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==Fronmüllerchronik==
 
==Fronmüllerchronik==
 
:''[...] In diesem Jahre wurde der alte Kirchhof an der Michaelskirche erweitert und wurde an der ihn nach Norden umgebenden hohen Mauer zu bauen angefangen.''<ref>[[Fronmüllerchronik]], 1887, S 184</ref>
 
:''[...] In diesem Jahre wurde der alte Kirchhof an der Michaelskirche erweitert und wurde an der ihn nach Norden umgebenden hohen Mauer zu bauen angefangen.''<ref>[[Fronmüllerchronik]], 1887, S 184</ref>
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==Zeitgenössische Ortsbeschreibung==
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:''Fürth.
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:''Lage.
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:''Dieser große und volkreiche Marktflecken, oder wie er in den Urkunden genannt wird, die Hofmark Fürth, ist einer der merkwürdigsten Oerter in Deutschland, und wegen seines ausgebreiteten Gewerbes unter die wichtigsten Handels- und Fabrikplätze zu rechnen. Er liegt eine Meile von Nürnberg in der Mitte der ersten Poststation auf der Straße von Nürnberg nach Frankfurt am Mayn. Nahe unter demselben vereinigen sich die beiden Flüsse Pegnitz und Rednitz, von welchen der erste von Nürnberg, der andere aber von Roth herkommt. Sie erhalten nach ihrer Vereinigung den Nahmen Regnitz und zugleich eine solche Stärke, daß dieser Fluß zur Schifffahrt bis in den Mayn, in welchen er sich im Bambergischen ergießt, gemacht werden könnte, wenn es die vielen Mühlen und andern beträchtlichen Werke, zu welchen das Wasser benutzt wird, nicht verhinderten.
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:''Volksmenge.
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:''Man zählet gegenwärtig in Fürth ungefähr 6oo Häuser und gegen 24,ooo Einwohner, von welchen die Judenschaft allein auf 8oo Familien oder 5,ooo Seelen angeschlagen wird, und also beinahe den vierten Theil der Einwohner ausmacht. Ein großer Theil der letztern hält sich gewöhnlich den Tag über in Nürnberg auf, um das gegenseitige Gewerbe in Lebhaftigkeit zu erhalten. Uebrigens werden hier alle drei christliche Religionen nebst der jüdischen geduldet. Doch haben weder die Katholiken noch die Reformirten öffentlichen Gottesdienst, weil ihre Anzahl zu klein ist, um eigene Kirchen erbauen und unterhalten zu können. Ueberdies können sie ohne große Unbequemlichkeit dem öffentlichen Gottesdienste zu Nürnberg und Wöhrd beiwohnen, auch vermöge der getroffenen Anstalten bei Krankheiten von dort aus mit den Sakramenten versehen werden. Die Juden haben, nebst verschiedenen Schulen, auch eine eigene Buchdruckerei. Deshalb wird Fürth von der jüdischen Nation, welche sich den Studien widmet, fleißig besucht, weil sie diesen Ort gleichsam als ihre hohe Schule betrachtet.
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:''Gerichtsbarkeit.
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:''In Ansehung der Obergerichtsbarkeit steht Fürth, so wie das dazu gehörige Amt nebst dem besondern Zoll- und Geleitsrechte, unter dem marggräflich anspachischen Hofe, welcher alle diese Rechte in einem eigenen herrschaftlichen Gebäude verwalten läßt, und hinter demselben zur allgemeinen Sicherheit in einer Caserne ein militärisches Commando unterhält. Doch sind nicht alle Einwohner von Fürth unmittelbare anspachische Unterthanen; vielmehr besteht ein großer Theil derselben aus nürnbergischen, bambergischen und andern fremden Unterthanen oder sogenannten Hintersassen. In Kirchensachen hängt der Flecken von der Reichsstadt Nürnberg ab, welche das Patronatrecht ausübt, und den Zehenten mit der Domprobstey Bamberg theitet. Die Juden sollen hier ihr eigenes Gericht haben.
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:''Freiheiten und Abgaben.
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:''Dieser Ort verdankt seinen hohen Wohlstand seiner vorteilhaften Lage, der mangelhaften politischen Verfassung Nürnbergs, und den großen Freiheiten und Vorzügen, welche derselbe unter dem wohlthätigen Schutze des anspachischen Hofes genießt. Wenig berühmte Handels- oder andere Plätze wird es in Europa geben, wo eine so große Handels- und Gewerbsfreiheit in dem Grade Statt findet, als hier. Alles, was der Professionist, vom Vornehmsten bis zum Geringsten, an öffentlichen Lasten und Abgaben das ganze Jahr über zu entrichten hat, beträgt ungefähr 36 bis 45 Kreuzer leichtes Geld, oder 8 bis 9 Groschen Conventionsgeld. Besitzt derselbe ein eigenes Haus, so zahlt er davon nicht mehr als 3 Gulden leichtes Geld oder 1 Rthlr. 16 Gr. Conventionsgeld an die Herrschaft, unerachtet die Häuser in diesem offenen Flecken, der großen Volksmenge wegen, durchgängig sehr hoch im Werthe stehen, und gemeinglich zwischen drei bis zwölftausend Gulden gelten. [...]. Diese Gelder werden bloß zu Bestreitung der Kosten für die Unterhaltung öffentlicher zur Gemeinde gehörige Gebäude, Brücken, Stege, Steinpflaster u. s. w. angewendet. Dieses sind alle Abgaben, sowohl für den Mann, welcher nur Tausend, als für den, welcher Hunderttausende im Vermögen hat. Trägt er diese regelmäßig ab, so ist es ihm erlaubt, Handlung und Gewerbe zu treiben, wie und in welchem Umfange er will und kann; und wenn er tausend und mehr Centner Zucker, Kaffee und alle Arten von Material- und Farbewaaren, oder mehr als Eintausend Eimer Wein auf Ein Mahl kommen lässet, so hat er für alles dieses keinen Heller weiter zu entrichten.<ref>Johann Christian Herrmann: ''"Allgemeiner Contorist welcher von allen und jeden Gegenständen der Handlung aller in und außer Europa belegenen Handelsplätze die neuesten und zuverlässigsten Nachrichten ertheilet [...]. Zweiter Theil von C bis Königsberg."'', Leipzig 1789, S. 341 ff - [https://books.google.de/books?id=_Z1aAAAAcAAJ&printsec=frontcover&hl=de&source=gbs_ge_summary_r&cad=0#v=onepage&q&f=false online-Digitalisat]</ref>
    
==Veröffentlichungen==
 
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