Tankstelle Miederer

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Tankstelle Miederer (9).jpg
umgebaute Tankstelle der Familie Miederer, Waldstr. 31 (damals 33). Im Hintergrund Waldstr. 35 und Einmündung Landmannstraße sowie Häuserrückseiten der Balbiererstraße. Aufnahme 1954
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Die Tankstelle Miederer war eine Tankstelle in der Südstadt. Sie befand sich in der Waldstraße / Ecke Landmannstraße und wurde von der Familie Miederer bereits Mitte der 1920er Jahre betrieben. Die heutige Adresse lautet Waldstraße 31 (früher Waldstraße 33). Der Betrieb galt nach Angaben der Eigentümer als zweitälteste Tankstelle Fürths.


Geschichte

Die erste Tankstelle der Familie Miederer bestand lediglich aus einer Zapfsäule auf dem Bürgersteig vor dem Haus Waldstraße 35. Erst gegen Ende der 1930er Jahre baute die Familie das erste feste Gebäude auf der heutigen Fläche der Waldstraße 31. Neben dem Verkauf von Benzin bot die Familie Miederer auch Autoreparaturen und einen Automietservice an. Hierzu schaffte man sich eigens einen Mercedes-Benz, Typ Nürburg an, der u. a. an die Eigentümer der Firma J. W. Spear & Söhne vermietet wurde. Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Tankstelle zunächst durch die US-Streitkräfte beschlagnahmt und für die eigenen Militärfahrzeuge genutzt, ehe die Tankstelle wieder in den Besitz der Familie Miederer zurück kam. 1954 wurde die Tankstelle erneut umgebaut, erweitert und zwischenzeitlich 20 Jahre verpachtet. Ab 1980 übernahm die Eigentümerfamilie das Tankgeschäft wieder selbst und führte dieses bis 1985 fort als der Betrieb unrentabel wurde.

Heute befindet sich in den Gebäuden der ehemaligen Tankstelle ein Gebrauchtwagenhandel. Außerdem ist in einem Container auf dem Gelände der Pizza-Imbiss und Lieferdienst "Pizza Leo" untergebracht.

Zeitzeugenberichte

Tankstelle Miederer samt Fuhrpark, 1939

Mein Großvater hat die Tankstelle gegründet, das war damals in den 1920er Jahren die zweite Tankstelle in Fürth überhaupt, nur die in der Nürnberger Straße Ecke Zähstraße war schon da. Wir hatten zwei Wagen, einen Chrysler, das war unser privater, und dann hatten wir noch den großen Nürburg zum vermieten. Den hat mein Großvater einem Adligen in der Fränkischen Schweiz abgekauft der in Geldnöten war. Wenn der Nürburg vermietet wurde, hat mein Großvater ihn selbst gesteuert, standesgemäß im Livree. Damit sind dann z. B. die Besitzer von Spear-Spiele mehrere Wochen in den Urlaub gefahren. Damals gab es ja noch kaum Autos, auch die reichen Juden hatten kaum welche und liehen sich diese nur für besondere Anlässe. Zusätzlich zu der Tankstelle gab es im Hinterhof von Waldstraße 35 die Autowerkstatt, und meine Großmutter hat im Erdgeschoß des Hauses einen Wäscheladen betrieben. Von der Werkstatt hatten wir nicht viel, da diese vom Reichsarbeitsdienst beschlagnahmt wurde. Und der Nürburg sollte von der Wehrmacht eingezogen werden, da hat mein Opa den Vergaser und Anlasser ausgebaut und versteckt, so konnten wir den Wagen behalten. Den Chrysler wollten sie gar nicht.

Nach dem Krieg war der RAD dann weg und dafür stand die UNRRA vor der Tür und hat sich in der Werkstatt breit gemacht. Das war so eine Organisation die sich um Verschleppte gekümmert hat, die waren vorher in der Frauenschule untergebracht und mussten sich ein neues Quartier suchen. Die haben ziemlich abgehaust und schließlich auch den Chrysler mitgenommen. Den Nürburg haben die Amerikaner beschlagnahmt, die haben sich nicht so leicht hinters Licht führen lassen. Mein Opa musste unter vorgehaltener Waffe das Auto reparieren und fahrfertig machen. Wir haben beide Wagen nie wieder gesehen. Einige Jahre später kam ein Brief, dass der Nürburg auf einem Sammelplatz irgendwo im Westen abgeholt werden könnte. Mein Opa ist gleich da hin gefahren, aber das Auto war nicht da. Wiederum ein paar Jahre später erhielten wir eine lächerlich kleine Entschädigung dafür. Die Werkstatt haben wir dann an einen Gesellen von der Tankstelle verpachtet. Die Tankstelle selber wurde 1954 komplett erneuert, auch die haben wir dann für ca. zwanzig Jahre verpachtet. Als der Pächter Probleme machte haben wir das Geschäft wieder selber übernommen. Allerdings hat es sich irgendwann nicht mehr gelohnt und es wurde eine große Modernisierung von Esso verlangt. Da haben wir zugesperrt.[1]

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Zeitzeugenbericht, Archiv FürthWiki e. V., Aktennr. '27'

Bilder