Josef Steinhardt

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Josef Steinhardt (Josef Moses ben Menahem Mendel Steinhardt; * 1700 in Steinhart/ Donau-Ries, gest. 6. August 1776 in Fürth) war ab 1764 Oberrabbiner in Fürth und eine bedeutende Autorität in religiösen Fragen.

Leben

Ein halbes Jahr nach dem Tod von David Strauss wollte die Fürther Jüdische Gemeinde trotz der großen Lasten aus dem siebenjährigen Krieg mit Kontributionskosten in Höhe von 20 000 fl. die vakante Rabbinatsstelle 1762 neu besetzen. Die Wahl fiel zuerst auf Jecheskel (Ezechiel) Landau, Oberrabbiner in Prag. Nach längerer Bedenkzeit sagte er im Herbst 1763 ab. Als nächstes kam der Glogauer Rabbiner Salomo Dob Berusch zum Zuge. Als auch dieser ablehnte wurde Josef Steinhardt gewählt, der die Wahl annahm. Im Fürther Volkswitz hieß es daher: "Die Wahl dauerte so lange und wurde dann steinhart."[1]

Josef Steinhardt besuchte die Jeschiwa in Frankfurt a.M. und lebte danach

  • 1746/47 als Privatmann in Schwabach, wo er eine Talmudschule unterhielt.[2]
  • Danach hielt er sich einige Zeit in Metz auf und erhielt einen Ruf zur Übernahme des Rabbinats der ritterschaftlichen Juden im Elsass mit Sitz in Rixheim wo er bis 1753 amtierte.
  • Danach wurde er Rabbiner für das ganze Fürstentum Straßburg mit Sitz in Niederehnheim.
  • 1764 erhielt er dann den Ruf nach Fürth.[3]

Josef Steinhardt ergriff als erster deutscher Rabbiner Partei für Rabbiner Jonathan Eibeschütz (1690-1764) gegen den Vorwurf, Anhänger des Sabbatai Zwi zu sein.[4] Seine Talmudkenntnisse und scharfsinnige Auffassung der Halacha begründeten seine Autorität, sodass er um zahlreiche Gutachten aus aller Welt gebeten wurde.[5]

Er war zuerst mit Chaja bat Akiva Kohn Spiro verheiratet. Nach deren Tod 1753, heiratete er am 29.12. 1755 Kröndel Berlin. Und nach deren Tod 1775, heiratete er dann nach 1775 Rösel Berlin [6]. Josef Steinhardt hatte sieben Kinder - vier Söhne und drei Töchter.

Er wurde auf dem Alten Jüdischen Friedhof beigesetzt. Sein Grab wurde aber zwischen 1938 - 1945 zerstört.

Unter Anleitung/Aufsicht von Rabbiner Josef Steinhardt wurde das Minhagimbuch 1867 verfasst und gedruckt. In diesem Buch wurde der Ablauf gottesdienstlicher Handlungen, die spezifisch für Fürth waren, verbindlich festgehalten [7].
Einen Namen machte sich Steinhardt, weil er gegen nichtjüdische Sitten und unjüdische Unsitten vorging und beispielsweise gegen Kartenspiel und gemischte Tanzveranstaltungen polemisierte[8]. Die Statuten einer Kleiderordnung der jüdischen Gemeinde in Fürth von 1770 dürfte auch auf ihn zurückgehen.

Bekannte Schüler

Werke

זכרון יוסף (Sichron Josef; in Erinnerung an Josef)

Literatur

  • Yomtov Ludwig Bato: Berühmte Fürther Rabbiner im 17. und 18. Jahrhundert. In: Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths, 1964
  • Steinhardt, Josef, Rabbiner. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth: Selbstverlag der Stadt Fürth, 1968, S. 348

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Leopold Löwenstein: "Zur Geschichte der Juden in Fürth", Nachdruck der Ausgaben Frankfurt 1909-1913, Georg Olms Verlag Hildesheim - New York, 1974; Seite 190
  2. ebenda
  3. Leopold Löwenstein: "Zur Geschichte der Juden in Fürth", Seite 191 f
  4. siehe auch Position von David Strauss im sog. Amulettenstreit
  5. Leopold Löwenstein: "Zur Geschichte der Juden in Fürth", S. 192
  6. Alle biographischen Angaben nach Gisela Naomi Blume: Der alte jüdische Friedhof in Fürth (Buch) - 1607 - 2007, 2007; Seite 137
  7. Barbara Ohms "Geschichte der Juden in Fürth (Buch) (Ohm)", Seite 57
  8. Carsten Wilke: "Landjuden und andere Gelehrte", in Michael Brenner, Daniela F. Eisenstein: "Die Juden in Franken", 2012, Seite 84

Bilder