Ludwig-Erhard-Haus

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Baustelle Ludwig-Erhard-Haus hinter dem Rathaus, Jan. 2018
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Das Ludwig Erhard Zentrum (LEZ) steht unter Trägerschaft der Stiftung Ludwig-Erhard-Haus. Die rechtsfähige öffentliche Stiftung des bürgerlichen Rechts mit Sitz in Fürth wurde 2013 gegründet, um den Bau und die Finanzierung des Ludwig-Erhard-Zentrums zu realisieren. Zum Neubau direkt neben dem Fürther Rathaus gehört auch gegenüber liegende Geburtshaus von Ludwig Erhard, Ludwig-Erhard-Straße 5. Nach der offiziellen Einweihungsfeier am 18. Mai 2018 mit dem Bundespräsidenten Steinmeier öffnet das Zentrum für die Bevölkerung am 20. Juni 2018.

Ausstellungskonzept

Im Geburts- und Elternhaus von Ludwig Erhard in der Ludwig-Erhard-Straße 5 sowie in einem zusätzlichen Neubau direkt gegenüber entstand seit 2016 das Ludwig-Erhard-Zentrum. Auf 1.200 Quadratmetern präsentieren die Ausstellungsmacher die Dauerausstellung rund um Ludwig Erhard, von seiner Jugend in Fürth, sein berufliches Wirken während des Nationalsozialismus, bis hin zu seiner Amtszeit als Wirtschaftsminister unter Bundeskanzler Adenauer und seiner eigenen Zeit als Bundeskanzler von 1963 bis 1966. Dabei werden bisher nicht dargebotene Exponate gezeigt, sowie interaktive Medienstationen für Groß und Klein in der Ausstellung angeboten. Im Geburtshaus wird schwerpunktmäßig Erhards Kindheit und Jugend dargestellt. Im Erdgeschoss befindet sich künftig ein Museumsshop, der die Anmutung des ehem. Kurzwarenladens der Eltern hat, während im Neubau gegenüber Erhards Wirken nach 1945 thematisiert wird.

Nach eigenen Angaben sollen folgende Aspekte in den beiden Gebäuden abgebildet werden:

Im geplanten Dokumentationszentrum sollen die Leistungen von Unternehmerinnen und Unternehmern vorgestellt werden, die nach 1945 dank der wirtschaftspolitischen Entscheidungen von Ludwig Erhard den rasanten Aufstieg Deutschlands zu einer international führenden Wirtschaftsmacht bewirkt haben. Der Ludwig-Erhard-Initiativkreis möchte dabei neben den wirtschaftlichen auch die sozialen und moralischen Motive erläutern, die seinerzeit die risiko-, schließlich aber erfolgreichen unternehmerischen Entscheidungen veranlasst haben.
Neben dieser historischen Präsentation will der Initiativkreis auch aufzeigen, dass und wie die von Erhard geschaffene Wirtschaftsordnung unternehmerische Entscheidungen nach Abschluss des Wiederaufbaus beflügelt hat. In diesem Ausstellungsbereich sollen vor allem die prinzipiellen Voraussetzungen erläutert werden, die durch eine marktwirtschaftliche Ordnungspolitik geschaffen werden müssen, damit unternehmerische Entscheidungen zum Nutzen für die Allgemeinheit und nicht zum Ausbau von monopolartigen Positionen führt.[1]

Ausstellungsthemen und Räume

  • Altbau
Herkunft und Kindheit
Fürth - Mit Volldampf voraus
Erster Weltkrieg
Ludwig Erhard im Zeitenbruch
Neue Wege
Inflation
Die Lehre von der Wirtschaft
Orientierungsversuche
Der NS-Staat - Diktatur und "Volksgemeinschaft"
Ludwig Erhard im Dritten Reich
Überlegungen für die Nachkriegszeit
Am Ende
  • Neubau
Das besiegte Deutschland
"Unsere Zeit wird kommen!"
Überraschende Schlüsselpostionen
Marktwirtschaftlicher Urknall
Idee der Sozialen Marktwirtschaft
Wahlsieg der Sozialen Marktwirtschaft
Die Koreakrise und das Wirtschaftswunder
Made in Germany
"Wohlstand für alle"
Leben im Wirtschaftswunderland
Erhard und Adenauer
Kanzlerjahre
Weichenstellungen und nach Ludwig Erhard
Die Zukunft der Sozialen Marktwirtschaft

Architektur

Siegerentwurf und ursprüngliche Plaung des Ludwig-Erhard-Zentrum, 2013

Der Neubau entstand auf der seit 1995 entstanden Freifläche hinter dem Rathaus. Die Fläche wurde im Rahmen des U-Bahnbaus im September 1995 frei und seitdem als Parkplatz genutzt. Zuvor standen an dieser Stelle das traditionelle Cafe Fürst und das ehem. Geschäftshaus von Max Grundig (vormals: Zum Goldenen Stern).

Im Rahmen eines freien Architektenwettbewerbs wurden 2013 knapp 50 Entwürfe für den Neubau des Ludwig-Erhard-Zentrums abgegeben. In einer Jury, besetzt mit Vertretern der im Stadtrat vertretenen Fraktionen, dem Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung, dem Baureferenten Joachim Krauße, Vertretern des Ludwig-Erhard-Initiativkreises, sowie Vertretern aus der Gesellschaft und Wirtschaft, wurde einstimmig der Entwurf des Münchner Büros Reinhard Bauer angenommen. Barbara Ohm, die damals als ehem. Stadtheimatpflegerin beratend in den Sitzungen anwesend war, sagte gegenüber der örtlichen Presse bzgl. der Entscheidung für den Entwurf des Architekturbüros Bauer: Ohm lobt, dass der Neubau „in Einzelteile aufgelöst ist“; er korrespondiere mit den Nachbargebäuden. Ohm spricht von einer „sehr modernen, durchdachten Architektur mit Charakter“, doch auch sie weiß: „An einer klaren architektonischen Aussage reiben sich viele.“ Ohm wünscht den Fürthern die nötige Geduld bei der Auseinandersetzung damit.[2]

Der Entwurf wurde allerdings in der Bauphase auf Betreiben des Initiativkreises mehrfach verändert. So wurden das Bauvolumen sowie die Kubatur verändert. Ebenfalls geändert wurden die Fassadengestaltung und die Fensterreihung; insbesondere die Gebäudehöhe unterscheidet sich deutlich von der Ursprungsplanung.

Kritik

Protest gegen das Ludwig-Erhard-Zentrum, Mai 2018

Bereits vor dem Bau des geplanten Ludwig-Erhard-Zentrums in Fürth wurde massive Kritik aus der Bevölkerung und dem Kommunalparlament laut. Insbesondere die Kostenbeteiligung der Stadt Fürth an dem Projekt - in einer Zeit als die Haushaltslage der Stadt Fürth durch eine Sperrung durch die Regierung von Mittelfranken mehr als schwierig war - fehlte vielen das Verständnis für die kommunale Beteiligung von ca. 500.000 Euro. Oberbürgermeister Dr. Thomas Jung musste sich bereits im März 2013 gegenüber der Öffentlichkeit für das Engagement der Stadt Fürth in Bezug auf den Bau des Gebäudes neben dem Rathaus rechtfertigen. Gegenüber der örtlichen Presse betonte er den "Imagegewinn" für die Stadt Fürth, so dass die Beteiligung trotz Sparkurs der Stadt mehr als gerechtfertigt sei.[3]

In der Folgezeit kam zur finanziellen Kritik ein weiterer Kritikpunkt mit hinzu. Der geplante Bau wurde von der Mehrheit der Bevölkerung als wenig gelungen angesehen. Vor allem die beengte Situation in dem sensiblen Umfeld des historischen Rathauses, dass von einem denkmalgeschützten Ensemble geprägt war, stand im völligen Widerspruch zum Entwurf des Preissiegers im Architekturwettbewerb. Der damalige Stadtheimatpfleger Alexander Mayer, der nicht stimmberechtigtes Mitglied der Jury zur Auswahl des Architektenwettbewerbs war, verließ diese Jury nach dem ersten Sitzungstag aufgrund des absehbaren Ergebnisses und distanzierte sich im Oktober 2013 von der architektonischen Gestaltung des Neubaus, während Baureferent Joachim Krauße und die ehemalige Stadtheimatpflegerin Barbara Ohm den Entwurf als "sehr gelungen" einstuften.[4]

Durch die deutliche Erhöhung und Vergrößerung des Gebäudes gegenüber der ursprünglichen Planung, aber auch durch die erhebliche Kostensteigerungen und die architektonische Gestaltung des Neubaus im Allgemeinen steht das Gebäude beim Großteil der Bevölkerung in der Kritik. So stiegen die Kosten von ursprünglich geplanten 12,6 Mio. auf nun rund 17,4 Mio. Euro; der Eigenanteil der Stadt Fürth stieg um 600.000 Euro auf 1,87 Mio. Euro. Bei einer nicht repräsentativen Umfrage der Fürther Nachrichten im Frühjahr 2018 brachte eine deutliche Mehrheit ihre ablehnende Haltung zur Architektur zum Ausdruck. Die Verantwortlichen erwarten aber, dass sich die derzeitigen architektonischen Akzeptanzprobleme in der Stadtgesellschaft mit der Zeit durch Gewöhnung legen werden.[5]

Literatur

Siehe auch

Lokalberichterstattung

  • Wolfgang Händel: Geld fürs Erhard-Haus. In: Fürther Nachrichten vom 30. September 2012 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Noch eine Million fürs Erhard-Haus. In: Fürther Nachrichten vom 11. November 2012 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Ludwig-Erhard-Haus: Grünes Licht für den Wettbewerb. In: Fürther Nachrichten vom 23. Februar 2013 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Erhard-Stiftung bekommt offiziellen Segen. In: Fürther Nachrichten vom 11. Oktober 2013 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Minister serviert satten Nachschlag für das LEZ. In: Fürther Nachrichten vom 5. Mai 2017 (Druckausgabe) bzw. Teures Erhard-Zentrum: Minister bringt Geld nach Fürth. In: nordbayern.de vom 4. Mai 2017 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: LEZ: Eröffnungstermin ist noch ungewiss. In: Fürther Nachrichten vom 10. März 2018 (Druckausgabe) bzw. Erhard-Zentrum: Eröffnungstermin noch ungewiss. In: nordbayern.de vom 12. März 2018 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Klotz oder Coup: Was sagen Experten zur Architektur? In: Fürther Nachrichten vom 10. März 2018 (Druckausgabe) bzw. LEZ: Was sagen Experten zur Architektur? In: nordbayern.de vom 10. März 2018 - online abrufbar
  • Alexander Jungkunz: Huldigungsort für den „Vater des Wirtschaftswunders“? In: Fürther Nachrichten vom 17. März 2018 (Druckausgabe) bzw. Steinmeier kommt - aber wann öffnet das LEZ in Fürth? In: nordbayern.de vom 17. März 2018 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: LEZ-Neubau: Klare Mehrheit winkt ab. In: Fürther Nachrichten vom 17. März 2018 (Druckausgabe) bzw. LEZ-Neubau: Klare Mehrheit lehnt Architektur ab. In: nordbayern.de vom 17. März 2018 - online abrufbar
  • Wolfgang Händel: Vorsichtige Annäherung im Erhard-Haus. In: Fürther Nachrichten vom 23. April 2018 (Druckausgabe) bzw. Vor dem Start: Erster Blick in Erhards Geburtshaus. In: nordbayern.de vom 23. April 2018 - online abrufbar

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Das Ludwig-Erhard-Haus - Zentrum für Dokumentation, Begegnung und Forschung. Eigenverlag Fürth, 2015
  2. Wolfgang Händel: Hochmoderne Quader für das Ludwig-Erhard-Zentrum. In: Fürther Nachrichten vom 11. Oktober 2013 - online abrufbar
  3. Wolfgang Händel: Jung verteidigt Pläne für das Ludwig-Erhard-Zentrum. In: Fürther Nachrichten vom 4. März 2013 - online abrufbar
  4. Wolfgang Händel: Erhard-Stiftung bekommt offiziellen Segen.In: Fürther Nachrichten vom 11. Oktober 2013; Alexander Mayer: Rundbrief Nr. 81 vom 10. Oktober 2013
  5. Wolfgang Händel: Minister serviert satten Nachschlag für das LEZ. In: Fürther Nachrichten vom 5. Mai 2017

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