Burggraviatus Norimbergensis Sive Principatum Onolsbacensem Cum Terris Limitaneis Accurate Delineatam" von Johann Georg Vetter, 1719 (Maßstab: ca. 1:70 000)
Urheber: Johann Georg Vetter
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0Ausschnitt aus: "Prospect und Grundris der des Heil. Röm. Reichs-Stadt Nürnberg samt ihren Linien ... Ausschnitt aus: "Prospect und Grundris der des Heil. Röm. Reichs-Stadt Nürnberg samt ihren Linien und Gegend auf eine Meilwegs herumb", um 1712/1716 (Maßstab ca. 1:30 000)
Urheber: Homann, Johann Baptist
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0Ausschnitte aus der Karte "Nürnberger Reichswälder" von 1559; Nachdruck 1896 (Zwei Ausschnitte ... Ausschnitte aus der Karte "Nürnberger Reichswälder" von 1559; Nachdruck 1896 (Zwei Ausschnitte zusammengefügt. Leider geht die Trennlinie zweier Blätter direkt durch Fürth)
Urheber: Hans Weigel
Lizenz: CC BY-NC-SA 4.0