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== Leben und Wirken ==
 
== Leben und Wirken ==
Babette Rögner stammt aus der ersten Ehe mit Georg Krämer und seiner ersten Frau. Die Mutter Rögners verstarb allerdings schon im Mai [[1913]], als sie gerade einmal acht Jahre alt war. Der Vater gab nach dem Tod der Mutter Babette Rögner zu einer Patin nach Selb. Dort wuchs sie in der Familie auf und besuchte die Schule. Der gut situierte Onkel arbeitete als Ingenieur in der Porzellanfabrik Hutschenreuther. Rögner besuchte im Anschluss der Schule die sog. fortbildende Bürgerschule und sollte in Hof an der Saale als Angestellte in einer Bank das Arbeiten anfangen.   
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Babette Rögner stammt aus der ersten Ehe mit Georg Krämer und seiner ersten Frau. Die Mutter Rögners verstarb allerdings schon im Mai [[1913]], als sie gerade einmal acht Jahre alt war. Der Vater gab nach dem Tod der Mutter Babette Rögner zu einer Patin nach Selb. Dort wuchs sie in der Familie auf und besuchte die Schule. Der gut situierte Onkel arbeitete als Ingenieur in der [[wikipedia:Lorenz Hutschenreuther|Porzellanfabrik Hutschenreuther]]. Rögner besuchte im Anschluss der Schule die sog. fortbildende Bürgerschule und sollte in Hof an der Saale als Angestellte in einer Bank das Arbeiten anfangen.   
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Durch die Heirat Georg Krämers mit der zweiten Ehefrau aus Nürnberg wuchs die Sehnsucht erneut in die alte Heimat zurück zu kehren, so dass die Pläne entgegen der Erwartungen der Patin und des Onkels ad acta gelegt wurden - und eine Rückkehr in die alte Heimat den Vorzug bekam. In Nürnberg als 15- bzw. 16-jährige angekommen waren zunächst die Pläne in einer Bank zu arbeiten nicht mehr weiter verfolgbar - zumal auch der 1. Weltkrieg sich seinem Ende neigte. Vielmehr arbeite Rögner für ca. ein Jahr in einem Haushalt als Haushälterin. Während der Kriegszeit suchte sich Rögner zusätzlich eine Beschäftigung, und so landete sie in einer Schuhfabrik in Nürnberg als Stepperin. Vom gewerkschaftlich engagierten Vater, der u.a. bei den großen Metallerstreiks 1920 mit dabei war, ließ sich Babette Rögner mit anstecken und engagierte sich ebenfalls erstmal in den Gewerkschaften bzw. im Zentralverband für Schumacher.  
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Durch die Heirat Georg Krämers mit der zweiten Ehefrau aus Nürnberg wuchs die Sehnsucht erneut in die alte Heimat zurück zu kehren, so dass die Pläne entgegen der Erwartungen der Patin und des Onkels ad acta gelegt wurden - und eine Rückkehr in die alte Heimat den Vorzug bekam. In Nürnberg als 15- bzw. 16-jährige angekommen waren zunächst die Pläne in einer Bank zu arbeiten nicht mehr weiter verfolgbar - zumal auch der [[1. Weltkrieg]] sich seinem Ende neigte. Vielmehr arbeite Rögner für ca. ein Jahr in einem Haushalt als Haushälterin. Während der Kriegszeit suchte sich Rögner zusätzlich eine Beschäftigung, und so landete sie in einer Schuhfabrik in Nürnberg als Stepperin. Vom gewerkschaftlich engagierten Vater, der u.a. bei den großen Metallerstreiks [[1920]] mit dabei war, ließ sich Babette Rögner mit anstecken und engagierte sich ebenfalls erstmal in den Gewerkschaften bzw. im Zentralverband für Schumacher.  
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Ihr Vater Georg Krämer, beschäftigt bei der MAN in Nürnberg, folgte dem Aufruf der Sozialdemokraten am 2. September 1923 auf den sog. "Deutschen Tag" der Nationalsozialisten in Nürnberg. Geplant war an diesem Tag der Aufmarsch der Nationalsozialisten auf die Arbeiterhäuser in der Schuckertsiedlung, dem sich bereits in der Früh auf dem Hauptmarkt der sozialistische Ordnungsdienst (SoD) entgegenstellte. Auch Babette Rögner war bei diesem Aufgebot mit dabei, nicht zuletzt, weil die Schwiegermutter sie dazu aufforderte auf den Vater aufzupassen. Rögner verpasste ihren Vater, traf ihn aber gegen Mittag wieder zu Hause, so dass man nach einem gemeinsamen Essen beschloss in einen Versammlungsaal in die Gartenstadt zu gehen. Nach einem gemeinsamen Besuch der Veranstaltung entschied sich Rögner abends wegen Zahnschmerzen heimzugehen. Der Vater und ihr Bruder blieben noch in der Gartenstadt - aber auch hier trennten sich dann irgendwann die Wege der beiden. Gegen 21 Uhr klingelten Bekannte in der gemeinsamen Wohnung und erkundigten sich nach Georg Krämer, ''„ob er schon daheim sei, da in der Stadt geschossen werden würde - und überall ein "Mords Radau" sei.''“ Die Frage wurde verneint - bis ein Arbeitskollege vorbeikam, und der Familie mitteilte, dass Georg Krämer etwas passiert sei. Krämer würde im Krankenhaus liegen - da es zuvor mit ein paar SA-Männern und Hitler-Jungen zu einem Handgemenge gekommen war. Er wurde offensichtlich aufgefordert, die Hände aus der Tasche zu nehmen, dem er nicht folgte - worauf sich drei Schüsse lösten. Ein Schuss ging in die Brust und streifte das Herz, der zweite Schuss ging in den Bauch. Bei den Handgreiflichkeiten wurden mindestens zwei weitere Personen (Schneider-Bauer, Oberle) verletzt, die den Vorgang später der Familie gegenüber im Krankenhaus schildern konnten. Allerdings schilderten beide, dass Krämer bereits vor Ort verstarb. Am folgenden Tag wurde der Arbeitsplatz Babette Rögners Vater mit Trauerflor geschmückt.<ref>Historisches Lexikon Bayerns, online abgerufen am 12. März 2022 | 18.40 Uhr - [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Deutscher_Tag,_N%C3%BCrnberg,_1./2._September_1923 online abrufbar]</ref>  
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Ihr Vater Georg Krämer, beschäftigt bei der MAN in Nürnberg, folgte dem Aufruf der Sozialdemokraten am [[2. September]] [[1923]] auf den sog. "[[wikipedia:Deutscher Tag|Deutschen Tag]]" der Nationalsozialisten in Nürnberg. Geplant war an diesem Tag der Aufmarsch der [[Nationalsozialisten]] auf die Arbeiterhäuser in der Schuckertsiedlung, dem sich bereits in der Früh auf dem Hauptmarkt der sozialistische Ordnungsdienst (SoD) entgegenstellte. Auch Babette Rögner war bei diesem Aufgebot mit dabei, nicht zuletzt, weil die Schwiegermutter sie dazu aufforderte auf den Vater aufzupassen. Rögner verpasste ihren Vater, traf ihn aber gegen Mittag wieder zu Hause, so dass man nach einem gemeinsamen Essen beschloss in einen Versammlungsaal in die Gartenstadt zu gehen. Nach einem gemeinsamen Besuch der Veranstaltung entschied sich Rögner abends wegen Zahnschmerzen heimzugehen. Der Vater und ihr Bruder blieben noch in der Gartenstadt - aber auch hier trennten sich dann irgendwann die Wege der beiden. Gegen 21 Uhr klingelten Bekannte in der gemeinsamen Wohnung und erkundigten sich nach Georg Krämer, ''„ob er schon daheim sei, da in der Stadt geschossen werden würde - und überall ein "Mords Radau" sei.''“ Die Frage wurde verneint - bis ein Arbeitskollege vorbeikam, und der Familie mitteilte, dass Georg Krämer etwas passiert sei. Krämer würde im Krankenhaus liegen - da es zuvor mit ein paar SA-Männern und Hitler-Jungen zu einem Handgemenge gekommen war. Er wurde offensichtlich aufgefordert, die Hände aus der Tasche zu nehmen, dem er nicht folgte - worauf sich drei Schüsse lösten. Ein Schuss ging in die Brust und streifte das Herz, der zweite Schuss ging in den Bauch. Bei den Handgreiflichkeiten wurden mindestens zwei weitere Personen (Schneider-Bauer, Oberle) verletzt, die den Vorgang später der Familie gegenüber im Krankenhaus schildern konnten. Allerdings schilderten beide, dass Krämer bereits vor Ort verstarb. Am folgenden Tag wurde der Arbeitsplatz Babette Rögners Vater mit Trauerflor geschmückt.<ref>Historisches Lexikon Bayerns, online abgerufen am 12. März 2022 | 18.40 Uhr - [https://www.historisches-lexikon-bayerns.de/Lexikon/Deutscher_Tag,_N%C3%BCrnberg,_1./2._September_1923 online abrufbar]</ref>  
    
Nach dem Tod des Vaters kam es zum Bruch mit der Schwiegermutter. Der ältere Bruder, aber auch die jüngere Schwester von Babette Rögner wurden von der Schwiegermutter abgelehnt und dem Vormundschaftsgericht zur weiteren Betreuung zugeführt. Der ältere Bruder ging nach Ansbach, wo er bereits zuvor einen Arbeitsplatz hatte, während Babette Rögner mit ihrer Schwester bei einer Bekannten der Mutter, Familie Gassenbauer, unterkamen. Rögner arbeite weiterhin in der Schuhfabrik und unterstützte ihre Schwester, auch wenn die Fabrik auf Grund der Inflation und wirtschaftlich schwierigen Lage zunehmend die Stellen kürzte bzw. streichen musste.  
 
Nach dem Tod des Vaters kam es zum Bruch mit der Schwiegermutter. Der ältere Bruder, aber auch die jüngere Schwester von Babette Rögner wurden von der Schwiegermutter abgelehnt und dem Vormundschaftsgericht zur weiteren Betreuung zugeführt. Der ältere Bruder ging nach Ansbach, wo er bereits zuvor einen Arbeitsplatz hatte, während Babette Rögner mit ihrer Schwester bei einer Bekannten der Mutter, Familie Gassenbauer, unterkamen. Rögner arbeite weiterhin in der Schuhfabrik und unterstützte ihre Schwester, auch wenn die Fabrik auf Grund der Inflation und wirtschaftlich schwierigen Lage zunehmend die Stellen kürzte bzw. streichen musste.  
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In ihrer Beschäftigungszeit in der Schuhfabrik begann Rögner sich zunehmend politisch wie gewerkschaftlich zu engagieren. Sie war in der Arbeiterjugend sowie in der proletarischen Jugend aktiv, in der sie auch die spätere SPD-Politikerin [[wikipedia:Käte Stobel|Käte Stobel]] kennen lernte. Zur gleichen Zeit als ihr Vater erschossen wurde, wurde Rögner auch 1923 Mitglied der SPD, zumal die SPD sie bereits beim Tod des Vaters aktiv sehr unterstützt hatte. Sie blieb in dem Betrieb bis zum Kriegsende, auch als der Betrieb 1938 arisiert wurde.  
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In ihrer Beschäftigungszeit in der Schuhfabrik begann Rögner sich zunehmend politisch wie gewerkschaftlich zu engagieren. Sie war in der Arbeiterjugend sowie in der proletarischen Jugend aktiv, in der sie auch die spätere SPD-Politikerin [[wikipedia:Käte Stobel|Käte Stobel]] kennen lernte. Zur gleichen Zeit als ihr Vater erschossen wurde, wurde Rögner auch [[1923]] Mitglied der [[SPD]], zumal die [[SPD]] sie bereits beim Tod des Vaters aktiv sehr unterstützt hatte. Sie blieb in dem Betrieb bis zum Kriegsende, auch als der Betrieb [[1938]] arisiert wurde.  
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Rögner heiratete in jungen Jahren Konrad Rögner (19. Januar 1901 - 16. Mai 1942). Letzter war ebenfalls politisch aktiv in der Sozialdemokratie und während Nationalsozialismus teilweise in Schutzhaft, da er illegal sozialdemokratische Schriften vor Ort verteilte. Konrad Rögner wurde nach der Schutzhaft im Januar 1942 in den Wehrdienst eingezogen, allerdings verstarb er noch vor seinem Kriegseinsatz am 16. Mai 1942 an den Folgen einer Sepsis im Lazarett - vermutlich in Folge eines Impfschadens. Aus der Ehe mit Konrad Rögner stammten zwei Töchter und ein Sohn. Die älteste Tochter war sehr zum Verdruss der Mutter aktives Mitglied im Bund Deutscher Mädels (BDM) und schaffte es dort bis zur Zugführerin. Während dieser Zeit arbeitete sie als Jugendliche bei der Fa. Schickedanz, der nach Aussagen Babette Rögners, die berufliche Karriere ihre Tochter im Betrieb stets förderte. So wurde die Tochter im Rahmen einer Kinder- und Jugendverschickung in bezahlten Urlaub in das besetzte Westpreußen verschickt. Dort besuchte sie u.a. die Stadt Toruń und bekam vom ehem. Fürther Oberbürgermeister Franz Jakob das Buch von Adolf Hitler - Mein Kampf - mit persönlicher Widmung von Jakob überreicht. Der Sohn Erich kämpfte in den letzten Tagen Fürths vor der Kapitulation gegen die anrückenden Streitkräfte der Alliierten. Bereits mit 16 Jahren wurde er zum Arbeitsdienst eingesetzt und diente in einer Flak-Kompanie. Rögner erlebte die letzten Kriegstage in Fürth in der Fürther Altstadt. Alle ihre Kinder überlebten den 2. Weltkrieg, nicht aber ihre Geschwister. So kamen ihr Bruder, seine Frau und ihre Schwester sowie deren Tochter bei dem verehrenden Luftangriff am 2. Januar 1945 auf die Nürnberger Altstadt durch den Bombenangriff ums Leben.
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Rögner heiratete in jungen Jahren Konrad Rögner (19. Januar 1901 - 16. Mai 1942). Letzter war ebenfalls politisch aktiv in der Sozialdemokratie und während Nationalsozialismus teilweise in Schutzhaft, da er illegal sozialdemokratische Schriften vor Ort verteilte. Konrad Rögner wurde nach der Schutzhaft im Januar [[1942]] in den Wehrdienst eingezogen, allerdings verstarb er noch vor seinem Kriegseinsatz am [[16. Mai]] [[1942]] an den Folgen einer Sepsis im Lazarett - vermutlich in Folge eines Impfschadens. Aus der Ehe mit Konrad Rögner stammten zwei Töchter und ein Sohn. Die älteste Tochter war sehr zum Verdruss der Mutter aktives Mitglied im [[wikipedia:Bund Deutscher Mädel|Bund Deutscher Mädel]] (BDM) und schaffte es dort bis zur Zugführerin. Während dieser Zeit arbeitete sie als Jugendliche bei der Fa. [[Quelle AG|Schickedanz]], der nach Aussagen Babette Rögners, die berufliche Karriere ihre Tochter im Betrieb stets förderte. So wurde die Tochter im Rahmen einer Kinder- und Jugendverschickung in bezahlten Urlaub in das besetzte Westpreußen verschickt. Dort besuchte sie u.a. die Stadt Toruń und bekam vom ehem. Fürther [[Oberbürgermeister]] [[Franz Jakob]] das Buch von Adolf Hitler - [[wikipedia:Mein Kampf|Mein Kampf]] - mit persönlicher Widmung von Jakob überreicht. Der Sohn Erich kämpfte in den letzten Tagen Fürths vor der Kapitulation gegen die anrückenden Streitkräfte der Alliierten. Bereits mit 16 Jahren wurde er zum Arbeitsdienst eingesetzt und diente in einer Flak-Kompanie. Rögner erlebte die letzten Kriegstage in Fürth in der Fürther Altstadt. Alle ihre Kinder überlebten den 2. Weltkrieg, nicht aber ihre Geschwister. So kamen ihr Bruder, seine Frau und ihre Schwester sowie deren Tochter bei dem verehrenden Luftangriff am [[2. Januar]] [[1945]] auf die Nürnberger Altstadt durch den Bombenangriff ums Leben.
    
== Aktivitäten nach dem 2. Weltkrieg in Fürth ==
 
== Aktivitäten nach dem 2. Weltkrieg in Fürth ==
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