Albert Rosenfelder

Aus FürthWiki
Wechseln zu: Navigation, Suche

Dr. Albert Rosenfelder (geb. 19. Januar 1892 in Fürth; gest. 18. Oktober 1933 in Dachau) war KPD-Mitglied in Fürth und ein bekannter Rechtsanwalt. Rosenfelder lebte bis zu seiner Verhaftung am 17. März 1933 in Nürnberg, am Jakobsplatz 14.

Leben und Studium[Bearbeiten]

Rosenfelder entstammte einer jüdischen Familie. Nach dem Abitur am Heinrich-Schliemann-Gymnasium[1] studierte Rosenfelder an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen Rechtswissenschaften und beendete 1913 sein Studium mit der Promotion zum Doktor der Rechte (Dr. jur.). Das Thema seiner Dissertation war: "Die materiellen Einwendungen gegen das ausländische Urteil". Gemeinsam mit Max Süßheim (1875 - 1933), einem bay. SPD-Landtagsabgeordneten für Nürnberg, eröffnete Rosenfelder in Nürnberg eine Rechtsanwaltskanzlei.

Als Anwalt der „Roten Hilfe“ und scharfer Gegner der Nationalsozialisten hatte er sich in Nürnberg und Fürth einen Namen gemacht. 1925 war Verteidiger von 5 Fürther Kommunisten, unter ihnen Michael Blöth, die wegen einer „unerlaubten Demonstration“ angeklagt waren.[2] Am 29. Oktober 1929, als Nebenkläger im sogenannten „Nürnberger Ritualmord Prozess“ gegen Julius Streicher und Karl Heinz Holz, verschaffte er beiden mehrere Monate Haft.[3] Vermutlich war er auch an der Amtsenthebung Julius Streichers aus dem Schuldienst beteiligt. Streicher hatte sich wiederholt als Politiker für die NSDAP engagiert, und war im Zusammenhang mit dem Hitler-Putsch 1923 vom Unterricht unentschuldigt ferngeblieben. Es folgte die Suspendierung vom Schuldienst, gegen die sich Streicher zur Wehr setzte. Die juristische Auseinandersetzung dauerte bis zum 2. Juni 1928. Unter Zubilligung einer Pension wurde Streicher endgültig vom Schuldienst suspendiert.

1931 verteidigte er in Nürnberg die Leiterin der Kindergruppe der KPD, Wally Blöth, der zwei Jahre Gefängnis drohten. „Ein an Gestalt unscheinbarer, schmächtiger Mensch mit außerordentlicher Intelligenz und frappierender Schlagfertigkeit, um deren Willen ich kurze Zeit bei ihm verweilen möchte. Er war weit und breit, über die Grenzen des Frankenlandes hinaus, ob seines großen Wissens und der zündenden Durchschlagkraft seiner Strafverteidigungen bekannt, vor Gericht gefürchtet und von der breiten Volksmasse außerordentlich verehrt; er ließ keinen Angeklagten, wenn er verzweifelt zu ihm kam, ohne seine Hilfe, auch wenn er keinen Pfennig dafür zu erwarten hatte; ich unterhielt mich einmal diesbezüglich mit ihm darüber, worauf er mir sagte: 'Ich lasse keinen armen Menschen im Stich, nur deswegen, weil er kein Geld besitzt!' Diese edlen Charakterzüge besaß Dr. Rosenfelder, der ansonsten ein eigenartiger Kauz im Junggesellenstande war“, charakterisiert ihn ein Mithäftling [4]

Ab Mai 1931 lehrte er gemeinsam mit Hermann Duncker, Delvin Katz, Johann Meyer, Fritz Ausländer und Jakob Boulanger als Referent der Marxistischen Abendschule (MASCH) der KPD.[5] Nach einem Aktenvermerk der Frankfurter Gestapo vom April 1934 und dem Eintrag „Kommunistischer Funktionär“ auf der Transportliste nach Dachau vom 13.4.1933 war er auch deren Mitglied.[6]

Verfolgung und Verhaftung[Bearbeiten]

Die politische Polizei versuchte ihn in der ersten Verhaftungswelle am 10. März festzunehmen. Er entkam, aber Albert Spiegel wurde an seiner Stelle als Geisel verhaftet. Deshalb stellte sich Albert Rosenfelder am 17. März der Polizei, damit sein Onkel wieder freikam.[7] Bis zum 13. April 1933 wurde er in Nürnberg festgehalten, danach wurde er mit dem zweiten Nürnberger Gefangenentransport in das kurz zuvor eröffnete KZ Dachau überführt, wo er in der sog. „Judenbaracke“ untergebracht wurde.[8]

In Dachau wurde Rosenfelder schweren Misshandlungen und Demütigungen ausgesetzt. So wurde er, ähnlich einem Zugtier in ein Joch eingespannt, um eine schwere Walze in Bewegung zu halten oder unter lautem Gejohle von SS-Leuten eine Dornenkrone aufgesetzt, bis ihm das Blut über das Gesicht lief.[9] In einer anonym erschienenen Broschüre aus dem Jahr 1934 wurde außerdem erklärt, dass Rosenfelder die „denkbar fürchterlichste Behandlung“ erfahren habe, so dass er „nicht mehr aufrecht gehen“ habe können. [10]

Widerstand im Lager[Bearbeiten]

Im Sommer gelang es Albert Rosenfelder, Ernst Sichel, Johann Altmann, Delvin Katz, Willi Franz, Martin Stiebel, Kassiber mit Aufzeichnungen über die Misshandlung von Gefangenen aus dem Lager zu schmuggeln. Fotos von im Dachauer Bunker Ermordeten waren in Prager Zeitungen erschienen. Altmann und Franz, der eine Schreiber in der Lageraufnahme, der andere Leiter der Poststelle, hatten entsprechende Aufzeichnungen angefertigt. Informationen bekamen sie von dem Arzt Dr. Delvin Katz aus dem Revier und von dem Rechtsanwalt Dr. Albert Rosenfelder.[11] Ein Spitzel verriet am 17. Oktober, dass die Mütze Johann Altmanns aus dem Lager nach Nürnberg zurückgeschickt werden sollte. Sie wurde untersucht und die SS entdeckte in ihrem Schild acht Kassiber, die eine Chronik der Vorgänge in Dachau enthielten. Unmittelbar nach der Entdeckung wurde Willi Franz, KPD Funktionär aus München, von 3 SS-Männern in der Arrestzelle des Lagerbunkers erhängt.[12]

Folter und Ermordung[Bearbeiten]

Am 18. Oktober 1933 ließ die Lagerleitung 60 Juden zum Strafexerzieren antreten. Sie mussten durch Pfützen kriechen, bis sie eine vollständige Schmutzkruste hatten. Wer nicht ganz flach am Boden kroch, dem sprangen SS-Leute aufs Kreuz, traten in aufs Gesäß oder hieben mit Gewehren und Peitschen auf ihn ein. Dr. Rosenfelder wurde dann in den Lagerbunker gebracht. Dr. Katz wurde dort am gleichen Tag ermordet und sein Tod als Selbstmord verfälscht. Der Nürnberger Kommunist Ludwig Göhring – selbst 18 Monate im Lagerbunker - erinnert sich, Dr. Rosenfelder dort noch gesehen zu haben.[13]

Der Kommandant von Dachau, Theodor Eicke, ließ am 22. Oktober 1933 zweitausendfünfhundert Gefangene antreten und tobt: „Juden und Bolschewiken haben Greuelnachrichten ins Ausland geschmuggelt“, und nennt Altmann, Katz, Franz und Rosenfelder. „Zwei der verhafteten Verräter sind bereits ins Jenseits befördert. Der Jude Doktor Katz und sein Helfer Willi Franz. Wir haben noch genug deutsche Eichen um jeden daran aufzuhängen, der sich uns entgegenstellt. Es gibt keine Greuel, und es gibt keinen Tschekakeller in Dachau. Wer Prügel bekommt, erhält sie zu Recht.“ [14]

Albert Rosenfelders exaktes Todesdatum ist nicht feststellbar. Die Nationalsozialisten meldeten am 29. Juni 1933 den Tod Rosenfelders in Dachau.[15] Noch am 1. Mai 1933 hatte das Reichskriminalpolizeiblattes vom 12. April 1934 Rosenfelder zur Fahndung ausgeschrieben, da er angeblich aus der KZ-Haft entlassen worden sei und seit dem auf der Flucht ist: „Der jüdische Rechtsanwalt Dr. Albert Rosenfelder, 19.1.92 in Fürth, wurde am 27.3.34 aus der Schutzhaft entlassen und ist seither flüchtig. Die auferlegten Verpflichtungen hat er nicht erfüllt. Er war Mitglied der Roten Hilfe und Unterkurslehrer der marxistischen Arbeiterschule in Nürnberg. Es besteht der dringende Verdacht, dass er ins Ausland geflüchtet ist, um dort Greuelnachrichten zu verbreiten.[16]

In einer Dokumentation von Julius Zerfass über Dachau wird jedoch beschrieben, dass Rosenfelder zum Zeitpunkt des Fahndungsaufrufes bereits von der SS ermordet worden war und dass die Meldung über seine Entlassung und seine vermutete Flucht ins Ausland lediglich ein Täuschungsmanöver der SS gewesen seien, um den Tod Rosenfelders zu verschleiern.[17] Eine weitere Dokumentation über die Opfer in Dachau geht über das spurlose Verschwinden seit 1934 aus.[18]

Im Fürther Gedenkbuch ist vermerkt: "Einige Nationalsozialisten warfen seiner Mutter mit den Worten „da haben Sie Ihren Sohn“ den Behälter mit der Asche in die Wohnung." Im Geburts-Register ist nachgetragen: „Amtsgericht Nürnberg v. 10.1.63 für tot erklärt. Standesamt Berlin I West Nr. 10719“. Auch sein Bruder Fritz wurde ein Opfer der Shoah“.[19]

Siehe auch[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  • Ausstellung des Infoladen Benario im Kulturforum Schlachthof am 12. April 2013, Daten und Texte Siegfried Imholz
  1. Heinrich-Schliemann-Gymnasium 1996:145
  2. Stadtarchiv Fürth AGr 0/357
  3. Showalter, Dennis (1997). 6. Jews, Nationalsozialisten, and the Law: The Case of Julius Streicher". Simon Wiesenthal Annual 6. Wiesenthal.com
  4. Hugo Burkhard, „Tanz mal Jude. meine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau, Buchenwald, Getto Shanghai 1933-1948“, S. 47.
  5. Neuhäuser-Wespy, Ulrich, „Die KPD in Nordbayern 1919-1933", Nürnberg, 1981 S.212
  6. BayHstA Entschädigungsakte Rosenfelder BEG 60 614 Brief des IRK
  7. Jüdische Opfer aus Fürth 1933-1945, Dr. Albert Rosenfelder
  8. Eine andere Version der Verhaftung Albert Rosenfelders berichtet seine Schwester Amalie Spiegel beim deutschen Konsulat in Atlanta „Mein Bruder Dr. Albert Rosenfelder, geb. am 18.1.1892, ist am 17.3.1933 von der SA aus seiner Rechtsanwaltskanzlei abgeholt worden, war einige Wochen im Nürnberger Gefängnis und ist anschließend in das Konzentrationslager Dachau verbracht worden. Seit dem Jahre 1934 habe ich nie wieder was von meinem Bruder gehört…“(BayHstA BEG 60614)
  9. Hornung, Walter, „Dachau, eine Chronik“, Zürich 1936 S.111-112
  10. Konzentrationslager. Ein Appell an das Gewissen der Welt. Ein Buch der Greuel, die Opfer klagen an, S. 81
  11. Drobisch, Klaus, Wieland, Günther Wieland, „System der NS-Konzentrationslager: 1933-1939, Berlin 1993, S.161
  12. Seubert, Rolf „Mein lumpiges Vierteljahr Haft..." in Döring, Jörg; Joch, Markus, „Alfred Andersch 'revisited'“, Berlin, 2011S. 135
  13. Göhring, Ludwig, „Dachau, Flossenbürg, Neuengamme“, Skeuditz, 1999 S. 100 ff.
  14. Die Weltbühne, Bd. 30, Ausgaben 27-52, S. 1347 und Klaus Drobisch, Günther Wieland; System der NS Konzentrationslager 1933-39; Akademie Verlag Berlin, 1993, S. 161
  15. Horst Göppinger: Juristen jüdischer Abstammung im "Dritten Reich": Entrechtung und Verfolgung, 1991, S. 63
  16. Reichskriminalpolizeiblatt vom 12. April 1934
  17. Julius Zerfass: Dachau. Eine Chronik, 1936, S. 213
  18. Wolfgang Benz, Terror ohne System, S. 24
  19. Gisela Naomi Blume," Zum Gedenken an die von den Nationalsozialisten ermordeten Fürther Juden", Fürth, 1997 S. 360