Jean Mandel

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Jean Mandel (geb. 20. September 1911 in Fürth, gest. 25. Dezember 1974 auf Schloss Höhenried (Klinik) in Bernried) war erster Gemeindevorsitzender der Jüdischen Gemeinde Fürth nach dem Zweiten Weltkrieg. Mandel war verheiratet mit Adele, geb. Breisach. Aus der Ehe stammen drei Kinder.


Leben und Wirken[Bearbeiten]

Der 1911 in Fürth geborene Jean Mandel besuchte in Fürth zunächst die Isrealitische Realschule. Anschließend wechselte er zur Sabel’schen Handelsschule nach Nürnberg und begann eine kaufmännische Ausbildung zum Hopfengroßhändler bei den Gebrüder Schwarz, ebenfalls in Nürnberg. Nach Abschluss der Ausbildung arbeitete Mandel im elterlichen Betrieb, der "Ersten Fürther Lumpensortieranstalt". Mit seinem Bruder Leo Mandel übernahm er die Geschäftsführung 1936.

Am 28. Oktober 1938 wurde die Familie Mandel nach Polen deportiert, dort lies sie sich zunächst im ehem. Lemberg - dem heutigen Lwiw (Polen) - nieder. Der Deportationstermin legt den Verdacht nahe, dass die Familie Mandel im Rahmen der sog. Polenaktion als polnische Staatsbürger jüdischen Glaubens aus dem Deutschen Reich ausgewiesen wurde, nachdem das polnische Parlament im März 1938 die Ausbürgerung aller polnischen Staatsbürger beschlossen hatte, die länger als fünf Jahre ununterbrochen im Ausland lebten. Mit diesem Beschluss wollte sich Polen gegen den Zuzug (Flucht) der jüdischen Bürger aus dem Deutschen Reich "wehren", während das Deutsche Reich in diesem Beschluss seine Chance gekommen sah, sich auf einen Schlag knapp 20.000 Juden durch Deportation nach Polen "zu entledigen".

Flucht & Vertreibung[Bearbeiten]

Mandel wurde bereits vom 28. Oktober bis 5. November 1938 im Polizeigefängnis in Fürth inhaftiert. Kaum entlassen, wurde in der sog. Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 das Geschäft der Familie Mandel in Fürth zerstört bzw. stark beschädigt. Es folgt noch im gleichen Monat die Liquidation des Unternehmend, dass er mit seinem Bruder 1936 vom Vater übernommen hatte. Gleichzeitig wurde er als Jude nach Polen ausgewiesen, bis durch den Überfall auf Polen am 1. September 1939 auch hier kein Schutz mehr für Ihn bestand. Mandel gelang zunächst die Rückreise nach Fürth im März 1939, allerdings nur für knapp zwei Monate. Danach tauchte Mandel im inzwischen besetzten Polen zwischen 1941 und 1944 an verschiedenen Orten um Lwiw (dem damaligen Lemberg) unter. Aus den Akten ist zu entnehmen, dass er von September 1941 bis Januar 1943 in den Ghettos in Lemberg und Janow inhaftiert war. Danach tauchte Mandel erneut unter und versteckte sich bis Juni 1944 in einem Keller in Lemberg, ehe Ende Juli 1944 die Stadt die Rote Armee befreit wurde.[1] Mandel kam allerdings zunächst in ein Internierungslager, da er von der sowjetischen Geheimpolizei für einen westlichen Spion gehalten wurde. In der Folge muss sich Mandel dem Partisanenkampf in der Sowjet-Union gegen die Wehrmacht angeschlossen haben, ehe er wieder nach dem Krieg nach Fürth kam.[2]

Rückkehr nach Fürth[Bearbeiten]

Nach einem kurzen Aufenthalt im DP-Lager in Zettwitz kehrte Mandel im Sommer 1945 als einer der ersten ehemaligen Fürther Juden wieder nach Fürth zurück, sein Bruder schaffte es allerdings nicht mehr, er verstarb während des 2. Weltkrieges. Jean Mandel war neben dem Rabbiner David Spiro eine der treibenden und führenden Kräfte bei der Wiedergründung der Jüdischen Gemeinde Fürth. Er wurde ihr erster "Erster Vorsitzender" (von 1947 bis 1974, mit Unterbrechung von 1950 bis 1954). In der Hirschenstraße 65 baute Mandel, gemeinsam mit seiner Frau, sein neues Textilgeschäft "Adema - Jean Mandel Fürth" zu einem mittelständischen Unternehmen mit ca. 50 Mitarbeitern auf. Die drei Kinder wurden von der Familie jeweils ins Ausland auf ein Internat verschickt. Die jüngste Schwester und der Bruder Louis Mandel kamen 1957 auf ein Internat in England, während die ältere Schwester in der Schweiz zur Schule ging. Heute lebt die Familie weitestgehend im Ausland, Louis Mandel lebt z.B. in Kanada, hat aber noch Kontakte nach Fürth.

Mandel war von 1947 bis zu seinen Tod Mitglied der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit und genoss eine hohe gesellschaftliche Anerkennung, ähnlich wie Arno Hamburger in Nürnberg. Er bekleidete eine Vielzahl von Ämtern. So war er von 1964 Senator im Bayerischen Senat, der damaligen zweiten Kammer des Freistaates Bayern. Bereits zuvor war er 1947 Gründungsmitglied und jüdischer Vorstand der Gesellschaft für christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Nürnberg, sowie 1946 Mitbegründer des Landesverbandes der Israelitischen Kultusgemeinde in Bayern, dessen Vizepräsident bis 1974 war. Während dieser Zeit war Mandel ebenfalls von 1950 bis 1974 Vorsitzender des Landesausschusses der Israelitischen Kultusgemeinden in Bayern. Jean Mandel arbeite außerdem im Zentralrat der Juden in Deutschland mit und war 1971 Mitglied des Direktoriums.

Als Jean Mandel 1974 starb, endete die wichtige Phase des Wiederaufbaus der Jüdischen Gemeinde Fürth. Mit seinem Tod endete auch die Firmengeschichte der Adema.

Sein Grab befindet sich auf dem neuen Jüdischen Friedhof Fürth [3].

Bayerischer Senat[Bearbeiten]

Mandel war vom 1. Januar 1964 bis zum 25. Dezember 1974 für die Gruppe der Religionsgemeinschaften Mitglied des Bayerischen Senats. Dabei war er in folgenden Ausschüssen und Funktionen tätig:

  • Ausschuss für Sozial-, Gesundheits- und Familienpolitik (Senat) (1964) Mitglied 1964/1974
  • Wirtschaftsausschuss (Senat) (15. Juli 1966) Mitglied 1966/1974
  • Hauptausschuss (Senat) (1968) Mitglied 1968/1969
  • Hauptausschuss (Senat) (1974) Mitglied 1974/1974

Auszeichnungen und Ehrungen[Bearbeiten]

1956 erhielt Jean Mandel das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse, sowie 1973 den Bay. Verdienstorden. Im Mai 2018 wurde bekannt, dass der neu umgestaltete Platz zwischen dem Erweiterungsbau des Jüdischen Museums und der Königstraße 95 in "Jean-Mandel-Platz" benannt wird. Ebenfalls im Jahr 2018 wurden zwei Gedenktafeln auf Initative der Museumsleiterin Dr. Eisenstein an den Wohn- bzw. Geburtshäusern Leo und Jean Mandel angebracht, jeweils eine am Marktplatz 10 am Grünen Markt sowie an der Königswarterstraße 64. Hierzu kamen eigens die in Kanada, USA bzw. in der Schweiz lebenden Kinder nach Fürth.[4]

Veröffentlichungen[Bearbeiten]

  • Bericht über das Fürther Kehillaleben im Jahr 5722. In: Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths, 1962
  • Bericht über das Fürther Kehillaleben im Jahr 5723. In: Nachrichten für den jüdischen Bürger Fürths, 1963

Literatur[Bearbeiten]

  • Juden. In: Adolf Schwammberger: Fürth von A bis Z. Ein Geschichtslexikon. Fürth: Selbstverlag der Stadt Fürth, 1968, S. 187
  • Sascha Freese und Kim Graf, Staatl. BOS Nürnberg, Klasse VKTB: Fürth - das „fränkische Jerusalem“. Dokumentation der Arbeit, 11. Mai 2007, 17 Seiten - PDF-Datei History-Award 2007
  • Helga Schmöger: Der Bayerische Senat - Biographisch-statistisches Handbuch 1947 - 1997. Droste Verlag Düsseldorf, 1998, S. 216

Lokalberichterstattung[Bearbeiten]

  • Gwendolyn Kuhn: Zwei Platten erinnern an Jean Mandel. In: Fürther Nachrichten vom 16. Mai 2018 (Druckausgabe) bzw. nordbayern.de - online abrufbar
  • Johannes Alles: Ausruhen auf dem Jean-Mandel-Platz. In: Fürther Nachrichten vom 20. Oktober 2018 (Druckausgabe) bzw. nordbayern.de - online abrufbar

Siehe auch[Bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Landesamt für Finanzen Bayern, Landesentschädigungsamt - BLFA - LEA, Akten Jean Mandel, BEG 12507 und EG 38462
  2. Siegfried Imholz: Gebt ihnen einen Namen - Widerstand und politische Verfolgung in Fürth 1933 - 1945. Städtebilder Fotoverlag, Fürth 2017, S. 145
  3. Gisela Naomi Blume: Der neue jüdische Friedhof in Fürth, 2019, Seite 34
  4. Gwendolyn Kuhn: Zwei Platten erinnern an Jean Mandel. In: Fürther Nachrichten vom 16. Mai 2018

Bilder[Bearbeiten]