1885

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Ereignisse in Fürth im Jahr 1885



  • Gründung der Bäckerinnung.[1]
  • Es wird ein Fernsprechamt mit 118 Teilnehmern eröffnet.[2]

Personen

Geboren 1885

 GeburtstagGeburtsortBeruf
Fritz Bernet19. DezemberFürthSchauspieler
Heinrich Hoffmann12. SeptemberFürthFotograf
Wilhelm SimonPfarrer

Gestorben 1885

 TodestagTodesortBeruf
Wilhelm BerlinFabrikant
Spiegelfabrikant
Max Fleischmann20. OktoberFürthSpiegelglasfabrikant
Gemeindebevollmächtigter
Hieronymus Hauck21. NovemberMünchenLehrer
Professor
Jakob Henle13. MaiGöttingenAnatom
Pathologe
Arzt
Gustav von Bezold14. NovemberMünchenBeamter

Bauten


Fronmüllerchronik

Am 2. Januar wurden zu Vorständen der israelit. Kultusgemeinde gewählt: Moritz Feistmann, Kaufmann, Dr. Wolf Gunzenhäuser, Rechtsanwalt, und Wilhelm Berlin, Kaufmann. Ersatzleute wurden Max Karl Königsberger, Kaufmann, und Max Fleischmann, Fabrikant. [...]. Vom 6. Januar an wurde probeweise auf dem Zahlkastenwagen der Nürnberg-Fürther Straßenbahn die 10 Pfg.-Einheits-Taxe eingeführt; jedoch als nicht durchführbar wieder sistirt. - Neugewählt wurden als Armenpflegschaftsräthe die Herren Paul Sigmund Hengelein, Wirth, Georg Wolfgang Scheidig, Damenkleidermacher, Karl Wurzmann, Restaurateur. Am 10. Jan. starb Frau Marg. Bald, geb. Haußel, Privatierswittwe dahier im 78. Lebensjahre, mit Hinterlassung wohlthätiger Stiftungen. - Adolf Prager und Hans Humbser, Vorstände des Kasino. [...]. Bernahrd Binswanger, Mitinhaber einer Spiegelfabrik, ausgezeichneter Bariton. [...]. In der Magistratssitzung vom 22. Januar wurde mit allen gegen 2 Stimmen (Hesse und Waßmuth) beschlossen, die Wasserleitung nach dem Thiem'sche Projekte in Angriff zu nehmen, welchem Beschlusse am 27. Januar auch das Gemeindekollegium mit allen gegen 7 Stimmen beipflichtete. Haubrich hatte beantragt, noch eine andere technische Autorität zu Rathe zu ziehen. - Am 30. Januar starb Joh. Michael Fuchs, Privatier, früher Mitglied des Magistratskollegiums. - Den 3. Februar wurde die Möbel- und Spiegelfabrik von Hans Ammersdörfer und Fritz Haas, Königsstraße Nr. 90 gegründet. - Am 5. Febr. erfolgte die Genehmigung zur Ausführung der Telephonanlage Nürnberg-Fürth nach den vorgelegten Plänen und Kostenvoranschlägen. - Am gleichen Tage erfolgte die Anmeldung der Herm. Rosenbaum'schen Schirmstockfabrik, Gebhardstr. 1. - Landgerichtsdirektor Dotterweich wurde in den Ruhestand versetzt; [...]. Am 12. Februar wurde die Spiegelglas- und Zinnfolienfabrik von Louis, Meier und Wolf Bechmann eröffnet (unt. Flößaustr. und Blumenstr. Nr. 16). [...]. Am 12. Febr. starb Franz Wibel, Kgl. Amtsgerichtssekretär zu Fürth, im Alter von 32 Jahren, nachdem ihm seine Gattin erst vor drei Wochen im Tode vorausgegangen war. - Oberzollinspektor Dr. Friedr. Heldrich, 50 Jahre alt, starb am 15. Febr. und wurde in Erlangen beerdigt. [...]. Die Erzeugung von Salvatorbier setzt einige unserer Brauer in besondere Bewegung, nicht minder der Ausschank desselben das Publikum; das Liter 40 Pfg. [...]. Auch in hiesiger Stadt hat sich ein Gartenbauverein aufs Neue gebildet. Unsere anerkannt tüchtigen Kunstgärtner haben im Bunde mit den Gartenbesitzern und Blumenfreunden denselben wieder ins Leben gerufen. - Aus Anlaß seines 76. Geburtstages hat das Ehrenmitglied unserer Stadt, Dr. Wilhelm Königswarter, die Summe von 3500 M. Zu technisch-industriellen oder philantropischen Zwecken gestiftet. [...]. Am 15. März fand ein Kirchenkonzert vom hiesigen Kirchenchor zum Besten des Baufonds einer dritten evangelischen Kirche in der Michaelskirche statt. [...]. Die feindliche Stimmung Stimmung gegen das Projekt, welches die Ludwigseisenbahngesellschaft bezüglich des Baues der Einsteighalle aufgestellt hatte, führte am 17. in der Sitzung des Magistrates zu keinem günstigen Resultate und wurde beschlossen, das verlangte Areal nicht abzutreten. [...]. Die von Dr. Wilh. Königswarter zu technisch-industriellen oder philantropischen Zwecken ausgesetzte Summe von 3500 M. beantragte Lieser in der am 26. März abgehaltenen Magistratssitzung als Fonds zur Erbauung eines Waisenhauses anzulegen, während Eckart den Antrag stellt, solche dem Jugenderziehungsverein als Fond zur Gründung eines eigenen Heims zuzuweisen. Der letztere Antrag wurde angenommen. [...]. Die vierte protest. Pfarrstelle dahier ist dem Pfarrer Volkert in Großgründlach verliehen worden. [...]. S. Bing, chromolithographische Anstalt, Luxuspapierfabrikant. Untere Flößaustraße Nr. 5. [...]. In der am 28. April abgehaltenen Generalversammlung wurden für den aus Altersrücksicht abgetretenen Dr. Fronmüller als erster Vorstand Kommerzienrath Ullmann gewählt, als zweiter Vorstand Rektor Brunotte, als Sekretär Fabrikant Schildknecht, als Kassier Gaswerksdirektor Lindemann. In den Ausschuß wurden neu gewählt: Fabrikant Fritz Scheidig, Lithograph Laun und Buchbinder Voit. [...]. Am 6. Mai starb im 64. Lebensjahre Maximilian Reck, der Direktor des Nürnberg-Fürther Stadttheaters, welches derselbe in einem mehr als 25jährigen Zeitraume auf eine höchst respektable Stufe unter allgemeiner Anerkennung gebracht hatte. Dessen Sohn Hans Reck übernimmt die Theaterdirektion. - In der Magistratssitzung vom 7. Mai veröffentlicht Bürgermeister Langhans eine Regierungsentschließung des Inhalts, daß man mit Bedauern von dem Scheitern der Verhandlungen zwischen Ludwigsbahn und Magistrat Kenntniß genommen und im Interesse der Ludwigseisenbahn die Instruktion einer Baulinie für angezeigt halte. Der Magistrat beschließt hierauf, daß zur Instruktion der Baulinie kein Anlaß vorliege und daß er als Verwalter des Gemeindevermögens nicht gesonnen sei, das verlangte Areal von 0,95 M. abzutreten, die Ludwigsbahn überhaupt ihr Gesuch wieder zurückgezogen habe. [...]. Auf Ansuchen des südwestlichen Vorstadtvereins hat der Magistrat beschlossen, mit einem Kostenaufwand von 1000 M., wovon dieser Verein die Hälfte zu bezahlen hat, am Spital einen 1 1/2 Meter breiten Fußweg von der Schwabacher Straße zum Staatsbahnhofe zu schaffen. Auf die Erinnerungen gegen dieses Projekt in der Sitzung des Gemeindekollegiums von Seite des Hospitalarztes Dr. Degen wurde dasselbe mit 13 gegen 11 Stimmen abgelehnt. [...]. Am 15. Mai starb der pensionierte k. Gerichtsschreiber Johann Wilhelm Grill im 70. Lebensjahre. [...]. Der Medizinalrath Dr. Fronmüller wurde am 20 Mai zum Ehrenpräsidenten des Gewerbvereines in Anerkennung seines 42jährigen ununterbrochenen Wirkens ernannt und durch eine Deputation des Vereins, an deren Spitze der Kommerzienrath Siegfried Ullmann, die bezügliche Urkunde, eine durch Prof. Grünewald mit Aquarallmalerei ausgeführte, in einer Prachtmappe aus braunem Sammt mit silbernem Beschlag, silbernem Lorberkranz und Initialen aus den geübten Händen des Buchbindermeisters Voit hervorgangen, überreicht. [...]. Am 22. Mai starb der Kunstdrechsler Joh. Jakob Gießwein, Mitglied des Gemeindekollegiums. Sein Nachfolger war Feingoldschläger Georg Leonhard Meier. [...]. Die anläßlich der am 23. Mai stattgefunden Lehrlingsarbeitenausstellung zusammengetretene Prüfungskommission beurtheilte und prämiirte von den ausgestellten 56 Arbeiten [...]. 1) Paul Gulden, Schlosserlehrling, 2) Georg Wendler, Elfenbeingraveurslehrling, 3) Fr. Engelhardt, Werkzeugmacherslehrling, 4) Georg Schramm, Möbelschreinerslehrling, 5) Gg. Walter, Mechanikerslehrling, 6) Karl Wiedemann, Seilerslehrling; [...]. Am Sonntag den 24. Mai wurde der Privatier Johann Philipp Farnbacher in seinem noch nicht vollendeten 69. Lebensjahre beerdigt. Derselbe war seiner Zeit Magistratsrath gewesen. [...]. Am 1. Juni hat die Glasberufsgenossenschaft, die das ganze deutsche Reich umfaßt, ihre erste Genossenschaftsversammlung in Berlin abgehalten. [...]. In den provisorischen Vorstand waren folgende Personen gewählt worden: [...] Paul Winkler in Fürth, [...]. [...]. In der Sitzung des Stadtmagistrates vom 11. Juni wurde eine Entschließung des Kultusministeriums bekannt gegeben, wonach das protest. Dekanat Zirndorf bis auf Weiteres in Fürth verwaltet und die Verwesung dem zweiten Pfarrer Böhner dahier übertragen wird. [...]. Am 13. Juni wurde die Baumwollenwaarenfabrik von Jean Spiegel und H. Ruckdäschel angemeldet (obere Karolinenstr. Nr. 24). [...]. In der Magistratssitzung vom 18. Juni ist eine Eingabe des Direktoriums der Ludwigseisenbahngesellschaft eingelaufen des Inhalts, daß man sich, mit Rücksicht auf den vielseitig geäußerten Wunsch, entschlossen habe, das bekannte Projekt der Erbauung eines neuen Stationshauses nochmals dem Magistrate in Vorlage zu bringen und um Genehmigung desselben zu ersuchen. Nach stundenlanger Debatte, die nichts Neues bot, kam es zur Abstimmung und wurde mit 7 gegen 5 beschlossen: 1) Unter Genehmigung des Bauplanes werden vom Trottoir der Weinstraße abgetretenen 50 Centim. für die Flügelbauten und noch 42 Centim. für den Mittelbau (also im Ganzen 92 Centim.), sodaß der Mittelbau in die Flucht des Pückler'schen Hauses zu stehen kommt; Treppenstufen dürfen vorgelegt werden dem Mittelbau 1, dem Flügelbau auf der westlichen Seite 1 und dem Flügelbau auf der östlichen Seite 2; 2) der Uebergang an der Kirchenstraße ist von 2 auf 3 1/2 M. zu erweitern; 3) die Polizei- und Kontrollstation mit Wohnung muß gegen das bisherige Miethgeld auf vorläufig 20 Jahre in unkündbarer Weise gelassen werden; 4) die Treppenstufen dürfen die Breite von 30 Centim. nicht überschreiten. - Unsere beliebte Schießhauskirchweih erfreute sich in diesem Jahre am 28. Juni eines zahlreichen Besuches bei schönem Wetter. Schützenkönig wurde Hotelbesitzer Andrä. - Dem Theaterunternehmer Timansky wurde vom Theaterkomité gestattet, einige Vorstellungen mit seiner Gesellschaft während der Sommersaison im hiesigen Theater zu geben, soweit dies die im Theater vorzunehmenden Reparaturen erlauben werden. - Der Kgl. Forstgehilfe Würffel von Schwand ist vom 1. Juli an zum Forstwart auf der alten Veste ernannt worden. Auch im Gemeindekollegium wurden die Beschlüsse des Magistrates in Bezug auf die Abtretung des Areals von 92 Centim. an die Ludwigseinsenbahn mit allen gegen eine Stimme genehmigt. - Am 1. Juli war ein heftiges Hagelwetter über Fürth niedergegangen mit Schloßen bis zur Größe fast eines Hühnereies, wobei viele Fensterscheiben eingeschlagen wurden. [...]. Durch eine Spende des Dr. Wilhelm Königswarter im Betrage von 1000 M. ist auch für dieses Jahr die Möglichkeit gegeben, eine Ferienkolonie (12 Knaben und 12 Mädchen) unter entsprechender Führung auszurüsten. [...]. Die Statuten der Elisabatha Königswarter'schen Stiftung sollen auf Antrag des Dr. Königswarter wie folgt abgeändert werden: Aus den Zinsen des gegenwärtig 8000 M. betragenden Kapitals werden in erster Linie die Grabstätten der Eltern des Dr. Königswarter alljährlich am Todestage derselben geschmückt und das Grabdenkmal erhalten, ferner werden nur 1, höchstens 2 Präbenden an stiftungsfähige Familien vertheilt. - Am 3. Juli Nachmittag ist nächst der Schreiber'schen Badeanstalt ein 11jähriger Knabe des Ausgehers Roth ertrunken. [...]. Andr. Stein, Mitglied des Gemeindekollegiums, gestorben. Als Ersatzmann trat Joh. Leonh. Wendler, Vergolder, ein. - Notar Joh. Bapt. Fick in Höchstadt a./A. wird auf Ansuchen (für Notar Romeis) hierher versetzt. - Am 13. Juli fand im Hotel Andrä für Bayern die erste Sektionsversammlung der deutschen Glasberufsgenossenschaft statt. Es wurde Folgendes [...] bestimmt: der Sitz der Sektion I. Bayern wird nach Fürth verlegt. Es wurden sodann folgende Herren gewählt: 1) Paul Winkler, Fürth, als Vorsitzender und als dessen Ersatzmann Louis Berlin, Fürth, 2) S. Hausmann als Stellvertreter des Vorsitzenden und als dessen Ersatzmann Louis Bechmann, Fürth, [...] 5) Karl Zäh in Fürth und als dessen Ersatzmann Direktor Ganser in Erlangen. [...]. Auf Ansuchen wird die Bezeichnung der Wegstrecke Diebsteig in „Haardstraße“ abgeändert. [...]. 29. Juli Stadtbaurath Hobrecht von Berlin weilte in unserer Stadt und tagte mit der Wasserleitungskommission in einigen Sitzungen behufs Abgabe eines Obergutachtens. Am 1. August wurde der Telephonverkehr zwischen Fürth und Nürnberg eröffnet. - Der Jahresbericht der Kgl. Realschule [...]. ergab eine Gesammtfrequenz für 1884/85 von 402 Schülern [...]. Mit dem 1. Januar 1885 trat aus dem Lehrerkollegium Schreiblehrer Karl Wagenführ, nachdem derselbe ununterbrochen seit 1847 demselben angehört hatte. [...]. Auch an dem gleichfalls vom Gewerbverein gegründeten weiblichen Unterrichtskurse betheiligten sich 36 Frauenzimmer mit gutem Erfolge. - Das hiesige Theaterkomité hat den Theatermaler Hermengild Schubarth-Goldbach mit Neuanfertigung von 14 kompleten Dekorationen und Versetzungen, sowie mit verschiedenen maschinellen Neueinrichtungen betraut. - In der Sitzung des Gemeindekollegiums vom 11. August wurde genehmigt, daß mit einem Kostenaufwande von 59,000 M. eine Theer- und Ammoniakwassergrube und ein Apparatenhaus erbaut und daß ferner mit 65,000 M. Kosten eine Anzahl nöthiger Apparate angeschafft werden. [...]. Der hiesige Gewerbverein vertheilte am 25. August [...] in dem festlich dekorirten Nebensaale des Weißengartens in feierlicher Weise durch Zinnfigurenfabrikant Schildknecht die Preise der Wittelsbacher Landesstiftung [...]. [...]. Die Feier des Sedanfestes wurde wie alljährlich vom Bürgerverein festlich begangen [...]. Nach einer Ansprache des ersten Vorstandes Fortmeier hielt der Vorstand des Veteranenvereines Michael Krauß die patriotisch-begeisternde Festrede [...]. - Am 4. September trat Dr. Wiener jun. seine ärztliche Praxis hier an. - Zum Leihaus-Assistenten wurde Georg Schwarz gewählt. [...]. Die Pfarrstelle Sulzdorf wurde dem Pfarramtskandidaten Heinlein in Fürth übertragen. [...]. Elias Schüssel, eine in München und auch hier sehr bekannte und geachtete Persönlichkeit, der Gründer und Besitzer des nach ihm benannten Bazars ist iin Starnberg gestorben. Schüßel war im Jahre 1818 in Fürth geboren und lebte seit 1847 in München, wo er durch Geschick, Intelligenz und Thatkraft sein geschäftliches Unternehmen zu so hoher Blüthe brachte. - Das vom Kgl. Baurath Dr. Hobrecht in Berlin bezüglich der Wasserleitung hiesiger Stadt abgegebene Obergutachten spricht sich dahin aus, daß der nach jeder Richtung hin wohl durchdachte Plan des Ingenieurs Thiem mit geringen Ausnahmen, die Wasserleitung betreffend, zur Ausführung empfohlen werden kann. [...]. Gegenüber dem magistratischen Verlangen, statt der 10 Proz. Rabatt 20 Proz. für die auf Rechnung der Gemeindekasse abzugebenden Medikamente zu bewilligen, haben die Apotheker erklärt, sie bedauern das Verlangen ablehnen zu müssen, sie bitten den Magistrat sich mit 15 Prozent zu begnügen. Der Magistrat ist auch hiemit zufrieden. Die Generalversammlung der Aktiengesellschaft für Zwirnerei und Karderie hat beschlossen, auch für das laufende Geschäftsjahr keine Dividende zu vertheilen. [...]. Für die Herstellung eines eigenen (800 Quadratm. einnehmenden) Post- und Telegraphengebäudes in Fürth auf einem bahnärarialischen Grundstück westlich vom Bahnbetriebsgebäude, werden von den Ingenieuren 250,000 gefordert. Das Gebäude erhält Erdgeschoß und ein einziges Stockwerk. - Die Ludwigseisenbahn beförderte am ersten Sonntage der Kirchweih 28,222 Personen (4289 mehr als im Vorjahre) [...]. - Ein in allen Bevölkerungskreisen beliebter und geachteter Mann, Spiegelglasfabrikbesitzer Max Fleischmann, ist am 20. Oktober im Alter von 47 Jahren gestorben. Das Gemeindekollegium verliert in ihm ein pflichtgetreues Mitglied, der Kaufmännische Verein seinen ersten Vorsitzenden. - Am selben Abend 7 1/2 Uhr brach im Hause des Poststallmeisters Berger in der Moststraße im Bodenraume Feuer aus, welches sich in kurzer Zeit über den ganzen Dachstuhl verbreitete. [...]. In der Generalversammlung der Volksküche vom 27. Oktober wurde das finanzielle Resultat bekannt gegeben. [...]. Die Neuwahl ergab: Kommerzienrath Ullmann als erster, Dr. Degen als zweiter Vorstand, Heinrich Berolzheimer als Kassier, Ph. Klinger und Jean Ziegele als Küchenmeister, Jean Schildknecht als Schriftführer. Der seit dem 3. Okt. abgängige Güterschaffer Frühwald wurde todt aus dem Waldmannsweiher gezogen. [...]. Als Ersatzmann für Max Fleischmann trat am 27. Okt. der Kinderuhrenfabrikant Daniel Friedr. Lägel in das Gemeindekollegium ein [...]. Am 2. Nov. wurde im Waldmannsweiher der Leichnam eines seit Mitte Oktober vermißten Schreinergesellen gefunden. [...]. Bei der Vorstandswahl des Bezirksgremiums wurde Leon Münch zum ersten, Brünn [Druckfehler; ausgebessert: soll heißen Brüll]] zum zweiten Vorstand, Leopold Ehrmann zum Sekretär und Wilhelm Farnbacher zum Kassier gewählt. - Der schon bei der Nürnberger und Münchener Wasserleitung beschäftigte Ingenieur Kuhlmann wurde als technischer Leiter für das städtische Wasserwerk angestellt. - Eines der ältesten und bekanntesten Häuser hiesiger Stadt, das lange Haus in der Gustavstraße, welches circa 30 Hausherrn gleichzeitig angehört, ist verkauft worden, um einer größeren Anzahl moderner Bauten Platz zu machen; hierdurch entsteht eine neue Straße, „die Baldstraße“. [...]. In München verstarb am 21. Nov. Dr. Hieronymus Hauck, Kgl. Professor an der dortigen Industrieschule. Geboren am 12. Oktober 1825 zu Fürth, wirkte er zunächst in Fürth als Assistent und Verweser für den naturgeschichtlichen und Realunterricht, später als Lehrer der Handelswissenschaft und Mathematik an der Nürnberger Handelsschule. Nach zwanzigjähriger erfolgreicher Thätigkeit siedelte er nach München über, um als Professor der Handelswissenschaft an der Kgl. Industrieschule der neubegründeten Handelsabtheilung vorzustehen. Nur zwölf Jahre war es ihm vergönnt, in München seine erfolgreiche Thätigkeit zu entwickeln, bis das Geschick seinem Leben ein rasches und unvermuthetes Ziel setzte. [...]. Die Stadtbibliothek, welche unter der ausgezeichneten Leitung des Dr. Hutzelmann bereits 1878 8000 Bände umfaßte, ist seitdem vom Publikum eifrig benutzt worden und zur Belehrung und wissenschaftlichen Unterhaltung fortwährend und ergiebig beigetragen. Seit diesen 7 Jahren hat sich die Bibliothek bedeutend vermehrt, theils durch die fortwährenden Schenkungen von Seite unseres Ehrenbürgers Dr. Wilhelm Königswarter, worunter sich seltene Prachtwerke befinden, theils durch die vielerlei Gaben von Seiten patriotischer Lesevereine, Gesellschaften und Privatpersonen. Eine Fortsetzung des Kataloges wäre sehr zu wünschen. [...]. Der Export aus dem Konsulatsbezirk Nürnberg nach den Vereinigten Staaten von Nordamerika betrug in der Zeit vom 1. Okt. vorigen Jahres bis zum 30. Sept. die Werthsumme von 3,519,933 Dollars in Gold. [...]. Die Ausfuhr von Seite der Stadt Fürth betrug 3/4 des Ganzen. - Am 24. Nov. feierte der Chef der Stockfabrik Christian Frank im Kreise seiner 71 Arbeiter seinen 70jährigen Geburtstag. Eifrig und tüchtig im Geschäft, war er gerecht und human gegen seine Arbeiter. Bei dieser Gelegenheit darf nicht vergessen werden, daß er auch als langjähriges Mitglied des Gewerbvereins als Ausschuß- und Vorstandsmitglied zur Hebung der Industrie eifrig mitwirkte. - Medicinalrath Dr. Fronmüller wurde am 27. Nov. bei seinem durch Altersbeschwerden veranlaßten Austritt aus dem ärztlichen Vereine zum Ehrenmitgliede desselben ernannt. [...]. E. J. Schmidtkunst erbaute ein Eisaufbewahrungshaus. [...]. Der verstorbene Fabrikbesitzer Max Fleischmann hat einen Beitrag von 1000 Mark zur Königswarter Simonpreisstiftung in edler Weise vermacht. [...]. Der Ehrenbürger unserer Stadt, Dr. Wilhelm Königswarter, hat an den hiesigen Magistrat 500 M. gelangen lassen, mit dem Wunsche, armen Kindern am Tage des Jubiläums der Ludwigseisenbahn eine Freude zu machen. [...] Am 7. Dez. wurde die Feier des 50jährigen Jubiläums der Ludwigseisenbahn festlich begangen. Die Bahnhöfe in Nürnberg und Fürth waren auf das Schönste dekorirt [...]. Se. Majestät der König habe sein Interesse für die Bedeutung des heutigen Tages durch eine Reihe von Auszeichnungen bekundet, indem er Direktor Münch in Fürth den Titel eines Kommerzienrathes, dem Kassier Pfeiffer in Fürth die goldene Medaille des Verdienstordens der bayerischen Krone [...]. zu verleihen geruht habe. [...]. Nach Beendigung dieses Aktes wurde im festlich dekorirten Extrazug, der von zwei geschmückten Lokomotiven gezogen wurde, die Fahrt nach Fürth angetreten. Unter den Klängen der Stadtkapelle lief der Zug in den hiesigen Bahnhof ein, woselbst alsbald in dem von einer Bretterwand umschlossenen Raum die Grundsteinlegung für das neue Stationsgebäude von sich ging. [...]. Die Erbauer der schönen Bahnhofslokalitäten waren Baumeister Moritz Haubrich und Zimmermeister Konrad Gieß, der Entwurf von Bleschart. [...]. Die Wahl der Beisitzer des gewerblichen Schiedsgerichtes ergab folgendes Resultat: aus dem Stande der Fabrikanten wurden gewählt: August Scheidig als Beisitzer, Louis Bechmann als erster Stellvertreter, Friedr. Oettinger als zweiter Stellvertreter; aus dem Stande der Fabrikarbeiter: Johann Maldinger, Freidr. Weiß, Wilhelm Bayerkuhnlein; aus dem Stande der selbstständigen Gewerbetreibenen: Heinrich Scharff, Heinr. Keck, Jul. Wagenhöfer; aus dem Stande der Gewerbsgehilfen: Phil. Post, Gg. Pickel, Friedr. Ofzky. [...]. Der verstorbene Spiegelglasfabrikbesitzer Max Fleischmann hat auch die Kreisirrenanstalt Erlangen mit einem Legate von 3000 M. bedacht. - Kolonialgroßhändler Konrad Dietz seit 1870, langjähriger Kassier des Gewerbvereins. [...]. In der am 23. Dez. abgehaltenen Magistratssitzung dankt das Direktorium der Ludwigseisenbahn [...]. Am gleichen Tage wurde die Karl Schaller'sche Bilderbücherfabrik angemeldet. (Königswarterstr. Nr. 8a) - Die Hotelbauangelegenheit, angeregt von patriotischen Bürgern, nimmt eine greifbare Gestalt an, da von nahezu 180 Privaten die Summe von rund 380,000 M. zu diesem Behufe gezeichnet wurden. Das Unternehmen steht unter dem Vorsitze des Fabrikbesitzers Philipp Engelhardt. Lokalstatistik. [...].[3]

Bilder

Einzelnachweise

  1. Stadtmuseum Fürth
  2. Werner Mohr: "CHRONIK Nürnberg - Neumarkt - Regensburg - Amberg - Ansbach" online
  3. Fronmüllerchronik, 1887, S. 625 - 646