1917
Erergnisse
- Durch die Kriegswirren und der finanziellen Schieflage beider Städte wird die Zusammenlegung beider Städte erneut zum Thema. Insbesondere regt der Regierungspräsident und Jurist Dr. Julius Ritter von Blaul einen paritätisch besetzten Ausschuss von je 9 Vertretern beider Städte an. Diesem Anliegen schloss sich der Handelsvorstand Nürnberg, das Handelsgremium Fürth sowie der inzwischen zum König ernannte Ludwig III. von Bayern an.[1] Ausgelöst hatte die Diskussion der Großkaufmann und Geheime Kommerzienrat C. F. Zahn aus Nürnberg, der einer der führenden Männer der Handelskammer Nürnbergs war. In der Bay. Staatszeitung erschien ein Artikel mit der Überschrift: "Nürnberg-Fürther Zukunftsfragen", in der er die Frage Zweckmäßigkeit der Eingemeindung erneut befürwortete. Der Artikel, aber auch die Aktivitäten des Handelsgremiums in dieser Sache, löste in der Fürther Bevölkerung erneut eine große Beunruhigung aus. Eine Woche nach dem Antrag der Handelskörperschaften, am 11. Dezember 1917, behandelte der Stadtmagistrat in geheimer Sitzung erneut das Thema der Eingemeindung. Nach einer dreistündigen Diskussion stellte OB Dr. Robert Wild den Antrag, das Ersuchen der Handelsgremien auf Prüfung der Zweckmäßigkeit einer Vereinigung beider Städte abzulehnen. Er begründete seine Ablehnung allerdings nicht mit politischen Gründen, sondern vielmehr aus praktischen Erwägungen heraus, da durch den Ersten Weltkrieg die Beamtenschaft so stark dezimiert ist, dass eine eingehende Prüfung nicht möglich sei. Zusätzlich ergänzte er seine Ausführungen damit, dass man die Bevölkerung, für die der Krieg sowieso schon genug Unangenehmes bringe, nicht unnötig aufregen [solle]. Außerdem stünden Tausende von Bürgern an der Front, ohne deren Mitwirkung eine solch wichtige Angelegenheit nicht entschieden werden dürfe. Eine Einverleibung müsse der Volksstimmung und nicht den Wünschen Einzelner entsprechen.[2] Die folgende Abstimmung ergab ein unentschieden mit 9 zu 9 Stimmen. In einer erneuten Abstimmung, unter Beteiligung des Vorsitzenden OB Robert Wild, wurde der Antrag nun abgelehnt. Die Gemeindebevollmächtigten, die der Sitzung des Magistrats nur beobachtend hinzugezogen waren, stimmten anschließend ebenfalls über die Angelegenheit mit dem Ergebnis ab, dass 18 Stimmen für eine Weiterverfolgung des Themas waren und 16 dagegen. Nach der damaligen Gemeindesatzung (Art. 4 Abs. 3 der Bayr. Gem.O. vom 24. April 1869) konnte aber ein solcher Beschluss nur dann umgesetzt werden, wenn beide Gremien - also Magistrat und Gemeindebevollmächtigte - dem Antrag zugestimmt haben. Nachdem der Magistrat den Antrag jedoch abgelehnt hatte, war die Zustimmung der Gemeindebevollmächtigten irrelevant. Die Fürther Bevölkerung nahm diesen Beschluss - insbesondere durch das aktive Zutun des OB Wild - wohlwollend zur Kenntnis. (Eingemeindung Fürths nach Nürnberg)
- 22. Januar: Die Baracken auf dem Flugplatz sind seit kurzer Zeit fertig gestellt und mit etwa 200 Mann belegt.[3]
- Februar: Zum Flugplatz werden fast jede Woche neue Flugzeuge auf Autos transportiert.
- März: Der Zulauf des Publikums zum Flugplatz hat bedeutend nachgelassen. Vom Friedhof aus kann man die Flugzeuge in den Lüften genau beobachten. Wenn die Flieger über der Stadt kreisen, erregen sie gar kein Aufsehen mehr. Es ist das jetzt schon etwas Alltägliches. Die Bevölkerung hat sich schon daran gewöhnt.
- 24. März: Von der hiesigen Fliegerschule machen ein Offizier und ein Gefreiter einen Überlandflug nach Lager Lechfeld. Kurz vor dem Ziel stürzt das Flugzeug ab. Beide Insassen sind tot.
- 2. April: Bei Unterfarrnbach stürzt am Morgen ein Flugschüler mit seinem Apparat ab. Er erleidet einen Armbruch. Der Apparat wird schwer beschädigt.
- 17. Juli: Ein Flieger der hiesigen Fliegerschule stürzt auf der Schwand, hinter der Kolonie "Eigenes Heim" mit seinem Flugzeug ab und ist sofort tot.
- 6. Oktober: Gegen Mittag stürzt ein Flugzeug der hiesigen Fliegerschule bei Kronach auf der Wiese am Wege nach Sack aus 2000 Meter Höhe ab. Die beiden Insassen, Flugzeugführer Gefreiter Jakob Wurd aus Dachau und Beobachter, Gefreiter Schuster aus Wunsiedel, sind sofort tot. Das Flugzeug wird vollständig zertrümmert. Die Verunglückten werden in die Leichenhalle nach Poppenreuth verbracht.
- 2. November: In der Nähe von Höfles stürzt ein Flugzeug der Fliegerschule mit 2 Insassen ab. Der Apparat liegt in Trümmern, die Flieger werden nur leicht verletzt.
- 11. November: Nachmittags muss ein Flieger auf der Wiese an der Kapellenstraße hinter dem Schlachthaus notlanden, wobei er circa 24 Drähte der Telefonleitung mit abreißt. Vom Flugzeug werden die Propeller stark beschädigt. Der Flieger kann sich durch Abspringen retten.
- 2. Dezember: Ein Flieger der hiesigen Fliegerschule stürzt gestern auf der Wiese beim Käppnersteg ab. Das Flugzeug wird beschädigt, der Flieger nicht verletzt.
Personen
- Josef Zizler legt sein Amt als Stadtbaurat der Stadt Fürth nieder und wird Stadtbaurat in Berlin-Neukölln.
- Franz Paul Bernhard Tillmetz legt seine Ämter als Stadtbaurat, Technischer Magistratsrat und Direktor des Betriebsamtes (Gas-, Wasser- und Elektrizitätswerk mit Müllverbrennunganstalt) der Stadt Fürth nieder und wird als Generaldirektor in die Frankfurter Gasgesellschaft AG berufen.
- Leonhard Seiderer wechselt vom 1. FCN zur SpVgg Fürth.
Geboren
| Person | Geburtstag | Geburtsort | Beruf |
|---|---|---|---|
| Elsbeth Gerst Weilheimer, geb. Midas | 25. August 1917 | Fürth | |
| Rudolf Georg Hartlöhner | 9. September 1917 | Fürth | Arzt |
| Gudrun Kunstmann | 1. Juni 1917 | Erlangen | Bildhauer, Künstler, Malerin |
| Hans Lebbe | 12. Januar 1917 | Pasewark (Stadt Danzig) | Lehrer, Oberstudiendirektor, Schulleiter |
| Eduard Würzburger | 28. Dezember 1917 | München | Obergefreiter Gren. Schtz. Btl. III Bayreuth |
| Wilhelm Mayer | 5. Dezember 1917 | Fürth | Jagdflieger |
| Erwin Pietsch | 11. Januar 1917 |
Gestorben
Bauten
- Das Gelände des Flughafen Atzenhof wird mit einem Gleisanschluss versehen, die Flugplatzbahn nimmt ihren Betrieb auf.
- Die in der Kießling-Villa befindlichen Wohnungen werden zu Büroräumen umgebaut.
- Die vormals "Englische Anlage" wird in "Hindenburg-Anlage" umbenannt
Politik und Wirtschaft
- August: Die neu geschaffene zweite Flieger-Ersatz-Abteilung wird auf den Flughafen Atzenhof verlegt.
Veröffentlichungen
Sonstiges
- 25. April: Im Pulvermagazin in der Schwabacher Straße 499 ereignet sich eine schwere Explosion, bei der 54 Personen den Tod fanden.
- Die Opfer der Explosion im Pulvermagazin werden in einem Massengrab auf dem Fürther Friedhof beigesetzt.
- Die Erweiterung der Infanteriekaserne, die "Neue Infanterie-Kaserne" wird übergeben.
Einzelnachweise
Bilder
aus ehemaliger Fürther Sammlung stammende 7,7cm-Granathülse von 1917, wie sie auch im Pulvermagazin ... aus ehemaliger Fürther Sammlung stammende 7,7cm-Granathülse von 1917, wie sie auch im Pulvermagazin befüllt wurde
Urheber: Doc Bendit
Lizenz: CC BY-SA 3.0Kolorierte Ansichtskarte Blick in die Schwabacher Straße Richtung Rathaus, gel. 1917 Urheber: unbekannt
Lizenz: CC BY-SA 3.0Außenansicht der Hauptsynagoge am ehem. Schulhof in Fürth, gel. Sept. 1917 Urheber: unbekannt
Lizenz: CC BY-SA 3.0Ehrengrabfeld für Opfer des Ersten Weltkrieges auf dem Friedhof an der Erlanger Straße Urheber: Felix Geismann
Lizenz: CC BY-SA 3.0Rückseite des Familienfotos Fam. Barbara Fischer von 1917 vom Atelier Johannes Ernst Schran Urheber: Atelier Schran
Lizenz: CC BY-SA 3.0Babette (Barbara) Fischer mit ihren drei Töchtern - rechts Tochter Käte (09.07.1913 - 12.07.1972), ... Babette (Barbara) Fischer mit ihren drei Töchtern - rechts Tochter Käte (09.07.1913 - 12.07.1972), wohnte im "Schwarzen Adler" Poppenreuth, 1917. Aufnahme Atelier Johannes Ernst Schran
Urheber: Atelier Johannes Ernst Schran
Lizenz: CC BY-SA 3.0Feldpostkarte von Michael Fischer (links) - wohnhaft Poppenreuth, "Schwarzer Adler" - an seine ... Feldpostkarte von Michael Fischer (links) - wohnhaft Poppenreuth, "Schwarzer Adler" - an seine Schwester, 1917 (Vorderseite) - 1936 auf dem Friedhof Poppenreuth beerdigt
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivVersammlung am Kirchenplatz vor der Freitreppe; an der linken Brüstungsecke der Freitreppe: Paul ... Versammlung am Kirchenplatz vor der Freitreppe; an der linken Brüstungsecke der Freitreppe: Paul Fronmüller; unterhalb sind die für die Metallabgabe bereitgestellten Glocken zu erkennen
Urheber: unbekannt
Lizenz: CC BY-SA 3.0Glockenabgabe Kirche "Zu unserer lieben Frau", 1917 Urheber: Johann Georg Heinrich Lotter
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivGlockenabgabe Kirche St. Michael am 29. Juni 1917 Urheber: Johann Georg Heinrich Lotter
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivGlockenabgabe Kirche St. Michael am 29. Juni 1917 Urheber: Johann Georg Heinrich Lotter
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivGlockenabgabe Kirche St. Michael am 29. Juni 1917 Urheber: Johann Georg Heinrich Lotter
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivAngehörige der I. Ersatzbatterie des 6. Feldartillerieregiments vor dem Mannschaftsgebäude der ... Angehörige der I. Ersatzbatterie des 6. Feldartillerieregiments vor dem Mannschaftsgebäude der Artilleriekaserne –
der große Mittelbau existiert noch nicht, somit ist der Blick auf das Hardenberg-Gymnasium möglich; das rechte Gebäude entspricht heute der Hausnr. 88 a
Urheber: unbekannt
Lizenz: CC BY-SA 3.0Luisenheimküche (Volksküche) am ersten Weihnachtsfeiertag 1916 während des Ersten Weltkriegs; ... Luisenheimküche (Volksküche) am ersten Weihnachtsfeiertag 1916 während des Ersten Weltkriegs; Postkarte gelaufen am 10. Januar 1917
Urheber: Jean Riffelmacher, Schwabacher Straße
Lizenz: CC BY-SA 3.0Massengrab der 54 Opfer des Brandunglücks im Pulvermagazin 1917 (im Hintergrund Gebäude Erlanger ... Massengrab der 54 Opfer des Brandunglücks im Pulvermagazin 1917 (im Hintergrund Gebäude Erlanger Str. 105, ganz links der Schlot von Mattecka)
Urheber: unbekannt
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivMassengrab der 54 Opfer des Brandunglücks im Pulvermagazin 1917 (im Hintergrund ist die Kapellenruh ... Massengrab der 54 Opfer des Brandunglücks im Pulvermagazin 1917 (im Hintergrund ist die Kapellenruh und das Eigene Heim zu erkennen)
Urheber: unbekannt
Lizenz: Bildlizenz-StadtarchivThomas Kleinlein, späterer Bürgermeister von Stadeln in Uniform mit Ehefrau Anna, geborene Auer, ... Thomas Kleinlein, späterer Bürgermeister von Stadeln in Uniform mit Ehefrau Anna, geborene Auer, 1917
Urheber: Fotoatelier Otto Bischoff
Lizenz: CC BY-SA 3.0Feldpost Ansichtskarte mit Blick von der Schwabacher Straße mit Gebäuden links Nr. 34 und 32, ... Feldpost Ansichtskarte mit Blick von der Schwabacher Straße mit Gebäuden links Nr. 34 und 32, Einmündung Mathildenstraße und Rudolf-Breitscheid-Straße, im Hintergrund das Rathaus, gelaufen 1917
Urheber: NL-FW 11 W Milde
Lizenz: CC BY-SA 4.0Ansichtskarte der Stadtpfarrerei über die weltkriegsbedingte Glockenabnahme am 29. Juni 1917 der ... Ansichtskarte der Stadtpfarrerei über die weltkriegsbedingte Glockenabnahme am 29. Juni 1917 der Kirche St. Michael. Der Reinertrag kam dem Evang. Kirchenbau-Verein Fürth zugute
Urheber: Verlag Stadtpfarrer Fronmüller Lichtdruck Greiner
Lizenz: CC BY-SA 4.0Ausweis Städtische Säuglingsfürsorgestelle in Fürth in der Sigmund-Nathan-Straße 5, 1917 Urheber: Stadt Fürth
Lizenz: CC BY-SA 3.0